[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ (Zeit der Schwestern 1)

Vor kurzem habe ich auch „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Vorab-Leseexemplars als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury.

Es ist Frühling am Bodensee, und ein großes Fest unter blühenden Apfelbäumen steht bevor: Anlässlich des 70. Geburtstags ihrer Mutter Lotte haben sich auch ihre Töchter Carolin, Romy und Veronika unter den Gästen eingefunden. Für die Naturfotografin Carolin, die nach dem Biologiestudium nach Neuseeland ausgewandert ist, liegt der letzte Besuch Jahre zurück. Nun freut sie sich auf ihre Schwestern und sieht erwartungsvoll zwei Wochen Heimatfeeling entgegen. Doch dann wirbelt eine überraschende Entdeckung das Familienleben durcheinander. Und als eine unerwartete Begegnung ihr bisheriges Leben infrage stellt, trifft Carolin eine folgenreiche Entscheidung …

„Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist der erste Band der Trilogie um die drei Schwestern Caro, Romy und Veri – in jedem Band steht eine der drei im Mittelpunkt. Dabei lässt sich das Buch bzw. die Trilogie als solche gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, zeigt es doch Aspekte eines Liebesromans oder auch der Gegenwartsliteratur. Aufgrund der handlungstreibenden familiären Bezüge habe ich das Buch jedoch als Familiensaga eingeordnet, auch wenn hier etwas der starke generationenübergreifende Aspekt fehlt.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, teils jedoch auch vorhersehbar – und lässt viele, viele Konflikte für die Folgebände offen (richtigerweise, da sie sich nicht um Caro drehen, sondern um ihre Schwestern). Insgesamt wird hier ein Potpourri an familiären Themen gemischt, nahezu jegliche denkbare Krise wird hier aufgefahren – auf die ein oder andere Problematik hätte man dabei durchaus auch verzichten können.

Das Setting ist auf ganzer Linie gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an den Bodensee und auf die Insel Mainau – eine Besichtigung des Schmetterlingshauses inklusive, die Begeisterung für die Region springt einen hier förmlich an. Dabei mischt Tanja Huthmacher gut zwischen Tradition und Moderne und bindet über die Hobbys und Berufe der Protagonist:innen niederschwellig Themen wie Fotografie, Önologie und Kulinarik mit ein.

Die einzelnen Figuren sind – größtenteils – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Georg und Rosalie, während gerade Veri noch etwas blass verbleibt, dies aber ja spätestens in ihrem eigenen Band noch ändern kann. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Aussagen zur Buchgestaltung sind nur eingeschränkt möglich, da mir ein Vorab-Leseexemplar vorliegt, das natürlich noch einige Fehler enthält und auch in der Ausstattung nicht mit der (deutlich hochwertigeren) Endversion übereinstimmt. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass das Cover durchaus nett anzusehen ist und sich harmonisch auf dem Buchrücken fortsetzt, insgesamt aber etwas zu lieblich und unauffällig wirkt, um als Eyecatcher zu dienen. Abgerundet wird das Buch übrigens durch eine kleine aber feine Sammlung an Rezepten, die in der Handlung eine Rolle spielen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist ein gelungener Start in die Familiensaga, der vor allem durch sein Setting und tolle Themen punktet, aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Anne Prettin: „Der Ruf des Eisvogels“

Vor kurzem habe ich „Der Ruf des Eisvogels“ von Anne Prettin gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

21 Gramm, so viel wiegt eine Seele, weiß Olga. Ungefähr so viel wie der Eisvogel, in dem die Seele ihrer Mutter fortlebt, ewig und drei Tage. Das zumindest behauptet ihr Großvater, obwohl er Arzt ist und doch eigentlich an Wissenschaft glaubt. Er ist es auch, der Olga die Wunder der Natur erklärt und in ihr die Liebe zur Medizin weckt. Denn der kühle, distanzierte Vater hat kein Verständnis dafür, dass Olga die Welt mit eigenen Augen sieht. Dann bricht der zweite Weltkrieg in die Idylle der Uckermark ein. Die Achtzehnjährige muss fliehen, und nichts ist mehr, wie es war. Erst fünfzig Jahre später kehrt sie mit Tochter und Enkelin zurück.

„Der Ruf des Eisvogels“ ist nach „Die vier Gezeiten“ mein zweites Buch von Anne Prettin. Dabei lässt sich das Buch sowohl als Familiensaga einordnen – allerdings ungewohntermaßen als Standalone – oder natürlich auch als historischer Roman oder als Entwicklungsroman, um nur einige der relativ vielen Möglichkeiten zu nennen. In jedem Fall ist „Der Ruf des Eisvogels“ jedoch ein Buch über Mut und Freundschaft, über Liebe, schwere Entscheidungen und Verlust – ein Buch über das Leben also.

Die Handlung ist kurzweilig und abwechslungsreich und mit unerwarteten Wendungen versehen. Durch die verschiedenen Zeitebenen, Zeitsprünge und das in der vergangenen Zeitebene teils sogar unchronologische Erzählen ist es jedoch nicht immer ganz einfach, hier den Überblick über alles zu behalten – und es dauert einige Zeit, bis man so richtig im Lesefluss ist. Zudem ist die Handlung gespickt mit schweren Themen, die aber alle durchweg gut aufgearbeitet worden sind, aber im Zweifel für die ungewohnt späte Leseempfehlung des Verlags sorgen, die ich uneingeschränkt teile.

Das Setting ist gelungen und ein Panorama der näheren deutschen Geschichte. So entführt Anne Prettin den Leser nicht nur ins Deutschland nach der Machtergreifung der NSDAP und während des Zweiten Weltkrieges, sondern auch ins Nachkriegsdeutschland, ins geteilte Deutschland und in die frisch wiedervereinigte Bundesrepublik – und schildert anschaulich die Probleme und Unterschiede der einzelnen Epochen für verschiedene Generationen und Bevölkerungsgruppen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, auch wenn aufgrund der Vielzahl der handelnden Personen über mehrere Zeitstränge hinweg nicht alle gleichermaßen dreidimensional gestaltet wurden. Hier überzeugen insbesondere Sara, Karl und Annemie als wichtige Nebencharaktere. Anne Prettins Schreibstil ist zudem gefühlvoll, ist leicht und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Zur Buchgestaltung kann vorliegend wenig gesagt werden, da das vorliegende Vorab-Leseexemplar nicht der finalen Ausgestaltung des Buches entspricht. So sind bisweilen noch – allerdings ohnehin in tolerierbarem Umfang – Fehler vorhanden, die ein (ggf. weiteres) Endkorrektorat aber ausmünzen würde. Zudem ist das Covermotiv mit der finalen Ausgabe identisch und farblich ein Traum.

Mein Fazit? „Der Ruf des Eisvogels“ von Anne Prettin ist ein gefühlvoller Roman mit abwechslungsreicher Handlung und tollem Setting, allerdings braucht man etwas, sich zurechtzufinden. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem (wie oben schon angeteasert) vom Verlag angegebenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Christina Rey: „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ (Das endlose Land 1)

Vor kurzem habe ich „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ von Christina Rey gelesen, den ersten Band ihrer neuen Reihe „Das endlose Land“. Das Buch ist 2022 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines unverkäuflichen Leseexemplars zur Rezension über die Bloggerjury.

1910. Auf einer Safari in Kenia verliebt sich die junge Ivory in dieses Land und seine Tier- und Pflanzenwelt – und in den Großwildjäger Adrian Edgecumbe. Sie hofft, dass er sein blutiges Geschäft für sie aufgeben wird, doch Adrian ist Abenteurer durch und durch. Ivy ahnt bald nach der Hochzeit, dass sie nur eine Trophäe für ihn ist. Als Adrian im Krieg als vermisst gemeldet wird, nimmt Ivy die Geschicke der Farm in ihre eigene Hand. Statt der Großwildsafaris bietet sie Fotoaufnahmen und Beobachtungen von Tieren an. Bei der Verwaltung des Landes geht sie mutige Wege, die vielfach auf Ablehnung stoßen. Entschlossen kämpft sie für ihre Ziele und verliert dabei auch ihr Herz. Aber kann und darf sie aus einer engen Verbundenheit Liebe werden lassen?

„Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ ist der Beginn der Familiensaga um Ivory Parkland Rowe, die es aus Großbritannien nach Afrika verschlägt. Das Buch lässt sich dabei durchaus als Standalone lesen, da die wesentlichen Handlungsstränge des Romans aufgelöst werden und die Geschichte nicht in einem allzu brutalen Cliffhanger endet. Dennoch verbleibt auch genug Potential, um die Erlebnisse von Ivory weiter zu erzählen.

Die Handlung generell ist kurzweilig, wenn auch teils vorhersehbar. Christina Rey mischt dabei Themen wie Großwildjagd, Kolonianismus und Rassismus – natürlich vor dem historischen Hintergrund – ohne allzu belehrend zu werden zu einem durchaus gesellschaftskritischen Potpourri, das teils auch heute noch Aktualität besitzt. Kurzzeitige Längen, gerade zu Beginn des Buches, lassen sich hierbei gut verschmerzen.

Denn das Buch lebt von seinem brillanten Setting. Die Autorin zeigt die Gegensätze zwischen der britischen Upper Class und dem kolonialisierten Afrika und vermag dabei die Irrwitzigkeit des Versuchs, den gewohnten Lebensstil auf dem fremden Kontinent zu implementieren, gut für den Leser zu transportieren. Der Schreibstil von Christina Rey lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen, ist authentisch und zeugt von ordentlicher Recherche.

Die einzelnen Figuren sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Schwester Margaret sowie Susan und Peter Derringer, während Adrian etwas blass bleibt. Auch bei Ivory besteht noch Entwicklungspotential, das hoffentlich im nächsten Band dann besser ausgereizt wird.

DIe Buchgestaltung ist – soweit im Leseexemplar beurteilbar – gelungen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, aber auch unscheinbar und konservativ. Der Buchumschlag hingegen ist sehr edel, mindestens mal auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich, lässt aber etwas den Bezug zur Handlung vermissen und wirkt etwas künstlich.

Mein Fazit? „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ ist ein gelungener Start in die Familiensaga, der vor allem durch sein Setting brilliert, aber auch kleinere Längen und noch Entwicklungspotential bei den Protagonisten besitzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – mindestens mal ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16, vielleicht auch ein oder zwei Jahre früher.

[Buchgedanken] Alex Beer: „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ (Felix Blom 1)

Vor kurzem habe ich „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ gelesen, den ersten Band der neuen Reihe von Alex Beer. Der Roman ist 2022 bei Limes in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Kirminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines unkorrigierten Vorableseexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Berlin, 1878: Der Gauner Felix Blom wird nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Doch in Freiheit ist nichts mehr so, wie es mal war: Sein Hab und Gut gepfändet, seine Verlobte ist mit jemand Neuem liiert. Alle Versuche, an Geld oder Arbeit zu kommen, scheitern. Aber dann hat Blom eine geniale Idee: Warum sich nicht mit der neuen Nachbarin zusammentun? Die ehemalige Prostituierte Mathilde führt eine Privatdetektei, allerdings sind die Aufträge rar, da man ihr als Frau diese Arbeit nicht zutraut. Ihr erster Fall führt die beiden gleich auf die Spur eines mysteriösen Mörders, der seinen Opfern Briefe mit der Botschaft zukommen lässt: „In wenigen Tagen wirst Du eine Leiche sein.“ Als auch Blom eine solche Karte unter seiner Tür durchgeschoben bekommt, wird die Sache persönlich …

„Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ ist ein historischer Kriminalroman, der im Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Reichsgründung spielt und damit beweist, dass preußische Kriminalromane in letzter Zeit immer stärker auf den Buchmarkt drängen. So habe ich ja auch Ralph Knobelsdorfs Bücher über Wilhelm van der Heyden gelesen, die mich ebenfalls ins Polizeigebäude am Molkenmarkt geführt haben – eine tolle Entwicklung, denn die Epoche ist wirklich hochspannend.

Apropos spannend – auch die Handlung des Buches ist hochspannend, abwechsungsreich und kurzweilig und vermag mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung zu überraschen. Dabei ist es interessant, als Ermittler nicht einen Polizisten, sondern einen – mehr oder minder geläuterten – früheren Verbrecher zu begleiten, der zusammen mit einer ehemaligen Prostituierten eine Detektei betreibt – eine skurille, aber auch erfrischende Kombination, die noch viele Entwicklungsmöglichkeiten für die Folgebände lässt, da die beiden zusammen noch nicht annähernd ihr Potential ausgeschöpft haben. Hierbei lässt sich der Roman durchaus – überraschend – auch als Standalone lesen, da die wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst werden – nicht selbstverständlich für den Beginn einer Reihe.

Generell überzeugt das Setting auf ganzer Linie. Alex Beer entführt den Leser in ein Berlin auf dem Weg zur Weltstadt, in ein Preußen kurz nach der Gründung des Kaiserreichs. Industrialisierung, politische Unruhen und Umwälzungen, Standesdünkel und ein perfider Racheplan werden hier von der Autorin zu einem tollen Gemisch verwoben, das im Kopf des Lesers – nicht zuletzt auch dank dem flüssig und leicht zu lesenden Schreibstil der Autorin – sofort Bilder heraufbeschwört und die Geschichte vor dem inneren Auge ablaufen lässt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn Alex Beer einen relativ großen Verschleiß an Figuren in diesem Band hat, da diverse Nebenfiguren versterben. Vor allem überzeugen hierbei Mathilde und Bruno, während ich auch sehr lang ein Fan von Cronenberg war – ein Gefühl, das zuletzt doch merklich abgeflaut ist.

Die Buchgestaltung ist – soweit man das beurteilen kann – solide. Da es sich um ein unkorrigiertes Leseexemplar handelt, sind natürlich noch Fehler enthalten – wenn auch einer der Schnitzer ungewöhnlich groß ist. Gleiches gilt für die Umschlaggestaltung, da dies ebenfalls ja nicht dem regulären Exemplar entspricht. Lediglich zum Covermotiv können daher Aussagen getroffen werden, das immerhin einen Bezug zu Berlin auweist, in Gänze aber etwas unscheinbar daherkommt.

Mein Fazit? „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ ist ein vielversprechender Beginn in eine neue historische Krimireihe, der vor allem durch eine abwechslungsreiche und überraschende Handlung punktet und sogar als Standalone lesbar ist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.