[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Sonea – Die Königin“ (Sonea 3)

In den letzten Tagen habe ich „Sonea – Die Königin“ gelesen, den abschließenden Band der „Sonea“-Trilogie von Trudi Canavan. Das Buch wurde in der mir vorliegenden Ausgabe 2015 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München, veröffentlicht, die Originalfassung unter dem Titel „The Traitor Spy 3: The Traitor Queen“ erschien 2012 bei Orbit, einem Imprint von Little, Brown Book Group, einem Unternehmen von Hachette Livre UK, London. Das Buch ist dem Genre High Fantasy zuzuordnen und schließt die Kyralia-Saga ab. Die Besprechungen zu den Vorgängerbänden können hier abgerufen werden („Die Hüterin“, „Die Heilerin“).

~~~ Achtung: Die nachfolgende Besprechung kann milde Spoiler zu den Vorgängerbänden enthalten! ~~~

513Pr6QqZaLSonea, die Schwarze Magierin von Kyralia, ist überglücklich, als ihr Sohn Lorkin von den Sachakanischen Rebellen freigelassen wird. Endlich wird er nach Hause zurückkehren. Aber zuvor verlangt der König von Sachaka, dass der junge Mann alle Informationen preisgibt, die er über die Verräterinnen hat. Doch Lorkin hat sich in eine der Rebellinnen verliebt und ist nicht bereit, sie auszuliefern. Der Sachakanische König droht, Lorkin sein Wissen mit Gewalt zu entreißen. Da bricht Sonea das oberste Gesetz für Schwarze Magier und verlässt Kyralia. Sie wird ihren Sohn nicht im Stich lassen – und hofft, dass ihr Eingreifen keinen Krieg auslöst …

„Sonea – Die Königin“ ist der krönende Abschluss der Saga um Kyralia, die mit dem Prequel „Magie“ begann, mit der Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier“ fortgesetzt wurde und nun durch die „Sonea“-Trilogie beendet wurde. Dabei erschuf Trudi Canavan über sieben Bücher ein Universum, das seinesgleichen sucht, und aus dem ich mir noch mehr Inhalt wünschen würde, das noch so viele Geschichten zu erzählen hat. Dabei bleibt der Weltenbau um die Verbündeten Länder und Sachaka weiterhin unnachahmlich, überzeugt durch ein perfekt ausgearbeitetes Magiekonzept, Politik, Geografie und eine runde Geschichtsschreibung.

Die Handlung aus „Die Königin“ knüpft direkt an „Die Heilerin“ an und setzt die Geschichte nahtlos fort. Man begleitet liebgewordene Charaktere aus den ersten Büchern, lernt diese näher kennen. Insbesondere gefreut habe ich mich darüber, dass Lilia und Anyi erneut eine wichtige Rolle einnahmen. Aber auch Lorkin, Regin, Dannyl und Tayend zeigten starke Entwicklungen und füllten die Rollen gut aus, die ihnen von der Autorin zugedacht worden sind.

Die Handlung war spannend, teils aber vorhersehbar, und das Ende aus meiner Sicht unspektakulär und zu schnell. Dies sind aber nur kleine Wermutstropfen, die die tolle Geschichte – die allerdings nicht die perfekte Brillanz der „Gilde der Schwarzen Magier“ erreichten konnte – nur unwesentlich schmälern. Dabei überzeugt das bildgewaltige Setting erneut auf ganzer Linie und sorgt dafür, dass man sich als Leser in Kyralia und Sachaka mittlerweile fast wie zuhause fühlt. Auch wenn die langsam anbahnende Liebesgeschichte nicht wirklich nötig war, fühlt sie sich doch richtig an, freut den Leser und böte Potential für weitere Bücher.

In „Sonea – Die Königin“ löst die Autorin nicht nur die meisten Handlungsstränge der „Sonea“-Trilogie auf, sondern rundet die Handlung aller sieben Kyralia-Bücher ab. Und so zementiert auch dieses Buch wieder den unangefochtenen Platz von Trudi Canavan an der Spitze der High-Fantasy-Autorinnen, sodass ich schon ganz auf ihre nächsten Bücher gespannt bin.

Die Buchgestaltung ist – wie für die Reihe und den Verlag üblich – ebenfalls überzeugend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist elegant und hochwertig geprägt (auch auf dem Buchrücken), die ausklappbaren, farbigen Coverinnenseiten warten mit den bekannten Karten von Kyralia und Sachaka auf. Lediglich der inhaltliche Bezug des (schönen) Titelbildes zur Geschichte fehlt erneut, auch wenn sich das Cover toll in die Reihe einpasst, für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt und ein tolles Gesamtbild ergibt.

Mein Fazit? „Sonea – Die Königin“ ist der fulminante Abschluss, nicht nur der Sonea-Trilogie, sondern der gesamten Kyralia-Saga. Kleinere Schwächen in der Handlung vermögen vor dem Hintergrund des brillanten Weltenbaus und der tollen Charakterentwicklung nicht ins Gewicht zu fallen. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – Kyralia und die Magiergilde fehlen mir jetzt schon!

[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Sonea – Die Heilerin“ (Sonea 2)

In der letzten Zeit habe ich „Sonea – Die Heilerin“ gelesen, den zweiten Band der fulminanten Sonea-Trilogie, und insgesamt das sechste Buch der Kyralia-Saga von Trudi Canavan. Das Buch in der mir vorliegenden Ausgabe ist 2014 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2011 unter dem Titel „The Traitor Spy 2: The Rogue“ bei Orbit, einem Imprint von Little, Brown Book Group, einem Unternehmen von Hachette Livre UK, London, veröffentlicht. Das Buch ist dem Genre High-Fantasy zuzuordnen, meine Besprechung des Vorgängerbandes kann *hier* abgerufen werden.

~~~ Achtung! Die folgende Besprechung kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten ~~~

518YTWVhehL._SX326_BO1204203200_Lorkin, der Sohn der Schwarzen Magierin Sonea, wird in Sachaka von einer Rebellengruppe gefangen gehalten. Seine Häscher schmeicheln und drohen dem jungen Mann, um von ihm die Kunst der Heilung durch Magie zu erlernen, die in Sachaka bislang unbekannt ist. Lorkin ist jedoch fest entschlossen, das Geheimnis zu wahren. Denn er weiß nur zu gut, welch unschätzbaren Vorteil die Heilkunst den Sachakanern in einem möglichen Krieg gegen seine Heimat Kyralia brächte. Doch dann verliebt Lorkin sich in eine der Rebellinnen …

„Sonea – Die Heilerin“ setzt die Handlung des ersten Bandes nahtlos fort und entführt den Leser erneut nach Kyralia und Sachaka. Dabei trifft man altbekannte Charaktere aus dem Vorgängerband und der Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“ wieder, lernt aber gleichsam auch neue Protagonisten – wie zum Beispiel Lilia – kennen.

Die Handlung ist aufgrund der vielen Handlungsstränge sehr sprunghaft und teils vorhersehbar (insbesondere in Lilias Erzählstrang), aber immer spannend. Als zweiter Band der Trilogie dient „Die Heilerin“ als Bindeglied zwischen dem Auftakt und dem unweigerlich anstehenden großen Finale. Daher werden naturgemäß nur einige der Handlungsstränge aufgelöst, und das Buch endet mit einem moderaten Cliffhanger.

Erneut brilliert der Roman vor allem durch den unnachahmlichen Weltenbau, der mittlerweile über sechs Bücher eine beeindruckend ausgearbeitete Welt vorweist. Politik, Magiekonzept, Geografie – die Beschreibung und Gestaltung von den Verbündeten Ländern und Sachaka sollte jedem als Vorbild dienen. Dabei gelingt es Trudi Canavan trotz der vielen Bände, in jedem Buch weitere Aspekte zu enthüllen und voranzutreiben, der Welt weitere Nuancen hinzuzufügen.

Die einzelnen Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional und plastisch angelegt mit Stärken und Schwächen. Neben Lorkin überzeugten in diesem Band vor allem Lilia und Anyi, aber auch Tayend macht als Nebencharakter eine ausgenommen gute Figur.

Die Buchgestaltung ist erneut gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist hochwertig – auch auf dem Buchrücken – geprägt, in den ausklappbaren Coverinnenseiten befinden sich farbige Karten von Sachaka und Kyralia. Das Titelmotiv ist ein Eyecatcher und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein, lässt aber erneut den Bezug zur Handlung vermissen.

Mein Fazit? „Sonea – Die Heilerin“ ist eine gelungene Fortsetzung, die Lust auf mehr macht und vor allem durch den Weltenbau und tolle Charaktere brilliert. Mit diesem Buch festigt Trudi Canavan den Status als unangefochtene Queen der High Fantasy – für Leser des Genres unbedingt zu empfehlen.

[Buchgedanken] A. J. Marini: „stromLos: odyssee“ (stromLos 2)

Vor kurzem habe ich „stromLos: odyssee“, den Abschluss der stromLos-Dilogie von A. J. Marini, beendet. Das Buch ist 2016 in der Pagina Verlag GmbH erschienen und – wie auch schon der Vorgänger – als Dystopie oder Science-Fiction-/Endzeit-Thriller anzusehen. Meine Besprechung des ersten Bandes kann *hier* abgerufen werden. Vielen Dank an dieser Stelle erneut an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

~~~ Achtung! Die Besprechung kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten. ~~~

515uYcDwGUL._SX353_BO1204203200_2039. Der Planet stöhnt unter unbarmherziger Hitze. Rätselhafte Krankheiten haben sich ausgebreitet, gewaltige Sterberaten dezimieren die Erdbevölkerung. Emi Boulder und Ben Bates, gegensätzlich wie Feuer und Wasser, sind in einer globalen Katastrophe gestrandet: Elektrizität funktioniert nicht mehr! Tag um Tag vergeht ohne Strom. In gnadenloser Hitze werden die Umstände immer alptraumhafter, alles bricht rasant zusammen, es geht bald ums nackte Überleben. Die Katastrophe konfrontiert Ben schonungslos mit sich selbst, zugleich wächst in ihm eine zarte und unbeholfene Liebe für Emi. Emi weiß, warum es zu dem globalen Ausfall von Elektrizität gekommen ist, und dass der Strom nicht mehr zurückkehren wird. Sie fasst einen abenteuerlichen Plan, wie sie aus dem kollabierten Großstadtmoloch entkommen können. Doch Ben hat gute Gründe, der schönen, wie geheimnisvollen Emi zu misstrauen. Trotz aller Anziehung, die diese Frau auf ihn ausübt, nagen Zweifel und Ängste an ihm. Da geschieht das Unerwartete …

„stromLos: odyssee“ knüpft direkt an die Handlung des Vorgängerbandes an und setzt diese nahtlos fort. Teils werden Erklärungen in die Geschichte eingebaut, die Handlungsstränge aus dem ersten Band zusammenfassen, sodass „odyssee“ wohl auch als Standalone gelesen werden kann – empfehlen würde ich es aber nicht.

Während die Handlung im Vorgänger noch eher Züge eines Politthrillers aufwies, wechselt Teil Zwei endgültig in das dystopische Endzeitszenario und fokussiert sich auf das reine Überleben der Protagonisten. Menschliche Urinstinkte, der Zusammenbruch jedes gesellschaftlichen Lebens und der Verfall aller Normen – „stromLos: odyssee“ bietet eine erschreckende Zukunftsvision, der es aber auch etwas an Realität fehlt – auch wenn versucht wird, eine wissenschaftliche Untermalung anzubieten, die aber nicht zuletzt durch das sehr esoterisch anmutende Ende etwas konterkariert wird.

Abgesehen davon bleibt die Handlung aber dauerhaft spannend und wird stringend vorangetrieben. Die einzelnen Charaktere entwickeln sich weiter und zeigen ganz eigene Stärken und Schwächen. Besonders gefreut habe ich mich, in diesem Band noch mehr von Gwen und Poona zu erfahren, leider tauchen andere Charaktere dafür gar nicht mehr auf.

Nicht ganz warmgeworden bin ich weiterhin mit dem kruden Mix der Erzählperspektiven. So wird sowohl aus der Ich-Perpektive von Ben, als auch personal aus der Sicht von Emi, allerdings mit auktorialen Einschüben erzählt. Eine stärkere Fokussierung auf die beiden Protagonisten und ihre Gedanken und Gefühle hätte hier eine noch intensivere Bindung zwischen dem Leser und den Charakteren ermöglicht. Gleiches gilt im Übrigen für den etwas zu beschreibenden Schreibstil des Autors – etwas mehr „Show, don’t tell“ hätte den Lesefluss noch verstärken können. Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie und ermöglicht es dem Leser, sich in die dystopische Umgebung zu versetzen.

Die Buchgestaltung zeigt sich leicht verbessert zum Vorgängerband. Zwar sind Lektorat, Korrektorat und Buchsatz weiterhin kleinere Fehler durchgerutscht, allerdings nicht in der Häufigkeit des ersten Bandes. Das Covermotiv ist ähnlich und sorgt für einen Wiedererkennungswert der Reihe, insgesamt ist der Buchumschlag allerdings unauffällig und verschenkt Potential, insbesondere auf der Coverrückseite und den Coverinnenseiten.

Mein Fazit? „stromLos: odyssee“ ist ein im Wesentlichen gelungener Abschluss der dystopischen Dilogie, der sich leicht verbessert zum ersten Band zeigt und vor allem durch das endzeitliche Setting und eine spannende Handlung punkten kann. Kleinere Schwächen in der Erzählperspektive und dem Schreibstil trüben das Lesevergnügen nur leicht. Für alle Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] A. J. Marini: „stromLos: cumulonimbus“ (stromLos 1)

In den letzten Tagen habe ich „stromLos: cumulonimbus“ gelesen, den Auftakt der „stromLos“-Dilogie aus der Feder von A. J. Marini. Das Buch ist 2014 in der Pagina Verlag GmbH erschienen und dem Genre Dystopie zuzurechnen, wobei sich auch gute Argumente für die Klassifizierung als Science-Fiction-Thriller finden lassen. Das mir vorliegende Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!). Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

61w6KSCKC8L._SX348_BO1204203200_2039. Der Planet stöhnt unter unbarmherziger Hitze. Rätselhafte Krankheiten haben sich ausgebreitet, nie dagewesene Mortalitätsraten dezimieren die Erdbevölkerung. Zwei Menschen, gegensätzlich wie Feuer und Wasser, treffen aufeinander und stranden in einer globalen Katastrophe. Emi Boulder, Biologin, 30, die bezaubernd hübsche Tochter des Physik-Nobelpreisträgers Tim Boulder, ist getrieben von einem Wunsch: Die Menschheit zu retten. Sie steht kurz vor ihrem größten Erfolg, der Entdeckung einer neuen Wunderheilpflanze im südamerikanischen Regenwald. Ben Bates, der trink- und spielsüchtige Senkrechtstarter bei der Finanzheuschrecke WhiteWater, 33, schert sich einen Dreck um die Menschheit. Genau dort, wo Emi forscht, will sein Investmentkonzern das unglaublichste Bauvorhaben starten, das je in Angriff genommen wurde. Ein intrigenreicher Kampf um das wertvolle Stück Urwald entbrennt, bis die Ereignisse eskalieren …

„stromLos: cumulonimbus“ ist – trotz seines Alters – ein hochaktuelles Buch. Überbevölkerung, Pandemien, Klimaschutz – der Autor verwebt viele Themen und Herausforderungen der modernen Zeit zu einem spannenden und brisanten Buch, das Verschwörungstheoretiker und Umweltschützer gleichermaßen anspricht. Daher ist auch noch einmal festzuhalten, dass es sich hierbei trotz des realistisch gehaltenen Szenarios und den Anspielungen auf reale Personen/Firmen um reine Fiktion handelt.

Der Einstieg in das Buch fällt recht mühsam aus – und wäre aus meiner Sicht so auch nicht zwingend notwendig gewesen, genau wie die Fülle an wissenschaftlich anmutenden Details und Erklärungen zwischendurch oder die exzessiven Szenen, die in Darkraven spielen. Wenn man sich jedoch durchkämpft und am Ball bleibt, wird man als Leser, gerade in der zweiten Hälfte, mit einer spannenden und sich immer besser entwickelnden Handlung belohnt.

Dabei balanciert das Setting an der Grenze zwischen futuristisch und realistisch, hält sich teils im Rahmen des Vorstellbaren. Insgesamt ist es anschaulich beschrieben und lässt beim Leser Bilder im Kopf entstehen. Der Schreibstil des Autors ist sehr informationslastig – etwas mehr „Show, don’t tell“ hätte hier den Leser noch stärker ins Boot geholt, ihn noch mehr am Geschehen teilhaben lassen. Diese Informationsflut wird auch durch die Wahl der Erzählperspektive, sowohl eine Ich-Erzählung aus der Sicht von Ben, als auch eine auktoriale Erzählperspektive begünstigt.

Durch die sich immer steigernde Handlung wird der Spannungsbogen größtenteils gehalten und man fiebert dem Folgeband entgegen, der aber auch zwingend gelesen werden muss, da Band 1 als Standalone mangels Ende nicht funktioniert. Zum Glück liegt „stromLos: odyssee“ bereits neben mir, sodass ich heute damit beginnen kann.

Kleinere Schwächen finden sich in der Buchgestaltung. Lektorat und Korrektorat (so durchgeführt) und Buchsatz sind kleinere Fehler durchgerutscht, die sich gerade noch so im Rahmen halten. Das Titelbild ist ansprechend und das Cover verfügt über Klappen, die Coverrückseite ist allerdings einfallslos. Über farbige Coverinnenseiten oder einen Gesamtentwurf für einen Buchumschlag hätte hier noch ein deutlich ansprechenderer Gesamteindruck geschaffen werden können.

Mein Fazit? „stromLos: cumulonimbus“ ist ein solider dystopischer Roman, dessen Setting brandaktuell ist und der vor allem durch eine spannende, hochdramatische Handlung punktet. Kleinere Schwächen, gerade zu Beginn, und in der Buchgestaltung schmälern das Lesevergnügen nur gering. Für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ava Reed: „Truly“ (In Love 1)

In der letzten Zeit habe ich „Truly“ gelesen, den Auftakt der neuen Trilogie von Ava Reed. Das Buch ist 2020 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult zuzurechnen. Es ist bereits mein fünftes Buch der Autorin, ihr Roman „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ erreichte dabei sogar Platz 1 meiner Jahreshighlights 2019.

41SFSF3v9L._SX312_BO1204203200_Kein Job, keine Wohnung, kein Geld – so kommt Andie nach Seattle. Hier will sie sich ihren Traum erfüllen und endlich zusammen mit ihrer besten Freundin an der Harbor Hill University studieren. Während Andie darum kämpft, das Chaos in ihrem Leben in den Griff zu bekommen, trifft sie auf Cooper, der sie mit seiner schweigsamen Art gleichermaßen anzieht wie verwirrt. Und obwohl Andie genug Sorgen hat, lässt er sie einfach nicht los. Sie will wissen, wer Cooper wirklich ist. Aber sie merkt schnell, dass manche Geheimnisse tiefere Wunden hinterlassen als andere …

Seit der Ankündigung der „In Love“-Trilogie habe ich dem Erscheinen von „Truly“ entgegengefiebert. Eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen und Jugendbuchzauberin unterschreibt bei einem meiner Lieblingsverlage für ein Genre, das ich liebe. Die Vorfreude hätte kaum größer sein können – und „Truly“ hat die hohen Erwartungen mühelos pulverisiert.

Dabei ist es Ava Reed gelungen, die großen Stärken ihrer Jugendbücher auch in die neue Trilogie zu transferieren. Der Roman ist intensiv und gefühlvoll, spannend und nervenaufreibend. Man leidet, lacht und weint mit Andie und verliebt sich mit jeder Seite mehr in sie. Sei es Monk-Andie oder Pompon-Andie, jede Facette ihrer Persönlichkeit macht sie zu etwas besonderem. Fragil und zerbrechlich, stark und zielstrebig – Andie ist eine der interessantesten New-Adult-Protagonistinnen – und definitiv eine der liebenswürdigsten.

Zwar werde ich mit Cooper nicht restlos warm, aber alle anderen Charaktere, insbesondere auch die Nebenfiguren überzeugen und ich giere bereits jetzt nach neuem Lesestoff über June, Mason, Dylan und die restliche Crew aus Seattle. Das Setting ist – erwartbar – brillant, hätte aber noch mehr Eindrücke auch von der Universität zeigen können. Abgesehen davon sind der Club, der Unterschied zwischen Seattle und Montana, WG und Wohnheim anschaulich beschrieben und erlauben es dem Leser, sich in die Staaten zu träumen.

Neben der tollen Protagonistin lebt der Roman vor allem von Ava Reeds unglaublichem Schreibstil. Gefühlvoll und bildgewaltig, leise und doch so laut – jedes einzelne Wort transportiert so viel, lässt Bilder im Kopf des Lesers entstehen und hält ihn gefangen, sodass das Ende viel zu schnell kommt und man nach mehr lechzt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Satz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und hochwertig geprägt. Klappen und farbige Coverinnenseiten runden den tollen Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „Truly“ ist ein in allen Punkten überzeugener New-Adult-Roman, stark, zerbrechlich, und so gefühlvoll. Ava Reeds Schreibstil und Andie, die man sofort lieben lernt, sorgen dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Ein sicheres Jahreshighlight und bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag angegebenen Alter von 16 Jahren.

 

[Buchgedanken] Suzanne Collins: „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“

Vor wenigen Tagen habe ich „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ von Suzanne Collins beendet, eine Vorgeschichte zur Weltbestsellertrilogie „Die Tribute von Panem“. Der Roman wurde 2020 in der Verlag Friedrich Oetinger GmbH veröffentlicht, die Originalausgabe erschien ebenfalls 2020 bei Scholastic Press unter dem Titel „The Ballad of Songbirds and Snakes“. Das Buch ist dem Genre Dystopie zuzuordnen.

41O3M07O7sL._SX346_BO1204203200_Ehrgeiz treibt ihn an. Rivalität beflügelt ihn. Aber Macht hat ihren Preis. Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden. Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen – tiefer kann man nicht fallen. Von da an ist ihr Schicksal untrennbar miteinander verbunden. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg, über Triumph oder Niederlage bestimmen. Innerhalb der Arena ist es ein Kampf um Leben und Tod, außerhalb der Arena kämpft Coriolanus gegen die aufkeimenden Gefühle für sein dem Untergang geweihtes Tribut. Er muss sich entscheiden: Folgt er den Regeln oder dem Wunsch zu überleben – um jeden Preis.

Die Erwartungen, die die Welt an „Das Lied von Vogel und Schlange hatte“, waren immens, schließlich gehört „Die Tribute von Panem“ zu den Werken, die eine ganze Generation geprägt, und ein immens erfolgreiches Filmfranchise gestartet haben. Mit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern gehört die Reihe zu einem sehr illustren Club und verfügt über eine treue und gigantische Fangemeinde. Ein neuer Teil war daher ein großes Risiko, er musste an die alten Erfolge anknüpfen und durfte – viel wichtiger – die Fans nicht enttäuschen, sodass sie sich nicht von der Reihe abwenden. Um das Ergebnis mal vorwegzunehmen – dies ist Suzanne Collins meiner Meinung nach gelungen.

Von der ersten Seite an fühlt man sich in die Welt von „Panem“ zurückversetzt, saugt die Atmosphäre gierig auf und – ja, lernt noch einiges über die Vergangenheit des Kapitols und der Distrikte hinzu. Auch wenn die Handlung teils etwas langatmig ist und einige Sachen naturgemäß vorweggenommen sind durch die spätere Trilogie, kommt jedoch nie Langeweile auf. Der Autorin gelingt es, den Spannungsbogen die ganze Zeit zu halten, und den Leser auch durch unerwartete Wendungen auf falsche Fährten zu locken.

Am beeindruckendsten ist jedoch, dass es Suzanne Collins gelingt, zwischen dem Leser und dem späteren, grausamen Antagonisten der Originaltrilogie eine Bindung zu schaffen. Gleichsam fasziniert und erschrocken folgt man seinem Werdegang und seinen Gedanken, die immer logisch sind und auf der Grenze zwischen richtig und falsch balancieren. Man ertappt sich dabei, mit Snow mitzufiebern und ihm Glück zu wünschen, obgleich in vielen Handlungen und Aussagen bereits der kompromisslose Geist angelegt ist – ein Meisterstück der Charakterentwicklung.

Das Setting überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Düster und archaisch, gezeichnet von den Kriegsfolgen verschwimmen die später manifestierten Gegensätze zwischen Kapitol und Distrikten etwas, und werden doch auf jeder Seite deutlich. Altbekannte Schauplätze und neue Orte sowie kleine, eingestreute Details und Verbindungen sorgen dafür, dass man sich beim Lesen sofort wohlfühlt – trotz der düsteren Atmosphäre.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist klassisch gehalten, aber eindrucksvoll und ein absoluter Eyecatcher. Zusammen mit der Neuauflage der alten Trilogie bildet es einen einheitlichen Gesamteindruck mit hohem Wiedererkennungswert. Zudem wird der Buchschnitt von einem ausklappbaren Schutz bedeckt.

Mein Fazit? „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ ist ein in allen Punkten überzeugender, dystopischer Roman, der vor allem durch ein brillantes Setting und einen wahnsinnig überzeugenden Protagonisten punkten kann. Ein definitives Jahreshighlight, wenn es auch nicht ganz an die schiere Perfektion der Originaltrilogie heranreicht. Für Leser aller Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14.

[Buchgedanken] Kiera Cass: „Promised“ (Hollis 1)

In den letzten Tagen habe ich „Promised“ von Kiera Cass gelesen, den Auftakt zur neuen Dilogie der Autorin einer meiner absoluten Lieblingsbuchreihen („Selection“). „Promised“ ist 2020 bei FISCHER Sauerländer erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „The Betrothed“ bei HarperTeen, HarperCollins Publishers, New York, veröffentlicht. Der Roman ist am ehesten dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen.

51V6fLIOdVL._SX324_BO1204203200_Wie jedes Mädchen am Hofe hofft Hollis, dass sie diejenige ist, die König Jamesons Herz erobert. Als sie auf einem Ball stolpert und ihm buchstäblich in die Arme fällt, verliebt Jameson sich Hals über Kopf in sie. Er beginnt, ihr mit extravaganten Geschenken den Hof zu machen, und Hollis kann ihr Glück kaum fassen. Doch ist das wirklich das Happy End? Der mysteriöse Fremde Silas bringt Hollis‘ Welt ins Wanken. Silas ist kein König. Luxus und Macht kann er ihr nicht versprechen. Aber jeder Blick von ihm trifft sie mitten ins Herz. Die Augen des ganzen Volkes sind auf die zukünftige Königin gerichtet. Und niemand ahnt, welche Stürme in ihr toben, während sie lächelt.

Die Erwartungen, die ich an „Promised“ hatte, hätten kaum höher sein können. Kiera Cass zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren, ihr Meisterwerk „Selection“ fällt immer, wenn ich meine Lieblingsbücher benenne. Umso gespannter war ich, ob „Promised“ an die Perfektion anknüpfen kann. Und auch wenn der Roman nicht ganz an die Brillanz von „Selection“ heranreicht, erfüllt er doch alle Erwartungen und zählt bereits jetzt zu den Jahreshighlights.

Dabei kann der Roman mit einem tollen Setting punkten. Der Gegensatz zwischen der Pracht am Königshof und dem Leben auf dem Land, zwischen der Adelsschicht und den Flüchtlingen, zwischen den Kulturen und Traditionen der Länder – Kiera Cass beschreibt anschaulich und sorgt dafür, dass man sich direkt in die Geschichte hineinversetzt fühlt, dass ein Film vor dem inneren Auge des Lesers abläuft. Dass dabei der Weltenbau noch nicht in allen Details dargestellt wird, stört nicht, schließlich gibt es ja noch einen Folgeband, der hoffentlich dann die offenen Fragen klärt. Der Leser lernt mit Hollis mit, erkundet mit ihr die Welt.

Zu Hollis – aus deren Sicht die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird – findet man sofort eine Bindung, auch gerade dank der Erzählperspektive. Man leidet, lacht und weint mit ihr, man spürt ihre Verwirrung und Verzweiflung, aber auch gerade ihre Kraft und Entschlossenheit, ihre Impulsivität und ihren Mut. Auch die Nebencharaktere sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, insbesondere Scarlet und Lady Eastoffe überzeugen mich völlig.

Die Handlung ist – auch genrebedingt – teils vorhersehbar, mit einigen, unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin aber auch, den Leser zu überraschen. Insgesamt wird die Spannung die ganze Zeit gehalten, das anfangs noch eher ruhige Geschehen steigert sich unaufhörlich und gipfelt in einem starken Finale. Dennoch lässt Kiera Cass den Leser nicht mit einem gewaltigen Cliffhanger zurück, sondern sorgt für einen vernünftigen Abschluss des Bandes, der trotzdem den Boden für einen gewaltigen Folgeband bietet. Ich kann es kaum erwarten – und zähle bereits jetzt die Tage bis zum Erscheinungstermin des zweiten Teils im nächsten Jahr.

Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchgehen lassen. Das Cover ist ein wahrer, glitzernder Eyecatcher mit einem brillanten, wunderschönen Titelmotiv, die Coverinnenseiten sind ebenfalls ein farblich-glitzernder Traum.

Mein Fazit? „Promised“ ist Young-Adult Romantasy in Reinform mit tollen Charakteren, einem wunderschönen Setting und einer spannenden, wenn auch teils vorhersehbaren Handlung. Bedenkenlos zu empfehlen ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 – und ein sicheres Jahreshighlight!

[Buchgedanken] Armando Lucas Correa: „Die verlorene Tochter der Sternbergs“

Vor wenigen Tagen habe ich „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ von Armando Lucas Correa beendet. Das Buch ist 2020 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 veröffentlicht. Der Roman ist dabei am ehesten dem Genre Familiensaga zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

51pJNsClmhL._SX313_BO1204203200_Berlin, 1939. Für die jüdische Bevölkerung wird das Leben immer schwieriger. Wer kann, bringt sich in Sicherheit. Auch Amanda Sternberg beschließt, ihre Töchter mit der MS St. Louis nach Kuba zu schicken. Am Hafen kann sie sich jedoch nicht von der kleinen Lina trennen. So vertraut sie nur die sechsjährige Viera einem allein reisenden Ehepaar an und flieht mit Lina zu Freunden nach Frankreich. Im kleinen Ort Oradour-sur-Glane finden sie eine neue Heimat. Doch es dauert nicht lange, bis die Gräueltaten der Nationalsozialisten auch diese Zuflucht erreichen …

In „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ erzählt der Autor die Geschichte der Familie Sternberg vor und während des zweiten Weltkrieges. Dank toller Beschreibungen und mittels einer eindringlichen Sprache gelingt es ihm dabei, die Gefühle der Angst und Verzweiflung, Liebe und Hass, Sehnsucht und Glück zum Leser zu transportieren und ihm die Grausamkeit und den puren Überlebenskampf vor Augen zu führen. Dabei verliert die Handlung jedoch teilweise an Kontinuität, sodass nicht immer ein roter Faden erkennbar ist. Es bleiben viele Fragen offen und ungelöst und man wird über das Schicksal vieler, episch eingeführter, Personen im Unklaren gelassen.

Dabei wird nicht verkannt, dass gerade dies auch realerweise ein Produkt der Kriegswirren ist. Von einem Moment auf den Anderen ist alles ungewiss, Menschen verschwinden, Schicksale bleiben ungeklärt und auch Jahrzehnte später ist nichts bekannt – einen Leser lässt so etwas jedoch unbefriedigt zurück. Hier hätte durchaus noch Potential für 50, vielleicht 100 zusätzliche Seiten bestanden, um weitere Handlungsstränge aufzulösen.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Sei es die Stadt Berlin in der unmittelbaren Vorkriegszeit oder Frankreich in den Kriegswirren, der Autor erschafft atmosphärisch starke Bilder und Orte, bedrückende Szenerien, die bildhaft vor dem inneren Auge entstehen und den Leser mit den Figuren mitfühlen, mitleiden lassen. Darin liegt auch die große Stärke des Romanes. Denn das in Erinnerung rufen vergangener Schrecken, das Mitfühlen mit unvorstellbarem Leid ist ein Mahnmal, ein Weckruf, der gerade in der heutigen Zeit von allen gehört werden sollte.

Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist ansprechend gestaltet, das Motiv zieht sich auch über den Buchrücken und die Coverrückseite und ist wunderschön und atmosphärisch passend. Der Titel des Romanes ist (allerdings nur auf dem Cover und nicht auf dem Buchrücken) hochwertig geprägt, das Buch unter dem Schutzumschlag klassisch ohne weitere Verzierungen.

Mein Fazit? „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ ist ein im Wesentlichen gelungener Roman, der vor allem durch sein atmosphärisches Setting und eine sehr gefühlsstarke Sprache punkten kann. Trotz kleinerer Schwächen in der Handlung für Liebhaber des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Lyssa Kay Adams: „The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ (Secret Book Club 1)

In den letzten Tagen habe ich im Rahmen einer Leserunde „The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ von Lyssa Kay Adams gelesen, den Auftakt einer mindestens dreiteiligen Reihe über den „Secret Book Club“. Das Buch ist 2020 im Label „endlich Kyss“ der Rowohlt Verlag GmbH erschienen und dem Genre New-Adult zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen der Leserunde.

41daP9GtHuL._SX319_BO1204203200_Die Ehe von Profisportler Gavin Scott steckt in der Krise. Genau genommen ist sie sogar vorbei, wenn es nach seiner Frau Thea geht. Und das darf nicht sein. Thea ist die Liebe seines Lebens! Und er versteht, verdammt noch mal, nicht, was überhaupt passiert ist. Eigentlich müsste SIE sich bei IHM entschuldigen! Gavin ist ratlos und verzweifelt – bis einer seiner Freunde ihn mit zu einem Treffen nimmt. Einem Treffen des Secret Book Club. Hier lesen und diskutieren Männer heimlich Liebesromane, um ihre Frauen besser zu verstehen. Gavin hält das für Schwachsinn. Wie sollen Liebesschnulzen ihm helfen, seine Ehe zu retten? Doch die Lektüre überrascht ihn. Und Thea steht eine noch viel größere Überraschung bevor!

„The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ war … fast perfekt. Eine gelungene Mischung aus ernsten Themen und humorvollen Einschüben, aus starken Gefühlen und knisternder Erotik sorgte für ein abwechslungsreiches Lesevergnügen, auch wenn zum Ende hin die Schwerpunktsetzung etwas kippte.

Dabei kann der Roman mit einem gelungenen Setting punkten. Eine idyllische Wohnumgebung in Nashville vor dem Hintergrund des Lebensgefühls der Upperclass zwischen Parties und Sportevents: Umso weniger Probleme den Charakteren hier von außen entgegenschlagen, umso stärker kann der Fokus auf die Beziehung zwischen den Protagonisten gelegt werden.

Dabei entwickeln sich diese durchaus im Verlauf des Romanes weiter, sind plastisch, vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben eigene Stärken und Schwächen. Auch die Nebencharaktere, insbesondere Nessa und Braden Mack überzeugen auf ganzer Linie, umso gespannter bin ich auf den Folgeband, der Braden und die, bisweilen noch unsympatische, Liv ins Zentrum setzt.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, wenn auch genrebedingt teils vorhersehbar. Dabei werden – parallel zur Handlung der Geschichte – Passagen eines Liebesromanes mit eingeflochten, die den Text auflockern. Aus meiner Sicht wird, gerade zum Ende des Romanes, das Potential der Handlung allerdings nicht vollends ausgeschöpft, und auch in der Ausgestaltung des Buchclubs besteht noch Luft nach oben, aber vielleicht gibt sich das noch in den nächsten Bänden. Den – durchweg sympathischen – Mitgliedern würde ich es jedenfalls wünschen.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, auch der Buchsatz ist im Wesentlichen gelungen. Das Cover ist wunderschön, hochwertig geprägt und die farbigen, ausklappbaren Coverinnenseiten runden den wirklich tollen Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ ist ein gelungener Auftakt in die „Secret Book Club“-Reihe. Dabei kann der Roman mit tollen Charakteren und einem spannenden Setting punkten. Obwohl die Handlung ihr Potential nicht gänzlich ausnutzt, definitiv ein potentielles Jahreshighlight. Für Leser des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab etwa 17 Jahren.

[Buchgedanken] Kenzie H. Taft: „Bis nächsten Monat, Prinzessin – Band 2“

In der letzten Zeit habe ich den zweiten Band von „Bis nächsten Monat, Prinzessin“ von Kenzie H. Taft gelesen. Das Buch ist 2020 im Selfpublishing veröffentlicht worden und dem Genre Dark Romance zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares, die Besprechung des ersten Bandes findet Ihr *hier*.

~~~ Achtung: Die folgende Besprechung enthält Spoiler zum Vorgängerband! ~~~

51LXsOw7z3LNachdem sie erfahren hat, dass Chris verheiratet ist, trennt sich Johanna von ihm. Da sie in der gleichen Firma arbeiten, ist der weitere Kontakt jedoch unvermeidlich, daran ändert selbst ein dreimonatiger beruflicher Trip nach China nichts. Und so, Stück für Stück, erliegt Johanna wieder dem Charme des verheirateten Abteilungsleiters. Im Teufelskreis zwischen Liebe und Hass, Glück und Verzweiflung, droht Johanna, sich selbst zu verlieren. Bis sie eine folgenschwere Entscheidung trifft …

Der zweite Band knüpft nahtlos und unmittelbar an die Handlung des Vorgängerbandes an und bietet erneut eine explosive und gefühlvolle Mischung, versetzt mit deftiger Sprache und expliziten Liebesszenen. Durch die gewählte Erzählperspektiv, die Ich-Perspektive aus der Sicht von Johanna, erlebt man als Leser hautnah die Wut und Verzweiflung, die Abhängigkeit, die schockiert, ängstigt und bestürzt – sodass ich mir erneut weiterführende Informationen zu toxischen Beziehungen gewünscht hätte.

Das Setting ist in diesem Band etwas reduzierter, viel mehr spielt sich in den Wohnungen und auf der Arbeit der Protagonisten ab. Dies führt aber nicht zu einem Abfall an Spannung, sondern verdichtet diese. Mit der Einführung von Elena als zusätzlichem Akteur wird zudem weiteres Konfliktpotential geschaffen, auch wenn Johannas Verhalten in diesem Fall nicht dazu beiträgt, sie zur Sympathieträgerin zu machen. Ohnehin ist ihr Verhalten nur teils nachvollziehbar, teils abstrus und teils hochgradig schockierend – die schon oben erwähnten zusätzlichen Informationen zum Krankheitsbild hätten hier dafür gesorgt, dass man sie besser verstehen kann.

Das Ende, das viel zu schnell kommt, läuft mir zu glatt. Hier wird einiges an Potential verschenkt, und der letzte Absatz lässt mich etwas ratlos zurück – soll das wirklich die Message sein, mit der das Buch endet? Mehr möchte ich hier nicht verraten, ohne zu spoilern – nur soviel, dass hier viel, viel mehr möglich gewesen wäre – und dass auch der Bogen zum Prolog des ersten Bandes nicht hinreichend geschlossen wird.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen vergleichbar mit dem Vorgänger. Lektorat und Korrektorat sind – sofern durchgeführt – etwas besser geglückt, da weniger durchgerutscht ist, der Buchsatz ist, mit Ausnahme des Kapitelbeginns auf ungeraden Seiten erneut durchwachsen und dem unauffälligen Cover fehlt etwas der Bezug zur Handlung. Hier hätte etwas mehr Mut (und die Beauftragung eines Coverdesigners) schon einen gravierenden Unterschied machen können.

Mein Fazit? „Bis nächsten Monat, Prinzessin – Band 2“ ist spannend, hochexplosiv und gefühlvoll und schließt die Handlung um Johanna und Chris ab – allerdings mit einer etwas fragwürdigen Message. Leichte Schwächen in der Buchgestaltung sind vorhanden, dennoch kann das Buch Liebhabern des Genres empfohlen werden – allerdings erneut nicht unter 18 Jahren.