[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Bacchus‘ Vermächtnis“

In der letzten Zeit habe ich „Bacchus‘ Vermächtnis“ von Veronika Lackerbauer gelesen – mein drittes Buch der Autorin. Der Roman ist 2018 im Selfpublishing bei BoD erschienen und dem Genre Schicksalsroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

51JUBTWGkoL._SX311_BO1204203200_„Wenn sie dir sagen würden, dass du jetzt noch einen Monat zu leben hast. Was würdest du tun? Einfach so weitermachen wie bisher?“ Gaby ist schwer krebskrank und die Ärzte geben ihr wenig Hoffnung. Eine neuartige Chemotherapie soll ihre letzte Hoffnung sein, doch Gaby ist erschöpft. Sie folgt der Einladung ihrer Freundin Susanne, sich bei ihr an der Mosel zu erholen. Dort beginnt für Gaby eine Reise, die sie erst zu den schönsten Weinanbaugebieten Europas führt und am Ende zu sich selbst.

„Bacchus‘ Vermächtnis“ ist mehr als ein Roman, ist Reiseführer und Weinatlas, prädestiniert dazu, den Leser bei Reisen auf Gabys Spuren zu begleiten. Es ist ein Buch über Genuss und letzte Chancen, über gutes Essen, Trinken und ganz viele Sehenswürdigkeiten. Es zeigt die Vergänglichkeit des Lebens und appelliert daran, auch das eigene Glück zu sehen.

Das Setting ist zauberhaft – Gabys Reise führt durch wunderschöne, malerische Regionen und Städte. Fast ist es mir technisch etwas zu ausführlich dargestellt – auf einige Straßennamen und Details, auf penibel dargestellte Wege und enzyklopädische Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten hätte man durchaus verzichten können, um den Flair, den Gesamteindruck noch etwas besser wirken lassen zu können. Dafür bietet der Roman eindringliche, berührende und humorvolle Szenen, und ist durchaus spannend, auch wenn Genre und Prämisse des Buches das Ende durchaus vorwegnehmen.

Die Charaktere sind plastisch und vielschichtig, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Antrieb der Charakterentwicklung ist das – einem Schicksalsroman inhärente – tragische Ereignis, mit dem alle anders umgehen, das die Charaktere auf verschiedenste Weisen prägt. Dabei gelingt es der Autorin, niemals zu moralisch, zu belehrend zu wirken, sondern sie wahrt die Balance zur Unterhaltung.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen gelungen – Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ausnehmend gut, wenn auch die Kapiteleinteilung etwas eigenwillig.. Das Cover passt gut zur Geschichte und spiegelt die Sehnsucht der Protagonisten wieder. Gut gefällt mir auch, dass das Grundbild sich nahtlos über den kompletten Buchumschlag zieht, wenn auch der Klappentext auf der Coverrückseite etwas gedrängt scheint. Das einzige Manko ist die etwas gewöhnungsbedürftige Darstellung der verschiedenen Mundarten und Sprachen. So wird auf allen Stationen von den Personen im dort vorherrschenden Dialekt gesprochen, die bayerischen Protagonisten sprechen aber perfektes Hochdeutsch – ich hätte gut und gern darauf verzichten können. Ganz vereinzelt sind im Erzähltext zudem mundartliche Begriffe durchgerutscht.

Mein Fazit? „Bacchus‘ Vermächtnis“ ist ein spannender, berührender und einfühlsamer Schicksalsroman, der den Leser mit auf eine Reise durch Europas Weinanbaugebiete nimmt. Der Roman besticht durch tolle Protagonisten und ein wunderschönes Setting, das leichte Schwächen mehr als vergessen lässt. Für Leser abseits der Genreliteratur bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mona Kasten: „Feel Again“ (Again 3)

In der letzten Zeit habe ich „Feel Again“ von Mona Kasten gelesen, den dritten Roman ihrer erfolgreichen „Again“-Reihe. Das Buch ist 2017 bei Lyx in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult-Romance zuzurechnen. Meine Besprechungen zu den ersten Teilen findet ihr hier (Band 1, Band 2), der erste Band sprang zudem auf Platz drei meiner Lesehighlights 2018.

41WQ2rq8V-L._SX312_BO1204203200_Sawyer Dixon ist jung, tough – und eine Außenseiterin. Seit dem Tod ihrer Eltern lässt sie niemanden an sich heran. Das ändert sich, als sie Isaac Grant kennenlernt. Mit seiner Nerd-Brille und den seltsamen Klamotten ist er eigentlich das genaue Gegenteil von Sawyers üblichem Beuteschema. Doch als Isaac, der es satthat, single zu sein, sie um Hilfe bittet, schließen die beiden einen Deal: Sawyer macht aus Isaac einen Bad Boy und darf dafür seine Entwicklung als Fotoprojekt für ihr Studium festhalten. Aber Sawyer hat nicht mit den intensiven Gefühlen gerechnet, die zwischen ihr und Isaac hochkochen …

„Feel Again“ ist – wie die anderen Teile der Reihe – ein wahres Gefühlsfeuerwerk. Es ist allerdings auch viel mehr als ein Buch über die Liebe zwischen den Protagonisten, es ist eine Ode an die Familie – ein Plädoyer dafür, nicht zu vergessen, wo man herkommt, und in der Familie sein eigenes Zuhause zu finden.

Mona Kastens leichter und gefühlvoller Schreibstil zieht einen sofort in die Geschichte – unterstützt durch die perfekt gewählte Erzählperspektive, die es einem ermöglicht, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Das wunderschöne Setting und die spannende Handlung tun das Ihrige, um den Leser an die Buchseiten zu fesseln. Dabei gelingt es der Autorin, durch viele unerwartete Wendungen den Leser immer mal wieder in die Irre zu führen – auch wenn die generelle Handlung genrebedingt in Teilen durchaus vorhersehbar ist.

Die Charaktere sind vielschichtig und mehrdimensional angelegt, haben jeweils Stärken und Schwächen. Dabei ist es Mona Kasten gelungen, mit Isaac Grant mein bisheriges Lieblings-Love-Interest der Reihe zu schaffen – ein brillanter Charakter! Zudem sorgt das Buch für ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen Protagonisten aus den ersten Büchern, deren Entwicklung man so als Leser verfolgen kann.

Die Buchgestaltung ist (wenig überraschend) in Gänze überzeugend – Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover fügt sich perfekt in die Reihe ein und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Der gesamte Buchumschlag – auch Buchrücken und Coverrückseite – ist hochwertig geprägt, zudem verfügt der Umschlag über ausklappbare Broschuren und farbige Coverinnenseiten. Allerdings ist das Cover aus meiner Sicht bislang das schwächste der Reihe – dies ist aber Jammern auf einem sehr, sehr hohen Niveau und spricht mehr für die Brillanz der anderen Cover, als dass es eine Schwäche dieses Titels aufzeigen würde.

Mein Fazit? „Feel Again“ ist New-Adult in Reinform, überzeugt mit tollen Protagonisten, einer spannenden Handlung und großen Gefühlen – es ist daher kein Wunder, dass die Reihe in Kürze fortgesetzt wird. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] April Dawson: „Up All Night“

In den letzten Tagen habe ich „Up All Night“ von April Dawson gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung einiger Leseexemplare des Buches auf der diesjährigen Litblog-Convention. Das Buch ist 2019 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult-Romance zuzurechnen.

4102BaC4yJjLAls Taylor Jensen an ein und demselben Tag nicht nur ihren Job an einen Kollegen verliert, sondern auch ihren Freund beim Fremdgehen erwischt, hat sie von Männern erst einmal genug. Völlig verzweifelt läuft sie Daniel Grant in die Arme, der ihr ein Zimmer in seiner WG anbietet. Einst waren sie beste Freunde, aber ein männlicher Mitbewohner mit sexy Tattoos und einem unwiderstehlichen Lächeln ist das Letzte, was Tae jetzt gebrauchen kann. Doch Dan steht schon lange auf Männer, weshalb das heiße Prickeln zwischen ihnen nichts zu bedeuten hat – oder etwa doch?

„Up All Night“ von April Dawson ist eine Geschichte über einen Neuanfang, über Mut, Gefühle und Vertrauen – ein Buch über Freundschaft, zweite Chancen und bedingungslose Liebe.

Dabei punktet der Roman vor allem mit seinen Charakteren. Nicht nur die Protagonisten, auch die Nebencharaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders begeistert bin ich dabei von Grace – und würde mich freuen, irgendwann auch mehr über sie zu lesen, auch wenn sich der nächste Band der Reihe vorerst um Addison drehen wird.

Auch wenn die Handlung genretypisch bedingt teilweise vorhersehbar ist, gelingt es April Dawson doch, den Leser durch einige unerwartete Wendungen immer mal wieder in die Irre zu führen und für Spannung zu sorgen. Zusammen mit dem gelungenen Setting ist es dabei vor allem der locker-leichte und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin, der den Leser an die Seiten fesselt und auch etwas Humor aufblitzen lässt. Dies wird noch durch die gelungene Wahl der Erzählperspektive unterstützt, die es dem Leser leichter macht, sicht mit den Protagonisten zu identifizieren, mit ihnen mitzuleiden und sich zu freuen.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Der Buchsatz ist gelungen, dem Lektorat und Korrektorat sind bis auf einen Bruch in der Perspektive und einen Fehler auf der Innenklappe des Covers sonst nur kleinere Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss nicht beeinträchtigen. Das Cover ist ein wahrer Eyecatcher und leuchtet aufgrund der traumhaften Farbgebung. Eine hochwertige Prägung und farbige Coverinnenseiten runden das tolle Erscheinungsbild ab.

Mein Fazit? „Up All Night“ ist ein gelungener New-Adult-Roman, der vor allem durch seine Spannung und vielschichtigen Protagonisten glänzen kann. Kleinere Schwächen in der Buchgestaltung gehen dabei nicht zu Lasten des Leseflusses. Für Liebhaber des Genres ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Laura Kneidl: „Berühre mich. Nicht.“

Vor kurzem und als Vorbereitung zur Loveletter Convention 2019 habe ich „Berühre mich. Nicht.“ von Laura Kneidl gelesen, den Auftakt zu ihrer umjubelten New-Adult-Dilogie. Das Buch ist 2017 bei Lyx in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult-Romance zuzuordnen.

51rY0YusxbL._SX312_BO1204203200_Als Sage in Nevada ankommt, besitzt sie nichts – kein Geld, keine Wohnung, keine Freunde. Nichts außer dem eisernen Willen, neu zu beginnen und das, was zu Hause geschehen ist, zu vergessen. Das ist allerdings schwer, wenn einen die Erinnerungen auf jedem Schritt begleiten und die Angst immer wieder über einen hereinbricht. So auch, als Sage ihren Job in einer Bibliothek antritt und dort auf Luca trifft. Mit seinen stechend grauen Augen und seinen Tätowierungen steht er für alles, wovor Sage sich fürchtet. Doch Luca ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Und als es Sage gelingt, hinter seine Fassade zu blicken, lässt das ihr Herz gefährlich schneller schlagen …

Ich kann nicht nachvollziehen, wie „Berühre mich. Nicht.“ so lang auf meinem SuB schlummern konnte – ich wollte es schon seit einiger Zeit lesen. Dass ich jetzt endlich dazu gekommen bin, ist Fluch und Segen zugleich. Ein grandioses Buch, ein grausames Ende – für das sich Laura sogar in der Danksagung entschuldigt. Wie kann man nur? Am liebsten würde ich sofort Teil 2 nachschieben, das ist mir aber derzeit nicht möglich, da andere Bücher anstehen. Einfach grausam!

Abgesehen von dem brutalen Cliffhanger ist „Berühre mich. Nicht.“ ein in allen Punkten überzeugendes New-Adult-Buch voll großer Gefühle und grandioser Protagonisten – ein potentielles Jahreshighlight. Durch die perfekte Wahl der Erzählperspektive (Ich-Erzähler aus der Sicht von Sage) wird es dem Leser leicht gemacht, sich mit der Protagonistin zu identifizieren, mit ihr zu leiden, zu lachen, und sich in meinem Fall – ein bisschen – in sie zu verlieben.

Das Setting ist wunderbar und spiegelt das amerikanische Lebensgefühl wieder, die Handlung ist spannend und sorgt mit vielen unerwarteten Wendungen immer mal wieder für Spannungsspitzen. Tolle Dialoge und Laura Kneidls leichter und flüssiger, aber vor allem eindringlicher und gefühlvoller Schreibstil fesseln den Leser an die Seiten und lassen ihn das Buch nicht aus der Hand legen. Dabei gelingt es der Autorin, nicht nur die Anziehung zwischen den Protagonisten, sondern auch die Angst, die Panik und Verzweiflung von Sage greifbar zu machen.

Im Laufe der Handlung entwickeln sich die – vielschichtig und plastisch angelegten – Protagonisten weiter, zeigen Stärken und Schwächen. Dabei können auch die Nebencharaktere, allen voran April und Gavin, überzeugen. Ich bin schon gespannt, wie auch deren Geschichten im Folgeband „Verliere mich. Nicht.“ weitererzählt werden.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Motiv ist ein wahrer Eyecatcher und bietet zusammen mit dem zweiten Teil der Reihe einen hohen Wiedererkennungswert und ein einheitliches Design.

Mein Fazit? „Berühre mich. Nicht.“ ist ein nahezu perfektes New-Adult-Buch mit tollen Protagonisten, einer starken und gefühlvollen Sprache und ganz großen Emotionen. Auch wenn das Ende einige verzweifeln lassen wird, ist es bedenkenlos für Liebhaber des Genres zu empfehlen – allerdings meines Erachtens nach nicht wie vom Verlag empfohlen ab 14, sondern eher ab 16 Jahren.

 

 

 

[Buchgedanken] Anna Fischer: „Herz sucht Callboy“

In den letzten Tagen habe ich „Herz sucht Callboy“ gelesen, mein zweites Buch von Anna Fischer nach „Herz in Reparatur„. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Vorab-Rezensionsexemplares. „Herz sucht Callboy“ ist am 21.05.2019 bei Montlake Romance, Amazon Media EU s.à r.l. erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen.

51YbCM5lneL._SX337_BO1204203200_Paula wird in Sachen Liebe bitter enttäuscht. Deshalb kehrt sie nicht nur ihr, sondern auch ihrer Heimat Berlin den Rücken und wandert nach New York aus. Sieben Jahre später ist sie Top-Scheidungsanwältin und immer noch überzeugter Single. Um bei ihrem konservativen Arbeitgeber den Karriereschritt zur Junior-Partnerin zu machen, muss sie jedoch zwingend verheiratet sein. Deshalb engagiert sie den Callboy Scott für eine Scheinehe. Leider entpuppt er sich als die Unzuverlässigkeit in Person. Doch nachdem sie ihn als ihren Verlobten ausgegeben hat, kann sie ihn nicht wie ein unpassendes Kleidungsstück umtauschen. Als Paulas Plan, sich schnell standesamtlich trauen zu lassen, völlig außer Kontrolle gerät und plötzlich auch noch ihre zukünftigen Schwiegereltern auf der Matte stehen, müssen die beiden länger als gedacht das verliebte Pärchen spielen …

„Herz sucht Callboy“ – um das Ergebnis gleich mal vorwegzunehmen – gefällt mir noch eine Spur besser als „Herz in Reparatur“. Die Prämisse ist innovativ, die Handlung spannend und konfliktbasiert, wenn auch genrebedingt teils vorhersehbar. Mit unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin jedoch immer mal wieder, den Leser zu überraschen, dem Geschehen eine neue Dynamik einzuhauchen.

Dabei ist es nicht nur das – erneut – malerische Setting, sondern es sind vor allem die krassen Gegensätze, die die Handlung enorm vorantreiben. Deutschland und Amerika, Staranwältin und Callboy, High-Society und Landleben – stets pointiert, aber nie klischeehaft stellt Anna Fischer die Protagonisten regelmäßig vor neue Hindernisse, reißt sie aus ihren Komfortzonen und sorgt gerade damit dafür, dass der Leser die Charaktere besser kennenlernt. Die perfekt gewählte Erzählperspektive (Ich-Perspektive von Paula) trägt das Ihrige dazu bei, dass der Leser sich gut mit der Protagonistin identifizieren kann, mit ihr leidet, und das Buch am liebsten nicht aus der Hand legen möchte.

Auch die Nebencharaktere überzeugen auf ganzer Linie. Sei es Charlie mit seinem Kater Tolstoi, Rachel, Abby, Doro oder Buddy – ein jeder hat seine eigene, wichtige Rolle und trägt die Handlung voran. Dabei entwickeln sich vor allem die Protagonisten, aber auch deren Eltern, im Laufe des Buches konsequent weiter, zeigen Stärken und Schwächen. Erneut bricht die Autorin klassische Rollenmuster auf und stellt eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die den klassischen New-Adult-Romanen entwachsen ist, die mit über 30 Jahren mitten im Leben steht und deren bewegte Vergangenheit daher großen Einfluss auf ihre Zukunft hat.

Anna Fischers Schreibstil ist leicht und lässt sich flüssig lesen. Gefühlvoll, witzig und charmant nimmt die Autorin den Leser an die Hand und lässt das Kopfkino anspringen, bei einer erneut gelungenen Schwerpunktsetzung.

Die Buchgestaltung kann größtenteils überzeugen. Lektorat und Korrektorat haben sehr sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls solide. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für ein einheitliches Reihenbild und einen Wiedererkennungswert. Auch wenn es mir zudem eine Spur besser gefällt als bei „Herz in Reparatur“, fehlt mir erneut etwas der Bezug zur Geschichte, etwas Mut und Innovation.

Mein Fazit? „Herz sucht Callboy“ ist ein überzeugender Liebesroman, der durch ein tolles Setting, interessante Charaktere und ein enormes Konfliktpotential punktet. Für Liebesromanleser bedenkenlos zu empfehlen – Feel-Good-Feeling inklusive.

[Buchgedanken] Jacqueline Mayerhofer: „Hunting Hope: Zerbrochene Herkunft“ (Teil 1)

Vor einiger Zeit habe ich „Hunting Hope: Zerbrochene Herkunft“ gelesen, den ersten Band einer Novellenreihe, die Jacqueline Mayerhofer für den Verlag In Farbe und Bunt unter dessen Label „Weltenwandler“ veröffentlicht hat. Band 1 erschien 2018 als e-Book und ist auch in der mir vorliegenden limitierten Printausgabe erhältlich. Das Werk ist dem 51Wl5IwaszL._SX327_BO1204203200_Genre Science-Fiction zuzuordnen.

Feynels Herkunft ist umwölkt, an seine Eltern erinnert er sich kaum mehr. Ausgesetzt auf dem heruntergekommenen Planeten Sekpton verbringt er seine Kindheit als Schrottsammler für einen Söldnerboss, bis ihm eines Tages die Flucht gelingt. Doch mit dieser beginnt sein wahres Abenteuer erst – und bis jetzt hält es keine allzu guten Aussichten für ihn bereit …

„Hunting Hope: Zerbrochene Herkunft“ ist ein vielversprechender Reihenauftakt, entführt den Leser in weitentfernte Welten zu nicht näher definierbaren Zeiten. Durch die Kürze der Geschichte, das Buch umfasst knapp 90 Buchseiten, kommt nie Langeweile auf, die Handlung entwickelt sich rasant und kippt von einer Katastrophe in die Nächste.

Charaktere und Setting werden toll beschrieben, der Weltenbau, vor allem die Einführung der verschiedenen Lebewesen, ist hinreichend detailliert, und dank Jacqueline Mayerhofers leichtem und flüssig-lesbaren Sprachstil bilden sich sofort Bilder, die das Kopfkino anspringen lassen. Trotz der Kürze der Handlung, die auch einen längeren Zeitraum überspringt, entwickeln sich die Charaktere, vor allem Feynel, merklich und kontinuierlich weiter.

Einziges Manko des Serienauftaktes ist es dabei, dass – allerdings normal für das Genre – der Leser in eine Welt geworfen wird, die so fremd ist, die voll unbekannter Rassen und Planeten, voll neuer Technik und komplizierter Namen ist. Da das Buch jedoch so schnell vorbei ist, hat man kaum Zeit, sich daran zu gewöhnen, sich einen ausreichenden Überblick zu verschaffen. Hier hätte vielleicht ein kurzes Glossar der Schauplätze und wichtigsten Rassen, oder auch eine Dramatis Personae Abhilfe schaffen können.

Die Buchgestaltung ist durchweg als solide zu bezeichnen, Lektorat und Korrektorat haben sehr sauber gearbeitet, auch der Buchsatz kann weitesgehend überzeugen. Lediglich beim Cover bietet sich meines Erachtens nach noch Luft nach oben. Zwar ist die Farbgestaltung überzeugend und ich kann den Grundgedanken hinter der Motivwahl gut nachvollziehen, mit etwas mehr Mut und Innovation hätte man hier aber auch einen noch stärkeren Bezug zum Inhalt schaffen können.

Mein Fazit? „Hunting Hope: Zerbrochene Herkunft“ ist ein im Großen und Ganzen überzeugender Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht. Ein tolles Setting lässt das Kopfkino sofort anlaufen, auch wenn es nicht immer leicht ist, den Überblick zu behalten. Für Science-Fiction-Liebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Heike Ribguth: „Ein Cowboy zum Küssen“

In der letzten Zeit habe ich Heike Ribguths Debütroman „Ein Cowboy zum Küssen“ gelesen. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing über Twentysix erschienen – vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Lese- und Verlosungsexemplars auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Das Gewinnspiel zum Roman startet übrigens noch in diesem Monat – also haltet die Augen offen :).

51WQNdP3udL._SX311_BO1204203200_Eigentlich wollte Nina die texanische Ranch ihres verstorbenen Großonkels so schnell wie möglich verkaufen, um spätestens in sechs Wochen mit der Kohle zurück nach Berlin zu fliegen. Kurz nach ihrer Ankunft irrt sie vollständig orientierungslos bei starkem Gewitter durch die Gegend, als sie mit ihrem Leihwagen in einen umstürzenden Baum kracht. Ausgerechnet Jack Parker, der begehrteste und heißeste Junggeselle von ganz Somerville, findet die Deutsche bewusstlos auf dem Highway und bringt sie ins Krankenhaus. Doch als sie sich bei ihm kurz darauf für die Hilfe bedanken will, entpuppt sich der charmante und hilfsbereite Cowboy als fieser Macho. Wie kann ihr arroganter Nachbar äußerlich nur so cool bleiben, während Nina bei jedem Blick in seine stechenden Augen die Fassung verliert?

„Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein locker-leichter Roman, der vor allem dank seines fantastischen Settings brilliert. Die endlosen Weiten von Texas, abgelegene Ranches, Rodeo-Veranstaltungen mit traumhaften Pferden – der Roman ermöglicht es dem Leser, sich wegzuträumen und den Alltag für einige, kostbare Augenblicke zu vergessen.

Auch wenn mir die Perspektivwechsel teils etwas zu viel sind und die Handlung dadurch etwas unübersichtlich wird, gelingt es der Autorin doch, vor allem dank der unkonventionell-frischen, frechen und direkten Erzählsprache, den Leser an die Seiten zu fesseln. Dabei scheint in den Dialogen durchaus die Herkunft der Protagonistin – und auch der Autorin – aus Berlin und Brandenburg durch und sorgt damit für Authentizität.

Naturgemäß ist die Handlung genrebedingt etwas vorhersehbar, dennoch sorgt Heike Ribguth mit einigen, unerwarteten Wendungen immer mal wieder für Spannung. Zwischen den Protagonisten – die vielschichtig mit Stärken, Schwächen und glaubhaften Hintergrundgeschichten angelegt sind – kann man die Gefühle, Anziehung, das Knistern förmlich fühlen. Dabei balanciert das Buch haarscharf auf der Klippe zwischen Liebes- und Erotikroman, daher habe ich – wie einigen vielleicht aufgefallen ist – auch auf eine Genrezuordnung im ersten Absatz verzichtet.

Die Buchgestaltung kann leider nicht restlos überzeugen. So ist der Buchsatz grundsätzlich in Ordnung, lediglich die Kapitelbezeichnung ist etwas inkonsistent und verwirrend – so werden innerhalb von Kapiteln teils größere Abschnitte mit Überschriften eingeleitet, ebenfalls existiert am Ende ein Epilog, der vor das erste Kapitel gezogene Text hätte sinnigerweise dann als Prolog betitelt werden können. Auch in der Überarbeitung im Lektorat/Korrektorat sind zwar noch einige Fehler durchgerutscht, diese stören den Lesefluss allerdings nicht. Das Cover hingegen lässt durchaus noch Luft nach oben. Zwar gefällt es mir, dass sich das Grundbild der Landschaft auch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, mit der zentral auf dem Cover postierten Frau harmoniert es jedoch nicht wirklich. So sind die Übergänge teils verwaschen und unscharf, teils wirkt es etwas deplatziert. Auch hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Geschichte gewünscht (pinker Cowboyhut, Hund, Eingangsschild zur Ranch o.ä.).

Mein Fazit? „Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Liebes-/Erotikroman, der vor allem mit einem fantastischen Setting und einer frischen Erzählsprache punkten kann und den Alltag vergessen lässt. Leichtere Schwächen in der Buchgestaltung und Perspektivwahl werden durch Authentizität und große Gefühle mehr als kompensiert. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – allerdings erst ab 18 Jahren.

[Buchgedanken] J. Vellguth: „Der letzte Liebesbrief“

In der letzten Zeit habe ich „Der letzte Liebesbrief“ von J. Vellguth gelesen. Der Roman ist 2018 im Selfpublishing veröffentlicht worden und dem Genre Romance/Liebesroman zuzuordnen. Es ist bereits mein viertes Buch der Autorin, ihr Roman „Das Päckchen“ schaffte sogar den Sprung in meine Jahreshighlights 2017.

513EkPcSAaL._SX326_BO1204203200_Nell wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Tante endlich wieder glücklich zu sehen. Als sie bei ihrem Umzug einen versteckten Liebesbrief findet, der an Bernadette gerichtet ist, wittert sie ihre Chance. Voller Elan begibt sie sich auf eine verschlungene und geheimnisvolle Reise in die Vergangenheit. Dabei trifft sie auf einen attraktiven Fotografen, der einfach viel zu gut ist, um wahr zu sein.

Sam ist Mode-Fotograf, erfolgreich, berühmt und … er hat seine Muse verloren. Erst ein berührender Liebesbrief in den Ruinen eines alten Gebäudes und das Funkeln in den Augen einer ganz besonderen jungen Frau lassen ihn hoffen, dass seine Inspiration noch nicht ganz erloschen ist. Doch je länger er Nell folgt, desto deutlicher wird, dass noch wesentlich mehr hinter ihrer Geschichte steckt, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Sind die beiden stark genug, um die Schatten ihrer Vergangenheit zu besiegen?

„Der letzte Liebesbrief“ ist Entspannung, ist Balsam für die Seele. Die Geschichte um Nell und Sam berührt und begeistert – und erlaubt dem Leser, sich wegzuträumen. Auch wenn die Handlung genrebedingt teils vorhersehbar ist, gelingt es der Autorin doch mit ihrem locker-leichten Schreibstil den Leser an die Seiten zu fesseln – Feel-Good-Garantie inklusive.

Eine der großen Stärken des Romans ist das bezaubernde Setting, das den Leser mit den Protagonisten unter anderem zu Lost Places oder in die Natur führt: J. Vellguths Auswahl athmosphärischer Orte unterstützt die Handlung perfekt – übrigens genau wie die Playlist, da jedes Kapitel mit einem gefühlollen Song überschrieben ist (Jason Mraz, Demi Lovato, James Blunt, Ed Sheeran, Owl City uvm.).

Die Charaktere des Romans, insbesondere die beiden Protagonisten und Love Interests Sam und Nell sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich im Laufe des Romans weiter. Beide tragen Probleme aus der Vergangenheit mit sich herum, die die Jagd nach den Briefen, die Schatzsuche, nicht nur zu einer Suche nach dem ominösen Verfasser, sondern auch zu einer Art Vergangenheitsbewältigung machen. Dabei nehmen die ernsteren Themen jedoch nie den Schwerpunkt der Handlung ein und lassen das Buch nicht zu einem Schicksalsroman werden.

Die Wahl mehrerer personaler Erzählperspektiven erlaubt es dem Leser, die Gedanken und Gefühle beider Protagonisten hautnah zu fühlen, mit ihnen zu leiden und zu lachen. Ich persönlich hätte allerdings auf Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels, innerhalb einer Szene verzichten können.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls größtenteils. Das Cover ist durch die tolle Farbkombination sehr auffällig, und die Schmetterlinge nehmen direkten Bezug auf die Handlung. Nichtsdestotrotz wäre hier mit etwas mehr Mut sicherlich noch ein stärkerer Eyecatcher möglich gewesen, wenn man zum Beispiel die Lost Places – oder Nells Narbe – in die Gestaltung miteingebunden hätte. Der Buchsatz ist fehlerfrei, lediglich die Chatverläufe hätten besser optisch dargestellt/abgegrenzt werden können. Am Korrektorat von Corinna Rindlisbacher gibt es erneut nichts auszusetzen.

Mein Fazit? „Der letzte Liebesbrief“ ist ein überzeugender Liebesroman, der perfekte Begleiter für Sommer und Urlaub dank Feel-Good-Garantie. Ein atemberaubendes Setting und ein locker-leichter, aber gefühlvoller Schreibstil sorgen für ein gelungenes Lesevergnügen – für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Vea Kaiser: „Rückwärtswalzer: oder Die Manen der Familie Prischinger“

Da ich mich derzeit in Wien aufhalte, möchte ich Euch heute ein Buch einer österreichischen Autorin vorstellen. In den letzten Tagen habe ich Vea Kaisers dritten Roman: „Rückwärtswalzer: oder Die Manen der Familie Prischinger“ gelesen. Das Buch ist 2019 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen und ist eine Mischung aus Familienroman und Road Trip – ein klassischer Roman der Gegenwartsliteratur. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Buch und Autorin durfte ich auch im Rahmen der Leipziger Buchmesse auf dem Bloggertreffen von Kiepenheuer & Witsch persönlich kennenlernen.

41eFMQJuH6L._SX303_BO1204203200_Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Panda von Wien Liesing bis zum Balkan. Auf der 1029 Kilometer langen Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander.
Mirl, die älteste der Schwestern, muss nach dem Krieg schon früh Verantwortung übernehmen und will nur weg aus dem elterlichen Gasthof, weg vom Land. Doch weder die Stadt noch ihre Ehe entwickeln sich so, wie sie es sich erträumte. Wetti interessiert sich bereits als Kind mehr für Tiere als für Menschen. Als Putzfrau im Naturhistorischen Museum kennt sie die Präparate der Sammlungen bald besser als jeder Kurator, und als alleinerziehende Mutter einer dunkelhäutigen Tochter schockiert sie die Wiener Gesellschaft. Und Hedi, die Jüngste im Bunde, lernt Willi zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben kennen, an dem sie mit selbigem fast schon abgeschlossen hat. Denn die drei Schwestern haben in jungen Jahren einen schweren Verlust erlitten. Und sie alle geben sich die Schuld daran.

„Rückwärtswalzer: oder Die Manen der Familie Prischinger“ ist ein kurioser, witziger, skuriller, dramatischer und emotionaler Familienroman. Die Geschichte um Hedi, Wetti und Mirl, Lorenz und Sepp, Gottfried und Willi, die Kinder der Schwestern, Herr Ferdinand, Nenerl, Ana und Vlad, Fanny und ihren Vater spielt auf mehreren Ebenen. Es ist eine Reise, nicht nur durch verschiedene Länder, sondern auch durch die Gesellschaft – und die Zeit. So spielt die Handlung in zwei verschiedenen Zeitebenen – es wechseln sich Kapitel aus der Gegenwart mit Erzählungen aus der Vergangenheit ab. Und auch wenn sich die Geschichte erst nach und nach entfaltet, die Hintergründe der Charaktere erst Stück für Stück enthüllt werden, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob nicht eine chronologische Erzählung sinnvoller gewesen wäre, da die Wechsel sehr drastisch, sehr fordernd sind und viel vom Leser verlangen.

Nichtsdestotrotz ist das Buch ein wahres Kleinod, das mit seiner Situationskomik und genial angelegten, plastisch und vielschichtig ausgearbeiteten Charakteren punkten kann. Die Figuren entwickeln sich auch im Laufe der Handlung weiter (nicht nur über die historischen Rückblicke, sondern auch im Verlauf der kurzen Episode in der Gegenwart). Dabei nimmt der Roman auch auf die römische Mythologie Bezug und baut diese geschickt als Motivation der Handelnden mit in die Geschichte ein.

20190328_183517Der Schreibstil der Autorin ist authentisch und passt sich erfrischend den Figuren an. Er ist nicht glattpoliert, sondern strotzt vor österreichischen Floskeln und – gerade in den historischen Kapiteln – zeitgeschichtlichem Vokabular. Dabei sind es gerade die Unterschiede in den Charakteren, das gegenseitige Unverständnis und unvereinbare Weltbilder, die zu der vielgelobten Situationskomik führen, die das Lesen des Buches zu einem wahren Erlebnis macht.

Der Buchsatz ist gelungen, Lektorat und Korrektorat überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie. Das Cover ist ausdrucksstark und glänzt mit kleinen Details wie einem Bären, die sich erst nach dem Lesen des Buches erschließen.

Mein Fazit? „Rückwärtswalzer: oder die Manen der Familie Prischinger“ ist ein Road Trip der Extraklasse, ein Familenroman, der vor allem durch seine exzellenten Charaktere punkten kann. Auch wenn die anachronistische Erzählweise vom Leser viel Aufmerksamkeit fordert, sorgen die komischen und humorvollen Elemente für ein großes Lesevergnügen. Für Leser abseits der Genreliteratur, für Liebhaber von zeitgenössischen Romanen und Familiensagas bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mona Kasten: „Trust Again“ (Again 2)

In den letzten Tagen habe ich „Trust Again“ von Mona Kasten gelesen, den zweiten Teil ihrer wundervollen „Again“-Reihe. Das Buch ist 2017 bei Lyx in der Bastei Lübbe AG, Köln, erschienen und dem Genre New-Adult Romance zuzurechnen. Meine Besprechung des Vorgängers kann *hier* abgerufen werden.

41euzRjPVaL._SX312_BO1204203200_In dem Moment, in dem sie Spencer Cosgrove zum ersten Mal gegenübersteht, weiß Dawn, dass sie ein Problem hat. Ein großes Problem. Spencer ist sexy, charmant und lustig, genau ihr Typ – und er beginnt augenblicklich mit ihr zu flirten. Doch Dawn hat sich geschworen, die Finger von Männern zu lassen. Zu tief sitzt der Schmerz, den sie empfindet, weil sie der falschen Person vertraut hat, zu groß ist die Wunde, die sein Verrat hinterlassen hat. Aber Spencer gibt nicht auf. Und als Dawn herausfindet, dass auch er ein herzzerreißendes Geheimnis verbirgt, wird ihr klar, dass sie keine Chance hat gegen die Art und Weise, wie er ihre Welt auf den Kopf stellt …

„Trust Again“ spielt kurz nach der Handlung von „Begin Again“ und schreibt die Geschichte fort. Auch wenn der Fokus auf anderen Protagonisten liegt, fühlt es sich doch wie eine Fortsetzung an. Man trifft liebgewonnene Charaktere wieder und lernt neue Figuren kennen. Die einzelnen Figuren werden dabei konsequent weiterentwickelt, werden mit jeder Seite, jedem Kapitel dreidimensionaler und plastischer. Besonders gefallen hat mir dabei auch Sawyer – daher freue ich mich schon sehr darauf, mehr von ihr im dritten Band zu lesen.

„Trust Again“ ist eine emotionale Achterbahnfahrt, ist – wie der Name es schon andeutet – auch ein Buch über Vertrauen, über Bindungsängste und Geheimnisse. Es ist ein Buch voller Stärke und Zerbrechlichkeit, voller Verzweiflung, Kraft und Mut. Und natürlich voller Liebe – eindringlich, romantisch und erotisch. Mona Kasten gelingt es dabei, den Leser an die Buchseiten zu fesseln und nicht mehr loszulassen. Dies wird auch durch die gelungene Wahl der Erzählperspektive begünstigt. Die Geschichte aus Dawns Sicht erleben zu können, hilft dem Leser, sich mit ihr zu identifizieren, mit ihr zu leiden und zu lachen.

Das Setting ist, wie bereits bei „Begin Again“ gelungen, der Schreibstil der Autorin leicht und flüssig. Die einzige Kleinigkeit, die ich anmerken möchte, ist weniger Kritik, sondern viel mehr eine vertane Chance. So kleinlich es auch klingen mag, ich hätte mir gewünscht, dass Spencers und Dawns „27. Kapitel“ – ein zentrales Handlungselement – sich schlussendlich im 27. Kapitel des Romanes wiederfindet. Das hätte noch für einen zusätzlichen „Wow“-Moment beim lesen gesorgt. Abgesehen davon ist „Trust Again“ ein wundervoller, atemberaubender und hochemotionaler New-Adult-Titel, der sicherlich mitgeholfen hat, Mona Kastens kometenhaften Aufstieg zur #1-Bestsellerautorin zu bewerkstelligen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Satz sind gelungen, das Cover ist wunderschön und sorgt – auch in Kombination mit den anderen Covern der Reihe – für einen hohen Wiedererkennungswert. In der Hoffnung, nicht zuviel hineinzuinterpretieren, begeistert mich auch die Wahl der jeweiligen Grundfarbe des Covers. Während das Weiß von „Begin Again“ für den Neuanfang steht, kann das Schwarz dieses Buches die dunklen Geheimnisse, die düsteren Seiten in jedem von uns, aber vor allem auch in den Protagonisten, symbolisieren. Ich bin schon gespannt, was es mit dem Pink des dritten Teiles auf sich hat.

Mein Fazit? „Trust Again“ ist nahezu perfekt, New-Adult in Reinform. Das Buch überzeugt durch tolle Charaktere, starke Emotionen und ein gelungenes Setting. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.