[Buchgedanken] Emily Bold: „Stolen: Verwoben in Liebe“ (Stolen 1)

In der letzten Zeit habe ich „Stolen: Verwoben in Liebe“, den ersten Band einer neuen Fantasyreihe von Emily Bold gelesen. Der Roman ist 2020 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und dem Genre Urban Fantasy / Young-Adult Romantasy zuzuordnen. Es ist bereits mein elftes Buch der mehrfach in meinen Jahreshighlights vertretenen Autorin.

Wenn der erste Junge, den du küsst, deine Seele stehlen will, dann läuft etwas gewaltig schief. So wie bei Abby Woods. Sie hat schon viele Fehler begangen. Diese haben sie nach Darkenhall geführt, eine Londoner Schule, die sich rühmt, auch aus den unbezähmbarsten Schülern bessere Menschen zu machen. Als sie dort dem charismatischen Tristan und seinem geheimnisvollen Bruder Bastian begegnet, begeht sie einen noch viel größeren Fehler. Sie stiehlt Bastians Ring, nicht ahnend, welche Kraft sie damit entfesselt. Denn die Tremblays sind keine gewöhnlichen Schüler, und der Ring kein einfaches Schmuckstück. Abby gerät in große Gefahr und sie muss erkennen: Einen Tremblay küsst man nicht.

Auch wenn man etwas braucht, bis man mit Stolen warm wird, hat sich das Durchhalten definitiv gelohnt. Denn nach einem etwas zähen – und durch die Anlage aller Handlungsstränge sehr sprunghaften – Start, entwickelt sich eine tolle, gefühlvolle und vor allem spannende Handlung. Eingebettet in ein wunderschönes Londoner Setting, wird das Kopfkino sofort angeworfen, und man träumt sich nach Darkenhall (oder an meinen Lieblingsplatz: den Jahrmarkt!).

Dabei besticht der Roman vor allem durch seine tollen Charaktere, auch wenn man diese oftmals schütteln möchte, da man durch das Informationsplus als Leser mehr weiß und sie fröhlich und stur im Dunkeln herumtappen. Trotzdem entwickeln sie sich im Lauf der Handlung weiter, insbesondere Bastians Zerrissenheit und Abbys Gefühle werden von Emily Bold toll eingefangen – man leidet, lacht und weint mit beiden.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich – wie nicht anders zu erwarten – leicht und flüssig lesen, transportiert Gefühle und Bilder. Was mich doch sehr irritierte, war jedoch der sehr krasse Cliffhanger am Ende, den ich in einer solchen Brutalität von Emily gar nicht kenne – zumindest gefühlt. Vielleicht hätte man einfach 1-2 Kapitel vorher aufhören können.

Die Buchgestaltung hingegen ist makellos. Lektorat, Korrektorat und Satz haben sauber gearbeitet und der Buchumschlag ist wunderschön. Ein auch unter dem Buchumschlag toll aussehendes Buch, sowie ein fabelhafter bunter Buchschnitt in limitierter Auflage runden den tollen Gesamteindruck des Hardcovers ab.

Mein Fazit: „Stolen: Verwoben in Liebe“ ist ein toller Auftakt in eine phantastische Buchreihe, der vor allem durch ein wunderschöne Setting und tolle Charakere glänzt, aber auch einen heftigen Cliffhanger bietet – erneut ein potentielles Jahreshighlight. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, allerdings würde ich die vom Verlag empfohlene Altersgrenze (ab 12) minimal höher setzen und das Buch Lesern erst ab 13/14 ans Herz legen.

[Buchgedanken] Olivia Monti: „Das Haus“

Vor kurzem habe ich „Das Haus“ von Olivia Monti gelesen, mein zweites Buch der Autorin nach dem unter ihrem Klarnamen geschriebenen Roman „Der Regisseur„. „Das Haus“ wurde 2020 im Selfpublishing veröffentlicht und ist als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle erneut an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Das Haus ist ein Gebäude voller winziger Mietwohnungen. Mit dem Tod des Medizinstudenten Enis Al Agha nimmt das Unheil seinen Lauf. Einer um den anderen Mieter wird tot aufgefunden oder verschwindet spurlos. Die pensionierte Schneiderin Frau Rauhaar ist sich sicher, es gibt einen einzigen Mörder und der wohnt im Haus. Die Parapsychologin Nadja Knoll ist anderer Meinung: Das Haus sei womöglich ein Unglückshaus, ein verfluchter Ort, das Haus selbst sei sozusagen schuld an den grausigen Geschehnissen. Niemand erkennt ein klares Muster hinter den horrenden Fällen. Die Polizei ist ratlos. Bis sie rein zufällig auf eine bedeutende Spur stößt. Viel zu spät …

„Das Haus“ ist – wie oben in der Genreeinteilung erwähnt – ein Kriminalroman. Darüber hinaus ist es aber ein Kammerspiel nach dem Vorbild von Agatha Christie, eine Mikrostudie der Gesellschaft – und eine parapsychologische Abhandlung.

Insgesamt hat der Roman Stärken und Schwächen – und lässt mich etwas ratlos zurück. Während es der Autorin gut gelingt, aktuelle geesellschaftliche Themen wie die Flüchtlingsaufnahme oder auch die Gefahr der Altersarmut und Vereinsamung gut in die Handlung zu integrieren, so geraten die Exkurse zum Gedächtnis von Gegenständen – so interessant sie grundsätzlich auch sind – teils zu lang und hemmen den Fluss, insbesondere, wenn seitens der Protagonistin nicht nur eigene Gedanken, sondern ausführlich die Erkenntnisse anderer Wissenschaftler vorgestellt werden. Aufgrund der Kürze des Buches kommen – bei einem so prägnanten Thema – dann auch die Täterpsychologie etwas kurz und das Ende sehr rasant.

Abgesehen von der etwas unglücklichen Schwerpunktsetzung ist die Handlung spannend – und der Autorin gelingt es, mit unerwarteten Wendungen den Leser immer mal wieder auf eine falsche Fährte zu führen. Die einzelnen Personen sind unterschiedlich und bilden im Haus einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Dabei sind die Charaktere durchaus dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Insbesondere die Rauhaar als Hobbyermittlerin, Voyeurin und allwissende Nachbarin überzeugt hier und balanciert gekonnt auf dem Drahtseil zwischen Sympathie und Abneigung.

Die Buchgestaltung ist einfach, aber solide. Sehr ungewohnt und verwirrend ist allerdings, dass die Kapitel – obwohl nur elf – mitten auf der Seite beginnen und so kaum eine erkennbare Struktur besteht. Das Cover ist – wie auch der restliche Buchumschlag – sehr eintönig, passt aber zum Genre. Jedoch fehlt der Bezug zur Geschichte.

Mein Fazit: „Das Haus“ ist ein durchaus spannender Kriminalroman mit überzeugenden Protagonisten und einer tollen Prämisse. Mit weniger parapsychologischen Einschüben und einem stärkeren Fokus auf die zwischenmenschlichen Interaktionen wäre das Potential der Geschichte noch besser umgesetzt worden – für Leser des Genres aber dennoch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Stella Tack: „Kiss Me Twice“

In der letzten Zeit habe ich „Kiss Me Twice“ von Stella Tack gelesen, den zweiten Teil der lose verknüpften „Kiss the Bodyguard“-Reihe. Das Buch ist 2020 in der Ravensburger Verlag GmbH erschienen und balanciert erneut etwas auf der Grenze zwischen Young-Adult und New-Adult Romance. Meine Besprechung zum ersten Teil der Reihe könnt Ihr *hier* abrufen, der auch eines meiner Jahreshighlights 2019 war.

Silver ist eine der wenigen Absolventinnen der Bodyguard-Academy in Miami. Sie ist knallhart und Jahrgangsbeste, und doch sind die Jobs rar. Bis Silver das Angebot erhält, undercover als Begleitschutz für Prinz Prescot zu arbeiten – niemand anderes als der Thronerbe von Nova Scotia. Von verwöhnten Royals hält Silver gar nichts, doch Prescot entpuppt sich als äußerst charmant. Und schon bald merkt sie, dass sie nicht nur Prescot vor politischen Feinden und Paparazzi schützen muss, sondern insbesondere ihr eigenes Herz vor dem unwiderstehlichen Prinzen.

Wow. Was für ein Buch. „Kiss Me Twice“ begeistert mich genau wie der Vorgänger und liebäugelt daher ebenfalls mit einem Platz in den Jahreshighlights. Süß, frech, abwechslungsreich und gefühlvoll – Stella Tacks „Kiss Me Twice“ ist Romance vom allerfeinsten. Als Leser klebt man an den Seiten, inhaliert die Geschichte und möchte das Buch am liebsten nicht aus der Hand legen, was nicht zuletzt auch an Stellas tollem, frischem und humorvollem Schreibstil liegt. Holy Moly, darauf ein Gatorade!

Dabei überzeugt der Roman durch ein malerisches Setting, durch eine Mischung aus Bodenständigkeit und High Society mit einer Prise royalem Flair. Und auch wenn die Handlung teils genrebedingt durchaus vorhersehbar ist, gelingt es der Autorin dennoch, den Leser mit unerwarteten Wendungen immer mal wieder in die Irre zu führen.

Herzstück des Buches sind jedoch die Charaktere. Sie sind – bis in die Nebenrollen – dreidimensional angelegt, haben Stärken, Schwächen, Motive und Ziele. Auch wenn man sich gut mit Silver und Prescot identifizieren kann, werden sie doch alle überstrahlt von der Protagonistin aus „Kiss Me Once“: Ivy Redmond, die mit einer kleinen, aber brillanten Nebenrolle ihrem Platz im Olymp meiner Lieblingsprotagonisten mehr als gerecht wird. Ich bin immer noch schockverliebt!

Auch wenn „Kiss Me Twice“ als Standalone gelesen werden kann, empfiehlt es sich doch, vorher „Kiss Me Once“ zu lesen, da man so noch eine stärkere Bindung zu den Figuren aufbaut, und die Querverbindungen den Roman insgesamt abrunden, unter anderem tauchen ja nicht nur Ryan und Ivy, sondern auch Jeff und Alex wieder auf.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist hochwertig geprägt, wunderschön und ein wahrer Eyecatcher mit hohem Wiedererkennunswert und einem tollem Reihenbild. Als Highlight bieten die farbigen, ausklappbaren Coverinnenseiten sowohl einen Stammbaum der Familie von Prescot, als auch die Cover von Stellas anderen Ravensburger-Titeln. Einfach ein bezauberndes Gesamtpaket.

Mein Fazit? Mit „Kiss Me Twice“ legt Stella Tack einen Romance-Titel vor, der vor allem dank toller Protagonisten, einem zauberhaften Setting und einer frischen und spannenden Handlung glänzt. Ein fast sicheres Jahreshighlight – und für Leser des Genres ab dem vom Verlag angegebenen Alter von 14 bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Anne Barns: „Eisblumenwinter“

In der letzten Zeit habe ich „Eisblumenwinter“ von Anne Barns gelesen. Das Buch ist 2020 bei HarperCollins in der HarperCollins Germany GmbH erschienen und als Roman, der zwischen Familienroman, Inselroman, Gegenwartsliteratur und Liebesroman wandelt, zu klassifizieren. Es ist mein drittes Buch von der Autorin nach „Kirschkuchen am Meer“ und nach dem Kinderbuch „Mirella Manusch – Hilfe, mein Kater kann sprechen!“ Vielen Dank auch an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Mit ihrer Karamellwerkstatt auf Rügen lebt Pia erfolgreich ihren Traum. Und doch ist sie nicht glücklich. Denn Paul, der Mann, den sie liebt, lebt gut fünfhundert Kilometer entfernt auf der Insel Juist. Als ihre Großmutter sie bittet, sie auf eine Reise zu den Orten ihrer Kindheit zu begleiten, sagt Pia zu. Eine Auszeit mit ihrer Oma ist genau das, was sie jetzt braucht. Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Dabei entdecken sie eine Liebesgeschichte, die Zeit und Grenzen überdauert hat – und bis heute nachwirkt.

„Eisblumenwinter“ ist – wie es von Anne Barns zu erwarten war – romantisch, familiär und idyllisch; ein Roman, für die ganze Familie, geprägt von Gefühlen und Geheimnissen. Vor dem malerischen Setting der Ostsee erzählt die Autorin die Geschichte einer Familie, die sich verloren und gefunden hat – trotz der auch leicht angerissenen schweren Themen ein wahrer Feel-Good-Roman und idealer Urlaubsbegleiter.

Dabei trifft der Leser, der mit den anderen Inseromanen von Anne Barns vertraut ist, bekannte Charaktere wieder, lernt aber auch neue spannende Figuren kennen. Dabei werden die einzelnen Leben der Personen immer weiter verknüpft, bis am Ende ein familiäres Kokon entsteht – mit Happy-End-Garantie.

Die Handlung ist spannend und immer mal wieder aufgrund unerwarteter Wendungen überraschend, aber insgesamt doch sehr harmonisch. Etwas mehr Konflikt hätte hier noch für Würze sorgen können, gleichsam aber auch etwas die durchgängige Feel-Good-Stimmung vielleicht beeinträchtigt.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover entspringt einer neuen Edition, die auch alle anderen Anne Barns Bücher erhalten. Und auch wenn die alten Cover einzeln isoliert schöner aussahen, sorgt das neue doch für einen einheitlichen Gesamteindruck, einen hohen Wiedererkennungswert und hebt sich von den doch sehr üblichen Covern ab. Abgerundet wird das schöne Buch natülich erneut mit einer Rezeptsammlung, die an die Geschichte angehängt ist.

Mein Fazit: „Eisblumenwinter“ von Anne Barns ist ein idealer Feel-Good-Roman für entspannte Urlaubstage am Meer, der vor allem durch Harmonie und ein wunderschönes Setting punktet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Anne Barns/Christin-Marie Below: „Mirella Manusch – Hilfe, mein Kater kann sprechen!“ (Mirella 1)

In der letzten Zeit habe ich „Mirella Manusch – Hilfe, mein Kater kann sprechen!“ von Anne Barns und Christin-Marie Below gelesen. Das Buch, der erste Teil der Mirella-Manusch-Reihe, ist 2020 bei Schneiderbuch in der HarperCollins Germany GmbH erschienen und dem Genre fantastisches Kinderbuch zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Autorinnen für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Mein Name ist Mirella, Mirella Manusch. Ich bin fast zehn Jahre alt und habe gerade erst einen neuen Eckzahn bekommen. Seitdem weiß ich: Ich bin ein Vampirmädchen. Ja, echt! Wenn die Sonne untergegangen ist, kann ich mich in eine Fledermaus verwandeln und fliegen. Außerdem habe ich einen eigenen Beschützer, meinen Kater Langstrumpf, der eigentlich Lancelot heißt. Und das Allercoolste: Ich kann die Sprache der Tiere verstehen, von Kleinkram wie Spinnen und Motten mal abgesehen. Abgefahren, oder? So kommt es auch, dass ich die Sorgen der Tiere in unserem Zoo kennenlerne. Ist doch klar, dass ich da helfen will, oder? Nur das mit der Geheimhaltung ist manchmal verflixt kompliziert …

„Mirella Manusch – Hilfe, mein Kater kann sprechen!“ ist ein Kinderbuch, das gute Laune versprüht. Mit kindgerechter Sprache gelingt es den beiden Autorinnen (übrigens Mutter und Tochter) Bilder in die Köpfe der Leser zu zaubern und ihnen Mirella, aus deren Sicht das Buch erzählt ist, näherzubringen. Dabei glänzt das Buch vor allem durch die tollen Charaktere, allen voran Langstrumpf/Sir Lancelot, und natürlich Mirella, die in dieser kurzen Zeit bereits eine beeindruckende Entwicklung durchmacht.

Die Handlung ist ebenfalls altersgerecht und spannend, bleibt aber insgesamt etwas zu seicht und kratzt nur an der Konfliktoberfläche. Dies liegt aber im Zweifel daran, dass durch die notwendige Charaktervorstellung schlicht im ersten Band etwas zu wenig Platz übrig blieb. Ich bin gespannt, ob die Folgebände hier etwas mehr in die Tiefe gehen und wichtige, aktuelle Fragen kindgerecht aufarbeiten.

Die Buchgestaltung hingegen ist absolut perfekt. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, und der Buchsatz, mit teils schwarzen Seiten, ist ein wahrer Traum. Unterstützt wird der tolle Buchsatz durch wundervolle Illustrationen von Anastasia Braun. Das Cover ist wunderschön und ein wahrer Eyecatcher, hochwertig geprägt auf dem Titel und Buchrücken.

Mein Fazit? „Mirella Manusch – Hilfe, mein Kater kann sprechen!“ ist ein wundervolles und wunderschönes Kinderbuch, das mit sympathischen Figuren, kindgerechter Sprache und einer tollen Aufmachung punktet. Für Kinder – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter von acht Jahren – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Die Sündenbraut“

Vor einiger Zeit habe ich „Die Sündenbraut“ von Manuela Schörghofer gelesen. Der Roman ist 2020 bei HarperCollins in der HarperCollins Germany GmbH erschienen und dem Genre historischer Roman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Leseexemplars. Es ist mein zweiter Roman der Autorin nach „Die Klosterbraut„.

51TZFdC0xJL._SX334_BO1204203200_Rheinland im 13. Jahrhundert: Seit dem Mord an ihren Eltern ist Fenja bei ihrer Ziehmutter Runhild aufgewachsen und hat von ihr die Kunst erlernt, Toten ihre Sünden zu nehmen. Doch als auch Runhild ermordet wird, bleibt Fenja nichts – bis auf ein Tuch mit eingesticktem Wappen, das der Mörder verloren hat, und der brennende Wunsch nach Rache. Völlig auf sich gestellt, tritt Fenja die gefährliche Reise an und trifft unverhofft auf den Handwerker Gerald. Er behauptet, den Träger des Wappens zu kennen, und bietet ihr seine Hilfe an. Aber kann Fenja dem jungen Mann trauen?

„Die Sündenbraut“ ist – um gleich das Ergebnis vorwegzunehmen – ein durchweg überzeugender, historischer Roman, der mir noch eine Spur besser gefallen hat als das Debüt der Autorin. In „Die Sündenbraut“ entwickelt Manuela Schörghofer ihren leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil konsequent fort, der weiterhin durch eine hohe Authentizität geprägt ist und auf eine zielgerichtete und gute Recherche schließen lässt, dabei aber nie belehrend wird.

Insgesamt punktet der Roman vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende, wenn auch teils vorhersehbare, Handlung. Der Autorin gelingt es dennoch, durch unvorhergesehene Wendungen den Leser immer mal wieder auf eine falsche Fährte zu locken. Dabei kann man sich als Leser gut mit den Protagonisten identifizieren, leidet und lacht mit ihnen.

Diese entwickeln sich auch im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Zwar werden die stereotypen Rollenbilder des Mittelalters nur selten durchbrochen, dafür werden über den einzelnen Charakter hinaus gesamtgesellschaftliche Fragen zu Glauben und Moral thematisiert. Lediglich der plötzliche Sinneswandel des Antagonisten erscheint – auch unter Berücksichtigung der finalen Enthüllungen – etwas unglaubhaft.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, auch der Buchsatz ist größtenteils gelungen und wird durch Karten in den Coverinnenseiten, sowie den Geschichten vorangestellte Personen- und Ortsbeschreibungen sowie ein Glossar unterstützt. Kleines Manko ist allerdings, dass vor und nach der Geschichte die gleiche Karte eingefügt ist – hier hätte etwas mehr Varianz für ein noch schöneres Ergebnis gesorgt. Das Cover ist auf dem Titelbild und dem Buchrücken hochwertig geprägt und bietet ein durchgängiges Bild über den kompletten, sehr ansehnlichen Buchumschlag. Allerdings fehlt mir etwas der Bezug des (wunderschönen) Titelbildes zur Geschichte.

Mein Fazit? „Die Sündenbraut“ ist ein gelungener historischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende Handlung punktet – sicherlich nicht mein letztes Buch von Manuela Schörghofer. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sophie Oliver: „Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ (Schwarzenberg 1)

In der letzten Zeit habe ich den ersten Teil von „Grandhotel Schwarzenberg“ von Sophie Oliver gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Verlag, Autorin und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. „Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erschienen, zuerst als e-Book bei beHEARTBEAT, in der mir vorliegenden Ausgabe als Taschenbuch bei Lübbe. Der Roman ist als historische Familiensaga einzuordnen. Es ist mein zweites Buch der Autorin nach „Die Gentlemen vom Sebastian Club“.

51YykWXQZxL._SX334_BO1204203200_Bad Reichenhall, 1905. In dem exklusiven Kurort in den bayerischen Alpen verliebt sich die junge Anna Gmeiner in den Salzsieder Michael. Beide wünschen sich ein besseres Leben. Michael beschließt, sein Glück in der Ferne zu suchen und Anna nachzuholen. Doch dann geschieht ein schreckliches Verbrechen und Anna ist gezwungen, einen anderen Mann zu heiraten. Zwischen Salzbaronen, Hoteliers und reichen Kurgästen aus aller Welt muss sie sich ihren Platz im mondänen Bad Reichenhall erkämpfen.

„Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ schildert die Geschichte von Anna im Bad Reichenhall kurz nach der Jahrhundertwende. Dabei bezaubert das Buch mit einem malerischen Setting. Caféhäuser und Hotels, Burgen, ärmliche Bauten und Wirtschaftsgebäude – der Autorin gelingt es, den Flair der Jahre für den Leser anschaulich zu machen und ihn in die Zeit zu versetzen. Dies wird auch durch eine hervorragende Recherche und eine sehr authentische Sprache unterstützt.

Die Handlung vermag ebenfalls im Wesentlichen zu überzeugend, ist spannend, wenn auch aufgrund des Buchtitels teils vorhersehbar. Dennoch werden auf dem Weg zum Ende immer mal wieder unvorhergesehene Wendungen eingestreut. Apropos Ende – im Gegensatz zu vielen anderen Reihenauftakten bietet „Der Weg des Schicksals“ ein durchaus abgeschlossenes Ende mit einem nur milden Cliffhanger, sodass das Buch sogar als Standalone gelesen werden kann. Die mehreren Handlungsstränge greifen gut ineinander und werden im Verlauf der Handlung zusammengeführt, lassen aber für die Folgebände genug Fragen offen.

Die einzelnen Charaktere werden plastisch und dreidimensional dargestellt, haben eigene Stärken und Schwächen, Ziele und Motive und entwickeln sich auch im Lauf der Handlung weiter. Insbesondere Katharina, aber auch Anna und Leo überzeugen hierbei und erlauben es den Lesern, sich mit ihnen zu identifizieren, mit ihnen zu leiden und zu lachen. Dabei ist Sophie Olivers Schreibstil (neben der oben bereits erwähnten authentischen Sprache) leicht und flüssig lesbar.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, der Text wird mit einer Figurenübersicht und einem Glossar umschlossen. Das Cover ist farblich ein wahrer Eyecatcher und hochwertig auf dem Titel und dem Buchrücken geprägt. Auch die Coverrückseite sieht toll aus und sorgt für einen insgesamt wunderschönen Buchumschlag.

Mein Fazit: „Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ ist ein in nahezu allen Punkten überzeugender Auftakt in eine Familiensaga, der vor allem dank seines tollen Settings und der historischen Authentizität punkten kann und Lust auf mehr macht. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Nika S. Daveron: „Fine Line – Create Your Character“ (Fine Line 1)

In der letzten Zeit habe ich „Fine Line – Create Your Character“ von Nika S. Daveron gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Das Buch ist in der mir vorliegenden Ausgabe 2019 im Selfpublishing erschienen, die Erstausgabe wurde 2015 veröffentlicht. „Fine Line – Create Your Character“ ist als Fantasy-Roman einzuordnen, kann aber auch mit Thriller-Elementen aufwarten.

41tLeXKYJxLElayne ist ganz besessen von dem Spiel Fine Line, einem eigentlich typischen Onlinespiel. Doch bald stellt sie fest, dass an Fine Line eigentlich gar nichts normal ist, nachdem sie der Gilde Xanadu beitritt. Denn die Gilde hat durch eine spezielle Technologie die Möglichkeit, in den Körper ihrer Avatare einzutauchen. Anfangs gefällt Elayne dieses phänomenale Spielgefühl, doch schon bald entbrennt ein Kampf um Leben und Tod, als jemand versucht, diese Technologie zu stehlen.

„Fine Line – Create Your Character“ ist der Auftakt zu einer Buchreihe um das Computerspiel „Fine Line“ und greift das klassische Motiv auf, dass Menschen mit ihren Avataren verschmelzen, wenn auch auf eher ungewohnte Weise über einen technischen Ansatz. Da es diesem – zumindest noch – an Plausibilität fehlt, ist „Fine Line“ als Fantasyroman und nicht als Science Fiction einzuordnen. Dies kann sich aber durchaus im Verlauf der Reihe noch drehen.

Die Handlung ist spannend und durch den Wechsel zwischen realer und fiktiver Welt abwechslungsreich. Zudem gelingt es Nika S. Daveron auch, durch unvorhergesehene Wendungen immer mal wieder an der Spannungsschraube zu drehen. Zwar bietet der Roman – wie üblich in einer Reihe – leider am Ende einen Cliffhanger, dieser ist erfrischenderweise aber sehr mild ausgeprägt. Dennoch kann der Roman nicht wirklich als Standalone gelesen werden, da zum Ende hin kaum Handlungsstränge ausreichend aufgelöst sind.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und flüssig lesen, ist vor allem authentisch an der Gamer-Szene orientiert, was für einen durchschnittlichen Leser allerdings auch erstmal eine Umstellung sein kann. Da jedoch Elayne auch erst in die Szene hineinwächst, werden Begriffe wie TeamSpeak und Tank geduldig erklärt, sodass der Leser mit ihr zusammen die Gamingwelt kennenlernen kann – was auch dadurch erleichtert wird, dass man aufgrund der Ich-Perspektive von Elayne sich gut mit ihr identifizieren kann.

Das Setting überzeugt im Wesentlichen, die einzelnen Welten im Spiel hätten allerdings noch bildgewaltiger beschrieben werden können, um den Leser noch mehr mit auf die Reise zu nehmen, um das Kopfkino zu erleichtern. Lobend erwähnen möchte ich zudem die Lösung, die die Autorin im Bereich der Triggerwarnung gewählt hat. Zwar bin ich weiterhin der Überzeugung, dass man in den meisten Fällen auf sie verzichten kann und vielmehr Hilfsangebote für Betroffene in den Mittelpunkt stellen sollte, aber mit einem Hinweis, dass man für mögliche Triggerwarnungen Kontakt mit der Autorin vorab aufnehmen soll, kann ich mich ebenfalls anfreunden.

Da relativ viele Charaktere in dem Roman angelegt und eingeführt werden, ist es nachvollziehbar, dass die Entwicklung der einzelnen Charaktere noch etwas im Hintergrund bleibt. Dies ist für eine Reihe aber nicht unüblich, und daher hoffe ich, dass in den nächsten Bänden die Motive, Stärken und Schwächen der vielen Charaktere noch stärker herausgearbeitet werden. Dass sich gerade Elayne hier teils auch unlogisch und nicht nachvollziehbar verhält, liegt nunmal auch an der Krankheit (über die man sicher in den Triggerwarnungen informiert worden wäre).

Die Buchgestaltung hat hingegen leichte Schwächen zu bieten. So sind dem Lektorat und Korrektorat kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten und den Lesefluss nicht beeinträchtigen. Der Buchsatz verzichtet leider auf die automatische Silbentrennung am Zeilenende, sodass ein uneinheitliches Zeilenbild entsteht. Das Cover passt gut zur Geschichte und bietet ein durchaus ansprechendes Titelbild. Farblich ist es jedoch eher unauffällig und relativ einfach gedruckt. Insgesamt ergibt es aber mit dem zweiten Teil ein einheitliches Reihenbild.

Mein Fazit: „Fine Line – Create Your Character“ ist ein im Wesentlichen gelungener Auftakt in die phantastische Buchreihe über das Computerspiel „Fine Line“. Der Roman punktet im Wesentlichen mit einer spannenden Handlung und einer authentischen Sprache, kleinere Schwächen in der Logik, Charakterentwicklung und Buchgestaltung fallen dagegen nicht so sehr ins Gewicht. Für Liebhaber des Genres oder von Rollenspielen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Laini Taylor: „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ (Muse 1, Strange 3)

In der letzten Zeit habe ich „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Bloggerjury für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Der Roman ist 2020 im One Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre High-Fantasy zuzuordnen. Die Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Muse of Nightmares“ bei Little, Brown and Company, Hachette Book Group. Er bildet den Auftakt der „Muse of Nightmares“-Dilogie, stellt gleichzeitig aber auch eine Fortsetzung der „Strange the Dreamer“-Dilogie dar, sodass er insgesamt auch als dritter Teil dieser Reihe gelten kann.

51YWG8WThzL._SX327_BO1204203200_Sarai ist die Muse der Albträume. Seit sie denken kann, quält sie die Bewohner von Weep mit ihren schlimmsten Ängsten. Sie ist sich sicher, dass sie jede noch so furchtbare Grausamkeit gesehen hat. Doch damit liegt sie falsch. Unendlich falsch. Denn plötzlich findet sich Sarai selbst in einem Albtraum wieder, aus dem sie nicht aufwachen kann. Ihre Liebe, ihr Leben und das aller Bewohner von Weep stehen auf dem Spiel …

„Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein klassischer Auftaktband – und kann definitiv nicht als Standalone gelesen werden, da keine der Handlungslinien zum Ende hin wirklich aufgelöst wird, was viel Potential für den nachfolgenden Teil eröffnet, für den Leser bisweilen aber etwas unbefriedigend sein kann. Auch empfiehlt es sich – was ich nicht getan habe – vorher in jedem Fall „Strange the Dreamer“ zu lesen, da es den Anschein macht, dass Welt und Vorgeschichte vorausgesetzt werden und nur noch wenig erklärt wird. Ich würde das Buch daher auch als dritten Teil dieser Reihe sehen, und nicht als eigenständige Dilogie. Dadurch fiel es mir teils schwer, der Handlung flüssig zu folgen, dies kann dem Buch aber nicht angelastet werden.

Die Handlung insgesamt überzeugt im Wesentlichen, hat aber Längen, da relativ wenig passiert. Auch kann es bisweilen anstrengend sein, dass permanent zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin- und hergewechselt wird. Brillant hingegen ist das Setting. Die Welt, die Laini Taylor erschafft, ist fantastisch und bildgewaltig, und doch sehr fragil und ausgewogen. Erinnerungen und Träume, Götterwesen und Götterschlächter, die Autorin beschreibt anschaulich und mit einem leicht lesbaren Schreibstil und erlaubt es dem Leser so, sich nach Weep und in die Zitadelle zu träumen.

Trotz der Vielzahl an Charakteren entwickelt Laini Taylor diese gut und legt sie dreidimensional, mit eigenen Stärken, Schwächen und Motiven an. Insbesondere Minya überzeugt hier auf ganzer Linie – und erhält durch die Reise in ihre Träume eine ganz andere Tiefe. Ich bin gespannt, ob diese Entwicklung im Folgeband konsequent weitergeführt wird.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher, und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein. Allerdings hätte es noch etwas hochwertiger ausgearbeitet und geprägt sein können, sodass das Buch sich insgesamt etwas edler anfühlen würde. Dabei ist allerdings zu beachten, dass im Gegenzug der Preis für ein Hardcover auch deutlich am unteren Ende angesetzt ist.

Mein Fazit? „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein vielversprechender Auftakt, der zwar Schwächen in der Handlung hat, aber durch tolle Charaktere und ein brillantes Setting punkten kann. Da er viele Fragen für den nächsten Teil offen lässt allerdings nicht als Standalone lesbar – und idealerweise nach „Strange the Dreamer“. Für Liebhaber des Phantastischen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Sonea – Die Königin“ (Sonea 3)

In den letzten Tagen habe ich „Sonea – Die Königin“ gelesen, den abschließenden Band der „Sonea“-Trilogie von Trudi Canavan. Das Buch wurde in der mir vorliegenden Ausgabe 2015 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München, veröffentlicht, die Originalfassung unter dem Titel „The Traitor Spy 3: The Traitor Queen“ erschien 2012 bei Orbit, einem Imprint von Little, Brown Book Group, einem Unternehmen von Hachette Livre UK, London. Das Buch ist dem Genre High Fantasy zuzuordnen und schließt die Kyralia-Saga ab. Die Besprechungen zu den Vorgängerbänden können hier abgerufen werden („Die Hüterin“, „Die Heilerin“).

~~~ Achtung: Die nachfolgende Besprechung kann milde Spoiler zu den Vorgängerbänden enthalten! ~~~

513Pr6QqZaLSonea, die Schwarze Magierin von Kyralia, ist überglücklich, als ihr Sohn Lorkin von den Sachakanischen Rebellen freigelassen wird. Endlich wird er nach Hause zurückkehren. Aber zuvor verlangt der König von Sachaka, dass der junge Mann alle Informationen preisgibt, die er über die Verräterinnen hat. Doch Lorkin hat sich in eine der Rebellinnen verliebt und ist nicht bereit, sie auszuliefern. Der Sachakanische König droht, Lorkin sein Wissen mit Gewalt zu entreißen. Da bricht Sonea das oberste Gesetz für Schwarze Magier und verlässt Kyralia. Sie wird ihren Sohn nicht im Stich lassen – und hofft, dass ihr Eingreifen keinen Krieg auslöst …

„Sonea – Die Königin“ ist der krönende Abschluss der Saga um Kyralia, die mit dem Prequel „Magie“ begann, mit der Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier“ fortgesetzt wurde und nun durch die „Sonea“-Trilogie beendet wurde. Dabei erschuf Trudi Canavan über sieben Bücher ein Universum, das seinesgleichen sucht, und aus dem ich mir noch mehr Inhalt wünschen würde, das noch so viele Geschichten zu erzählen hat. Dabei bleibt der Weltenbau um die Verbündeten Länder und Sachaka weiterhin unnachahmlich, überzeugt durch ein perfekt ausgearbeitetes Magiekonzept, Politik, Geografie und eine runde Geschichtsschreibung.

Die Handlung aus „Die Königin“ knüpft direkt an „Die Heilerin“ an und setzt die Geschichte nahtlos fort. Man begleitet liebgewordene Charaktere aus den ersten Büchern, lernt diese näher kennen. Insbesondere gefreut habe ich mich darüber, dass Lilia und Anyi erneut eine wichtige Rolle einnahmen. Aber auch Lorkin, Regin, Dannyl und Tayend zeigten starke Entwicklungen und füllten die Rollen gut aus, die ihnen von der Autorin zugedacht worden sind.

Die Handlung war spannend, teils aber vorhersehbar, und das Ende aus meiner Sicht unspektakulär und zu schnell. Dies sind aber nur kleine Wermutstropfen, die die tolle Geschichte – die allerdings nicht die perfekte Brillanz der „Gilde der Schwarzen Magier“ erreichten konnte – nur unwesentlich schmälern. Dabei überzeugt das bildgewaltige Setting erneut auf ganzer Linie und sorgt dafür, dass man sich als Leser in Kyralia und Sachaka mittlerweile fast wie zuhause fühlt. Auch wenn die langsam anbahnende Liebesgeschichte nicht wirklich nötig war, fühlt sie sich doch richtig an, freut den Leser und böte Potential für weitere Bücher.

In „Sonea – Die Königin“ löst die Autorin nicht nur die meisten Handlungsstränge der „Sonea“-Trilogie auf, sondern rundet die Handlung aller sieben Kyralia-Bücher ab. Und so zementiert auch dieses Buch wieder den unangefochtenen Platz von Trudi Canavan an der Spitze der High-Fantasy-Autorinnen, sodass ich schon ganz auf ihre nächsten Bücher gespannt bin.

Die Buchgestaltung ist – wie für die Reihe und den Verlag üblich – ebenfalls überzeugend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist elegant und hochwertig geprägt (auch auf dem Buchrücken), die ausklappbaren, farbigen Coverinnenseiten warten mit den bekannten Karten von Kyralia und Sachaka auf. Lediglich der inhaltliche Bezug des (schönen) Titelbildes zur Geschichte fehlt erneut, auch wenn sich das Cover toll in die Reihe einpasst, für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt und ein tolles Gesamtbild ergibt.

Mein Fazit? „Sonea – Die Königin“ ist der fulminante Abschluss, nicht nur der Sonea-Trilogie, sondern der gesamten Kyralia-Saga. Kleinere Schwächen in der Handlung vermögen vor dem Hintergrund des brillanten Weltenbaus und der tollen Charakterentwicklung nicht ins Gewicht zu fallen. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – Kyralia und die Magiergilde fehlen mir jetzt schon!