[Buchgedanken] Rebecca Lim / Kate Gordon: „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“

Vor kurzem habe ich auch „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ von Rebecca Lim und Kate Gordon gelesen. Das Buch ist 2024 in der Edition Michael Fischer GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2023 unter dem Titel „The Letterbox Tree“ bei Walker Books Limited, London. Der Roman ist dabei als fantastisches Jugendbuch einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Katharina Herzberger verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nyx lebt in Tasmanien im Jahr 2093, wo die Ozeane sauer geworden sind und das ganze Jahr über Buschfeuer herrschen. Um ihre Frustration über die Welt auszudrücken, hinterlässt sie eine wütende und verzweifelte Nachricht an ihrem Lieblingsbaum. Siebzig Jahre in der Vergangenheit findet Bea Nyx‘ Zettel und antwortet. Der Briefkastenbaum wird das Verbindungsglied der beiden Mädchen über die Zeit hinweg. Doch als Nyx‘ Welt endgültig unterzugehen droht, wird ihre Freundschaft auf die Probe gestellt und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Kann die Vergangenheit die Zukunft retten?

„Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ lässt sich bereits schwerlich einem Genre zuordnen. So ist es klar ein Roman an der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wobei ich es eher als Jugendbuch einordnen würde. Gleichsam zeigt das Buch natürlich auch Aspekte der Science Fiction über die Interaktion verschiedener Zeitebenen – und wird beworben als Klima-Thriller mit fantastischem Twist. Da ich hier allerdings keine Thrillerelemente sehe, und die Interaktion der Zeitebenen nicht erklärt wird, habe ich schlussendlich den fantastischen Twist übernommen und den Roman daher als fantastisches Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils etwas unlogisch. Mir ist bewusst, dass ein fantastischer Roman nicht zwingend logisch sein muss, das – hier nicht näher erläuterte – Magiekonzept sollte aber zumindest in sich stimmig sein, was hier leider fehlt. Nichtsdestotrotz machen beide Zeitebenen viel Spaß, die Handlungsstränge sind altersgerecht ausgearbeitet und sprechen auch – neben dem Klimawandel – für die Zielgruppe relevante Themen und Probleme wie Mobbing an, die allerdings teils etwas stiefmütterlich behandelt werden, da der Fokus doch stark auf dem Klimawandel liegt.

Das Setting ist gelungen. So entführen die Autorinnen die Leser:innen nach Tasmanien in die Jetztzeit und in eine dystopisch anmutende Zukunft in 70 Jahren (wobei der Klappentext in meiner Buchausgabe noch von 2091 und nicht von 2093 spricht – ein Fehler, der – wie man oben sieht – später korrigiert wurde, aber nicht passieren darf). Dabei werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Zukunft eindringlich beschrieben – und auch die sonst gezeigte Zukunft macht nicht wirklich Hoffnung. Dazu passt, dass auch das Ende des Buches offen bleibt und die Leser:innen so im Zweifel lässt, ob eine Rettung möglich ist. Diesen nachhallenden Appell der Geschichte hätte man so stehen lassen können, leider wird er durch das Nachwort der Autor:innen etwas aufgeweicht und holzhammerartig wiederholt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei ist der Kreis an handelnden Personen relativ klein – neben Bea und Nyx haben eigentlich nur die Eltern noch relevante Auftritte, wobei es doch etwas unglaubhaft ist, wie schnell alle, in beiden Zeitebenen, den Mädchen ihre Geschichte glauben. Die Schreibstile der Autorinnen lassen sich leicht und flüssig lesen, wirken wie aus einem Guss, was durchaus auch der Übersetzung entstammen kann, und lassen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Großen und Ganzen. Lektorat und Korrektorat haben (mit Ausnahme des drastischen Fehlers im Klappentext) ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist brillant und setzt die Briefe toll. Das Buch ist mit einem dreiseitigen Farbschnitt veredelt, das Cover – die Gestaltung generell – ist sehr hektisch und kleinteilig, mit krassen Brüchen zwischen Cover und Buchrücken sowie Coverrückseite und Buchrücken. Das Covermotiv ist farblich ansprechend, wodurch die beiden Zeitebenen gut illustriert werden, die dargestellten Figuren verstören jedoch etwas aufgrund des Fehlens von Gesichtszügen.

Mein Fazit? „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ ist ein aufwühlendes und abwechslungsreiches, fantastisches Jugendbuch, das vor allem mit seinem Setting und einer innovativen Idee überzeugt, dabei aber auch Logikfehler macht. Für Leser:innen ab 12 Jahren (und damit leicht über dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter ab 10) bedenkenlos zu empfehlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.