[Buchgedanken] Miqui Otero: „Simón“

Vor kurzem habe ich „Simón“ von Miqui Otero gelesen. Das Buch ist 2022 im Klett-Cotta Verlag, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter gleichem Titel im Verlag Blackie Books veröffentlicht. Der Roman ist dabei als Gegenwartsliteratur einzugruppieren, für die Übersetzung zeichnet Matthias Strobel verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Kind träumt sich Simón aus der Bar seiner Eltern in die Welt von Dumas Abenteuerromanen fort. Den Glanz und die Euphorie seiner Heimatstadt entdeckt er dagegen nur, wenn ihn sein älterer Cousin Rico zu einem Streifzug durch die Straßen Barcelonas mitnimmt. Doch Rico verschwindet eines Tages spurlos, und Simón muss auf sich allein gestellt erproben, ob sich die Magie der Literatur  als gutes Rüstzeug für die Herausforderungen des Erwachsenwerdens erweist.

„Simón“ ist ein überaus ambitioniertes Buch und wird als „Der große Roman einer Generation und der Stadt Barcelona“ beworben. Als Leser, der bereits das historische Epos „Die Tränen der Welt“ von Ildefonso Falcones über Barcelona gelesen hat, muss ich sagen, dass sich der Zauber der Stadt in diesem Roman nie so recht einstellt, die Stadt als Handlungsort, wenn man nicht auf die historischen Ereignisse abstellt, fast schon austauschbar wird.

Auch die Handlung an sich vermag nicht vollends zu überzeugen. Zwar sind durchaus starke Passagen und interessante Entwicklungen vorhanden, schlussendlich wird aber nie so ganz klar, worauf die Handlung abzielt, was der Autor überhaupt erzählen möchte. Denn die Handlung plätschert ohne roten Faden, ohne erkennbares Ziel vor sich hin. Auch wenn sich durchaus ein Kreis schließt, ist auch das Ende beliebig und unbefriedigend, werden doch kaum Handlungsstränge sinnvoll abgeschlossen.

Dahingegen punktet – und brilliert – das Buch durch seine ausdrucksstarke, sehr lyrische Sprache. Miqui Otero vermag es dabei, den einzelnen Szenen durchaus Humor einzuhauchen, der die Tragik und hoffnungslose Stimmung, die Teile des Romans durchzieht, auflockert. Schade ist es hierbei lediglich, dass nicht alle spanischen Zitate übersetzt worden sind.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, auch wenn Simón hierbei etwas blass bleibt. Stärker überzeugen Nebenfiguren wie Candela und Ringo, oder auch Estela, die eine viel interessantere Protagonistin abgegeben hätte.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist, genau wie das darunterliegende Buch, relativ schlicht. Dem Cover fehlt es zudem etwas an Bezug zur Handlung, auch sind Buchrücken und Coverrückseite jeweils durch starke Brüche voneinander abgegrenzt.

Mein Fazit: „Simón“ ist ein Roman der Gegenwartsliteratur, der vor allem aufgrund seiner tollen, lyrischen Sprache punktet, dafür aber auch starke Schwächen in der Handlung besitzt. Für Liebhaber des Genres und sprachlich brillanter Bücher dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Petra Schier: „Das Geheimnis des Pilgers“ (Pilger 2)

Zuletzt habe ich „Das Geheimnis des Pilgers“ von Petra Schier gelesen, nach „Das Kreuz des Pilgers“ der zweite Band ihrer mittelalterlichen Pilger-Trilogie. Das Buch ist 2022 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Koblenz 1379: Erst seit Kurzem trägt Conlin den Titel Graf vom Langenreth, der für ihn mehr Pflicht als Ehre bedeutet, denn nun ist es an ihm, den guten Ruf und den Wohlstand der Familie zu retten, die sein Bruder zugrunde gerichtet hat. Doch um als Händler von Sicherheiten erfolgreich zu sein, braucht er Kapital. Als ausgerechnet seine Verlobte Reinhild ihn finanziell unterstützen will und dann auch noch ihr lang gehütetes Geheimnis ans Licht kommt, droht die noch junge Liebe zu scheitern.

„Das Geheimnis des Pilgers“ seatzt die Handlung von „Das Kreuz des Pilgers“ nahtlos fort, ist aber auch als Standalone lesbar – wie von mir, da ich den ersten Band ebenfalls bislang nicht kenne. Zwar ist es anfangs etwas mühsam, aufgrund der vielen Figuren in die Geschichte zu finden, die Autorin unterstützt dabei jedoch durch ein der Handlung vorangestelltes Personenverzeichnis und durch in die Geschichte eingebaute Erklärungen zu den Ereignissen des ersten Bandes.

DIe Handlung insgesamt ist – eher – vernachlässigbar, so passiert über das ganze Buch hinweg wenig, teils mutet es als Kammerspiel an, bei dem vielmehr die Beziehungen zwischen den einzelnen Personen im Fokus stehen als äußere Einflüsse oder Ereignisse. Dennoch ist das Buch spannend und abwechslungsreich, auch wenn einige Entwicklungen nicht immer ganz logisch erscheinen.

Dahingegen überzeugt das Setting auf ganzer Linie. So entführt Petra Schier den Leser in ein Koblenz zur Zeit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in eine beschauliche Stadt zwischen aufblühendem Handel und altem Landadel. Zwar wird Koblenz durchaus auch mal verlassen, aufgrund des insgesamt jedoch sehr beschränkten Handlungsraumes und der starken Konzentration auf die Stadt kann man sich dennoch gut dahin träumen – auch dank der dem Text vorgestellten Stadtkarte, auf der man aber noch weitere, für die Handlung zentrale, Handlungsorte hätte vermerken können.

Die einzelnen Figuren sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Conlin und Reinhild, sowie Nebenollen wie Mariana, die nur zuletzt etwas schwächelt. Dahingegen bleiben Benedikt und Palmiro teils etwas blass und handeln nicht zwingend nachvollziehbar. Petra Schiers Schreibstil ist zudem leicht und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

DIe Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist mit dem Titelbild schön anzusehen und hochwertig gestaltet, auch wenn etwas der Bezug zur Handlung fehlt. Zusammen mit dem ersten Teil ergibt sich jedoch ein gutes Gesamtbild der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit: „Das Geheimnis des Pilgers“ ist ein überzeugender historischer Roman, der vor allem aufgrund spannender Charaktere und einem tollen Setting punktet, dafür aber auch etwas Handlung vermissen lässt. Für Leser des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Annette Böhler: „Zuckerstreusel zum Verlieben“

Vor einiger Zeit habe ich „Zuckerstreusel zum Verlieben“ von Annette Böhler gelesen. Das Buch ist 2022 im Empire-Verlag erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich klappt alles bestens bei Bianca. Ihr hippes Café hat gerade eröffnet und der tägliche Besucherandrang bestätigt es: Sie hat als Jungunternehmerin und Konditorin endlich einen Namen in der Branche. Ihr Liebesleben dagegen sieht weniger toll aus. Jahrelang nur an die Arbeit gedacht und Augen für ihre Torten gehabt, ist sie natürlich solo und komplett aus der Übung, wenn es um Dates oder Romantik geht. Dementsprechend verlegen und überrascht ist Bianca, als der extrovertierte und draufgängerische Vincent sie aus dem Nichts heraus um ein Date bittet. Täglich schlemmt er sich seit der Eröffnung durch ihre Süßigkeiten-Auslage und scheint ihre Leidenschaft für Zucker zu teilen. Bianca lässt sich von seiner offenen Art aus der Backstube locken und findet Gefallen daran, nicht mehr nur an die Arbeit zu denken. Sofort verliert sie ihr Herz an den charismatischen Kerl, der Süßes liebt und zu selbstkomponierten Liedern auf der Gitarre spielt; sie auffordert, ihren Erfolg zu genießen und die Lorbeeren zu ernten. Das ist die Chance, die langen Arbeitstage endlich gegen romantische Nächte einzutauschen und mit Vincent die süßen Seiten des Lebens zu genießen. Aber Vincent verschweigt etwas, und wenn Bianca es erfährt, könnte es ihre junge Liebe bedrohen.

„Zuckerstreusel zum Verlieben“ ist ein klassischer Liebesroman mit Happy-End-Garantie, etwas zu alt und brav für New-Adult Romance, vielmehr ein Feel-Good-Roman für entspannte und gefühlvolle Lesestunden, nicht mehr, aber auch nicht weniger – was der Roman aber auch gar nicht zu verbergen versucht.

Die Handlung ist dabei genretypisch durchaus vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber spannend und interessant. Annette Böhler spricht zwar auch schwere Themen wie Erkrankungen oder schwere Kindheiten an, diese verbleiben aber an der Oberfläche und vermögen es nicht, die positive Grundstimmung des Romans zu beeinträchtigen. Zudem werden den Protagonisten auch keine externen Stolpersteine in den Weg gelegt, die einzigen Probleme kommen aus ihnen selbst, sodass die Handlung grade am Anfang etwas dahinplätschert.

Das Setting ist im wesentlichen gelungen – urban, großstädtisch mit Kiez-Flair. Aufgrund der (lediglich zu Anfang etwas ausufernden) bildhaften Beschreibungen lässt sich, insbesondere, das Café gut vor dem inneren Auge darstellen – das Kopfkino beginnt fast sofort zu laufen. Dies wird auch durch Annette Böhlers leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil begünstigt.

Die einzelnen Figuren sind dabei durchaus plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn sie auch nicht immer nachvollziehbar handeln, gerade was Bianca angeht. Stärker überzeugen hier Eleonore und Mira als Nebencharaktere. Ungewöhnlich ist dabei, wie klein der Cast des Buches ist – so kommt die Autorin hier im Wesentlichen mit vier Figuren aus.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist ansehnlich, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung fehlt, dreht sich die Geschichte doch vor allem um Torten. Auch die Coverrückseite ist vollkommen überladen – wie auch schon der oben angegebene Klappentext zeigt.

Mein Fazit? „Zuckerstreusel zum Verlieben“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der vor allem durch seine zuckersüße Handlung punktet, aber auch vorhersehbar ist und ohne große Komplikationen daherkommt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 12 Jahren.

Von London nach Barcelona | Traumstadt-Buchpost im Doppelpack

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden tollen Hardcover: „Kitty Carter – Dämonenkuss“ von Jana Paradigi (Novel Arc Verlag) und „Simon“ von Miqui Otero (Klett-Cotta). Ersteres kam dabei als Rezensionsexemplar über die vermittelnde Agentur Literaturtest zu mir, letzteres im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! Die Bücher nehmen die Leser dabei mit in einige der schönsten Städte Europas, so reist man ins Barcelona der Neuzeit und ins London des 19. Jahrhunderts. Ich bin schon gespannt darauf, welcher Trip mir besser gefallen wird.

Welche Stadt würdet Ihr gern (erneut) einmal besuchen?

Agenturbuchpost im Doppelpack

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher – jeweils als Rezensionsexemplare über die vermittelnde Agentur Buchcontact – vielen Dank dafür! „Wütende Bärin“ von Ingebjorg Berg Holm (KJM Buchverlag) ist dabei ein norwegischer Familienthriller, „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ von Alex Beer (Limes Verlag) ein historischer Kriminalroman im Berlin des 19. Jahrhunderts – hier ist Abwechslung garantiert.

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

Von Zuckerstreuseln und brisanten Geheimnissen | Leserunden im Doppelpack

Vor kurzem erreichten mich diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Das Geheimnis des Pilgers“ von Petra Schier (HarperCollins) ist dabei ein historischer Roman übers deutsche Mittelalter, „Zuckerstreusel zum Verlieben“ von Annette Böhler (Empire Verlag) eine süße Feel-Good-Lovestory. Eine tolle Abwechslung für die nächsten Tage – ich bin schon gespannt darauf, welches der Bücher mich mehr überzeugt.

Welches Genre lest Ihr am liebsten?

[Buchgedanken] Eva Almstädt: „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ (Jacobsen/John 1)

Zuletzt habe ich „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ von Eva Almstädt gelesen, den Auftakt zu ihrer Nordseekrimireihe um die Anwältin Fentje Jacobsen und den Journalisten Niklas John. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Fentje Jacobsen entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rechtsanwältin. Sie betreibt ihre Kanzlei vom Bauernhof ihrer Großeltern in Nordfriesland aus. Dort rauben ihr die beginnende Demenz der Oma, eine renitente 14-jährige Nichte und der leichtsinnige Bruder den letzten Nerv. Als Fentje beauftragt wird, einen jungen Mann zu vertreten, der des Mordes an seiner Freundin verdächtigt wird, stößt sie auf einen alten, sehr ähnlichen Fall. Fast zeitgleich verschwinden zwei Schülerinnen aus einem nahe gelegenen Internat. Bei ihren Nachforschungen lernt sie den weltgewandten, ehrgeizigen Journalisten Niklas John kennen. Trotz unterschiedlicher Ziele beginnen sie gemeinsam zu ermitteln …“

„Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ ist erkennbar ein Auftakt zu einer Krimireihe, geht er doch sehr gemächlich los, da erst alle Figuren eingeführt und deren Welten erklärt werden müssen. Im Verlauf der Handlung nimmt die Geschichte allerdings an Fahrt auf. Dabei ist das Buch gut als Standalone lesbar, werden doch alle relevanten, mit dem Kriminalfall verknüpften, Handlungsstränge aufgelöst – ein milder Cliffhanger verbleibt lediglich, was die persönliche Beziehung zwischen den Protagonisten angeht.

Die Handlung ist insgesamt durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar. Hierbei wandelt der Roman an der Grenze zur Cosy Crime, haben wir doch polizeiferne Ermittler, insgesamt eher wenig Action und ein idyllisches Setting – hier punktet vor allem die Kanzlei im ehemaligen Kuhstall als innovative Abwechslung zu einem großstädtischen Kanzleisitz.

Neben dem Mordfall mischt Eva Almstädt weitere, durchaus gesellschaftlich relevante, Themen wie Mobbing an Schulen und die Loverboy Masche (oder zumindest eine Art davon) in den Roman mit ein. Diese verbleiben aber dezent im Hintergrund und lenken nicht zu sehr vom Haupthandlungsstrang ab. Dennoch hätte ich mir im Anschluss vielleicht eine kurze Information mit Ansprechpartnern oder einer Linksammlung zur Unterstützung Betroffener gewünscht.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Was selten vorkommt: In diesem Buch begeistern mich derzeit beide Protagonisten, sind abwechslungsreich, interessant und humorvoll. Aber auch Nebencharaktere wie Sofia und – ja – Blofeld vermögen zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerlos, aber auch unauffällig. Der Umschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Cover ist atmosphärisch gelungen und zieht sich über den kompletten Umschlag, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht. Es ist aber auch noch etwas austauschbar/beliebig, sodass es an den Folgebänden ist, hier für ein einheitliches Reihendesign mit Wiedererkennungswert zu sorgen.

Mein Fazit? „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ ist ein Regionalkrmi nah am Cosy Crime, der vor allem durch seine Protagonisten und ein ungewöhnliches Setting punktet, gerade am Anfang aber auch etwas zäh beginnt – dennoch ein gelungener Start in die Reihe. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren, vielleicht auch ein, maximal zwei Jahre früher.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Faust“ (Sara Nowak 2)

Vor kurzem habe ich „Faust“ von Gustaf Skördeman gelesen, den zweiten Band um Kommissarin Sara Nowak. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter gleichem Titel im Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Das Buch ist dem Genre Thriller zuzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Nachdem Sara Nowak das Netzwerk der Stasi-Mitarbeiter in Schweden auffliegen ließ und einen Bombenschlag in Deutschland verhindert hat, werden die Ereignisse von den schwedischen Geheimdiensten unter den Teppich gekehrt. Sara will sich an das Schweigegebot halten, doch dann wird ein Ex-Spion ermordet, der sie wenige Tage zuvor vergeblich um Rückruf gebeten hatte. Obwohl sie an ihrer neuen Stelle in der Kriminalpolizei bereits genug mit einer Mordserie in der Unterwelt zu tun hat, lässt ihr schlechtes Gewissen sie erneut in der Spionagewelt herumstochern. Dabei scheint sie einen Agenten namens Faust mit einer Vergangenheit in der RAF gegen sich aufzubringen …

„Faust“ setzt die Ereignisse von Geiger relativ nahtlos fort, kann aber grundsätzlich als Standalone gelesen werden, auch wenn ich dies nicht empfehlen würde. Zwar werden die relevanten Querverbindungen größtenteils erklärt, man spoilert sich aber zum einen für den Vorgängerband und nimmt sich andererseits noch viel mehr Details, die hier aufgegriffen werden.

Die Handlung ist dabei – wie im Vorgänger – hochspannend und abwechslungsreich. Gustaf Skördeman webt dabei Elemente des Menschenhandels, von Clankriminalität, religiösem Fanatismus und von sexueller Gewalt in den Spionagethriller mit ein und schafft so einen hochkomplexen Roman, dessen Handlungsstränge trotzdem gut zusammenlaufen. Leider endet der Roman nach Abschluss der Kernhandlung mit einem Cliffhanger, der gänzlich unnötig ist und etwas den Charakter als Standalone zerstört.

Das Setting ist naturgemäß gelungen, entführt den Leser in ein Stockholm zwischen Clanstrukturen und High Society – unglaublich vielfältig, auch wenn einzelne Aspekte wie die rechtliche Situation am Freihafen beim ersten Lesen etwas unlogisch erscheinen. Gustaf Skördemans Schreibstil ist dabei leicht und flüssig lesbar.

DIe einzelnen Charaktere entwickeln sich im Verlauf des Romanes weiter, auch wenn die Entwicklung von Sara und Martin etwas erschreckend daherkommt. Am stärksten überzeugen mich in diesem Band hingegen Ebba, Nadja und Thörnell.

DIe Buchgestaltung ist auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist atmosphärisch, sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert, fügt sich gut in die Reihe ein und zieht sich über den gesamten Buchumschlag, sodass ein einheitlicher Gesamteindruck entsteht, wenn auch etwas der Bezug zur Handlung fehlt. Zudem ist das Cover auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und das Buch mit farbigen Coverinnenseiten und einem farbigen Buchschnitt versehen.

Mein Fazit? „Faust“ ist eine gelungene Fortsetzung der Spionagethriller, die vor allem durch die spannende Handlung und die teils krasse Charakterentwicklung brilliert, es aber gerade mit dem Cliffhanger am Ende auch etwas übertreibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von mindestens 16 Jahren.

[Buchgedanken] Ingo Bott: „Pirlo – Falsche Zeugen“ (Pirlo 2)

Vor kurzem habe ich „Pirlo – Falsche Zeugen“ von Ingo Bott gelesen. Das Buch ist 2022 bei FISCHER Scherz in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Justizkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Buchpremiere auf Lovelybooks.de. „Pirlo – Falsche Zeugen“ ist dabei nach „Pirlo – Gegen alle Regeln“ der zweite Band um das Strafverteidigerduo Pirlo/Mahler.

Rainer Waßmer ist tot. Er war der Anführer einer Nazi-Rocker-Bande, mit denen die Clan-Familien in Düsseldorf eigentlich bisher in friedlicher Ko-Existenz lebten. Bis jetzt. In der Nacht hatten sich Clans und Rocker ein kleines Gefecht geliefert. Nichts Ernstes. Nur mal klarstellen, wo jeder steht. Doch nun ist Waßmer tot, und Faruk Maliki, Thronfolger einer bedeutenden Clan-Familie, wird des Mordes beschuldigt. Er braucht dringend einen Anwalt. Oder eine Anwältin. Oder am besten gleich beide. Pirlo und Sophie suchen fieberhaft nach Beweisen, die ihren Mandanten entlasten könnten. Dabei geraten sie selbst in Lebensgefahr und zwischen die Fronten.

„Pirlo – Falsche Zeugen“ setzt kurze Zeit nach dem ersten Roman an und schreibt die Handlung nahtlos fort. Neben Pirlo und Mahler trifft man dabei auf weitere, altbekannte Charaktere, lernt aber auch neue Protagonisten, sowohl in Zusammenhang mit dem Fall als auch um diesen herum kennen. Ein erster Leserliebling ist dabei sicherlich der neue Kanzleisekretär Wang, von dem ich gern in den Folgebänden mehr lesen würde.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut. Dabei erhebt der Roman den Anspruch, das Strafverfahren realistisch abzubilden, was auch größtenteils gelingt. Hierbei verstrickt sich die Geschichte noch viel stärker als im ersten Teil im Geflecht der Clankriminalität und dem organisierten Verbrechen.

Das Düsseldorfer Setting – zwischen Clanmilieu und High Society – vermag dabei wie im Vorgängerband vollends zu überzeugen, genau wie auch Ingo Botts flüssig und leicht zu lesender Schreibstil, der in personaler Erzählperspektive aus Sicht von Pirlo und Mahler die Geschichte erzählt.

Als Charaktere entwickeln sich Sophie und Pirlo deutlich weiter, insbesondere Sophie ist in diesem Band noch stärker und die klare Heldin der Geschichte, während Pirlo an Tiefe gewinnt und sich im Vergleich zum Vorgängerband bessert. Auch der vorsitzende Richter Meurer überzeugt als interessante und sympathische Nebenrolle.

Die Buchgestaltung kann auf ganzer Linie glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Lediglich das Covermotiv kann noch nicht vollends überzeugen, zeigt aber immerhin nunmehr auch Sophie und sorgt für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit hohem Wiederkennungswert.

Mein Fazit: „Pirlo – Falsche Zeugen“ setzt die Reihe um Pirlo und Sophie Mahler gelungen fort und überzeugt vor allem durch eine spannende und interessante Handlung. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren und nicht ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes.

Der Wunsch nach Freiheit | Doppelte Buchpost

Während des Urlaubs sind einige Rezensionen und Buchneuzugänge aufgelaufen, die ich Euch nach und nach präsentieren möchte. Den Anfang machen heute zwei Rezensionsexemplare: „Freiheitsgeld“ von Andreas Eschbach (Bastei Lübbe, über die Bloggerjury) und „Der Hunger nach Leben – Wege des Schicksals“ von Ella Zeiss (Tinte & Feder, vermittelt von der Agentur Buchcontact). Beiden ist dabei das zentrale Element der Freiheit immanent: in einer digitalisierten Gesellschaft der nahen Zukunft, und in einem vergangenen Europa, üer das ein drohender Krieg bereits seine Schatten wirft.

Habt Ihr schon Bücher der Autoren gelesen?