[Buchgedanken] Ellie Mattes: „Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ (Milan 1)

Vor kurzem habe ich „Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ von Ellie Mattes gelesen. Das Buch ist 2022 bei Schneiderbuch in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und dem Genre Jugendbuch zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eine alte Legende der Huzulen erzählt vom Pferd mit den drei Herzen: Freundlich, schlau und mächtig leitet es seine Herde auch durch die wildesten Berglandschaften. Das klingt nach grenzenloser Freiheit und Abenteuer. Doch als die 12-jährige Mia genau so ein Wildpferd als Pflegepferd bekommt, entpuppt es sich als alles andere als das Traumpferd, das sie sich erhofft hat. Während ihre Freundinnen im Reitunterricht glänzen, muss Mia sich mit dem widerspenstigen Milan herumärgern, der so gar nichts von Dressur hält. Bei Ausritten allerdings ist Milan wie ausgewechselt, im Wald werden die beiden zum echten Team. Und langsam beginnt Mia zu verstehen, was Freiheit und Abenteuer für Milan wirklich bedeuten …

„Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ ist ein Jugendbuch für Leser ab 10 Jahren – und könnte eine Reihe an Pferderomanen begründen, auch wenn weitere Bände zumindest meines Wissens noch nicht angekündigt sind. Dabei wird das Buch sowohl aus Milans (Ich-Erzähler) als auch aus Mias Sicht (personaler Erzähler) erzählt. Auch die Erzählzeiten wechseln, während Mias Perspektive im Präteritum erzählt wird, wird Milans Sicht im Präsens dargestellt.

Damit sind wir auch schon beim größten Problem des Buches aus meiner Sicht: Milans Perspektive trägt wenig zur Handlung bei, ist zudem unlogisch und vermenschlicht. Glücklicherweise halten sich die Kapitel aus seiner Sicht in Grenzen, man hätte hier aber gut darauf verzichten können und stattdessen Mia eine Ich-Perspektive gönnen können, die es dem Leser ermöglicht hätte, sich noch stärker mit der Protagonistin zu identifizieren.

Denn die Handlung ist vom Grundsatz her interessant und altersgerecht, letzteres trifft auch auf den flüssig zu lesenden Schreibstil von Ellie Mattes zu. Lediglich den der Handlung vorangestellten Infodump hätte man sich sparen können (und müssen), werden die relevanten Informationen zu den Huzulen doch auch noch einmal im Verlauf der Handlung erklärt.

Neben dem dominanten Thema – es handelt sich ja schließlich um ein Pferdebuch – behandelt der Roman dabei auch weitere Themen in kindgerechter Weise, wie zum Beispiel Freundschaft, Neid, Krankheit und Abschied, ohne diese jedoch zu dominant werden zu lassen. Dadurch verbleibt das Buch zwar eher auf der seichten Seite, ist aber eine gelungene Feel-Good-Lektüre für Kinder und Pferdefreunde zwischendurch.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, dem Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht gravierend hemmen. Der Buchsatz ist wunderschön, das Covermotiv einnehmend. Zudem zieht sich das Titelmotiv über den gesamten Buchumschlag und sorgt so für ein tolles Gesamtbild, lediglich die Verzierungen am Schriftzug „Milan“ auf dem Titel hätte man sich für etwas mehr Klarheit und Struktur sparen können.

Mein Fazit: „Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ ist ein gelungener Pferderoman, der die Zielgruppe zufriedenstellen wird und mit einer tollen Handlung punktet, bei der Perspektivenauswahl aber auch erhebliche Schwächen besitzt. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 10 Jahren.

[Buchgedanken] Anne Perry: „Der Würger von der Cater Street“ (Thomas & Charlotte Pitt 1)

Vor kurzem habe ich „Der Würger von der Cater Street“ von Anne Perry gelesen, den ersten Band ihrer „Thomas & Charlotte Pitt“-Reihe. Das Buch ist in der vorliegenden deutschsprachigen Ausgabe 2022 im Label Adrian Crime des Adrian Verlags, Adrian & Wimmelbuchverlag GmbH, neu erschienen und als viktorianischer Kriminalroman einzuordnen, die Originalausgabe erschien 1979 bei Robert Hale unter dem Titel „The Cater Street Hangman“. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact. Für die Übersetzung zeichnet Michael Tondorf verantwortlich, der auch bereits die früheren deutschen Ausgaben 2002 bei DuMont betreute, das Nachwort wurde von Volker Neuhaus verfasst.

Ein Mörder erwürgt junge Frauen in der Cater Street und lässt ihre geschwollenen Gesichter in den dunklen Schatten des vornehmen Viertels zurück. Als das Dienstmädchen der Familie Ellison das dritte Opfer des Mörders wird, übernimmt der junge Inspektor Thomas Pitt den Fall. Er muss die Fassade der Oberschicht durchbrechen, um sich der Wahrheit zu nähren. Die freimütige Charlotte Ellison, bemüht sich redlich, die Einschränkungen der viktorianischen Manieren zu erfüllen. Doch dem irritierten Polizisten gegenüber verhält sie sich etwas zu offen. Während sich ihre Beziehung zu etwas Kompliziertem entwickelt, müssen Thomas und Charlotte zusammen das Rätsel lösen, bevor „Der Würger der Cater Street“ erneut zuschlägt.

„Der Würger von der Cater Street“ ist der Beginn einer historischen Kriminalromanreihe von Anne Perry, die im viktorianischen London spielt und aus mittlerweile 32 Bänden besteht. Im Gegensatz zu ihrer Reihe um William Monk ist die „Charlotte & Thomas Pitt“-Reihe dabei im letzten Drittel des viktorianischen Zeitalters angesiedelt, beginnt die Handlung doch im Frühjahr 1881.

Der Roman besticht hierbei durch sein tolles Setting. So entführt Anne Perry den Leser wie schon erwähnt ins viktorianische London, in eine hochspannende Epoche, geprägt von Klassenunterschieden und Standesdünkel. Da die Familie Ellison zur oberen Mittelschicht gehört, steht sie zwischen der Welt des Adels und der Dienerschaft, ist in alle Richtungen durchlässig und ermöglicht so einen guten Einblick in die komplette Gesellschaft.

DIe Handlung ist grundsätzlich spannend, teils aber etwas vorhersehbar und startet etwas langsam, müssen doch erst die ganzen Charaktere eingeführt werden. Auch wird unschönerweise ein zentrales Handlungselement bereits durch den Titel der Reihe vorweggenommen, sodass hier einiges an Spannung verlorengeht – schade.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, wenn auch aufgrund der Vielzahl an Figuren hier noch Entwicklungsbedarf besteht, der hoffentlich in den Folgebänden konsequent umgesetzt wird. So überzeugt neben Charlotte vor allem Emily, während gerade Edward und Dominic noch etwas blass bleiben.

Anne Perrys Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist authentisch und bildhaft. Teils sind die Perspektivwechsel allerdings etwas sprunghaft und nicht voneinander abgesetzt, sodass man kurzzeitig als Leser verwirrt zurückbleibt.

DIe Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz und die grafische Gestaltung der ersten und letzten Seiten ist wunderschön. Zwar überzeugt das Covermotiv nicht (dies wird allerdings im Folgeband besser), dafür ist der Buchumschlag mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Der Würger von der Cater Street“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe, der vor allem durch sein Setting glänzen kann, eine zentrale Auflösung aber bereits vorwegnimmt, in jedem Fall jedoch Potential für Folgebände bietet. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Lea Korte: „Morgen werden wir glücklich sein“

Vor kurzem habe ich „Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte gelesen. Das Buch ist 2022 in der Piper Verlag GmbH veröffentlicht worden und dem Genre historischer Roman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Marie, Amiel und Geneviève sind seit Kindertagen miteinander befreundet. Als 1940 die Deutschen in Paris einmarschieren, wird ihre Freundschaft jedoch auf eine harte Probe gestellt. Lehrerin Marie geht zur Résistance, um ihre jüdischen Schüler vor den Nazis zu retten. Ärztin Amiel unterstützt sie, obwohl sie selbst Jüdin ist. Die Sängerin Geneviève wiederum lässt sich mit den Deutschen ein, um weiter auf der Bühne stehen zu können. Für Marie ist dies ein verheerender Verrat und sie wendet sich von der Freundin ab, die bisher ›alles‹ für sie war. Als Geneviève sie am meisten braucht, verweigert Marie ihr die Hilfe und löst damit eine Katastrophe aus …

„Morgen werden wir glücklich sein“ ist eine Mischung aus historischer Roman und Familiensage, spielt das Buch doch in zwei Zeitebenen, da als Rahmenhandlung in der heutigen Zeit (unter anderem) die Nachfahren der Protagonistinnen aufeinander treffen. Durch die dadurch entstehenden vielen Zeitsprünge wird die Handlung regelmäßig unterbrochen, wirkt etwas fahrig und lässt etwas an Stringenz vermissen – schade. Vielleicht hätte man hier wirklich nur zu Beginn und am Ende, zumindest aber selektiver, die zweite Zeitebene einbauen können.

Denn die Handlung an und für sich – zumindest die vergangene – ist spannend, abwechslungsreich und dramatisch. Lea Korte gelingt es, die Verzweiflung der Protagonistinnen, die Hoffnung, Trauer und ja, auch die Liebe in diesen schweren Zeiten, greifbar zu machen, den Leser mit den Protagonisten mitfühlen zu lassen.

Dies wird auch durch das tolle Setting unterstützt. Die Autorin beschreibt das Paris zur Besatzungszeit anschaulich, eindrücklich und nicht beschönigend, lässt das Grauen der Zeit wiederauferstehen, aber auch die Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, den Kraft und den Mut der Franzosen damals. Dabei lässt sich Lea Kortes Schreibstil leicht und flüssig lesen, ist authentisch und kraftvoll.

Die einzelnen Potagonisten sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugt vor allem Amiel – aus meiner Sicht der stärkste Charakter im Roman und eine unglaubliche Frau, während auch Nebenrollen wie Maciej und Charlotte glänzen können.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover vermag hingegen nicht so recht zu überzeugen, lässt es zum einen doch etwas den Bezug zur Handlung vermissen und ist generell etwas unscheinbar sowie mit einem harten Bruch zum Buchrücken versehen.

Mein Fazit? „Morgen werden wir glücklich sein“ ist ein toller historischer Roman, der vor allem durch sein atmosphärisches Setting und eine spannende Handlung punktet, wenn auch die Rahmenhandlung vielleicht etwas weniger Platz hätte einnehmen können. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Fabienne Sita: „Asche und Eden“

Vor kurzem habe ich „Asche und Eden“ von Fabienne Sita gelesen. Das Buch ist 2022 bei Gerth Medien in der SCM Verlagsgruppe GmbH erschienen und als spirituelles, autofiktionales Buch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Wir wünschen uns das Paradies auf Erden: Friede, Freude, Sonnenschein. Doch was, wenn ein Gewittersturm aufzieht? Wenn das Leben aus den Fugen gerät und man daran zu zerbrechen droht? Einer dieser großen Stürme trifft Fabienne Sita und wirft sie zu Boden. Ein Blitz schlägt mitten in ihre Träume und Hoffnungen ein und lässt einen Haufen Asche zurück. Doch ein Satz, ein Blick, eine Begegnung verändert alles. Tiefster Schmerz trifft auf wahre Schönheit. Eine innere Reise beginnt, die gleichermaßen eindrucksvoll wie heilsam ist.

„Asche und Eden“ ist ein sehr spezielles Buch, das sich bereits kaum kategorisieren lässt (die obige Einordnung ist lediglich ein unzureichender Versuch). Autofiktional und/oder autobiographisch, religiös und/oder spirituell, Gleichnis und/oder Märchen – um nur einige Optionen zu nennen. Dabei ist das Buch reich bebildert und graphisch hochwertig gestaltet, ein Gesamtkunstwerk aus Text und Bild.

Eine richtige Handlung gibt es nicht – vielmehr begleitet man die Protagonistin, also die Autorin, auf einem inneren Weg zu einem besseren Ich im Kampf gegen u.a. Angst, Neid und Kontrollverlust. Auf ihrem Weg wird sie bei Schwierigkeiten unterstützt von einem weißgekleideten Mann, der Jesus darstellen soll, und einem Mann mit silbernen Haaren, der die Rolle Gottes einnimmt.

Dabei „bekämpft“ die Protagonistin ihre inneren Dämonen in ausführlichen Tagträumen, die stark märchenhaft und klischeebehaftet daherkommen. Zwar wird nicht verkannt, dass – ungeachtet der religiösen Färbung – die Mantren und Lebensweisheiten teils durchaus wertvoll und allgemeingültig sind, dennoch verblasst dies teils hinter der doch etwas holzhammerartig plakatierten Religiösität, die hier fast missionarisch daherkommt.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist, gerade im graphischen Bereich, der dem Handlettering ähnlich ist, sehr gelungen. Das Covermotiv ist ansehnlich und zieht sich als Gesamtbild einheitlich über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein toller Gesamteindruck entsteht.

Mein Fazit? „Asche und Eden“ ist ein spirituelles Buch voller Lebensweisheiten, das durch sein künstlerisches Gesamtkonzept glänzt, aber auch etwas märchenhaft und plakativ missionarisch daherkommt. Für Liebhaber christlicher Literatur zu empfehlen – und nicht unter einem Lesealter von 14 Jahren.

Von Köln nach Stockholm | Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit trudelten unter anderem auch diese beiden Bücher bei mir ein. „Findelmädchen“ von Lilly Bernstein aus dem Ullstein Verlag erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar über die vermittelnde Agentur Literaturtest, während „Geiger“ von Gustaf Skördeman aus dem Lübbe Verlag (Bastei Lübbe AG) selbstgekauft ist – es sprang auf die Wunschliste, da der Nachfolger „Faust“ auch als Rezensionsexemplar zu mir kam. In den Büchern erwartet mich dabei eine Reise zwischen Raum und Zeit, vom Köln der 50er-Jahre bis hin zum Stockholm der Jetztzeit. Ich bin schon gespannt, welche Epoche und Geschichte mich mehr faszinieren wird.

Lest Ihr lieber Thriller oder historische Romane?

[Buchgedanken] Ellin Carsta: „Schritt ins Licht“ (Kinder der Hansens 1)

Vor kurzem habe ich im Rahmen eines Lesewochenendes auf Lovelybooks.de „Schritt ins Licht“ von Ellin Carsta gelesen, den ersten Band der Reihe um die Kinder der Hansens. Das Buch ist 2022 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Hamburg 1924: Amala Hansen, die Tochter von Luise und Hamza, will endlich ihre Familie in Deutschland kennenlernen. Georg Hansen ist dankbar für den frischen Wind, den die ehrgeizige junge Frau aus den USA in die alte Villa bringt. Amala möchte Schauspielerin werden, doch sie trifft auf eine Welt voller Vorurteile. Genau wie ihre Mutter denkt sie jedoch nicht daran, aufzugeben, und arbeitet stattdessen nur umso härter an ihrer Karriere. Kann sie alle Widerstände überwinden? Franz Loising hat das Kaffeehaus seiner Mutter in Wien übernommen, kann seine Aufgaben aber kaum ausführen. Der einst so frohe junge Mann hat mit seinen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg zu kämpfen. Gelingt es ihm, sein Trauma aufzuarbeiten und in sein normales Leben zurückzukehren?

„Schritt ins Licht“ führt als Beginn einer neuen Reihe die erfolgreiche Familiensaga um die Hansens fort. Dabei wird die Reihe als eigenständig beworben, sodass man sie auch ohne Vorwissen über die Hansens lesen können soll – was ich bedingt bestätigen kann, da die Autorin oftmals Informationen über die Vergangenheit der Figuren und Familien einstreut, um den Leser zu informieren. Gleichsam ist man dennoch als Neueinsteiger gerade zu Anfang völlig überfordert von der Masse an Figuren und Handlungssträngen, von den familiären Verpflechtungen und Verbindungen. Auch der vorab eingefügt Stammbaum hilft hier nur bedingt, erschlägt er den Leser doch eher, als hilreiche Informationen zu liefern.

Während man die Reihe aber dennoch durchaus als eigenständig bezeichnen kann, ist das Buch nicht als Standalone lesbar, da durch die Vielzahl an Handlungssträngen diese zum Ende hin kaum aufgelöst werden und offen verbleiben, selbst die einzige richtige Auflösung durch einen Cliffhanger konterkariert wird – etwas schade. Hier wäre eine etwas stärkere Fokussierung auf einige, wenige Handlungsstränge und die stärkere Ausgestaltung dieser (zum Beispiel zulasten des Prologs, der wenig beiträgt), sicherlich mehr gewesen.

Denn die Handlung an und für sich ist spannend, authentisch und abwechslungsreich. Gerade der Haupthandlungsstrang um Amala vermag hier zu überzeugen, genau wie der um Franz und Therese, der zudem ein wichtiges Thema, PTBS bei Kriegsrückkehrern, anspricht. Dahingegen hängen die Handlungsstränge um Helene und Elsa völlig in der Luft und vermögen – zumindest derzeit – nichts wirklich zum Buch beizutragen.

Das Setting ist ebenfalls abwechslungsreich, denn die Autorin entführt den Leser in drei aufblühende Metropolen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: vom aufbrausenden Berlin, übers industrielle Hamburg bis hin zum beschaulichen Wien. Dabei ist Ellin Carstas Schreibstil authentisch und lässt sich leicht und flüssig lesen.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen schon vielschichtig ausgearbeitet, aufgrund der Fülle an Protagonisten können diese bislang jedoch noch nicht weit entwickelt werden – dies bleibt hoffentlich dem/den Nachfolger/n vorbehalten. Am ehesten überzeugen hier noch Franz, Amala, Georg und als Nebencharakter Anna Simon.

Die Buchgestaltung ist ingesamt solide. Dem Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist – mit Ausnahme des etwas zu kleinen und gedrängten Stambaumes – ebenfalls gelungen. Das Covermotiv ist unauffällig, aber schön – auch wenn etwas der Bezug zu Handlung fehlt, Amala wird hier ja eher nicht dargestellt sein.

Mein Fazit? „Schritt ins Licht“ ist ein im Wesentlichen gelungener Auftakt in eine neue Buchreihe, der vor allem durch sein Setting und die grundsätzlich spannende Handlung punktet, sich aber mit der Vielzahl an Handlungssträngen etwas übernimmt. Für Liebhaber von Familiensagen grundsätzlich zu empfehlen – wenn auch idealerweise mit Vorwissen zur Vorgängerreihe – und nicht als Standalone.

Schritte ins Licht | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Asche und Eden“ von Fabienne Sita (Gerth Medien) und „Schritt ins Licht“ von Ellin Carsta (Tinte & Feder) thematisieren dabei beiderseits den (in letzterem Fall titelgebenden) Schritt ins Licht – einerseits einer neuen Generation, andererseits einer Frau aus der schmerzhaften Trauer.

Kennt Ihr eine der Autorinnen bereits?

[Buchgedanken] Michael Peinkofer: „Die Welt der Orks“ (Die Orks 6)

Vor kurzem habe ich „Die Welt der Orks“ von Michael Peinkofer gelesen, den sechsten Band der Reihe um „Die Orks“. Das Buch ist 2022 bei Knaur HC, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als High-Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Übersendung der Presseinformationen und die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

So anstrengend hatten Balbok und Rammar sich ihr Leben als Könige der Fernen Gestade nicht vorgestellt: Ein unnatürlich heftiger Sturm, gefolgt von einem mächtigen Beben, erschüttert die gesamte Insel, und es geht das Gerücht, dass „Kuruls Keule“ vom Himmel gefallen sei. Als die Orks der Sache nachgehen, entdecken sie einen riesigen Krater nebst etlicher grässlich entstellter Leichen, die sich beim besten Willen keiner Erdwelt-Rasse mehr zuordnen lassen – und einen kleinen Orkling, der den Absturz von Was-auch-immer wie durch ein Wunder überlebt hat. Balbok würde diesem verflixten Rätsel ja gerne auf den Grund gehen, aber Rammar bekommt mal wieder den asar nicht hoch. Allerdings kann auch er nicht verhindern, dass der Orkling sich klammheimlich in sein dunkles Herz schleicht. Nur warum scheint der Kleine von keinem der bekannten Clans abzustammen? Und was hat es mit seiner seltsamen Anziehungskraft auf Krähen auf sich?

„Die Welt der Orks“ ist zwar der sechste Band der Reihe um die grünhäutigen Fabelwesen. lässt sich aber laut Verlagsangaben gut als Standalone und als Einstieg in die Reihe lesen. Dies kann ich im Wesentlichen bestätigen. Zwar wird natürlich auch teils Bezug auf alte Abenteuer und bekannte Personen genommen – und natürlich ist der orkische Wortschatz umfangreich geworden, dennoch ist die Geschichte auch ohne Vorwissen verständlich.

Denn – neben den „aktuellen“ Geschehnissen – behandelt der Roman auch die Erschaffung der Orks, ihren Ursprung vor unzähligen Umläufen. Dabei wird die Geschichte in verschiedenen Zeitebenen und – nicht genauer erklärt – verschiedenen Dimensionen / Wirklichkeiten? dargestellt, was anfangs durchaus verwirrend ist, hat man doch drei zentrale Handlungsstränge.

Auch der verstärkte Gebrauch der orkischen Sprache hemmt jedoch etwas den Lesefluss. So ist diese zwar ungemein spannend und es ist interessant, wie man nach und nach Regeln und Worte verinnerlicht, dennoch lässt das regelmäßige Nachschlagen im Glossar den Lesefluss doch, gerade anfangs, erheblich stocken und sorgt dafür, dass man öfters das Buch zur Seite legt.

Dabei ist die Handlung – wenn man sich einmal einen Überblick verschafft hat – durchaus spannend und abwechslungsreich. Hierbei brilliert vor allem der Handlungsstrang um Margok und Curran, während Balbok und Rammar für den nötigen Humor sorgen. Lediglich der Handlungsstrang in Anwar bleibt im Vergleich dazu etwas blass.

Hingegen ist der Weltenbau insgesamt sehr gelungen – wenn auch (aus den obigen Ausführungen) herausfordernd. Michael Peinkofers Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist humorvoll und phantastisch. Da man, insbesondere, Anwar durch die Augen der Charaktere mit diesen gemeinsam neu kennenlernt, fehlt es auch nicht an Beschreibungen, die das Kopfkino anspringen lassen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und wunderschön gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Auch das Covermotiv ist ein wahrer Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die Welt der Orks“ ist ein im Wesentlichen gelungener High-Fantasy Roman, der vor allem durch den Weltenau und eine interessante Handlung brilliert, den Leser durchaus aber auch fordert. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – auch als Einstieg in die Reihe, auch wenn ich persönlich die Lektüre der anderen Ork-Titel zuvor nahelegen würde.

[Buchgedanken] Johannes Laubmeier: „Das Marterl“

Vor einiger Zeit habe ich „Das Marterl“ von Johannes Laubmeier gelesen. Das Buch ist 2022 im Tropen Verlag, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, erschienen und der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nach Jahren der Abwesenheit fährt der Erzähler zurück in den Ort seiner Kindheit in Niederbayern. In der kleinen Stadt, die ihm erscheint, als wolle sie mit Folklore, Starkbierfesten und den Denkmälern bedeutsamer Männer die Zeit anhalten, versucht er, sich an seinen Vater zu erinnern. Und an den Verkehrsunfall, bei dem der Vater vor zehn Jahren starb. Doch ein Ort hat nie nur eine Gegenwart. Zwischen die Geschichte des Erzählers drängt sich das Leben eines Jungen. Die Angst vor einem Monster in einem Berg und ein fliegender Bär. Eine Liebe zur Blasmusik und die zu einer Frau. Kann die Erinnerung helfen, mit der Endlichkeit fertigzuwerden? Kann eine Heimkehr jemals gelingen oder muss sie vielleicht ein Mythos bleiben? So wie der Meeresforscher mit Taucherbrille und Regenjacke an einem niederbayerischen Bahnhof.

„Das Marterl“ beschreibt die Rückkehr des Erzählers in den bayrischen Ort „A.“, der dem realen Ort Abensberg entspricht oder zumindest in wesentlichen Teilen an diesen angelehnt ist. Ebenso entspricht der Erzähler sicherlich in ganz wesentlichen Zügen, wenn nicht vollständig, dem Autor, auch wenn nie klargestellt wird, ob es sich um einen autobiografischen Roman, einen fiktionalen oder um eine Mischung aus beidem handelt.

Dabei besticht der Roman vor allem durch die Beschreibung des ländlichen Lebens, der bayrischen Traditionen und Bräuche, die der Erähler als Rückkehrer aus England neu, fast wie ein Außenstehender, erlebt und über die stets mit einem Augenzwinkern humorvoll berichtet wird.

Die Handlung wird dabei in zwei Zeitebenen erzählt: der Gegenwart und der Erinnerung, wobei letztere vage ist und nicht immer der Realität entspricht. Auch wenn man sich mit der Zeit an die Wechsel zwischen den Ebenen gewöhnt, hätte ich mir hier doch eine stärkere Abgrenzung, vielleicht auch visuell durch den Satz, gewünscht, um das noch deutlicher zu machen.

Der Roman ist dabei jedoch mehr Panorama, mehr eine Momentaufnahme des Lebens des Protagonisten, entwickelt sich doch keine rechte, zielführende Handlung, sondern vielmehr eine Sinnsuche in Vergangenheit und Zukunft. Auf die eingestreuten Parallelen zum Leben von Charles Olson – und dessen eingestreute Verse und Gedichte – hätte man meines Erachtens aber verzichten können, tragen diese doch nichts Sinnvolles zur Handlung bei – eine Übersetzung aus dem Englischen fehlt hier ebenso.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei und ihm gebührt Lob für den Beginn jedes Kapitels auf einer ungeraden Seite, wenn auch der Einbau der Gedichte von Olson und sonstiger Zitat etwas mehr Mut vertragen hätte. Das Covermotiv ist interessant und nimmt Bezug zur Handlung, der restliche Buchumschlag und das darunterliegende Buch sind schlicht gestaltet.

Mein Fazit: „Das Marterl“ ist eine Sinnsuche, ein Roman der Gegenwartsliteratur ohne große Handlung, der gerade deswegen mit seinem Humor und der Beschreibung des bayrischen Lebensgefühls glänzen kann. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Jens Balzer: „Schmalz und Rebellion: Der deutsche Pop und seine Sprache“

Vor einiger Zeit habe ich „Schmalz und Rebellion: Der deutsche Pop und seine Sprache“ von Jens Balzer gelesen. Das Buch ist 2022 im Duden Verlag erschienen und als Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die deutsche Popmusik hatte immer ein spannungsreiches Verhältnis zur Sprache ihrer Heimat. Die ersten Rockbands sangen natürlich auf Englisch, als Rebellion gegen die spießigen Eltern. Politische Liedermacher entdeckten später die regionalen Mundarten für sich. In der Neuen Deutschen Welle wurde das Spiel mit der Sprache ironisch und kunstvoll. Und im Hip-Hop der Gegenwart zeigt sich, wie divers, vielstimmig und auch widersprüchlich die Gesellschaft geworden ist.

„Schmalz und Rebellion: Der deutsche Pop und seine Sprache“ ist – wie es das Cover auch schon verkündet – ein Streifzug durch die Musikgeschichte Deutschlands „Von den 50er-Jahren bis heute“. Dabei bezieht sich der Begriff „Pop“ hier (die erste, große Überraschung) nicht auf das Genre Popmusik, sondern ist vielmehr als Sammelbegriff für populäre – / Unterhaltungsmusik zu sehen, der – gerade in den letzten Jahren populär gewordene – Deutschpop wird quasi gänzlich ignoriert, lediglich Mark Forster taucht als Vergleich in einem Satz kurz auf.

Die zweite große Überraschung ist die Schwerpunktsetzung des Buches. Natürlich kann man bei den unzähligen Songs, Bands und Interpreten keinen wie auch immer gearteten vollständigen Überblick erwarten. Dass aber Generationen prägende Bands wie „Die Ärzte“ oder „Die Toten Hosen“ gänzlich außen vor gelassen werden, oder auch die NDW nur kurz erwähnt wird, verwundert dann doch, wenn man bedenkt, dass seitenweise über „AG Geige“ oder „Flying Lesbians“ berichtet wird. Gleiches gilt übrigens für Ostdeutschland (AG Geige stammt ja zum Beispiel von dort) – auch hier wurden die populären Bands wie Karat, Silly, Keimzeit o.ä. gänzlich ignoriert.

Abgesehen davon gelingt es Jens Balzer dennoch, durchaus spannende und interessante Fakten mit – dem Highlight des Buches – teils lustigen, teils bizaren Songtexten zu vermischen. Dass sich naturgemäß Kapitel, die dem eigenen Musikgeschmack entsprechen, besser lesen als die zum Beispiel zum modernen Hip-Hop, dessen Sontexte nur für Ekel und Kopfschütteln sorgen, erschließt sich dabei von selbst.

Da Jens Balzer zum Buch gleich eine Spotify-Playlist mitliefert, kann die Lektüre durchaus auch von passender und unpassender Musik beleitet werden – sie erleichtert es jedenfalls Einsteigern, sich in der deutschen Musik zurechtzufinden und ermöglicht es, in im Buch entdeckte Songs teils direkt einmal reinzuhören.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, aber – gerade beim Setzen der Songtexte – etwas mutlos. Der Schutzumschlag ist auf dem ansehnlichen Covermotiv hochwertig geprägt, der restliche Umschlag und das darunter befindliche Buch sind sehr schlicht.

Mein Fazit? „Schmalz und Rebellion: Der deutsche Pop und seine Sprache“ ist ein interessantes und informatives Sachbuch, das vor allem durch die eingestreuten Songtexte glänzen kann, gleichzeitig aber auch Schwächen in der Auswahl und Schwerpunktsetzung hat. Für Musikinteressierte dennoch zu empfehlen.