[Buchgedanken] Sophie Mauve: „Golden State of Mind“

In den letzten Tagen habe ich auch „Golden State of Mind“ von Sophie Mauve gelesen. Das Buch ist 2023 im Selfpublishing über epubli veröffentlicht worden und als New Adult Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sie war auf der Schauspielschule in Los Angeles. Demi weiß, was sie kann. Doch das Glück, auf der großen Leinwand zu strahlen, scheint ihr nicht vergönnt zu sein. Stattdessen verkauft sie im Kino am Hollywood Boulevard nur überteuertes Popcorn. Weil der, ihrer Meinung nach, heißeste Schauspieler aller Zeiten eine neue Hauptrolle übernimmt, bewirbt Demi sich für diesen Film als Komparsin. Sie bekommt den Job. Das heißt, sie darf ihrem Nick näher kommen, als sie je zu träumen gehofft hatte. Doch die Nähe zwischen den beiden entfesselt ein Verhalten in ihr, welches eigentlich hinter Gitter gehört. Hinter Gittern? Ja, da wäre sie nun gern … hinter all den Gittern der eisernen Tore, die die Villen der Hollywood Hills vor Eindringlingen schützen sollen. Für Demi sind sie kein Hindernis. Doch besser wäre, sie würden eins darstellen …

„Golden State of Mind“ ist mein erster Roman von Sophie Mauve, dem Pseudonym einer deutschen Texterin für ihre Fantasy, Romance und Young Adult Bücher. Dabei ist dieses Werk, das im Titel sicherlich an den berühmten Song „New York State of Mind“ erinnern möchte, nicht so einfach zu kategorisieren, wird es doch von der Autorin selbst durchaus als Dark Romance beworben – und auch die Triggerwarnung geht in die Richtung. Doch trotz der dysfunktionalen, kaputten Charaktere reicht es mir dafür nicht ganz, sodass ich es sinnigerweise als New Adult Romance kategorisiert habe – so fühlt es sich zumindest an, auch wenn der Übergang sicherlich fließend ist.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, in Teilen jedoch auch vorhersehbar. Dabei wird diese größtenteils aus der Ich-Perspektive von Demi erzählt, allerdings stoßen irritierenderweise relativ spät im Buch ohne große Ankündigung weitere Erzählperspektiven (auch ein zusätzlicher Ich-Erzähler) hinzu – darauf hätte man gut und gern auch verzichten können, ohne den Handlungsbogen zu beeinträchtigen. Sonst ist die Handlung wie angekündigt dennoch etwas dunkel, sehr erratisch, mit dysfunktionalen Beziehungen auf allen Ebenen – einzig und allein die Freundschaft zwischen Demi und Kalisha ist noch halbwegs normal.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie brillieren. So entführt uns die Autorin nicht nur nach Los Angeles in die Stadt der Engel, sondern auch an diverse Filmsets, in Castingprozesse und mitten hinein in die Schattenseiten der Filmwelt. Dabei klingt der fiktive „Orion Nebula“ nach einem Film, den ich gern im Kino gesehen hätte – Space Opera vom feinsten, wie eine Mischung aus Firefly und Robin Hood. Unterstützt wird das tolle Setting durch eine wundervolle Playlist, die dem Roman vorangestellt wurde und Songs u.a. von Taylor Swift und Zendaya enthält – was will man mehr?

Die einzelnen Figuren hingegen sind relativ schwierig zu fassen, da sie so kaputt sind – und daher teils doch eher eindimensional. Insbesondere Demi handelt hier obsessiv und wenig nachvollziehbar und auch Nick ist unglaublich wankelmütig, am ehesten können daher noch River und Kalisha überzeugen. Sophie Mauves Schreibstil ist zudem leicht und flüssig zu lesen und lässt – bei dem Thema auch nicht schwer – das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat/Korrektorat ist durchaus einiges durchgerutscht, was den Lesefluss leicht schmälert, der Buchsatz ist hingegen solide und beginnt – ein Lob dafür – jede Sequenz auf einer ungeraden Buchseite. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sorgt so für ein einheitliches Gesamtbild und ist durchaus ansprechend, auch zusammen mit der Typographie – die Coverrückseite wirkt jedoch etwas überladen.

Mein Fazit? „Golden State of Mind“ ist New Adult Romance, die vor allem mit dem tollen Setting punktet, deren Protagonist:innen aber nicht wirklich überzeugen. Für Leser:innen, die der fließende Übergang zu Dark Romance nicht stört, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Asa Avdic: „Hinters Licht“

In der letzten Zeit habe ich auch „Hinters Licht“ von Asa Avdic gelesen. Das Buch ist 2025 im Arche Literatur Verlag, einem Imprint der Atrium Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2023 unter dem Titel „Ett Liv Till“ im Albert Bonniers Förlag, Stockholm veröffentlicht. Das Werk ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Stefanie Werner verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Assistent für spiritistisches Forschungsprojekt gesucht“. Als Ruth Doran im Frühsommer 1919 auf diese ungewöhnliche Anzeige stößt, hat sie ihren Traum von einer wissenschaftlichen Karriere bereits aufgegeben. Ihre glänzende Zukunft als Mathematikerin musste nach ihrer Heirat ein jähes Ende finden. Doch nun, als Witze mit drei Kindern, braucht sie dringend einen Job, und außerdem reizt sie die Zusammenarbeit mit dem schillernden Thomas Bradford, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Gemeinsam forschen die beiden an Möglichkeiten, Botschaften Verstorbener aus dem Jenseits zu empfangen – mit fatalen Folgen.

„Hinters Licht“ ist mein erstes Buch der Journalistin Asa Avdic – und bereits die Genrezuordnung fällt schwer. Eine Kategorisierung als Gegenwartsliteratur – wie durchaus auf Verkaufsportalen zu finden – scheidet aufgrund der doch mehr als hundert Jahre in der Vergangenheit spielenden Handlung eher aus, deckt das Buch doch im Wesentlichen die Zeitspanne von 1919 bis 1921 ab, mit kleineren Ausflügen in einen noch früheren Zeitraum ab 1903. Auch ist das Buch keine Romanbiografie, da sich die Autorin zwar realer Persönlichkeiten bedient, aber doch laut eigenen Aussagen massiv von deren bekannten Lebensgeschichten abweicht, sodass ich es schlussendlich aufgrund der Handlungszeit schlicht als historischen Roman betitelt habe, der aber ebenfalls erheblich von den künstlerischen Freiheiten Gebrauch macht.

Die Handlung wird dabei in multiplen Zeitebenen erzählt, im Wesentlichen bewegen wir uns einerseits in der „Gegenwart“ 1921, die vor allem über Tagebucheinträge dargestellt wird, sowie in den Jahren 1919 und 1920, zwischen denen munter hin- und hergesprungen wird. Dabei ist der Erzähler durchaus allwissend und spricht teils die Leser direkt an, sorgt für Hintergrundinformationen oder lässt mild spoilernd Schlimmes erahnen – eine aus meiner Sicht eher unglücklich gewählte Perspektive, hätte man doch über einen personalisierten (oder sogar einen Ich-Erzähler) eine stärkere Bindung zu Ruth aufbauen, ihre Obsession vielleicht sogar besser verstehen können.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt Asa Avdic die Leser:innen ins Amerika der unmittelbaren Nachkriegszeit, in ein Land zwischen Prohibition, bahnbrechenden Erfindungen und Rassentrennung, ein Land, das so widersprüchlich in sich ist/war, dass es damals sicherlich den idealen Nährboden für den Spiritismus geboten hat. Dessen Ideen und abstruse Experimente bringt die Autorin den Leser:innen dabei nah, ohne selbst allzu sehr Partei zu ergreifen im „ewigen“ Kampf zwischen Wissenschaft und Esoterik/Okkultismus. Asa Avdic mischt hierbei eine (toxische) Liebesgeschichte mit der sehr freien historischen Handlung, sodass ein unglaublich gefühlsintensives Gesamtkonstrukt entsteht.

Der Kreis an handelnden Figuren ist aufgrund der starken Konzentration auf Ruth und Thomas doch sehr beschränkt. Im Wesentlichen können hier vor allem Nebenfiguren wie Bradley und Evelyn glänzen und überzeugen, während insbesondere Ruth nicht wirklich nachvollziehbar handelt und gerade am Schluss auch etwas an Glaubhaftigkeit einbüßt, ist ihre Entwicklung doch nicht wirklich plausibel. Asa Avdics Schreibstil lässt sich hingegen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – in diesem Metier eine wirklich spannende Erfahrung.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz beginnt die größeren Sinnabschnitte auch auf ungeraden Seiten, die Geschichte wird durch ein einordnendes Nachwort abgerundet. Der Buchumschlag punktet mit fließenden Übergängen vom Cover nicht nur zum Buchrücken sondern auch zur Coverrückseite und den Klappen, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, das Covermotiv ist jedoch belanglos und austauschbar, das Buch unter dem Umschlag schlicht.

Mein Fazit? „Hinters Licht“ ist ein ambitionierter historischer Roman, der mit einem spannenden Thema und einem tollen Setting punkten kann, deren Charaktere und Erzählweise aber nicht in Gänze überzeugen. Für Leser:innen des Genres, die Interesse an dem Thema haben, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Rebecca Lim / Kate Gordon: „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“

Vor kurzem habe ich auch „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ von Rebecca Lim und Kate Gordon gelesen. Das Buch ist 2024 in der Edition Michael Fischer GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2023 unter dem Titel „The Letterbox Tree“ bei Walker Books Limited, London. Der Roman ist dabei als fantastisches Jugendbuch einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Katharina Herzberger verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nyx lebt in Tasmanien im Jahr 2093, wo die Ozeane sauer geworden sind und das ganze Jahr über Buschfeuer herrschen. Um ihre Frustration über die Welt auszudrücken, hinterlässt sie eine wütende und verzweifelte Nachricht an ihrem Lieblingsbaum. Siebzig Jahre in der Vergangenheit findet Bea Nyx‘ Zettel und antwortet. Der Briefkastenbaum wird das Verbindungsglied der beiden Mädchen über die Zeit hinweg. Doch als Nyx‘ Welt endgültig unterzugehen droht, wird ihre Freundschaft auf die Probe gestellt und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Kann die Vergangenheit die Zukunft retten?

„Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ lässt sich bereits schwerlich einem Genre zuordnen. So ist es klar ein Roman an der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wobei ich es eher als Jugendbuch einordnen würde. Gleichsam zeigt das Buch natürlich auch Aspekte der Science Fiction über die Interaktion verschiedener Zeitebenen – und wird beworben als Klima-Thriller mit fantastischem Twist. Da ich hier allerdings keine Thrillerelemente sehe, und die Interaktion der Zeitebenen nicht erklärt wird, habe ich schlussendlich den fantastischen Twist übernommen und den Roman daher als fantastisches Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils etwas unlogisch. Mir ist bewusst, dass ein fantastischer Roman nicht zwingend logisch sein muss, das – hier nicht näher erläuterte – Magiekonzept sollte aber zumindest in sich stimmig sein, was hier leider fehlt. Nichtsdestotrotz machen beide Zeitebenen viel Spaß, die Handlungsstränge sind altersgerecht ausgearbeitet und sprechen auch – neben dem Klimawandel – für die Zielgruppe relevante Themen und Probleme wie Mobbing an, die allerdings teils etwas stiefmütterlich behandelt werden, da der Fokus doch stark auf dem Klimawandel liegt.

Das Setting ist gelungen. So entführen die Autorinnen die Leser:innen nach Tasmanien in die Jetztzeit und in eine dystopisch anmutende Zukunft in 70 Jahren (wobei der Klappentext in meiner Buchausgabe noch von 2091 und nicht von 2093 spricht – ein Fehler, der – wie man oben sieht – später korrigiert wurde, aber nicht passieren darf). Dabei werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Zukunft eindringlich beschrieben – und auch die sonst gezeigte Zukunft macht nicht wirklich Hoffnung. Dazu passt, dass auch das Ende des Buches offen bleibt und die Leser:innen so im Zweifel lässt, ob eine Rettung möglich ist. Diesen nachhallenden Appell der Geschichte hätte man so stehen lassen können, leider wird er durch das Nachwort der Autor:innen etwas aufgeweicht und holzhammerartig wiederholt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei ist der Kreis an handelnden Personen relativ klein – neben Bea und Nyx haben eigentlich nur die Eltern noch relevante Auftritte, wobei es doch etwas unglaubhaft ist, wie schnell alle, in beiden Zeitebenen, den Mädchen ihre Geschichte glauben. Die Schreibstile der Autorinnen lassen sich leicht und flüssig lesen, wirken wie aus einem Guss, was durchaus auch der Übersetzung entstammen kann, und lassen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Großen und Ganzen. Lektorat und Korrektorat haben (mit Ausnahme des drastischen Fehlers im Klappentext) ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist brillant und setzt die Briefe toll. Das Buch ist mit einem dreiseitigen Farbschnitt veredelt, das Cover – die Gestaltung generell – ist sehr hektisch und kleinteilig, mit krassen Brüchen zwischen Cover und Buchrücken sowie Coverrückseite und Buchrücken. Das Covermotiv ist farblich ansprechend, wodurch die beiden Zeitebenen gut illustriert werden, die dargestellten Figuren verstören jedoch etwas aufgrund des Fehlens von Gesichtszügen.

Mein Fazit? „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ ist ein aufwühlendes und abwechslungsreiches, fantastisches Jugendbuch, das vor allem mit seinem Setting und einer innovativen Idee überzeugt, dabei aber auch Logikfehler macht. Für Leser:innen ab 12 Jahren (und damit leicht über dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter ab 10) bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Lorenza Cingoli / Martina Forti: „Theseus und der Entotaurus“

Vor kurzem habe ich auch „Theseus und der Entotaurus“ von Lorenza Cingoli und Martina Forti gelesen. Die Illustrationen stammen aus der Feder von Gonzalo Kenny, für die Übersetzung zeichnet Michelle Luis Markau verantwortlich. Das Buch ist 2024 bei Egmont BÄNG! Books, Egmont Verlagsgesellschaften mbH erschienen und als Bilderbuch für Kinder einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Vor langer, langer Zeit im antiken Griechenland: Der steinreiche König Minos lässt ein Labyrinth bauen, um Touristen auf die Insel Kreta zu locken. Doch bald geht das Gerücht um, dass ein Monster durch die Gänge des Irrgartens spukt. Kann der mutige Theseus das Geheimnis lüften?

„Theseus und der Entotaurus“ ist die Nacherzählung der klassischen griechischen Sage mit den altbekannten Figuren aus Entenhausen. Das Bilderbuch richtet sich an jüngste Leser:innen ab 4-5 Jahren (die Angaben variieren hier). Bei der hiesigen Ausgabe handelt es sich um eine Übersetzung – Michelle Luis Markau ist ja oben bereits als Verantwortliche dafür benannt. Obwohl das Buch als Übersetzung aus dem Englischen betitelt wird, ist die einzige andere Ausgabe, die ich finden kann, die italienische von 2023 mit dem Titel „Teseo e il Papertauro“, erschienen bei Giunti Editore. Dies würde als Originalausgabe auch besser zu den italienischen Autorinnen passen.

Die Handlung ist natürlich für jeden, der entfernt mit der Sage vertraut ist, durchaus vorhersehbar, aber dennoch abwechslungsreich und wird durch die tollen Illustrationen von Gonzalo Kenny nicht nur unterstützt, sondern maßgeblich ergänzt. Dabei wird die Geschichte kind- und somit altersgerecht dargestellt, die einzelnen Figuren spiegeln nicht nur optisch sondern auch in den Eigenschaften ihre bekannten Pendants aus Entenhausen wider, teils wurden nicht einmal die Namen angepasst.

Auch Gonzalo Kennys Zeichenstil lässt Kindheitserinnerungen wach werden – und baut als Easter Egg nicht nur die Bewohner von Entenhausen in die Geschichte ein, sondern lässt Minnie und Micky Maus auch einen kurzen Auftritt als Artemis und Apollo absolvieren. Dabei spiegeln die Bilder durch die Farbgebung gut die Grundstimmung des jeweiligen Abschnitts der Handlung wider und sind insgesamt das Highlight des Kinderbuches. Der Schreibstil der Autorinnen ist altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen.

Die Buchgestaltung ist solide, der Buchsatz ist gelungen, Bild und Text werden hier zu einem tollen Gesamtprodukt verwoben. Lektorat und Korrektorat sind jedoch bei der Kürze des Textes ein kapitaler Fehler durchgerutscht – das sollte normalerweise nicht passieren. Der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt, das Covermotiv wird leider zum Buchrücken drastisch unterbrochen, auf der Coverrückseite findet sich ein anderes, detailliertes Bild. Insgesamt ist das Covermotiv durchaus ansehnlich und spiegelt einige Details der Geschichte wider, jedoch fehlt mir etwas der konkrete Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Theseus und der Entotaurus“ ist eine altersgerechte Nacherzählung der griechischen Sage, die vor allem durch tolle Zeichnungen punktet, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab fünf Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ume S. Winter: „Selbstkorrektur“

Vor kurzem habe ich auch „Selbstkorrektur“ (oder richtiger „<SELBST>/KORREKTUR“) von Ume S. Winter gelesen. Der Roman ist 2023 im Dunkelstern Verlag erschienen und dem Genre dystopischer Thriller zuzuordnen. Ich habe das Buch als Lesejuror für den Seraph gelesen, die Besprechung hier spiegelt allerdings nur meine individuelle Meinung wider und ist daher kein Vorgriff auf das (gesamte) Juryvoting. Vielen Dank an dieser Stelle auch für die Bereitstellung eines (digitalen) Leseexemplars.

Dank der KIs kennen die Menschen weder Hunger, Gewalt noch Ungleichheit. Lys Deĵoro ist Wächterin und zuständig für den Schutz der Gesundheits-KI Meneva. Bis die friedvolle Welt aus den Fugen gerät, als Lys’ Wächterkollegen ermordet werden. Ihre Ermittlungen führen sie schließlich zum Hauptverdächtigen im Mehrfachmord, dem Schriftsteller Yu Kishida. Eine undurchsichtige Jagd nach der Wahrheit beginnt, die nichts mit der vorherrschenden Realität gemeinsam hat. Wer entscheidet über den Wert der Wahrheit, wenn sie den Tod bringt und die Lüge das Leben?

„Selbstkorrektur“ (für die Rezension habe ich mich für diese einfache Schreibweise entschieden) ist naturgemäß das Debüt von Ume S. Winter, anders hätte es auch nicht für den Seraph 2024 in der Kategorie „Bestes Debüt“ nominiert werden können. Dabei kann man den Roman durchaus in mehr als ein Genre eingruppieren. So ist der Roman natürlich als Science-Fiction anzusehen, bietet gleichsam aber auch starke Elemente eines Thrillers. Auch kann man das Setting, die Welt, durchaus als dystopisch beschreiben. Daher habe ich mich für die Kategorisierung als dystopischen Thriller entschieden, die beide Elemente der Handlung gut abbildet.

Apropos Handlung. Die ist durchaus spannend, wenn auch teils etwas ambitioniert komplex im Vergleich zur Kürze des Romans – und kommt dennoch überraschenderweise nicht ganz ohne Längen aus – hier hätte man etwas besser ausbalancieren können. Dafür mischt Ume S. Winter ein explosives Gesamtpaket aus behandelten Themen wie Terrorismus, künstliche Intelligenz, totale Überwachung und Zukunftsvisionen, die die Grenze zwischen Utopie und Dystopie verschwimmen lassen – inklusive eines kleinen philosophischen Exkurses.

Das ganze wird unterstützt durch ein futuristisches Setting, das durchaus begeistern kann, auch wenn – ebenfalls – fast etwas zu viel Informationen in den Roman gepackt worden sind, um den ambitionierten Weltenbau nicht nur aktuell zu erklären, sondern auch mit einem historischen Abriss der Entwicklung in den letzten Jahrhunderten zu unterfüttern – gegebenenfalls hätte man hier noch im Nachgang der Handlung mit einem Glossar oder einer Zeitlinie unterstützen können. Toll werden auch die unterschiedlichen Schauplätze gezeichnet, sei es die Großstadt, das Rebellenversteck oder die futuristische Zuflucht auf der versteckten Insel.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Lys vor allem wichtige Nebencharaktere wie Aster und Elea, während Yu für mich nicht wirklich greifbar wurde. Der Schreibstil von Ume S. Winter lässt sich dabei grundsätzlich durchaus leicht und flüssig lesen und das Kopfkino anspringen, lediglich in den sehr technischen Passagen stockt der Lesefluss etwas.

Aussagen zur Buchgestaltung sind aufgrund des digitalen Leseexemplars nur eingeschränkt möglich. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, diese schmälern das Lesevergnügen jedoch kaum. Beim Buchsatz hätte ich mir jedoch, gerade in den Quellcode-/Programmierpassagen bzw. bei der Kommunikation mit der KI, eine stärkere Trennung vom restlichen Text, eine vielleicht auch grafische Visualisierung gewünscht. Dieses Chaos setzt sich – dem Anschein nach – auch auf dem Cover fort, das auch etwas klarere Linien und Strukturen hätte vertragen können.

Mein Fazit? „Selbstkorrektur“ ist ein spannender, dystopisch anmutender Thriller, der unglaublich wichtige Themen anspricht, sein Potential aber nicht vollends ausschöpft. Für anspruchsvolle Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Livia Pipes: „Endzeit – Die Todesinsel“ (Endzeit 1)

Vor einiger Zeit habe ich auch „Endzeit – Die Todesinsel“ von Livia Pipes gelesen. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2023 im Selfpublishing veröffentlicht worden, eine frühere Ausgabe erschien ebenfalls 2023 im Selfpublishing unter dem Titel „The Quest – Die Insel“. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Jahr 2035 stürzt Fitnesstrainer Jay Carter in eine finanzielle Krise. Sein Ausweg: Das Casting für die extremste Survival-Live-Show weltweit. Auf einem verlassenen Fabrikgelände in New York kreuzt sein Weg den von Zoe – gefangen in einer explosiven Beziehung, mit einem Traum von einer besseren Zukunft. Gemeinsam erfahren sie, um was es in der Show geht: Überleben auf einer karibischen Insel, ein halbes Jahr lang, umgeben von Gefahren wie giftigen Pflanzen, wilden Tieren und unberechenbarem Wetter. Challenges bieten die Chance auf bessere Bedingungen, doch eine düstere Regel durchzieht das Spiel: Keine ärztliche Versorgung, keine Fluchtmöglichkeit. Wer bleibt, unterwirft sich dem Dschungel und dem eigenen inneren Kampf. Unwissend, dass sie lediglich Marionetten in einem perfiden Plan sind, unterschreiben die sechs auserwählten Gewinner den Vertrag. Als sich die Ereignisse überschlagen, wird ihnen klar: Sie sind gefangen, in einem brutalen Spiel, in dem das Überleben zum ultimativen Preis wird.

„Endzeit – Die Todesinsel“ ist der erste Band der neuen Reihe von Livia Pipes. Dabei lässt sich das Buch, das auf dem Cover vereinfacht als „Thriller“ beworben wird, etwas genauer als (dystopischen) Survival-Thriller eingruppieren. Anhand der Geschehnisse im Buch ist jedoch davon auszugehen, dass sich die weiteren Bände – passend zum Titel – mehr in Richtung (post-)apokalyptischer Thriller entwickeln. Ob und inwieweit das kammerspielartige Inselsetting dabei beibehalten wird, bleibt bis dahin abzuwarten.

Die Handlung ist durchaus spannend, hat zu Beginn jedoch auch kleinere Längen, später dafür dahingegen größere Zeitsprünge, hier hätte man etwas stärker balancieren können. Auch ist durch die zwischenzeitliche Erzählung aus mehreren Perspektiven die Handlung teils wenig stringent und geht etwas zäh voran und auch der drastische Cliffhanger am Ende ist nicht gerade leserfreundlich – auch wenn sich die Charaktere nicht sehr viel Mühe geben, die letzten Ereignisse zu durchdenken. So oder so verbleibt es dadurch schwierig, das Buch als Standalone zu lesen.

Das Setting ist größtenteils gelungen. So entführt die Autorin den Leser ins Amerika der nahen Zukunft, das trotzdem sehr dystopisch anmutet. Der zweite Part der Geschichte spielt dann größtenteils auf einer karibischen Insel, die austauschbar, aber unglaublich spannend ist, auch wenn das Konzept hier etwas an „Stranded – Die Insel“ erinnert. Insgesamt verwebt Livia Pipes gut persönliche Schicksale und gesamtgesellschaftliche Themen zu einem Gesamtkonstrukt, das in den nächsten Bänden aber noch mit etwas mehr Input zur politischen Situation unterfüttert werden darf.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Zoe, Pearl und Qiuba, während Jay noch etwas eindimensional verbleibt, sich aber in den Folgebänden noch gut entwickeln kann. Der Schreibstil von Livia Pipes lässt sich darüber hinaus gut und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Kleinere Fehler mindern den Lesefluss kaum, der Buchsatz ist in Ordnung, aber etwas uninspiriert. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, ist aber gleichsam austauschbar und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen.

Mein Fazit? „Endzeit – Die Todesinsel“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Buchreihe, der vor allem durch ein spannendes Setting und interessante Themen glänzt, aber auch noch kleinere Schwächen hat. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Max Seeck: „Waiseninsel“ (Jessica Niemi 4)

In den letzten Tagen und Wochen haben sich sehr viele Rezensionen aufgestaut, die ich Euch in der nächsten Zeit präsentieren möchte. Den Anfang macht heute „Waiseninsel“ von Max Seeck. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Loukku“ bei Tammi publishers veröffentlicht. Der Roman ist dem Genre Thriller zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Gabriele Schrey-Vasara verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kommissarin Jessica Niemi gerät in eine Auseinandersetzung, wird handgreiflich und prompt von einem Passanten gefilmt. Das Video geht viral und sie wird beurlaubt. Um Abstand zu gewinnen, fährt Jessica auf die zwischen Finnland und Schweden gelegenen Åland-Inseln. Dort trifft sie auf eine Gruppe älterer Menschen, die als Kinder während des Krieges fliehen mussten und hier auf der Insel in einem Waisenhaus lebten. Nun treffen sie sich wieder. Als einer der Alten tot aufgefunden wird, beginnt Jessica zu ermitteln. Denn bereits zuvor kamen zwei Menschen auf dieselbe mysteriöse Weise ums Leben. Alle drei Opfer scheinen mit der Legende um „Das Mädchen im blauen Mantel“ im Zusammenhang zu stehen …

„Waiseninsel“ ist mein erstes Buch von Max Seeck, aber schon sein vierter Band um Kommissarin Jessica Niemi. Dabei kann das Buch zwar gut als Standalone gelesen werden, aufgrund der bewegten Vergangenheit von Jessica Niemi, ihrer Psyche und den Anspielungen auf alte Fälle empfiehlt es sich jedoch, vorher auch die anderen Teile zu lesen, da mir so sicherlich der ein oder andere interessante Moment gefehlt hat. Der Roman wird zudem als Thriller eingeordnet und beworben, was aus meiner Sicht jedoch durchaus diskutabel ist – ich finde hier fast mehr Argumente, das Buch als Kriminalroman anzusehen. Schlussendlich habe ich jedoch die Eingruppierung des Verlags übernommen.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und durchaus mit unerwarteten Wendungen versehen, durch die verschiedenen Zeitebenen aber auch nicht wirklich stringent erzählt. Auch passiert zuweilen recht wenig – der im Buch von einem Charakter angestellte Vergleich mit einem Kammerspiel drängt sich hier ebenfalls auf. Zudem fließen Realität, Einbildung und Traum teils zusammen und schaffen eine gespenstische, aber nicht immer leicht zu durchdringende Atmosphäre.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt der Autor den Leser auf die Åland-Inseln, in eine abgelegene Gegend, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Verbunden mit dem beklemmenden historischen Rückblick auf die Kriegs- bzw. frühe Nachkriegszeit, die im krassen Gegensatz zur anfangs gezeigten schnelllebigen Gesellschaft steht, in der Videoaufnahmen sofort viral gehen können, wird der Leser von einem Extrem ins andere geworfen. Dabei thematisiert Max Seeck gelungen auch schwierige Themen wie psychische Erkrankungen und Selbstmordgedanken.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brilliert insbesondere Jessica, aber auch wichtige Nebencharaktere wie Astrid und Armas können überzeugen. Max Seecks Schreibstil ist zudem leicht und flüssig zu lesen, sehr dynamisch und lässt das Kopfkino sofort anspringen, sodass sich das Buch insbesondere in der zweiten Hälfte zum Pageturner entwickelt.

Auch die Buchgestaltung kann glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, farbige Coverinnenseiten, eine leichte Prägung auf dem Cover und ein Farbschnitt veredeln das Gesamtprodukt. Das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für hohen Wiedererkennungswert, ist jedoch etwas beliebig und wird leider zum Buchrücken hin – reihentypisch – unterbrochen.

Mein Fazit? „Waiseninsel“ ist ein starker Thriller/Kriminalroman, der vor allem dank seines Settings und einer brillanten Protagonistin glänzen kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Stefanie Schuhen: „Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“

Vor kurzem habe ich auch „Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“ von Stefanie Schuhen gelesen. Das Buch ist 2023 bei Piper Wundervoll in der Piper Verlag GmbH erschienen und dem Genre Urban Fantasy zuzuordnen. Auch diesen Roman habe ich im Rahmen der Tätigkeit als Lesejuror für den Phantastikpreis SERAPH 2024 gelesen. Die folgende Besprechung spiegelt hierbei lediglich einen individuellen Leseeindruck wider, sodass keine Rückschlüsse auf die Gesamtentscheidung der Jury getroffen werden können – vielen Dank an dieser Stelle für die Bereitstellung des digitalen Leseexemplars.

Die Bäckerin Jackie ist seit vielen Jahren durch einen Zauber an ihr Haus in Paris gefesselt, nur mithilfe der streunenden Katzen kann sie es manchmal verlassen. In dem dazugehörenden Café Salon Nocturne finden Mitglieder der magischen Gemeinschaft Hilfe und Zuflucht, und so hat sich Jackie mit ihrem Schicksal arrangiert. Doch dann wird sie von der Magiebehörde zur Mitarbeit angefordert, denn jemand experimentiert mit gefährlichen Bindungsritualen – mit fatalen Folgen. Ausgerechnet mit Gabriel Rivera soll sie zusammenarbeiten, jenem Mann, dessen Name Jackie schon so lange verfolgt …

„Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“ ist der Debütroman von Stefanie Schuhen und als „Bestes Debüt“ für den SERAPH 2024 nominiert. Der Titel ist dabei leicht irreführend, geht es im Roman doch nur am Rande um die rastlosen Geister, sondern vielmehr um einen Fall von Magiemissbrauch. Und so ist auch das Genre nicht leicht zu bestimmen, zeigt der Roman doch Ansätze eines Romantasy-Titels – Folgeromane könnten den Fokus hier in diese Richtung weiter verschieben. Gleichsam liegt jedoch auch ein phantastischer Kriminalroman vor, haben wir doch sogar ein Ermittlerduo aus Jackie und Gabriel (jeweils mit Anhang). Da ich nicht weiß, ob überhaupt Fortsetzungen geplant sind und, wenn ja, in welche Richtung diese gehen, habe ich es vorliegend bei der relativ breiten Kategorisierung als Urban Fantasy belassen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, zugleich aber gerade zu Beginn auch sehr cosy, ist der Handlungsort doch für die Kapitel aus Jackies Sicht mehr oder weniger auf den Salon Nocturne festgelegt. Kleines Manko ist hierbei das – trotz abgeschlossenem Fall – relativ offene Ende, das nach Fortsetzungen schreit. Auch verbleibt die Handlung – die dennoch viel Spaß macht – etwas an der Oberfläche, ist insgesamt relativ komplikationslos, was aber auch verständlich ist, wenn man sich die Mühe ansieht, die hier in die Einführung der magischen Gemeinschaft gesteckt wird.

Das Setting vermag nämlich auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt die Autorin den Leser ins Paris der Jetztzeit und lässt den Charme der Stadt dabei spürbar werden. Aufgepeppt durch eine Prise Magie und einen durchaus überzeugenden Weltenbau bzw. ein gelungenes Magiekonzept, träumt man sich gern an diesen Ort – wenn auch nicht ins Zwischenreich. Gleichsam bleibt aber auch noch genug Potential für etwaige Folgebände, das Konzept weiterzuentwickeln und zu verfeinern.

Auch die einzelnen Figuren können glänzen, sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Jackie auch Nebenfiguren wie Fatou und Roland – und ich würde mich freuen, irgendwann vielleicht auch mehr über Florence zu erfahren. Stefanie Schuhens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Da ich ein digitales Exemplar gelesen habe, lassen sich keine Aussagen zur Ausstattung der Printausgabe sondern lediglich zum Lektorat, Korrektorat und – bedingt – zum Buchsatz treffen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, die durchgerutschten Kleinigkeiten schmälern das Lesevergnügen nicht. Gleiches gilt für den Buchsatz, der ebenfalls unauffällig ist.

Mein Fazit? „Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“ ist ein durchweg gelungenes Debüt, das für Urban Fantasy zwar relativ cosy daherkommt, dennoch mit tollem Setting und spannenden Charakteren brilliert und Raum für Folgebände bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aus meiner Sicht durchaus schon ab etwa 14 Jahren, und nicht erst ab 16 wie vom Verlag empfohlen.

[Buchgedanken] Tina Ariam: „Die Moritat der Organspenderin“

Vor kurzem habe ich „Die Moritat der Organspenderin“ von Tina Ariam gelesen. Das Buch ist 2023 im Wreaders Verlag erschienen und dem Genre Steampunk zuzuordnen. Es ist das erste Buch, das ich im Rahmen der Tätigkeit als Lesejuror für den Phantastikpreis SERAPH 2024 gelesen habe. Die folgende Besprechung spiegelt hierbei lediglich einen individuellen Leseeindruck wieder, sodass keine Rückschlüsse auf die Gesamtentscheidung der Jury getroffen werden können.

Rye, England, ca. 1884. Durch die unkenntlich gemachten Gesichter weiß Henri nie, wer auf ihrem Operationstisch landet. Für die örtlichen Schmuggler entnimmt sie den Leichen ihre Organe. Für die wirklich wichtigen Kunden stiehlt sie das Wissen der Toten. Doch dann liegt plötzlich der britische Thronfolger auf ihrem Tisch.

„Die Moritat der Organspenderin“ ist der Debütroman von Tina Ariam, sonst könnte er auch schlecht als „Bestes Debüt“ für den SERAPH nominiert sein, gleichzeitig aber wohl auch Auftakt für eine Buchreihe, ist eine Fortsetzung doch angeteasert, die allerdings von der Prämisse doch sehr an „Kingsman“ erinnert. Das Buch lässt sich dabei relativ eindeutig dem Genre Steampunk zuordnen, spielt es doch in der viktorianischen Zeit, die in dieser Realität von Luftschiffen und technischen Gerätschaften dominiert wird. Etwas irritierend, dass das Buch zwar genau datiert ist, die englische Königin aber ausgetauscht wurde – gleiches gilt wohl auch für den restlichen europäischen Hochadel, der mit echten Titeln aber fiktiven Personen durchsetzt wurde.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch mit kleineren Logiklücken versehen. Gern hätte ich mir auch noch mehr Moritaten gewünscht, die in den Text eingebaut worden wären, um noch mehr Atmosphäre zu schaffen. Gerade im zweiten Teil nimmt die Handlung jedoch deutlich an Fahrt auf und entwickelt sich durchaus zum Pageturner – auch dank der Reise auf dem Luftschiff, die hier für einen spannenden Wechsel des Handlungsortes sorgt.

Das Setting kann dadurch auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin den Leser nicht nur ins „viktorianische“ (aufgrund einer anderen Königin ja nicht der passende Name) England nach Rye, sondern auch mit einem Luftschiff über die Wolken – und nach Wien ins Schloss Schönbrunn. Dabei ist das Steampunk-Setting sehr klassisch, aber nichtsdestotrotz begeisternd – insbesondere die Ausstattung der Ikarus IX lässt den Leser träumen und sich ebenfalls an Bord wünschen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn die inneren Stimmen, ein so interessantes und innovatives Konzept, noch stärker in den Fokus hätten gestellt werden können. Insgesamt überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ludwig und Eustace, aber auch Henri kann glänzen, während Scott noch etwas blass verbleibt, im nächsten Band aber konsequent weiterentwickelt werden kann. Tina Ariams Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Aussagen zur Buchgestaltung lassen sich nur bedingt treffen, da ich ein digitales Exemplar gelesen habe und daher nichts zur Ausstattung des Prints sagen kann. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz lassen sich jedoch durchaus beurteilen. Und während der Buchsatz hier durchaus ansehnlich ist – kleinere Satzfehler können auch an meinem Leseprogramm liegen – haben Lektorat und Korrektorat doch einige Schwächen, die sich auch kontinuierlich durchs Buch ziehen und bei mir für Irritationen sorgen – was das Lesevergnügen dann doch leicht schmälert.

Mein Fazit? „Die Moritat der Organspenderin“ ist ein durchaus gelungenes Debüt, das vor allem mit einem brillanten Setting und einigen innovativen Ideen punktet, aber auch kleinere Schwächen, insbesondere auch im Lektorat/Korrektorat hat. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Ingo Bartsch: „Ein Mord – drei Tote“

Vor kurzem habe ich „Ein Mord – drei Tote“ von Ingo Bartsch gelesen. Das Buch ist 2023 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als (regionaler) Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Adam Götzki vom BKA in Berlin ist psychisch am Ende. Um beruflich wieder auf die Beine zu kommen, soll er für eine Weile beim LKA im beschaulichen Mainz arbeiten, wo ihn gleich der erste Fall erwartet: Eine Influencerin liegt erschlagen in ihrer Wohnung. Die Staatsanwaltschaft klagt den erstbesten Verdächtigen an, doch Götzki sucht weiter nach Antworten. Schnell wird ihm klar, dass die schillernde Influencerin ein Doppelleben geführt hat. Als er der Spur folgen will, wird er von seinem Vorgesetzten zurückgepfiffen. Aber die unheilvollen Ereignisse, die sich in Gang gesetzt haben, sind nicht mehr aufzuhalten.

„Ein Mord – drei Tote“ ist der erste Roman um Adam Götzki – vielleicht der Beginn einer Reihe? Dabei lässt sich das Buch – obwohl als psychologischer Kriminalroman betitelt – gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Aufgrund des sehr starken regionalen Bezugs – Wein, Hand- und Spundekäs spielen eine zentrale Rolle – würde ich das Buch durchaus als Regionalkrimi einordnen. Allerdings ist die Bandbreite der behandelten Themen nahezu endlos, sodass man hier durchaus auch Elemente eines (Polit-)Thrillers findet – um nur noch eine der Möglichkeiten zu benennen.

Die Handlung ist vielschichtig, abwechslungsreich und durchaus spannend, hat aber an einigen Stellen auch kleinere Längen. Gerade das Ende vermag mich jedoch nicht ganz zu überzeugen, wird der Fall doch zwar spannend, aber sehr rasch und unerwartet aufgelöst – unnötiger Cliffhanger inklusive. Auch die immer stärker und abstruser eskalierenden Handlungsspiralen sind nicht in jedem Fall nachvollziehbar – manchmal wäre etwas weniger dann doch mehr gewesen.

Das regionale Setting kann hingegen gänzlich überzeugen. So entführt der Autor den Leser nach Mainz in eine Stadt voll lokalem Flair, das einiges zum Gelingen des Romans beiträgt. Weitreichender als der geografische Ausflug nach Mainz sind jedoch die thematischen Streifzüge durch die Bereiche politischer Extremismus und Terrorismus, organisierte Kriminalität, Korruption und Vetternwirtschaft, psychische Erkrankungen, Migration und Clanstrukturen – eine Bandbreite, die fast zu groß für einen doch eher kurzen Roman ist.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebenfiguren wie Maja, Sam und Ali, während gerade Adam jedoch etwas eindimensional verbleibt und dafür sorgt, dass man als Leser sich viel mehr um ihn sorgt, als mit ihm mitzufiebern – die Lösung des Falles habe ich ihm zumindest nicht gegönnt. Der Schreibstil von Ingo Bartsch hingegen ist durchaus leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, insgesamt ist das Buch aber eher schlicht und unauffällig – Highlights in der Ausstattung sucht man hier vergebens. Auch das Cover ist zwar durchaus gelungen und bietet Assoziationsmöglichkeiten, im Zusammenspiel mit Coverrückseite und Buchrücken ist das Gesamtprodukt dennoch sehr eintönig und eher kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Ein Mord – drei Tote“ ist ein Kriminalroman mit tollem Setting und spannender Handlung, die jedoch teils etwas eskaliert und einen Ermittler hat, mit dem man schwerlich warm wird. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.