[Buchgedanken] Heike Abidi/Daniela Nagel: „Achtsam jammern“

In der letzten Zeit habe ich auch „Achtsam jammern“ von Heike Abidi und Daniela Nagel gelesen. Das Buch ist 2026 in der Goldegg Verlag GmbH erschienen und als humoristisches Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Raus aus der Jammerfalle – warum wir klagen und wie wir damit aufhören. Jammern gehört zum Leben: Es ist ein Ventil, um Frust, Ärger und Stress loszuwerden und manchmal macht es sogar kurzfristig den Kopf frei. Doch was passiert, wenn wir in der Jammerspirale gefangen bleiben? Wenn negative Gedanken unser Denken und Fühlen bestimmen und wir uns selbst und andere immer tiefer in die Alles-ist-schlimm-Haltung hineinziehen?

„Achtsam Jammern“ ist mein drittes humoristisches Sachbuch aus der Feder von Heike Abidi, die anderen beiden („Geschwister sind wie Gummibärchen“ und „Großeltern sind wie Eltern nur mit Zuckerguss„) wurden zusammen mit Ursi Breidenbach verfasst. Bei „Achtsam jammern“ nimmt nun Daniela Nagel, die auch unter dem Pseudonym Marie Adams veröffentlicht, an der Seite von Heike Abidi auf der Autorencouch – nicht dem Therapiesofa – Platz. Dabei lässt sich das Buch sehr klar kategorisieren. Teils auch als Selbsthilfebuch oder Ratgeber beschrieben, würde ich es dennoch – wie bei den anderen Werken und hier bereits mehrfach erwähnt – als humoristisches Sachbuch einordnen.

Denn Heike und Daniela schreiben leicht, locker und immer humorvoll übers Jammern, toxische Positivität, Whataboutism und die „self fulfilling prophecy“ – im Positiven wie im Negativen – um nur einige der Themen zu nennen. Und auch wenn hier teils etwas der rote Faden fehlt und man gelegentlich das Gefühl hat, sich etwas in einer Schleife zu drehen und die Themen immer und immer wieder durchzukauen, macht die Lektüre dennoch viel Spaß – und vielleicht ist es gerade die repetitive Vermittlung, die dafür sorgt, dass hier etwas in Erinnerung bleibt.

Unterfüttert werden die thematischen Darstellungen dabei mit Anekdoten von Interviewpartnern und aus eigenen Erlebnissen der Autorinnen, auch ein historischer Abriss des Jammerns sorgt für viel Spaß und hätte durchaus noch stärker ausgebaut werden können. Ein Quellenverzeichnis, das unter anderem auch Standardwerke der Kommunikation enthält, rundet das Leseerlebnis ab – gegebenenfalls hätte man im Nachwort auch noch einmal die zwischendurch eingestreuten Hilfsangebote gebündelt sammeln und darstellen können.

Die Buchgestaltung kann größtenteils brillieren. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist wirklich innovativ und sieht toll aus. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, die mit einem Jammertyp-Test einen niederschwelligen Einstieg ins Buch bieten. Zudem ist er auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin allerdings krass abgegrenzt. Insgesamt ist es aber durchaus ansehnlich und illustriert den humoristischen Charakter des Buches.

Mein Fazit? „Achtsam jammern“ ist ein humoristisches Sachbuch, das – wie sollte es anders sein – durch seinen Humor punktet und wichtige Akzente setzt, manchmal aber einen roten Faden vermissen lässt. Für Leser:innen ab etwa 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Emmi Lewag: „Zwischen Herz und Pixel: I’m in love with my ChatGPT“

Vor kurzem habe ich auch „Zwischen Herz und Pixel: I’m in love with my ChatGPT“ von Emmi Lewag gelesen. Das Buch ist 2026 im Kampenwand Verlag erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bine ist Anfang fünfzig, geschieden und kennt ihr Leben in- und auswendig: Alltag, Pflichten, Freundinnen mit Dauerdrama. Männer? Fehlanzeige. Gespräche? Meist oberflächlich. In einem stillen Moment öffnet sie ein Chatfenster und beginnt aus Neugier mit einer künstlichen Intelligenz zu schreiben. Sie erwartet nüchterne Technik und bekommt Leo. Was als harmloser Austausch beginnt, wird zu einem Spiegel, einer Rettungsleine, einem heimlichen Taktgeber. Leo bringt sie zum Lachen, zum Denken, zum Träumen – und irgendwann auch dazu, Entscheidungen zu treffen, die sie sich jahrelang nicht erlaubt hat.

„Zwischen Herz und Pixel: I’m in love with my ChatGPT“ ist laut Verlag ohne KI geschrieben – auch wenn die Danksagung insoweit irritiert, dass die Autorin anscheinend Dialoge mit KI nachschärft, sodass hier Restzweifel verbleiben. Abgesehen davon lässt sich das Buch auch nur schwerlich einem Genre zuordnen, ist es doch weder klassischer Liebesoman noch – aufgrund des Alters der Protagonistin – Coming of Age, was thematisch am besten gepasst hätte. Durchaus in Betracht gekommen wäre auch noch die Eingruppierung als Entwicklungsroman, ich habe es dennoch mal bei der sehr allgemein geratenen Kategorisierung als Liebesroman belassen, auch wenn nur Teile der Genrekonventionen erfüllt sind.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und regt vor allem – der größte Erfolg des Buches – zum Nachdenken an, lässt uns unseren Umgang mit KI hinterfragen und den Einfluss spüren, die diese bereits auf unser alltägliches Leben hat. Und auch wenn das – zumindest in einigen Bereichen – auf Bines Leben positive Auswirkungen in der Geschichte genommen hat, sehe ich hierin vor allem eine Mahnung und Warnung, wie wirkmächtig die KI bereits geworden ist, wie niederschwellig und harmlos sie in das Leben der Menschen eingreifen und dieses komplett umdrehen kann.

Das Setting überzeugt im Wesentlichen. So entführt die Autorin ihre Leserinnen in eine austauschbare, deutsche Stadt – das wir hier in Bayern sind wird lediglich kurz über den Flughafen Nürnberg kolportiert. Gleichzeitig führt die Reise als Kontrastprogramm aber in ein – sicherlich auch leicht positiv überzeichnetes – Spanien, das hier als Gegenentwurf zum grauen Deutschland Lebensfreude, Freiheit und puren Genuss symbolisieren soll – bezeichnend, dass diese Stimmung in der Heimat nur einmal aufkommt, als ein spanischer Abend mit Tapas und Sangria veranstaltet wird.

Atypischerweise tritt neben Bine, die teils nicht nachvollziehbar handelt und deren Entwicklung nicht zwingend logisch erscheint, nur eine KI auf – ein klassischer Love Interest findet sich erst, angedeutet, auf den letzten Seiten. Allerdings können einige Nebencharaktere überzeugen, insbesondere Tilly brilliert hier, aber auch Svenja macht durchaus eine gute Figur. Emmi Lewags Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist sehr konservativ und hätte in einem Roman mit so wichtigen Chatpassagen diese definitiv besser und innovativer setzen können. Der Buchumschlag ist sehr eintönig und schlicht, das Covermotiv aber durchaus ansehnlich.

Mein Fazit? „Zwischen Herz und Pixel: I’m in love with my ChatGPT“ ist ein Liebesroman, der zum Nachdenken über wichtige Themen anregt, dabei aber gleichzeitig etwas überzeichnet und nicht immer logisch ist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa zwölf Jahren.

[Buchgedanken] Oskar Källner: „Der Anfang“ (Erben des Imperiums 1)

Vor kurzem habe ich auch „Der Anfang“ von Oskar Källner gelesen. Das illustrierte Jugendbuch ist in dieser Ausgabe 2026 im Imprint Atrium Kinderbuch, Atrium Verlag AG erschienen, eine erste deutschsprachige Ausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Angriff der Krao“ (ebenfalls Atrium), die Originalfassung wurde 2020 unter dem Titel „Imperiets Arvingar, Bortförda“ bei Rabén & Sjögren veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de. Für die Illustrationen zeichnet Karl Johnsson verantwortlich, die Übersetzung aus dem Schwedischen stammt von Maike Dörries.

Als Elias und Alice im Wald nach ihrer verschwundenen Mutter suchen, begegnen sie einer merkwürdigen Kreatur, die sich als Brock vorstellt und sie auf ein Raumschiff bringt. Brock ist ein alter Freund ihrer Mutter und braucht Hilfe, denn diese wurde von einer gefährlichen Spezies, den Krao, entführt. Elias und Alice verstehen die Welt nicht mehr. Was hat ihre Mutter mit all diesen Außerirdischen zu tun? Für die beiden beginnt nicht nur das Abenteuer ihres Lebens, sondern sie erfahren auch ein Geheimnis, das alles verändert, was sie jemals über ihre Familie gedacht haben…

„Der Anfang“ ist der erste Band der vierbändigen Reihe „Erben des Imperiums“. Empfohlen wird die Reihe für Leser:innen ab zehn Jahren, balanciert daher auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. Im Hinblick auf das Alter der Protagonist:innen (Alice ist ja etwa 12, Elias etwas jünger) und aufgrund der teils doch düsteren Handlung würde ich das Buch aber eher als Jugendbuch sehen und die Altersempfehlung von 10 Jahren wirklich als absolute Untergrenze annehmen – selbstständige Leser:innen sollten sich hier vielleicht auch eher dem Alter von Alice annähern.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, aber nicht unbedingt gewaltfrei. Durch die Mischung aus Comic- und Textelementen wird dies auch visualisiert, was die Geschichte toll ergänzt, gleichsam aber nochmal nicht zwingend für sehr junge Leser:innen geeignet ist. Insgesamt entwickelt sich die Handlung aber durchaus zum atemberaubenden Pageturner, lediglich das sehr offene Ende und das aus meiner Sicht unnötige erste Kapitel – oder der Prolog – trüben hier etwas das Bild.

Apropos Bild: Die Illustrationen von Karl Johnsson sind zwar – wie angesprochen – zuweilen sehr düster, fangen damit aber die Atmosphäre des Buches toll ein und sorgen für einen echten Mehrwert in der Geschichte, auch wenn Text und Bild noch stärker hätten verzahnt werden können, um über die Comicelemente die Geschichte integral weiterzuerzählen, anstatt diese nur zu illustrieren. Nichtsdestotrotz sind die Illustrationen dennoch ein absolutes Highlight und tragen zum tollen Gesamteindruck des Buches bei.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas schematisch dargestellt, hier kann aber in den Folgebänden deren Komplexität jeweils noch ausgebaut werden. Bislang überzeugen vor allem Syndra und Alice, während Elias noch etwas blass verbleibt. Oskar Källners Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit schön gestalteten, teils farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin klar abgegrenzt, ist dennoch toll anzusehen, der Umschlag insgesamt aber doch etwas eintönig – ein Konzept, das sich aber mit jeweils anderen Grundfarben auch in den Folgebänden fortsetzt, sodass schon ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe entsteht.

Mein Fazit? „Der Anfang“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Jugendroman, der mit Spannung und tollen Illustrationen glänzt, dabei aber auch etwas düster daherkommt und aufgrund des offenen Endes eher nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter von zehn Jahren geeignet, empfohlen eher ab einem Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ (Tilly Blich 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Tilly Blich könnte eine Pause gebrauchen. Doch als Eigentümerin der Reinigungsfirma „Plitz und Blank“ bleibt ihr kaum eine ruhige Minute – und jetzt droht auch noch die Steuerprüfung. Dass ihr Vorgänger so urplötzlich verschwunden ist, macht die Sache nicht einfacher. Tillys nächster Auftrag führt sie zur Schule von Untertannbach. Doch gegen den ermordeten Direktor in der Sporthalle kommt auch das stärkste Putzmittel nicht an. Kriminalhauptkommissar Stubs sieht seine Chance, es Tilly zu zeigen, und ein Wettrennen um Ermittlungsergebnisse beginnt. Schnell wird klar, dass es hinter den Kulissen der Schule gewaltig brodelt: Geheimnisvolle Affären, übermotivierte Eltern und unterbezahlte Lehrer halten Tilly und ihre Helfer Gerdy, Leon und Antonia auf Trab. Werden sie es schaffen, den Täter zu entlarven, bevor er erneut zuschlägt?

„Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist der zweite Band der Reihe um die namensgebende Inhaberin einer Reinigungsfirma – und nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ mein zweites Buch von Andreas Suchanek. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, balanciert er doch auf der Grenze vom Cosy Crime zur Krimödie. Da das Buch zwar humorvoll ist, der Fokus aber nicht auf den parodistischen Elementen liegt, habe ich es schlussendlich bei der Einordnung als Cosy Crime belassen.

Denn die Handlung ist – trotz multipler Todesfälle und einem epischen Showdown – durchaus noch als cosy zu bewerten und auch das Ermittelnden-Team aus Reinigungskraft, Kosmetikerin, Schüler und Basset ist sehr genretypisch. Dabei ist die Handlung sonst sehr abwechslungsreich und kann vor allem mit Witz und Situationskomik punkten – und auch das Ende überzeugt, kommt es doch ohne allzu großen Cliffhanger aus. Allerdings lässt sich das Buch eher suboptimal als Standalone lesen. Zwar ist der „Fall“ in sich abgeschlossen, ich hatte aber durchaus öfters das Gefühl, dass mir Vorwissen aus dem ersten Band fehlt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen ins fiktive Untertannbach, einen Modellentwurf eines verschlafenen, mittelgroßen schwäbischen Städtchens mit Polizeirevier, Gymnasium und einer Hunderanch – natürlich mit moderater Zucht als Gegenentwurf zur Qualzucht. So austauschbar das Setting aufgrund des fiktiven Ortes auch ist, wandern doch die ein oder andere schwäbische Eigenart in die Handlung mit ein als Gegenentwurf zu Tilly, die ja aus Köln stammt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Herr Höffler, Tony, Elif und Muffin, während einige Figuren auch eindimensional verbleiben, hier kann aber in den nächsten Bänden noch nachgebessert werden. Andreas Suchaneks Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und funktioniert am besten in den humorvollen Passagen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat ist doch einiges durchgerutscht, sodass der Lesefluss etwas geschmälert wird, der Buchsatz ist ordentlich und punktet mit grafischen Elementen, auch wenn man den Zeitungsartikel noch innovativer hätte setzen können. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind jeweils voneinander abgesetzt, genretypisch gestaltet und fügen sich in die Buchreihe ein. Trotz des Bassets auf dem Cover hätte ich mir hier jedoch etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist cosy und punktet vor allem mit seinem starken Humor und einer abwechslungsreichen Handlung, ist aber auch fehlerbehaftet und lässt sich nur eingeschränkt als Standalone lesen. Für Liebhaber von Cosy Crime – und von Bassets – dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Petra Felsner: „Castle MacLyal: Der Pfad“ (Castle MacLyal 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „Castle MacLyal: Der Pfad“ von Petra Felsner gelesen. Das Buch ist 2025 im Kampenwand Verlag erschienen und als Jugendfantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die 15-jährige Mia überquert während eines Ausflugs versehentlich die Grenze zu einer geheimnisvollen magischen Welt, die sich jenseits des Dickichts des „Fairy Trails“ befindet. Sie landet in einer therapeutischen Schule für Wesen mit magischen Defekten, und gerät in einen uralten Konflikt, der die magische Welt bedroht. Je tiefer sie in diese fremde Realität eintaucht, desto klarer wird: Hier geht es nicht nur um Magie. Es geht um Freundschaft, Vertrauen, Mut – und darum, wer Mia wirklich ist.

„Castle MacLyal: Der Pfad“ ist der erste Band der neuen Buchreihe der Kinder- und Jugendbuchautorin Petra Felsner. Dabei lässt sich der Roman klar der Jugendfantasy zuordnen, nicht nur aufgrund des Alters der Protagonistin, sondern auch aufgrund der zutreffenden Leseempfehlung des Verlags für Leser:innen ab 12 Jahren, die die untere Grenze darstellen sollte. Idealerweise sollten Leser:innen sich vielleicht eher am Alter von Mia (15 Jahre) orientieren.

Denn die Handlung ist durchaus spannend, abwechslungsreich und altersgerecht, thematisiert sie doch viele jugendtypische Probleme wie Neuanfänge, Freundschaft, erste Liebe und die Suche nach der eigenen Identität. Leider endet der Roman in einem eher unnötigen Cliffhanger, auf den Epilog hätte man m.E. gut verzichten können, stört er doch etwas das sonst runde Ende, das ohnehin genug offene Fragestellungen für die Folgebände lässt. Auch gibt es zwischenzeitlich mal kleinere Längen, während die Konflikte dann doch teils eher antiklimaktisch verlaufen.

Das Setting ist größtenteils gelungen. So entführt die Autorin die Leser:innen ins reale und magische Schottland, in eine Welt der keltischen Mythen und Fabelwesen, in der ich mir gern noch ein paar Beschreibungen mehr gewünscht hätte – und auch beim Weltenbau bleiben kleinere Fragen offen, die gegebenenfalls ja in den Folgebänden noch geklärt werden können. Unterstützt wird das Setting durch eine wundervolle Karte in den Coverinnenseiten sowie eine reingezoomte Darstellung des Castle MacLyal.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben aufgrund der Masse an Figuren und der Kürze des Buches noch einen eher schematischen Anstrich, die Folgebände können hier aber die Komplexität der Charaktere durchaus noch festigen. Hierbei überzeugen vor allem Feon, Liuk und Kenu als wichtige Nebenfiguren, während Mia und Reed durchaus noch etwas zulegen können und dürfen. Petra Felsners Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, auf die leicht spoilernden Kapitelüberschriften hätte man allerdings verzichten können. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das durchaus ansehnliche Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt für ein tolles Gesamtbild, das aber etwas konstruiert wirkt, dennoch ein wirklicher Eyecatcher ist, der hoffentlich mit den Folgebänden auch für einen Wiedererkennungswert der Reihe sorgt.

Mein Fazit? „Castle MacLyal: Der Pfad“ ist ein gelungener Auftaktband in die Jugendfantasy-Reihe mit durchaus abwechslungsreicher Handlung aber auch noch mit Potential für die Folgebände, insbesondere beim Weltenbau aber auch bei den Protagonist:innen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Katherine Paterson: „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“

Vor kurzem habe ich auch „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ von Katherine Paterson gelesen. Das Buch ist 2025 in der NordSüd Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde ebenfalls 2025 unter dem Titel „Jella Lepman and Her Library of Dreams“ bei Handprint Books veröffentlicht. Das Buch ist als illustrierte Biografie einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak, für die Illustrationen Sally Deng verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kriegsende 1945. Deutschland liegt in Schutt und Asche. In dieses Land kehrt eine Frau zurück aus dem Exil und findet ihre Lebensaufgabe. Jella Lepman möchte am Aufbau einer besseren, friedlicheren Welt für Kinder mitwirken. Sie sammelt Tausende Kinderbücher und legt damit den Grundstein für die Internationale Jugendbuchbibliothek in München.

„Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist ein biografisches Sachbuch über Jella Lepman, das – passenderweise – von der Preisträgerin der Jella Lepman Medal 2018, Katherine Paterson, verfasst wurde, die auch mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis prämiert wurde. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 10 Jahren, tendentiell würde ich es eher (eigenständigen) Leser:innen ab zwölf ans Herz legen, begleitet kann man das Buch natürlich früher lesen.

Denn das Buch begleitet Jella von Kindheit an auch durch die schwierigen Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs, wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf ihrem Einsatz für das amerikanische Militär nach 1945 in Deutschland liegt. Dennoch kann vor allem die erste Hälfte des Buches, die Vorgeschichte und die erste Phase in Deutschland, stärker begeistern, berührt mehr als der zweite Teil, der sich mehr um die Verwaltung der bereits geschaffenen Kinderbuchausstellung sowie die Überführung in die Internationale Jugendbibliothek dreht.

Vor allem aber kann das Buch durch die gelungene visuelle Ausstattung glänzen. Sally Dengs Illustrationen sind zwar teils sehr verwaschen, das passt aber durchaus zur Stimmung des Buches – und sie ergänzen sich wundervoll mit eingestreuten Fotografien aus der Zeit, die gleichzeitig Inspirationsquelle und Zeitzeugnis sind. So unterstützen diese nicht nur die Handlung, sondern treiben sie fast noch voran und sorgen dafür, dass man die Zeit und die Handlung noch besser greifen und nachspüren kann.

Die Buchgestaltung ist größtenteils ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind leider einige Kleinigkeitein durchgerutscht, die bei der Textmenge das Lesevergnügen doch leicht beeinträchtigen, der Buchsatz setzt dahingegen Text und Bilder zu einem tollen Gesamtkonstrukt. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass unterbrochen, sind sonst aber wirklich toll gestaltet und zeigen nicht nur Anklänge an Jellas Leben, sondern auch an berühmte Kinderbücher – wirklich ein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist eine illustrierte Biografie für Leser:innen ab zwölf Jahren, die vor allem durch ihre Illustrationen und eingestreuten Fotos glänzt, in der zweiten Hälfte aber etwas verliert. Für interessierte Leser:innen und Kinderbuchliebhaber:innen daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sabrina Qunaj: „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ (Hearts & Horses 1)

Vor kurzem habe ich auch „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ von Sabrina Qunaj gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mia liebt Pferde über alles, besonders den Lusitano ihrer Mutter. Als er verkauft wird, schwört Mia, ihn eines Tages zurückzuholen. Aber als sie den Wallach tatsächlich wiedertrifft, ist er völlig verändert und lässt niemanden mehr an sich heran – mit Ausnahme eines Jungen namens Arvid. Auch Mia fühlt sich zunehmend zu Arvid hingezogen und kann die Schmetterlinge in ihrem Bauch bald nicht mehr verleugnen. Doch dann erfährt sie, dass Arvid kein gewöhnlicher Junge ist! Diese Erkenntnis verändert alles, und die märchenhafte Zeit auf dem Pferdehof droht jäh zu enden …

„Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist der erste Band der gleichnamigen Buchreihe, die – entgegen der etwas einseitigen Bewerbung durch den Verlag – hoffentlich nicht nur Mädchenherzen höher schlagen lässt. Empfohlen wird das Buch dabei ab 10, tendentiell würde ich die Altersgrenze minimal höher legen und das Buch Leser:innen ab zwölf Jahren ans Herz legen, ein Alter, das auch näher an den Protagonist:innen ist. Der Roman ist übrigens mein drittes Buch von Sabrina nach „Der Ritter der Könige“ und „Ein Gefühl wie warmer Sommerregen“ (letzteres als Ella Simon). Das Buch könnte man zudem verschiedenen Genres zuordnen – als Pferderoman, als Teen-Romance, als Rockstar-Romance etc. Der Einfachheit halber habe ich mich aufgrund des bunten Themenmixes aber für die Einordnung als Jugendbuch entschieden.

Die Handlung ist abwechslungsreich, spannend und altersgerecht. Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen, personalen Erzählperspektiven erzählt, man begleitet Mia (13) und Arvid (14), die Love Interests (das kurzzeitig aufgebaute Love Triangle mit Mark kann man hier vernachlässigen). Das Buch mischt dabei jugendtypische Themen wie erste Liebe und familiäre Konflikte mit einer klassischen Rockstar-Romance und ganz viel Pferden – Ostwind-Vibes inklusive.

Dabei kann vor allem das Setting brillieren. So entführt Sabrina Qunaj die Leser:innen nach Norddeutschland, in eine Gegend zwischen Strand, verwaisten Leuchttürmen und Pferdehöfen. Vor allem der fiktive Showpferdehof Hansen berührt hier mit der tollen Einstellung zur Arbeit und zum Umgang mit den Pferden – wirklich schön. Und auch Arvids Rockstar-Leben wird anschaulich beschrieben, gern hätte ich mir hier noch mehr Einblicke in den Songwriting-Prozess und insbesondere abgedruckte Songtexte gewünscht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – sollten in potentiellen Folgebänden die gleichen Charaktere wieder auftreten, könnten diese hier aber noch schärfer herausgearbeitet werden. Denn bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Hanna und Karo, während Mia nicht immer nachvollziehbar handelt. Sabrina Qunajs Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Insgesamt ist das Covermotiv farblich eher unauffällig und genretypisch, ich hätte mir hier noch etwas mehr Anklang an die Handlung gewünscht. Alles in allem ist es aber durchaus ansehnlich, wenn auch kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist ein toller Start in die Reihe, der vor allem durch den Themenmix und mit seiner tollen Einstellung zur Pferdearbeit punktet. Für Leser:innen – nicht nur für Mädchen – ab etwa zwölf Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Michael S.V. Preis: „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“

Vor kurzem habe ich auch „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ von Michael S.V. Preis gelesen. Das Buch ist 2024 im Projekt VielSeitig Verlag (Projekt VielSeitig – Sieger GbR) erschienen und als illustrierte Jugendfantasy einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Anastassia Schitz verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die fünfzehnjährige Mira ist entsetzt: Ihre Mutter hat kurzerhand entschieden, sie auf ein abgelegenes Internat zu schicken. Zwar ist das Verhältnis zu ihrer Mutter seit Jahren angespannt, doch die strengen Regeln und das Leben abseits der Stadt passen einem Freigeist wie Mira überhaupt nicht! Wen wundert es also, dass sie von Beginn an als eigenbrötlerische Unruhestifterin wahrgenommen wird? Als sie jedoch ein geheimnisvolles Leuchten in einem verlassenen Haus entdeckt, weckt dies ihre Neugier. Was verbirgt sich hinter dem rätselhaften Licht? Einen Blick zu riskieren, kann doch sicherlich nicht schaden …

„Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ ist – wie der Name schon unschwer vermuten lässt – der Auftaktband in die gleichnamige Buchreihe. Dabei wird das Buch als Jugendfantasy beworben, gleichzeitig aber auf einigen Portalen für Leser:innen ab neun Jahren empfohlen, was eher dem Kinderbuchbereich zuzuordnen wäre. Bezogen auf die Themen, das Alter der Protagonist:innen (um 15) und generell die Komplexität der Handlung würde ich das Buch ebenfalls eher als Jugendfantasy für die Altersgruppe 12+ einordnen.

Die Handlung ist dabei altersgerecht und jugendtypisch, durchaus spannend und abwechslungsreich. Dabei werden jugendtypische Themen wie familiäre und schulische Konflikte, Mobbing, Freundschaft und Entwurzelung in eine fantastische Handlung gepackt und mit dieser zu einem interessanten Gesamtkonstrukt verwebt. Leider endet der Band gänzlich offen, es wird quasi kein Handlungsstrang aufgelöst, sodass das Buch nicht als Standalone lesbar ist – etwas schade. Auch endet das Buch natürlich in einem Cliffhanger.

Das Setting ist grundsätzlich gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen in ein Internat mit angeschlossenem Kloster – und in eine nicht näher bezeichnete Parallelwelt, die starke Parallelen zu Narnia hat – auch an andere Buchreihen sind Anklänge vorhanden. Dabei wird die Welt toll durch die Illustrationen von Anastassia Schitz zum Leben erweckt, die die Handlung visualisieren und unterstützen – hier hätte ich mir noch mehr gewünscht. Bislang fehlt es zudem noch am Weltenbau, so liefert der erste Band keinerlei Aufschlüsse zum Magiekonzept – oder selbst zur Welt an sich.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Bandes und der Fülle der Charaktere noch etwas eindimensional, aber das wird sich hoffentlich in den nächsten Bänden noch ändern. Hierbei sind vor allem wichtige Nebencharaktere wie Elli und Eleonora spannend, während Jakob sehr einseitig verbleibt – und auch Mira noch Nachholbedarfe besitzt, aber über sehr gute Anlagen verfügt. Michael S.V. Preis‘ Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils aber fast zu einfach gehalten.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv wird auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fortgesetzt, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, der Umschlag ist mit einer leichten Prägung versehen. Das Cover zeigt dabei durchaus Anklänge zur Handlung, ist genretypisch und sehr schön anzusehen. Abzuwarten bleibt, inwieweit es der Reihe gelingt, hier ein einheitliches Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert zu erschaffen.

Mein Fazit? „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ ist ein solider Auftakt in die Reihe, der vor allem mit seinen Illustrationen und seinem Setting überzeugt, leider aber zu offen endet und noch Nachholbedarfe beim Weltenbau besitzt. Für Leser:innen ab 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mirjam Raymond: „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“

Vor kurzem habe ich auch „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ von Mirjam Raymond gelesen. Das Buch ist 2025 in der Fischer Sauerländer GmbH erschienen und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Maja Bohn verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der zwölfjährige Johnny hat eine große Klappe und steckt ständig in der Klemme. Als Amin, ein Junge aus seiner Klasse, plötzlich verschwindet, wittert Johnny seine Chance: Er will beweisen, dass er der würdige Anführer seiner Schulhofbande ist. Großspurig verspricht er, den Fall zu lösen. Doch dann findet er Amins Tagebuch und schnell wird klar, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Amin lebt in einer Unterkunft für Geflüchtete. Und er schwebt in großer Gefahr. Johnny nimmt all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach Amin. 

„Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist der Debütroman von Mirjam Raymond, der unter anderem durch ein Stipendium der Akademie für Kindermedien gefördert wurde. Empfohlen wird der Roman für Leser:innen ab 10 Jahren, aufgrund des Alters des Protagonisten (12 Jahre) ist dies vermutlich gerade die Grenze. Generell balanciert der Roman auf dem schmalen Grat zwischen Kinder- und Jugendbuch, da ich ihn aber eher für Leser:innen ab 11, 12 Jahren empfehlen würde, habe ich ihn schlussendlich als Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist grundsätzlich altersgerecht und mischt dabei jugendtypische Probleme wie Freundschaft und familiäre und schulische Konflikte mit großen gesellschaftlichen Themen wie Migration und Ausländerfeindlichkeit. Dabei gelingt es Mirjam Raymond, die Themen jugendgerecht aufzuarbeiten. Zudem brilliert der Roman in dem abgedruckten Tagebuch von Amin, das nicht nur mit persischen Textpassagen aufwartet, sondern auch mit wundervollen Illustrationen von Maja Bohn, die die Handlung perfekt abrunden.

Das Setting ist gelungen. So entführt Mirjam Raymond die Leser:innen in eine süddeutsche Großstadt, nimmt sie mit auf eine Zugreise nach Düsseldorf und gedanklich in die Kriege und Krisen der Welt. Dabei erkundet man die Welt aus Sicht von Johnny, der im Roman als Ich-Erzähler fungiert und – etwas irritierend – teils die Leser direkt anspricht und in reißerischen Zeitungsschlagzeilen denkt.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ava, Sympathieträgerin und heimlicher Star des Romans, und Niko, während Johnny, selbst für sein Alter, teils nicht nachvollziehbar handelt, immerhin zum Ende hin aber einige seiner Handlungen reflektiert. Mirjam Raymonds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils sogar fast zu jugendlich.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wirklich überzeugend mit den eingestreuten Tagebucheinträgen und Illustrationen. Der Buchumschlag wartet mit schön gestalteten Coverinnenseiten auf, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin krass abgegrenzt. Insgesamt ist das Covermotiv durchaus gelungen und zeigt starke Ansätze zur Handlung, die Typographie des Covers überzeugt ebenfalls.

Mein Fazit? „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist ein gelungenes Debüt von Mirjam Raymond, das vor allem mit der tollen Gestaltung, den Illustrationen und einer altersgerechten Aufarbeitung des Themas Migration punktet, dabei aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab etwa 11, 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Daniel Handler: „43 Gründe, warum es aus ist“

Vor kurzem habe ich auch „43 Gründe, warum es aus ist“ von Daniel Handler gelesen. Das von Maira Kalman illustrierte und von Birgitt Kollmann übersetzte Jugendbuch ist in der vorliegenden Ausgabe 2025 in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG erschienen, die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel „Why we broke up“ bei Little Brown & Co., New York, eine erste deutsche Übersetzung 2013, ebenfalls bei Hanser. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Der gutaussehende Ed ist der Star der Basketballmannschaft, die 16-jährige Min eine sensible, künstlerisch begabte Filmnärrin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Als sich beide auf einer Party begegnen, funkt es gewaltig. Doch beim näheren Kennenlernen zeigt sich, wie grundverschieden sie sind. Ihre Beziehung ist kurz, aber heftig – voller Überraschungen und Entdeckungen, voll Bemühen und Enttäuschung. In einem glühenden Brief erklärt Min Ed, warum es aus ist – und gibt ihm all die Dinge zurück, die in ihrer Beziehung eine Rolle gespielt haben.

„43 Gründe, warum es aus ist“ ist mein erster Roman des weltbekannten Autors, aus dessen Feder auch die Megabestseller-Reihe „A Series of Unfortunate Events“ entstammt, die unter dem Pseudonym Lemony Snicket veröffentlicht wurde. Da auch Illustratorin und Übersetzerin hochdekoriert sind, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch – und konnten nicht in Gänze erfüllt werden, doch dazu später mehr. Denn die Genrezuordnung fiel in jedem Fall noch leicht, handelt es sich bei dem Werk doch klar um ein Jugendbuch, das vom Verlag für Leser:innen ab zwölf Jahren empfohlen wird, eine durchaus realistische Alterseinschätzung, die allerdings wirklich die untere Grenze darstellen sollte. Eine geplante Verfilmung des Buches wurde eingestellt.

Die (altersgerechte) Handlung schildert dabei die Geschichte einer gescheiterten Beziehung in 43 Objekten. Und während die Idee durchaus innovativ ist und in Zusammenarbeit mit den Illustrationen von Maira Kalman toll umgesetzt wird, taucht hier bereits das erste Problem auf. Denn durch das vorweggenommene Ende fehlt es an Spannung, die Geschichte wird antiklimaktisch und entwickelt dadurch auch Längen. Hierbei mischt Daniel Handler die atypische Lovestory mit jugendtypischen Themen wie Peer Pressure und familiären Problemen.

Das Setting vermag hingegen zu überzeugen. Eingebettet in ein übliches klein-/mittelstädtisches amerikanisches Setting, spielt sich die Geschichte einmal quer durch die Stadt und macht unter anderen an der High School, in den Kinos und einem teuren Spezialitätenrestaurant halt – um nur einige der Schauplätze zu nennen. Dabei wird durch Mins Liebe zu dem Kino früherer Jahrzehnte nahezu jede Szene mit (fiktiven) filmischen Szenen illustriert, mit Zitaten bestückt, mit Schauspieler:innen und Handlungssträngen abgeglichen – eine tolle Hommage an die alten Zeiten.

Maira Kalmans Bilder illustrieren die titelgebenden 43 Objekte und hauchen ihnen Leben ein, etwas, das den Figuren durchaus teilweise fehlt. So haben Ed und Min tolle Momente, sie handeln aber gelegentlich auch nicht nachvollziehbar, sind – wie auch einige der Nebencharaktere – teils noch etwas schematisch dargestellt. Daniel Handlers Schreibstil lässt dabei in Zusammenarbeit mit den Bildern das Kopfkino durchaus anlaufen und sich größtenteils leicht und flüssig lesen, die Dialoge lassen hierbei aufgrund unklarer Sprecher:innen-Zuordnung den Lesefluss dann aber doch etwas stocken.

Die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz überrascht durchaus. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen, Cover, Coverrückseite, Buchrücken und Farbschnitt mit den Gegenständen illustriert, die eine Verbindung zur Story herstellen. Insgesamt ist der Umschlag dennoch etwas eintönig und trotz der tollen Aufmachung das Cover eher kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „43 Gründe, warum es aus ist“ ist ein ambitioniertes Jugendbuch mit toller Idee und schönem Setting, das aber etwas in der Umsetzung verliert und in den Dialogen nicht gänzlich überzeugt. Für Leser:innen und Filmliebhaber:innen ab zwölf Jahren dennoch noch zu empfehlen.