[Buchgedanken] Yara Hauch: „Begrabene Liebe: Liz Bach“ (Liz Bach 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Begrabene Liebe: Liz Bach“ von Yara Hauch gelesen. Das Buch ist 2026 im Verlag Plastyggnuss erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liz Bach hat gerade ihren ersten Archäologie-Job nach dem Studium begonnen – und kämpft direkt mit Zeitdruck, weirden Kollegen und einer Beziehung, die sich mittlerweile nicht mehr echt anfühlt. Als sie auf der Grabung ein altes Kettchen mit Herzgravur findet, lässt sie der Fund nicht mehr los – besonders, als sich eine Verbindung zur Familie des Auftraggebers abzeichnet. Während Liz auf eigene Faust zu graben beginnt – in der Erde und in der Vergangenheit -, gerät auch ihr Privatleben in Bewegung: Zwischen dem kumpelhaften Kobe, dem bodenständigen Sebastian und dem zurückhaltenden Tristan merkt sie, dass Nähe viele Formen haben kann. Und dass manche Antworten nicht unter der Oberfläche liegen, sondern in der Entscheidung, wie man weitergeht.

„Begrabene Liebe: Liz Bach“ ist der Debütroman von Yara Hauch und der Auftaktband in die Buchreihe um die junge Archäologin Liz Bach. Dabei lässt sich das Buch schwerlich einem Genre zuordnen. So geht es nicht nur um Liz‘ Leben als Archäologin, um ihre Funde, sondern auch um ihr Privatleben, ihr Liebesleben, das sich hier nicht nur als Love Triangle, sondern als Liebesquartett darstellt – eine Frau, gefangen zwischen drei Männern. Daher habe ich das Buch – analog zu den meisten auffindbaren Zuschreibungen – als Liebesroman eingruppiert, auch Kategorisierungen als Entwicklungsroman oder, wenn sich die Reihe so entwickelt, als Coming of Age wären denkbar.

Die Handlung ist abwechslungsreich und kurzweilig, bleibt aber vor allem beim Thema Archäologie auch noch sehr an der Oberfläche – bei der Kürze des Buches nicht wirklich schlimm, aber spätestens die Folgebände sollten hier liefern. Denn zumindest in diesem Band haben die Liebesgeschichten von Liz überproportional Raum eingenommen und alles andere eher in den Hintergrund gerückt, auch wenn gerade zum Ende hin nochmal die Rahmenhandlung an Fahrt aufnahm und einen durchaus interessanten Ausgang genommen hat. Gleichsam lässt das generell offene Ende viel Potential für die Folgebände, um Liz‘ Geschichte nahtlos fortzuschreiben.

Das Setting ist – im Großen und Ganzen – gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in die Eifel, nimmt sie mit in eine ländliche Region zwischen Großgrundbauern und kleinen Dörfern, die eher verschlafen als pulsierende Lebensadern sind. Eingebettet in die Archäologie als übergeordnetes Thema (die – wie angeführt – hier noch etwas kurz kommt), wird die Frage aufgeworfen, welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Gegenwart hat. Überzeugen kann hier vor allem das kleine Team, in dem Liz ihren ersten Job wahrnimmt, auch wenn das sicherlich leicht überzeichnet ist, sorgt es doch für Humor.

Denn die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, auch wenn viele der Charaktere aufgrund der Kürze noch etwas holzschnittartig verbleiben. Dennoch überzeugen vor allem wichtige Nebenfiguren wie Rosi, Bruno, Kobe und Heike, während Liz nicht immer nachvollziehbar handelt und sich teils auch nicht so ganz korrekt verhält. Yara Hauchs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung hat kleinere Schwächen. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz setzt die Chatnachrichten zwar vom regulären Text ab, hier gibt es aber durchaus noch Verbesserungspotentiale. Das Covermotiv ist zwar ansehnlich und wird auf dem Buchrücken fortgesetzt, zur Coverrückseite dann aber krass abgeschnitten – und der Schnitt ist hier auch nicht auf der Kante, generell wirkt es so, als sei hier auf der Coverrückseite formattechnisch einiges schief gelaufen.

Mein Fazit? „Begrabene Liebe: Liz Bach“ ist ein Debütroman und Auftaktpotential, der durch sein Setting und spannende (Neben-)Charaktere lebt, in den Folgebänden aber noch für Tiefe und eine ausgeglichenere Schwerpunktsetzung sorgen kann. Für Leser:innen des Genres noch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Karen Finch: „Wenn stille Wasser tödlich sind“ (Helen & Ben 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Wenn stille Wasser tödlich sind“ von Karen Finch gelesen. Das Buch ist 2026 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Versunken in den Fluten von Rutland Water liegt Grishton Hall, der Stammsitz der Earls of Welbeck. Als der letzte Earl kinderlos stirbt, hinterlässt er einen herrlichen Rosengarten am Ufer des Stausees, doch nur wenig Vermögen. Kurz darauf taucht Charlie Hobbs, ein Schulkamerad der Dorfpolizistin Helen Franklin, mit einer Tauchausrüstung im nahe gelegenen Humbleham auf, und im Dorf verbreitet sich das Gerücht von einem Schatz, der im Keller des gefluteten Herrenhauses verborgen sein soll. Doch dann wird am Ufer des Stausees eine Leiche angespült, und Helen muss nicht nur gegen ihren Freund Charlie ermitteln, sondern auch noch erneut mit ihrem früheren Partner und Ex-Freund Ben Baxter von New Scotland Yard zusammenarbeiten …

„Wenn stille Wasser tödlich sind“ ist der zweite Band der in Rutland spielenden Reihe um Helen Franklin und Ben Baxter von Karen Finch, einem Pseudonym von Karin Uhlig, die auch unter den weiteren Pseudonymen Karina Ewald und Carine Bernard veröffentlicht. Als Kriminalroman auf dem Cover betitelt und als Cosy Crime beworben, kann ich der Eingruppierung durchaus zustimmen, auch wenn dieser Band fast schon zu actionreich ist, um wirklich cosy zu sein. In der Gesamtwirkung der Reihe, auch im Hinblick auf das Setting und die skurrilen Begebenheiten, lässt sich das jedoch vertreten. Hierbei kann das Buch auch als Standalone gelesen werden, auch wenn ich im Hinblick auf die Situation im Dorf und der Figuren dennoch die vorherige Lektüre des ersten Bandes, „Was früher blüht, ist länger tot„, empfehlen würde.

Denn die Handlung lebt auch durch den dahinterstehenden Humor, ist generell spannend und abwechslungsreich, auch wenn sich die Auflösung in groben Teilen schon relativ früh abzeichnet. Dabei setzt die Handlung relativ zeitnah an den Vorgängerband an und schreibt die Geschichte von Helen nahtlos fort – inklusive der tollen Begegnungen mit den anderen Bewohner:innen von Humbleham, die man bereits im ersten Teil kennen und lieben gelernt hat. Lediglich das Ende vermag nicht komplett zu überzeugen, ist in Teilen etwas unlogisch und holprig.

Das Setting glänzt dahingegen erneut auf ganzer Linie. So nimmt die Autorin ihre Leser:innen wieder mit nach Rutland ins fiktive Humbleham und dessen Umgebung, in eine dörfliche Idylle voller Klatsch, Tratsch und allem, was dazugehört – alter Adel und Angehörige des Königshauses inklusive. Dabei mischt Karen Finch in die Fälle auch spannende, gesellschaftlich relevante Themen wie altersgerechtes Wohnen und Demenz mit ein, auch wenn diese eher an der Oberfläche verbleiben und nie den humorvoll-leichten Charakter des Romans trüben.

Das Buch brilliert nämlich vor allem durch seine Figuren, die im Wesentlichen vielschichtig gestaltet sind und Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive aufweisen. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Lydia, Violet, Hillary und Enyd, aber auch Ben sammelt eifrig Karmapunkte und rehabilitiert sich aus Leser:innensicht, während Helen manchmal nicht ganz nachvollziehbar handelt. Karen Finchs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – und glänzt, wie schon dargestellt, vor allem auch durch den inhärenten Humor.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Großen und Ganzen sauber gearbeitet, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt somit für ein tolles Gesamtbild, das zudem leichte Anklänge zur Handlung zeigt und sich gut in die Reihe einfügt und so für Wiedererkennungswert sorgt. Insgesamt ist das Cover aber kein Eyecatcher und etwas düster und eintönig gehalten, der cosy Charakter hätte da noch deutlicher herausgearbeitet werden können.

Mein Fazit? „Wenn stille Wasser tödlich sind“ ist eine wirklich gelungene Fortsetzung, die nur kleinere Schwächen hat und erneut durch Humor, ein wirklich tolles Setting und brillante Charaktere punkten kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Evelyn Scala Schreiber: „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ (Zirkus-Trilogie 1)

Vor kurzem habe ich „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ von Evelyn Scala Schreiber gelesen. Das Buch ist 2026 bei Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2025 unter dem Titel „Privatflickan“ bei Bokförlaget Forum, Stockholm, veröffentlicht. Der Roman ist als Familiensaga einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Holger Wolandt verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bertha Lindberg, eine junge Frau der feinen Stockholmer Gesellschaft, soll endlich standesgemäß heiraten. Doch während ihr Vater nach einem geeigneten Ehemann sucht, träumt sie von einer großen Bühnenkarriere. Als sie an einem Dezemberabend Baptiste begegnet, einem gefeierten Artisten aus Österreich, verliebt sie sich nicht nur in ihn, sondern auch in die schillernde Welt des Zirkus. Denn obwohl Bertha sich für eine moderne Frau hält, lernt sie hier eine Freiheit kennen, die ihre Vorstellung bei Weitem übersteigt. Nach nur drei Tagen muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr Leben für immer verändert …

„Wir waren Artisten: Das Mädchen“ ist der Debütroman von Evelyn Scala Schreiber und der Auftaktband in die Trilogie um die Zirkusfamilie Schreiber, inspiriert von der wahren Familiengeschichte der Autorin. Der Roman, der jetzt bereits einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren abbildet, lässt sich daher gut als Familiensaga einordnen, auch die Eingruppierungen als historischer Roman oder Entwicklungsroman wären theoretisch denkbar, treten aber hinter die ganz klar im Zentrum stehende und alles überragende Familiengeschichte zurück.

Die Handlung ist dabei durchaus interessant und abwechslungsreich, wird aber durch den der Handlung vorgestellten Textauszug bereits in Teilen gespoilert, gleiches gilt durch die hintangestellten Fotos gegebenenfalls für die Folgebände. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren personalen Erzählperspektiven, die dankenswerterweise jeweils kapitelweise wechseln und mit der jeweiligen Erzählstimme überschrieben sind. Und auch wenn der Roman kleinere Längen hat, man sich teils andere Ausgänge gewünscht hätte, ist man durch die Familiengeschichte der Autorin doch gebunden und kann sich von ihr fesseln lassen – das Buch lässt sich dabei trotz des durchaus offenen Endes sogar gut als Standalone lesen, auch wenn natürlich genug Potential für die Folgebände verbleibt.

Das Setting kann naturgemäß brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ans Ende des 19. Jahrhunderts, nimmt diese mit auf eine Reise durch – vornehmlich – Nordeuropa, bringt sie aber bis nach Paris und St. Petersburg. Hierbei mischt Evelyn Scala Schreiber das – familiär präsente – Thema Zirkus mit den gesellschaftlichen Umwälzungen der damaligen Zeit, mit Themen wie Emanzipation, Ausgrenzung, Fremdenhass und familiären Verpflichtungen. Dabei entsteht eine schillernde Kulisse, die vor allem die krassen Gegensätze vom Leben in der Oberschicht zum Leben als reisender Zirkusartist gut illustriert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Julia, Caroline, Hedda und Charles, während vor allem Baptiste leider etwas enttäuschend agiert, nicht nachvollziehbar handelt und viele Sympathien verspielt – was der Lovestory nicht wirklich zuträglich ist. Evelyn Scala Schreibers Schreibstil lässt sich darüber hinaus leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist sicherlich aber auch zugunsten der Lesbarkeit im Vergleich zur historischen Authentizität hin ausbalanciert.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und bietet Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber kein Eyecatcher. Die Geschichte wird durch eine etwas ausufernde Personenübersicht und durch Fotoaufnahmen abgerundet – gegebenenfalls hätte man die Fotos auch in die Coverinnenseiten packen können, damit diese farblich hätten dargestellt werden können. Gefreut hätte ich mich auch über Stammbäume – das hätte die Personenübersicht etwas entzerrt.

Mein Fazit? „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ ist ein gelungenes Debüt und ein vielversprechender Auftakt in eine Familiensaga, die mal ganz andere Themen in den Mittelpunkt rückt. Kleinere Schwächen sind dabei zu verschmerzen, die schillernde Zirkuswelt macht hierbei Lust auf mehr. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Martin Schäuble: „Warum du schweigst“

In der letzten Zeit habe ich auch „Warum du schweigst“ von Martin Schäuble gelesen. Das Buch ist 2024 in der Fischer Sauerländer GmbH erschienen und als Jugendroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Lena liebt Fußball. Und den neuen Trainer Charly findet sie super: endlich einer, der was draufhat, endlich mal spannende Trainingseinheiten, endlich die Möglichkeit, sportlich etwas zu erreichen. Und er macht Lena zu seiner neuen Kapitänin! Aber er hält auch ihre Hand, als die Mannschaft in der Pizzeria ihren ersten Sieg feiert. Viel zu lange. Lena ist das unangenehm, aber sie traut sich nicht, die Hand wegzuziehen. Und vielleicht ist das ja auch alles ganz normal?

„Warum du schweigst“ ist mein erstes Buch von Martin Schäuble, der sich in seinen Werken schon mehrfach gesellschaftlich brisanten Themen gewidmet hat. Dabei ist der Roman klar als Jugendbuch einzuordnen, auch eine Einordnung als Schicksalsroman wäre möglich. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 14 Jahren, eine meines Erachtens zutreffende Einschätzung, da auch bestimmte Szenen ausgeblendet werden (sonst hätten auch die Content-Warnungen deutlich erhöht werden müssen).

Die Handlung ist eindringlich, bedrückend und wühlt auf – und sorgt gleichsam für Wut, Frust und Unverständnis über eine Welt, in der systematisch Jugendliche zu Betroffenen werden. Leider geht die Handlung im zweiten Teil für mich etwas schnell und endet zu früh, ich hätte mir hier noch eine gerechte juristische Aufarbeitung gewünscht – und gern auch einen stärkeren Fokus auf die Therapiesitzungen, die ebenfalls komplett ausgeblendet worden sind.

Das Setting bleibt dabei bewusst austauschbar, um zu verdeutlichen, dass das Phänomen allumfassend im Leistungssport (und in anderen gesellschaftlichen Bereichen) auftaucht, ist vage und vermittelt das Flair einer typisch deutschen Klein- bzw. mittelgroßen Stadt. Durch die Nutzung mehrerer Perspektiven erweitert Martin Schäuble den Themenkreis um weitere, jugendtypische Probleme, die aber vor dem Hintergrund von Lenas Erlebnissen nur eine absolute Nebenrolle spielen.

Als Figuren können hier neben Tim vor allem Finn und Noah glänzen, aber auch Fatima überzeugt auf ganzer Linie. Sich mit Lena zu identifizieren fällt anfangs leicht aber irgendwann schwer – vermutlich ist es als Nichtbetroffener schlichtweg schwierig nachzuvollziehen, weshalb sie nicht schon vorher agiert hat, obwohl sie das grenzüberschreitende Verhalten von Charly schon früh reflektiert und in seiner Intention erkannt hat – und sich erst viel zu spät irgendwelche Hilfe holt. Martin Schäubles Schreibstil ist dabei altersgerecht, leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist solide, auch wenn man die Chatnachrichten innovativer hätte setzen können. Das Titelmotiv wird auf dem Buchrücken erneut aufgegriffen und passt gut zur Handlung, generell ist der Buchumschlag relativ eintönig und kein Eyecatcher, das Hardcover insgesamt sehr schlicht. Abgerundet wird die Geschichte (wichtig!) durch die dieses Mal vorangestellte Benennung von Hilfsangeboten für Betroffene.

Mein Fazit? „Warum du schweigst“ ist ein aufrüttelnder, berührender Roman über sexuellen Missbrauch im Leistungssport, der lediglich zum Ende hin leicht schwächelt, aber zu jeder Zeit betroffen macht. Für Leser:innen ab 14 Jahren zu empfehlen.

[Buchgedanken] Petra Schier: „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ (Lichterhaven 9)

In der letzten Zeit habe ich auch „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ von Petra Schier gelesen. Das Buch ist 2026 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Für Chloe bricht eine Welt zusammen, als ihr Verlobter ihr gesteht, dass er sie zwar heiraten möchte, aber nicht liebt. Als wäre das nicht genug, verliert sie ein Jahr später auch noch ihren Job. Um ihr Herz zu heilen und einen Neustart zu wagen, zieht sie zu ihrer Zwillingsschwester Isalie nach Lichterhaven und beginnt auf dem Erlebnishof ihrer Familie zu arbeiten. Langsam kehrt wieder Ruhe in ihr Leben ein – bis sie auf den mürrischen Nachbarn Tristan trifft. Trotz anfänglicher Abneigung entdecken beide, dass sie mehr verbindet, als sie erwartet hatten. Kann die Liebe, unterstützt von einem kleinen Dackel namens Cooper, alte Wunden heilen und neues Glück schenken?

„Pfötchen, Strand und Liebesglück“ ist zwar bereits mein fünfter Roman von Petra Schier, hierbei aber der erste aus der „Lichterhaven“-Reihe, dessen neunter Band „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ ist. Dabei ist das Buch klar als klassischer Liebesroman einzuordnen, ist zugleich aber auch Urlaubsroman oder Feel-Good-Roman, ideal geeignet, um selbst am Strand gelesen zu werden, auch wenn der Roman überraschenderweise (aber nicht unangenehmerweise) durchaus mit einer halbwegs expliziten Sexszene aufwartet.

Generell ist die Handlung durchaus abwechslungsreich, verbleibt dabei aber etwas an der Oberfläche, auch wenn das ein oder andere wichtige Thema gestreift wird. Hierbei werden zu keinem Zeitpunkt Zweifel an dem ausstehenden Happy-End gesät, Komplikationen oder Stolpersteine in der sich entwickelnden Beziehung sucht man vergebens, lediglich Cooper muss gelegentlich als Eisbrecher herhalten – der ein oder andere kleinere Rückschlag hätte hier die Feel-Good-Atmosphäre auch nicht zerstört. Und so vermag auch das Ende nicht vollends zu überzeugen, hätte man sich für Chloe doch gegebenenfalls einen anderen Weg ins Glück gewünscht.

Das Setting kann erneut auf ganzer Linie glänzen. So nimmt die Autorin ihre Leser:innen mit auf eine Reise nach Lichterhaven, einen fiktiven, kleinen Ort an der Nordseeküste – mit allem, was dazugehört, unter anderem ein alter Leuchtturm, ein Erlebnishof mit Alpakas und – natürlich – ganz viel Strand. Petra Schier erschafft dabei eine Dorfidylle, die fast aus der Welt entrückt zu sein scheint; wie ein kleines Märchen, fast zu ideal, um wahr zu sein, aber perfekt, um sich unbeschwert dorthin träumen und die Realität vergessen zu können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Isalie und Max, aber auch Cooper trägt viel zur Handlung bei, während Tristan nicht immer nachvollziehbar handelt und – gerade anfangs – viele Sympathien verspielt. Petra Schiers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, sorgt in der Erzählperspektive von Cooper auch für humorvolle Momente, auch wenn man sich daran erst gewöhnen muss.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht schmälern, der Buchsatz ist ordentlich und versucht die Chatnachrichten innovativ zu setzen, auch wenn hier – und bei der Darstellung von Coopers Perspektive – sicherlich noch mehr gegangen wäre. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt so für einen tolles Gesamtbild. Das Motiv ist zudem genre- und reihentypisch, sorgt für Wiedererkennungswert, ist insgesamt aber eher kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann und hält, was er verspricht, aber durchaus ein klein bisschen mehr Komplexität hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Ken Jaworowski: „What about the bodies“

In den letzten Tagen habe ich auch „What about the bodies“ von Ken Jaworowski gelesen. Das Buch ist 2026 im Pendragon Verlag veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2025 unter dem gleichen Titel bei Atlantic Crime. Der Roman ist dabei als Krimödie einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Englischen zeichnet Lea Dunkel verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein Unglück kommt selten allein – diese Erfahrung müssen auch Carla, Reed und Liz machen. Ihr Leben in der amerikanischen Kleinstadt Locksburg verläuft in geregelten Bahnen. Verbrechen kennen sie nur aus dem Fernsehen. Doch plötzlich haben sie es mit der Polizei und mit Gangstern zu tun. Je mehr sie versuchen, alles richtig zu machen, desto mehr geht schief.

„What about the bodies“ ist mein erster Roman von Ken Jaworowski – und es war eine unglaublich überraschende Lesereise. Die Verwirrung beginnt bereits bei der Genrezuordnung, zu der ich immer noch keine zufriedenstellende Lösung präsentieren kann. Auf dem Cover betitelt als Kriminalroman, von anderen Leser:innen als Krimi Noir oder Spannungsroman gesehen, habe ich mit der Einordnung als (sehr dunkle) Krimödie versucht, der Handlung annähernd gerecht zu werden. Ein klassischer Kriminalroman ist es jedenfalls nicht!

Denn die Handlung ist mehr oder weniger ein Dreiklang, ein gleichzeitiges Ablaufen dreier Handlungsstränge, in denen sich die Protagonist:innen auf teils abstruse Weise immer tiefer in ihren Schicksalen verstricken – ohne dass hier ein klassisches Verbrechen durch Ermittlungen aufgedeckt werden soll. Vielmehr ist es – ganz im Sinne britischer dunkler Komödien – spannend, skurril und makaber, gleichzeitig aber auch berührend und überraschend emotional. Und so vermögen auch die anfangs sehr ungewöhnlichen drei Ich-Perspektiven und die am Ende stark auseinanderfallende Chronologie nichts von dem absolut fantastischen Lesevergnügen zu schmälern.

Denn auch das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt der Autor die Leser:innen nach Locksburg, eine typisch-amerikanische Kleinstadt in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania – mit allem, was dazugehört. Kreiert wird ein typisch amerikanisches Setting mit verlassenen Industriestandorten, eigenmächtig handelnden Polizisten, einer stereotypen High-School mit Baseball-Team und einer veritablen Gerüchteküche. Eingemischt werden Protagonist:innen mit psychischen Erkrankungen und in allen möglichen schwierigen Lebenssituationen, sodass ein fast überbordendes Gesamtkonstrukt an Problemlagen und wichtigen Themen entsteht, das aber zu keinem Zeitpunkt überfordert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Liz und – zum Ende hin – auch Reed, lediglich Luke, Dan und Imogen verbleiben auf der Antagonist:innen-Seite etwas eindimensional. Ken Jaworowskis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, ist unglaublich humorvoll, auch wenn man manchmal noch stärker auf „Show, don’t tell“ hätte setzen können.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht schmälern der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, dieser ist – zusammen mit der Coverrückseite – sehr schlicht und eintönig. Das Covermotiv vermittelt die Stimmung des Buches und das Kleinstadtflair, ist insgesamt aber auch austauschbar und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „What about the bodies“ ist eine dunkle Krimödie, die trotz minimaler Schwächen unglaublich viel Spaß macht, dabei auch wichtige Themen streift und zu keiner Zeit langweilig wird. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Uli Aechtner: „Poyais. Ein Land, das es nie gab“

In der letzten Zeit habe ich auch „Poyais. Ein Land, das es nie gab“ von Uli Aechtner gelesen. Das Buch ist 2026 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

1820: Zwei Schiffe voller hoffnungsfroher Siedler stechen in See. Ihr Ziel: Poyais – ein neu gegründeter Staat in Südamerika, der europäischen Auswanderern Reichtum und Freiheit verspricht. Doch das angebliche Paradies ist eine Lüge. Poyais existiert nicht. Es ist die skrupellose Erfindung des Hochstaplers Gregor MacGregor, der mit glänzenden Versprechen Tausende in die Irre führt. Auch Kaufmannstochter Julie will mit ihrem Geliebten fliehen – und strandet in einer Katastrophe. In der unerbittlichen Hitze der Karibik kämpft sie gegen Hunger, Krankheit und Verzweiflung. Und steht bald vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Kann sie sich – und andere – retten?

„Poyais. Ein Land, das es nie gab“ ist nach „Mein Lover, mein Ex und der Andere“ mein zweiter Roman von Uli Aechtner und zeigt eindrücklich, in welcher Genre-Bandbreite die Autorin unterwegs ist. Denn dieses Buch lässt sich meines Erachtens klar als historischer Roman einordnen, auch andere Zuschreibungen wie die eines Schicksalsromans, ja sogar eines Abenteuerromans oder – wie von der Autorin im Nachwort erwähnt – als historische True-Crime sind hier möglich.

Die Handlung ist dabei spannend und abwechslungsreich, teils aber mit kleineren Längen versehen. Die verschiedenen Handlungsstränge nähern sich hierbei zeitlich immer stärker an und laufen kurz vor dem Ende zusammen – so vermochte der Handlungsstrang aus den Befreiungskriegen zumindest noch minimal Einfluss auf die eigentliche Geschichte zu nehmen. Generell hätte ich mir hier eine stärkere Fokussierung auch auf MacGregor gewünscht, seine Perspektive kommt nur kurz im Prolog vor, als nunmehr genialer aber verabscheuungswürdiger Verbrecher, als früherer Held der Befreiungskriege hat er sicherlich eine Entwicklung durchgemacht, die viele Bücher füllen könnte.

Das Setting führt die Leser:innen im 19. Jahrhundert so ziemlich überall hin. So nimmt die Autorin die Leser:innen mit auf eine Reise über Deutschland, England, Frankreich und diverse Länder Mittelamerikas hin zum nicht existenten Staat Poyais. Dabei sind insbesondere die Passagen zur Schifffahrt gelungen und zeugen von einer guten Recherche. Gleiches gilt für die Schilderungen zu den Befreiungskriegen, die eindrücklich und mahnend die Schrecken des Krieges verdeutlichen, sich aber irgendwie nicht so recht organisch in die Handlung einfügen – hier hätten auch andere Schwerpunkte gesetzt werden können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Theo, Josefa und Jeffrey, während gerade Carl etwas blass verbleibt und oftmals nicht nachvollziehbar handelt. Uli Aechtners Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, balanciert die Waage aber sicherlich eher auf Seiten der Lesbarkeit als sprachlich-historischer Genauigkeit.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Die Geschichte wird mit einem Literaturverzeichnis und einem einordnenden Nachwort abgerundet, vorangestellt ist eine Karte, die allerdings sehr schlecht lesbar ist im Druck. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, Buchrücken und Coverrückseite sind eher eintönig, schlicht, aber grell – generell ist die Farbgestaltung ungewöhnlich. Das Covermotiv an sich ist ansehnlich, aber kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Poyais. Ein Land, das es nie gab“ ist ein spannender und abwechslungsreicher historischer Roman, der ein hochinteressantes Thema behandelt, teils aber andere Schwerpunkte hätte setzen können und kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lea Gerstenberger: „Der Gesang des Falken“

In der letzten Zeit habe ich auch „Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger gelesen. Das Buch ist 2026 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Paris, 1514. Der königliche Hof glänzt vor Pracht und Reichtum, doch hinter den Kulissen herrschen Missgunst und Intrigen. Marcelle, die Tochter des Großstallmeisters, verabscheut dieses Theater. Wirklich glücklich ist sie nur fernab des Hofes beim Zeichnen und mit ihrem einzigen Freund Jean, dem Sohn des Großfalkners. Als Marcelle von ihrem Vater gezwungen wird, sich als Hofdame der englischen Braut des Königs zu beweisen, wird ihr ein junges Mädchen zur Seite gestellt – Anne Boleyn. Sie scheint alle höfischen Tugenden zu verkörpern: elegant, gebildet, unnahbar. Deshalb darf sie auch in Frankreich bleiben, als ein neuer König den Thron besteigt. Doch Marcelle blickt bald hinter die Fassade der Engländerin und entdeckt in Anne eine Verbündete, deren Scharfsinn und verborgener Freiheitsdrang ihr imponieren. Kann ihre Freundschaft den beiden helfen, sich zwischen höfischen Intrigen und großen Träumen zu behaupten und ihren eigenen Weg zu finden?

„Der Gesang des Falken“ ist der Debütroman von Lea Gerstenberger, der sich klar als historischer Roman einordnen lässt, auch wenn er dafür – den Prolog rausgerechnet – eine eher unüblich kurze Zeitspanne von 3,5 Jahren (1514-1518) abdeckt. Was der Roman – entgegen der prominenten Bewerbung – jedoch nicht ist: ein Buch über Anne Boleyn, spielt diese doch nur eine Randfigur. Sobald man darüber hinwegsieht, entwickelt sich jedoch ein in weiten Teilen überzeugendes, durchaus gelungenes Debüt, das viel Spaß macht.

Denn die Handlung ist grundsätzlich spannend und abwechslungsreich, auch wenn der Prolog leider das Ende des Haupthandlungsstrangs bereits vorwegnimmt. Zudem kommt es nie zu einer wirklichen Verknüpfung dieses mit dem zweiten Haupthandlungsstrang um Francoise, der deswegen etwas im luftleeren Raum verbleibt – und auch das Ende hätte ich mir generell etwas anders gewünscht.

Dahingegen vermag das Setting vollends zu brillieren. So entführt die Autorin die Leser:innen ins frühe 16. Jahrhundert, in eine Zeit, geprägt von höfischem Eskapismus und der aufkommenden Reformation. Lea Gerstenberger gelingt es dabei, ein vielschichtiges und bildgewaltiges Porträt des französischen Hofes zu zeichnen, ohne hierbei den Fokus auf die intime Liebesgeschichte zwischen Jean und Marcelle zu verlieren, die sich zwischenzeitlich als historisches Love Triangle entpuppt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Mary Tudor und Claude, aber auch Marcelle kann glänzen, während Jean teils wenig nachvollziehbar handelt. Lea Gerstenbergers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und zeugt von gelungener Recherche, auch wenn im Zweifel bei der Abwägung sicherlich die Lesbarkeit der historischen Authentizität vorgezogen wurde.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Der Geschichte ist eine Dramatis Personae voran- und ein einordnendes Nachwort und eine Literaturliste hintangestellt – gern hätte ich mir hier noch eine Karte Frankreichs oder einen Stammbaum des Königshauses gewünscht. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist genretypisch und ansehnlich, aber kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Der Gesang des Falken“ ist ein gelungener, historischer Debütroman, der zwar kleine Schwächen in der Handlung hat, diese durch sein brillantes Setting aber ausgleichen kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] 2F: „Secret Playlist 1“

In der letzten Zeit habe ich auch „Secret Playlist 1“ von 2F gelesen. Das Buch ist 2026 bei Manhwa Cult, Cross Cult Entertainment GmbH in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Play, PLII“ als Naver Webtoon veröffentlicht. Das Buch ist als Manhwa einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Koreanischen zeichnet Denise Hedrich verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die introvertierte Studentin Han-ju hat ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf: Als begnadete Hobby-Sängerin PLII verzaubert sie mit ihren gefühlvollen Cover-Songs regelmäßig die Online-Welt. Ihre Stimme zieht nicht nur eine wachsende Fangemeinde in ihren Bann, sondern weckt auch das Interesse des berühmten K-Pop-Idols Levi. In seiner wachsenden Faszination für die geheimnisvolle Sängerin setzt Levi alles daran, mit PLII in Kontakt zu treten und eine musikalische Zusammenarbeit zu erwirken. Doch Han-ju hat ihre ganz eigenen Gründe, sich von der glitzernden Welt der Musikindustrie fernzuhalten …

„Secret Playlist 1“ ist – offensichtlich – der Auftaktband in die Manhwa-Reihe von 2F – seitens des Verlages gelabelt als „Romance ab 15“, eine durchaus realistische Einschätzung, auch wenn naturgemäß im ersten Band der Romance-Anteil noch etwas kurz kommt. Leider kann man den Band eher nicht als Standalone lesen, da das Ende sehr offen ist und quasi keinen einzigen Handlungsstrang auch nur annähernd auflöst.

Abgesehen davon ist die Handlung abwechslungsreich und spannend, ein wahrer Pageturner, auch wenn sie immer mal wieder durch eine Reihe abstruser Zufälle befeuert und vorangetrieben wird. Insgesamt macht die Geschichte aber viel Spaß und ist nicht nur etwas für K-Pop-Liebhaber, bietet sie doch einen niederschwelligen Zugang zum Thema und einen Blick in die Mentalität und Kultur des Landes. Dabei ist die Handlung durchaus altersgerecht aufgearbeitet, gegebenenfalls kann man den Manhwa auch schon leicht früher mit 13, 14 Jahren lesen.

Das Buch brilliert darüber hinaus vor allem aber durch die unglaublich tollen Zeichnungen, die durchgängig farbig, teils ganzseitig die Handlung weitererzählen und illustrieren und einfach wahnsinnig toll anzusehen sind – ein absolutes Highlight. Insbesondere die anfänglichen musikalischen Szenen, die tolle Darstellung der Chatnachrichten und die intensiven Gespräche können hier punkten und sind ein visuelles Highlight.

Generell kann die Buchgestaltung glänzen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz setzt Text und Bilder zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt, das Covermotiv zum Buchrücken allerdings etwas stark abgegrenzt. Insgesamt können aber Cover, Coverrückseite und Buchrücken punkten und sind absolute Eyecatcher, die einen direkt zum Buch ziehen und dort verbleiben lassen.

Mein Fazit? „Secret Playlist 1“ ist ein visuell brillanter Manhwa mit toller Handlung, die zwar etwas offen endet aber nichtsdestotrotz viel Spaß macht. Für Leser:innen ab 15 daher bedenkenlos zu empfehlen – ein Jahreshighlight, nicht nur für K-Pop-Fans.

[Buchgedanken] Peter Probst: „Am helllichten Tag“

In der letzten Zeit habe ich auch „Am helllichten Tag“ von Peter Probst gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die junge Journalistin Toni wollte die Vergangenheit eigentlich hinter sich lassen. Doch als ihr Vater ins Krankenhaus eingeliefert wird, macht sie sich sofort auf den Weg nach Pirmasens, ihrer Heimatstadt am Rand des Pfälzer Walds. Als sie dort eintrifft, ist es zu spät – ihr Vater ist tot. In seinem Nachlass findet sie einen kryptischen Brief, in dem er ihr eine jahrzehntealte Schuld gesteht. Zu ihrem Entsetzen stellt Toni fest, dass es etwas mit einer Verbrechensserie in den 60er Jahren zu tun haben muss. Drei Kinder sind spurlos verschwunden, die Fälle wurden nie aufgeklärt. Welche Rolle hat ihr Vater dabei gespielt? Und warum interessiert sich plötzlich die Polizei für ihre Familie? Ihr journalistischer Jagdeifer ist geweckt – bis sich die Vergangenheit auf einmal zu wiederholen droht.

„Am helllichten Tag“ ist mein erster Roman von Peter Probst und das erste Buch um die starke Protagonistin Antonia Papin – vielleicht könnte man damit ja den Grundstein für eine Reihe legen? Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. So wird es als Kriminalroman beworben – und auch auf dem Cover so tituliert. Gleichsam verschwimmen hier jedoch auch die Grenzen zum Thriller, spielt doch die polizeiliche Arbeit nur eine Nebenrolle und wird nicht einmal mit einer eigenen Erzählperspektive gewürdigt. Darüber hinaus enthält das Buch auch partiell True Crime Elemente, wird doch neben einem fiktiven aktuellen Fall ein alter Cold Case aufgearbeitet, der in den 1960er Jahren das Land prägte.

Die Handlung ist insgesamt spannend und abwechslungsreich, hat aber, gerade im Mittelteil, auch kleinere Längen. Dabei überzeugt insbesondere die Erzählperspektive von Vanessa, die atmosphärisch dicht, einfach unglaublich bedrückend und emotional ist. Zugleich spielt die Handlung auch auf zwei Zeitebenen, werden doch auch Ereignisse aus der Vergangenheit aus Sicht von Antonias Vater dargestellt und mit Zeitungsartikeln unterstützt – da hätte ich mir gern noch mehr gewünscht.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt der Autor seine Leser:innen nach Pirmasens und Umgebung, in eine Stadt, die stark vom Strukturwandel getroffen ist und über die man im Roman noch so einiges lernen kann. Dabei mischt der Autor – wie dargestellt – einen Cold Case mit einem fiktiven Fall und baut zudem gesellschaftlich relevante Themen in den Roman mit ein wie Schuld, Peer Pressure, Social Media, digitale Hasskampagnen und religiöser Fanatismus, auch wenn man hier teils etwas an der Oberfläche verbleibt und die Themen etwas einseitig beleuchtet.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Antonia insbesondere Vanessa und Marga, aber auch Pfarrer Hohnert, während Leo oftmals nicht ganz nachvollziehbar handelt. Peter Probsts Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, auch wenn man die Zeitungsartikel vielleicht noch innovativer hätte setzen können. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Cover und die Coverrückseite werden jedoch zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Generell ist das Covermotiv aber durchaus ansehnlich und atmosphärisch.

Mein Fazit? „Am helllichten Tag“ ist ein Kriminalroman, der gekonnt einen Cold Case mit Fiktion vermischt und vor allem durch das atmosphärische Setting und tolle Charaktere punktet, teils aber noch andere Schwerpunkte hätte legen können. Für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.