Vor kurzem habe ich auch „Das abgelehnte Kind“ von Norma K. Koenig gelesen. Das Buch ist 2024 veröffentlicht worden und als Kurzkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nachdem ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt sind, sucht Inka das Haus auf, in dem sie aufgewachsen ist. Sie räumt Unterlagen, Urlaubssouvenirs und Fotoalben aus den Schränken und schwelgt dabei in Erinnerungen, als ein Nachbar klingelt und sie zum Frühstück einlädt. Der junge Mann nennt sich Peter und verhält sich seltsam. Dennoch nähern sich die beiden ein wenig an, bis bei Inka eingebrochen wird und der angebliche Nachbar über Nacht verschwindet. Auch in den nachfolgenden Tagen tauchen er oder sein Sportwagen nicht mehr auf. Inka steht vor einem Rätsel, genau wie die Polizei, die sie vor Angst eingeschaltet hat. Auf dem Dachboden entdeckt sie schließlich Zeitungsausschnitte und ein Tagebuch ihres Vaters – ein Fund, mit dem ein unerwartetes Geheimnis gelüftet wird.
„Das abgelehnte Kind“ ist das Debütwerk von Norma K. Koenig – und wird von der Autorin als Kurzkrimi beworben. Rein formal hätte man es vermutlich auch als Novelle einordnen können – tendenziell zeigt das Buch auch eher Thrillerelemente, als wirklich ein Krimi zu sein, sind die handelnden Protagonist:innen doch nicht die Ermittler, sondern mehr oder weniger die Opfer. Auch habe ich – dem aufmerksamen Leser mag es aufgefallen sein – im einleitenden Absatz nicht das publizierende Unternehmen erwähnt, da ich dafür keine Werbung machen, die Autorin dennoch unterstützen möchte.
Die Handlung ist – aufgrund der Kürze – sehr kompakt, und dennoch fragmentarisch, nicht chronologisch und mit überdimensionalen Rückblenden versehen. Auch sind durchaus Logikbrüche vorhanden, die beim Lesen irritieren. Gerade zum Ende hin kann die Geschichte dennoch etwas punkten, indem sie zwar antiklimaktisch, aber immerhin größtenteils realistisch endet, dabei jedoch auf das allzu kitschgeschwängerte Happy-End hätte verzichten können.
Das Setting ist hingegen gelungen. So entführt Norma K. Koenig die Leser:innen ins ländliche Brandenburg, in eine Gemeinde namens Bötzow im Speckgürtel von Berlin. Und auch wenn das Setting mehr oder weniger austauschbar ist – ich hätte mir noch etwas mehr Lokalkolorit gewünscht -, ist das kleinstädtische Feeling natürlich ideal für solch einen Plot. Mitten in Berlin hätte die Handlung anders ablaufen müssen, wäre wegen der den Metropolen inhärenten Anonymität so kaum möglich gewesen.
Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze sehr schematisch angelegt – auch wenn das handelnde Personal generell auf wenige Personen beschränkt ist. Am ehesten überzeugt hier noch David, während Inka teils emotionslos und wenig nachvollziehbar handelt und auch das Verhalten des Kommissars sehr irritiert. Norma K. Koenigs Schreibstil lässt sich zwar leicht und flüssig lesen, ist zugleich aber emotionsarm und lässt jegliches „Show, don’t tell“ vermissen – hierdurch hätte man noch etwas stärker die Bindung zu den Protagonist:innen, insbesondere zu Inka, kreieren können.
Die Buchgestaltung zeigt ebenfalls starken Nachholbedarf. So ist das im Impressum erwähnte Lektorat kaum spürbar – das hätte erheblich besser sein müssen; das Korrektorat ist ordentlich. Dem Buchsatz sind ebenfalls kleinere Fehler unterlaufen, die sich aber noch im Rahmen halten. Das Cover ist durchaus atmosphärisch und farblich toll, lediglich die rein schwarze menschliche Silhouette irritiert, Coverrückseite und Buchrücken sind sehr eintönig. Insgesamt vermittelt das Cover auch eher den Eindruck eines Mystery- oder Horrortitels, sodass mir zudem etwas der Bezug zur Handlung fehlt.
Mein Fazit? „Das abgelehnte Kind“ ist ein Kurzkrimi mit einer tollen Idee und einem guten Setting, aber auch erheblichem Nachholbedarf bei der Ausgestaltung und Bucherstellung. Für Leser:innen, die dies tolerieren können, daher noch bedingt zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.
Ihren 17. Geburtstag hat sich Keyra eigentlich anders vorgestellt: Zuerst dieser Albtraum, dann blamiert sie sich vor ihrer ganzen Klasse, und ihr Vater lässt sie mal wieder im Stich. Wenigstens von ihrer Großmutter bekommt sie ein besonderes Geschenk: eine Kette mit einem Anhänger in Form eines Schlüssels. Keyra ahnt noch nicht, dass dieses Schmuckstück sie wenig später in das Abenteuer ihres Lebens stürzt – denn mit seiner Hilfe hört sie im Wilhelmsbader Kurpark ein Schloss singen, das eine Tür in die Vergangenheit öffnet … Dies ist nur der Anfang einer Reihe unglaublicher Reisen in die Vergangenheit. Keyra bekommt es mit Hexenjägern und einem rücksichtslosen Ritter zu tun und erfährt von ihrer besonderen Bestimmung: Sie ist eine Zeitwächterin!
Genre Science-Fiction zuzuordnen.
iner kurzen Spontanlesung vom Gewinner des Aspekte Literaturpreises 2016: Philipp Winkler (für den besten Debütroman: „Hool“, der auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016 stand). Im Interview für Deutschlandradio-Kultur gewährte er interessante Einblicke in seinen Schaffensprozess und seinen Werdegang. Spannend fand ich vor allem, dass es ihm gar nicht darauf ankam, irgendwas selbst in den Text zu legen, sondern dass er ihn geschrieben hat, damit jeder Leser für sich individuell die Schlüsse daraus ziehen kann.
es für mich dann zu Bodo Kirchhoff, der für seine Novelle „Widerfahrnis“, erschienen in der Franfurter Verlagsanstalt, den Deutschen Buchpreis 2016 verliehen bekommen hat. Im Gespräch für den Spiegel sprach er vor allem über die Themen und Hintergründe der Novelle, eigene Erlebnisse – sowie auch über die Enttäuschung bei der Buchpreisverleihung 2012, als er die Shortlist verfehlte.
ide Veranstaltungen waren gut besucht, aber dennoch hat man gemerkt, dass erst Mittwoch ist. Man konnte sitzen, gut sehen, und hatte nicht das Gefühl zu ersticken. Doch ab 14.30 bekam ich dann einen Vorgeschmack, wie sich das Wochenende anfühlen wird. Für einen Bilderband lotste der Taschen Verlag einen der renommiertesten Künstler der heutigen Zeit nach Frankfurt: den Maler David Hockney, dessen Bilder zu siebenstelligen Summen auf dem Kunstmarkt gehandelt werden, und der Mitglied der Royal Academy of Arts ist. Vor dem – zugegebenermaßen auch nicht ideal gestalteten Veranstaltungsort – drängelten sich bereits dutzende Menschen, sodass man anfangs fast nichts sehen und auch fast nichts hören konnte. Doch nach und nach verließen einige Menschen die Präsentation, sodass ich weiter vorrücken konnte und schlussendlich in der zweiten Hälfte gut hören und sehen konnte, wie der Maler seine Bilder erklärte. David Hockney war eloquent, humorvoll – und wurde unter tosenden Beifallsstürmen verabschiedet, nachdem er eine ganze Stunde stehend an einem Pult hunderte Bilder gezeigt hat. Wer mit 79 Jahren noch körperlich und geistig so fit ist, verdient allein dafür auch schon nochmal Respekt. Da ich allein von dieser Veranstaltung etwa 200 Fotos geschossen hatte (sonst bin ich nicht so, von Bodo Kirchhoff waren es vielleicht 10!), gab mein Handy dann seinen Geist auf.
