[Buchgedanken] Maria Grund: „Krakenkind“ (Berling & Pedersen 4)

In den letzten Tagen habe ich auch „Krakenkind“ von Maria Grund gelesen. Das Buch ist 2026 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Bläckfisken“ bei Polaris, Stockholm. Das Buch ist als Thriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Sabine Thiele verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Småland, Spätsommer 1996: Die Abendsonne taucht den kleinen schwedischen Ort Augu in goldenes Licht. Doch die Idylle trügt, denn in der Dunkelheit der Nacht geschieht ein brutales Verbrechen. Eigentlich wollte die junge Polizistin Sanna nach Gotland ziehen und dort ein neues Leben beginnen, doch dieser Fall hält sie davon ab, ihre Koffer zu packen. Anhaltspunkte gibt es wenige, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran, aber bei näherem Hinsehen bekommt das friedliche Bild der Gemeinde tiefe Risse. Die Bewohner von Augu hüten dunkle Geheimnisse, und noch bevor Sanna das Geflecht aus Lügen entwirren kann, gibt es weitere Opfer. Das Grauen hat gerade erst begonnen …

„Krakenkind“ ist der vierte Band der Buchreihe um Sanna Berling und Eir Pedersen – und fungiert als Prequel zu den anderen drei Bänden, indem der Roman tief in Sannas Vergangenheit eintaucht, bevor diese Eir überhaupt kennengelernt hat. So ist es auch unschädlich, dass ich noch keinen Roman der Reihe gelesen habe – das Buch lässt sich gut als Einstieg in die Serie nutzen. Allerdings fällt mir die Genrezuordnung nicht leicht. Durch die doch präsente Ermittlungs- und Polizeiarbeit ließe sich das Buch auch gut als Kriminalroman einordnen, ich habe es aufgrund der stark atmosphärischen Spannung aber bei der – auch auf dem Cover aufgedruckten – Kategorisierung als Thriller belassen.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lebt aber vor allem durch die angesprochene Atmosphäre, wirklicher Thrill stellt sich eher selten ein. Dabei wird die Geschichte aus unzähligen Perspektiven erzählt – und bindet viele wichtige Themen ein. Insgesamt erstreckt sich die Handlung über knapp zwei Wochen im Jahr 1996 – irritierenderweise wird als Prolog ein Ereignis vorangestellt, das erst nach Abschluss der Handlung stattfindet. Allerdings kann das Ende durchaus überzeugend, auch wenn die Person des Haupttäters jetzt keine große Überraschung darstellte.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in den kleinen Ort Augu ins Jahr 1996, eine Zeit, in der die Digitalisierung noch in den Babyschuhen steckte, kaum niemand Handys besaß und Polizeiarbeit noch stärker im Kontakt mit Menschen stattfand. Häusliche Gewalt, Fluchtbewegungen, Entwurzelung, sexueller Missbrauch, Armut, Depressionen und tödliche Krankheiten ziehen sich durchs Buch und sorgen für eine düstere, teils beklemmende Atmosphäre, die so typisch und dennoch immer wieder so brillant in skandinavischen Thrillern eingesetzt wird.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Sanna brillieren hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Rebecka, Mira und Borghild – irritierend ist lediglich, dass quasi alle männlichen Figuren durchweg negativ charakterisiert werden. Maria Grunds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und ist genre- und reihentypisch ansehnlich. Abgerundet wird die Handlung mit Hilfsangeboten, die im Anhang abgedruckt sind und Betroffene unterstützen sollen – stark!

Mein Fazit? „Krakenkind“ ist ein atmosphärisch starker Thriller, der mit seinem Setting und tollen Charakteren brilliert, in der Handlung aber noch etwas mehr Spannung hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Beate Sauer: „Das Haus in Charlottenburg“

Vor kurzem habe ich auch „Das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin. Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht – ihre und Johanns kleine Tochter.

„Das Haus in Charlottenburg“ ist nach „Wunder gibt es immer wieder„, dem ersten Band der Fernsehschwestern-Saga, mein zweiter Roman von Beate Sauer, die auch unter den Pseudonymen Felicia Otten, Bea Rauenthal und Paula Bach publiziert. Dabei lässt er sich klar als historischer Roman einordnen, spielt er doch im Gegensatz zu den Fernsehschwestern weiter in der Vergangenheit – und zwar in den 1890er Jahren des Deutschen Kaiserreichs. Erzählt wird er hierbei aus vielen, verschiedenen personalen Perspektiven, die vielleicht etwas zu häufig, teils auch innerhalb der Kapitel wechseln.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lediglich den zwischenzeitlichen Zeitsprung habe ich als etwas zu krass empfunden. Allerdings konnte mich das Ende wieder vollends überzeugen, selbst der Epilog trug noch zur Handlung bei und rundete diese ab. Dabei scheut sich Beate Sauer auch nicht, für das Genre unübliche Tropes wie ein Love Triangle einzubauen, auch wenn es nur angedeutet ist und nicht vollends auflebt.

Das Setting kann ebenfalls auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen – wie bereits angedeutet – ins Deutsche Kaiserreich in die Zeit um 1890, nach Berlin und dessen Umgebung, die von der Industrialisierung und Zentralisierung geprägt und enorm gewachsen sind. Dabei greift Beate Sauer auch heute noch relevante Probleme wie Immobilienspekulation, Mietwucher und Wohnraumknappheit auf und zeigt, dass sich Geschichte durchaus wiederholen kann.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Leonora von Rienäcker, Louis und Elise, während Johann teils etwas blass verbleibt und nicht zwingend nachvollziehbar handelt. Beate Sauers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Zudem zeugt er von guter Recherche, auch wenn sicherlich zu Gunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere Detail verzichtet wurde.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv setzt sich auf dem Buchrücken fort. Insgesamt sind Cover, Coverrückseite und Buchrücken aber eher einfach gestaltet und farblich kein Eyecatcher, auch fehlt mir beim Covermotiv etwas der Anklang zur Handlung.

Mein Fazit? „Das Haus in Charlottenburg“ ist ein spannender und abwechslungsreicher historischer Roman, der wichtige Themen anspricht und an Aktualität daher kaum zu übertreffen ist. Für Leser:innen des Genres somit bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ (Tilly Blich 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Tilly Blich könnte eine Pause gebrauchen. Doch als Eigentümerin der Reinigungsfirma „Plitz und Blank“ bleibt ihr kaum eine ruhige Minute – und jetzt droht auch noch die Steuerprüfung. Dass ihr Vorgänger so urplötzlich verschwunden ist, macht die Sache nicht einfacher. Tillys nächster Auftrag führt sie zur Schule von Untertannbach. Doch gegen den ermordeten Direktor in der Sporthalle kommt auch das stärkste Putzmittel nicht an. Kriminalhauptkommissar Stubs sieht seine Chance, es Tilly zu zeigen, und ein Wettrennen um Ermittlungsergebnisse beginnt. Schnell wird klar, dass es hinter den Kulissen der Schule gewaltig brodelt: Geheimnisvolle Affären, übermotivierte Eltern und unterbezahlte Lehrer halten Tilly und ihre Helfer Gerdy, Leon und Antonia auf Trab. Werden sie es schaffen, den Täter zu entlarven, bevor er erneut zuschlägt?

„Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist der zweite Band der Reihe um die namensgebende Inhaberin einer Reinigungsfirma – und nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ mein zweites Buch von Andreas Suchanek. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, balanciert er doch auf der Grenze vom Cosy Crime zur Krimödie. Da das Buch zwar humorvoll ist, der Fokus aber nicht auf den parodistischen Elementen liegt, habe ich es schlussendlich bei der Einordnung als Cosy Crime belassen.

Denn die Handlung ist – trotz multipler Todesfälle und einem epischen Showdown – durchaus noch als cosy zu bewerten und auch das Ermittelnden-Team aus Reinigungskraft, Kosmetikerin, Schüler und Basset ist sehr genretypisch. Dabei ist die Handlung sonst sehr abwechslungsreich und kann vor allem mit Witz und Situationskomik punkten – und auch das Ende überzeugt, kommt es doch ohne allzu großen Cliffhanger aus. Allerdings lässt sich das Buch eher suboptimal als Standalone lesen. Zwar ist der „Fall“ in sich abgeschlossen, ich hatte aber durchaus öfters das Gefühl, dass mir Vorwissen aus dem ersten Band fehlt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen ins fiktive Untertannbach, einen Modellentwurf eines verschlafenen, mittelgroßen schwäbischen Städtchens mit Polizeirevier, Gymnasium und einer Hunderanch – natürlich mit moderater Zucht als Gegenentwurf zur Qualzucht. So austauschbar das Setting aufgrund des fiktiven Ortes auch ist, wandern doch die ein oder andere schwäbische Eigenart in die Handlung mit ein als Gegenentwurf zu Tilly, die ja aus Köln stammt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Herr Höffler, Tony, Elif und Muffin, während einige Figuren auch eindimensional verbleiben, hier kann aber in den nächsten Bänden noch nachgebessert werden. Andreas Suchaneks Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und funktioniert am besten in den humorvollen Passagen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat ist doch einiges durchgerutscht, sodass der Lesefluss etwas geschmälert wird, der Buchsatz ist ordentlich und punktet mit grafischen Elementen, auch wenn man den Zeitungsartikel noch innovativer hätte setzen können. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind jeweils voneinander abgesetzt, genretypisch gestaltet und fügen sich in die Buchreihe ein. Trotz des Bassets auf dem Cover hätte ich mir hier jedoch etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist cosy und punktet vor allem mit seinem starken Humor und einer abwechslungsreichen Handlung, ist aber auch fehlerbehaftet und lässt sich nur eingeschränkt als Standalone lesen. Für Liebhaber von Cosy Crime – und von Bassets – dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.

Hochspannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Am helllichten Tag“ von Peter Probst ist dabei ein Kriminalroman nach wahren Begebenheiten (erschienen im Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH), während „Krakenkind“ von Maria Grund (Penguin Verlag) bereits der vierte Roman der Krimireihe um Sanna Berling und Eir Pedersen ist. In beiden Romanen ist Hochspannung garantiert – ich freue mich schon auf anregende Lesestunden.

Mögt Ihr Krimis, die auf wahren Begebenheiten beruhen?

Von fremden Kulturen und vergangenen Zeiten | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem. „Das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer (Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, während „Hidden Japan“ von Chiara Terzuolo (Knesebeck Verlag, mit Illustrationen von Justine Wong) mir versehentlich zugesandt wurde – ich werde es aber trotzdem auch bei Lovelybooks besprechen. Beide Bücher nehmen die Leser:innen dabei auf Reisen mit, einmal in das Deutsche Kaiserreich Ende des 19. Jahrhunderts, einmal nach Japan, auf eine Entdeckungstour der wundervollen Kultur fernab breitgetretener Touristenpfade. Ich bin auf beide Werke schon sehr gespannt – und freue mich auch darüber, mal wieder ein Buch von Beate zu lesen :).

Wart Ihr schon einmal in Japan?

Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich zwei Fortsetzungen von Krimireihen für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Branderbe“ ist hierbei schon der dritte, im Selfpublishing veröffentliche, Band um das Frankfurter Duo Sebastian Buck und Maike Lange von Lou Sandberg („Mainblüte“ kenne ich bereits), während „Der Tod wischt mit“ (Wilhelm Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) die Reihe um Tilly Blich von Andreas Suchanek als zweiter Band fortsetzt. Ich bin schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie sich die Charaktere in Lous Buch weiterentwickelt haben – und freue mich schon darauf, mit Tilly – Inhaberin einer Reinigungsfirma – eine mal ganz andere Ermittlerin kennenzulernen.

Was mögt Ihr an Krimis?

[Buchgedanken] Rüdiger Bertram: „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ (Robin the Hood 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ von Rüdiger Bertram gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, bei dem Horst Hellmeier für die Illustrationen verantwortlich ist. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Robin halb absichtlich in die Falle eines internationalen Geheimdiensts tappt, landet er mittendrin in einer surrealen Mission. Zusammen mit Agentin Mary soll er eine Stadt klauen! Genauer: eine Schneekugel mit einem Stadtmodell, in der ein tödlicher Virus versteckt ist. Und diese Kugel befindet sich den Händen der Schurkin Madame Schenial, die droht, die Menschheit zu vernichten. Eine ausweglose Situation? Nicht für die beiden cleversten Kinder, die das Action-Universum zu bieten hat!

„Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist der erste Band der neuen Buchreihe um den gleichnamigen Titelhelden, der mittlerweile eingedeutscht Robin Kappe heißt, und mein zweites Buch von Rüdiger Bertram nach „Nur 300 km„. Der Roman wird seitens des Verlags für Leser:innen ab 10 Jahren empfohlen und balanciert daher auf der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch – aufgrund des Alters des Protagonisten (13 Jahre) habe ich den Roman jedoch eher als Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig, abwechslungsreich und altersgerecht, dabei aber auch leicht antiklimaktisch und eher ereignisarm. Auch sind kleinere Logikfehler vorhanden und einige etwas fragwürdige Handlungsstränge – insgesamt hätte man hier auch für die Zielgruppe etwas mehr Komplikationen einbauen können. Immerhin kann das Ende mit einigen schönen Momenten überzeugen und lässt noch Potential und ungelöste Handlungsstränge für die Folgebände offen.

Ergänzt wird der Text durch die Illustrationen von Horst Hellmeier, die sich sogar als komplette Comic-Elemente entpuppen, die die Handlung nahtlos fortführen und daher integraler Bestandteil des Buches sind. Und auch wenn diese teils etwas überzeichnet wirken, ist es doch eine wirklich gelungene und innovative Abwechslung, die für viel Spaß bei den Leser:innen sorgt und durchaus auch den markanten Humor der Geschichte mitbestimmt.

Die einzelnen Figuren sind – bei der Kürze des Buches nicht unerwartet – etwas schematisch angelegt, hier können die Folgebände aber durchaus noch liefern und die Figuren plastischer werden lassen. Am stärksten überzeugt bislang noch Mary – und Sam ist (so konfus sein Handlungsstrang auch ist) ein wirklich willkommener Sidekick. Rüdiger Bertrams Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit in Grautönen gestalteten Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin klar abgetrennt, das Covermotiv lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen, hat aber durchaus spannende Elemente. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier zusammen mit dem Folgeband ein Wiedererkennungswert für die gesamte Buchreihe erzeugen lässt.

Mein Fazit? „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist ein sehr innovatives Jugendbuch mit interessanter Handlung und tollen Illustrationen, aber auch mit kleineren Schwächen und etwas ereignisarm. Für Leser:innen ab dem vom Verlag angegebenen Alter bedenkenlos zu empfehlen.

Auftaktbände im Doppelpack | Messe-Buchpost

Kurz vor der Frankfurter Buchmesse erreichten mich auch diese beiden atemberaubend schönen Bücher. „Witches of Deadly Sins“ von Ava Reed aus dem Penguin Verlag habe ich mir dabei selbst gekauft, während „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ von Julia Dippel (Loomlight in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH) als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir kam – vielen Dank dafür. Beide Bücher sind die jeweiligen Auftaktbände in Urban-Fantasy-Dilogien, die in Amsterdam und New Orleans spielen – zwei wahnsinnig tolle Settings. Ich bin auf beide Bücher schon sehr gespannt und freue mich schon darauf, hoffentlich auch beide Autorinnen auf der diesjährigen FBM zu treffen.

Welche Reihe habt Ihr zuletzt neu begonnen?

[Buchgedanken] Sabrina Qunaj: „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ (Hearts & Horses 1)

Vor kurzem habe ich auch „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ von Sabrina Qunaj gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mia liebt Pferde über alles, besonders den Lusitano ihrer Mutter. Als er verkauft wird, schwört Mia, ihn eines Tages zurückzuholen. Aber als sie den Wallach tatsächlich wiedertrifft, ist er völlig verändert und lässt niemanden mehr an sich heran – mit Ausnahme eines Jungen namens Arvid. Auch Mia fühlt sich zunehmend zu Arvid hingezogen und kann die Schmetterlinge in ihrem Bauch bald nicht mehr verleugnen. Doch dann erfährt sie, dass Arvid kein gewöhnlicher Junge ist! Diese Erkenntnis verändert alles, und die märchenhafte Zeit auf dem Pferdehof droht jäh zu enden …

„Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist der erste Band der gleichnamigen Buchreihe, die – entgegen der etwas einseitigen Bewerbung durch den Verlag – hoffentlich nicht nur Mädchenherzen höher schlagen lässt. Empfohlen wird das Buch dabei ab 10, tendentiell würde ich die Altersgrenze minimal höher legen und das Buch Leser:innen ab zwölf Jahren ans Herz legen, ein Alter, das auch näher an den Protagonist:innen ist. Der Roman ist übrigens mein drittes Buch von Sabrina nach „Der Ritter der Könige“ und „Ein Gefühl wie warmer Sommerregen“ (letzteres als Ella Simon). Das Buch könnte man zudem verschiedenen Genres zuordnen – als Pferderoman, als Teen-Romance, als Rockstar-Romance etc. Der Einfachheit halber habe ich mich aufgrund des bunten Themenmixes aber für die Einordnung als Jugendbuch entschieden.

Die Handlung ist abwechslungsreich, spannend und altersgerecht. Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen, personalen Erzählperspektiven erzählt, man begleitet Mia (13) und Arvid (14), die Love Interests (das kurzzeitig aufgebaute Love Triangle mit Mark kann man hier vernachlässigen). Das Buch mischt dabei jugendtypische Themen wie erste Liebe und familiäre Konflikte mit einer klassischen Rockstar-Romance und ganz viel Pferden – Ostwind-Vibes inklusive.

Dabei kann vor allem das Setting brillieren. So entführt Sabrina Qunaj die Leser:innen nach Norddeutschland, in eine Gegend zwischen Strand, verwaisten Leuchttürmen und Pferdehöfen. Vor allem der fiktive Showpferdehof Hansen berührt hier mit der tollen Einstellung zur Arbeit und zum Umgang mit den Pferden – wirklich schön. Und auch Arvids Rockstar-Leben wird anschaulich beschrieben, gern hätte ich mir hier noch mehr Einblicke in den Songwriting-Prozess und insbesondere abgedruckte Songtexte gewünscht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – sollten in potentiellen Folgebänden die gleichen Charaktere wieder auftreten, könnten diese hier aber noch schärfer herausgearbeitet werden. Denn bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Hanna und Karo, während Mia nicht immer nachvollziehbar handelt. Sabrina Qunajs Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Insgesamt ist das Covermotiv farblich eher unauffällig und genretypisch, ich hätte mir hier noch etwas mehr Anklang an die Handlung gewünscht. Alles in allem ist es aber durchaus ansehnlich, wenn auch kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist ein toller Start in die Reihe, der vor allem durch den Themenmix und mit seiner tollen Einstellung zur Pferdearbeit punktet. Für Leser:innen – nicht nur für Mädchen – ab etwa zwölf Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Jana Stieler: „Brackwasser“

Vor kurzem habe ich auch „Brackwasser“ von Jana Stieler gelesen. Das Buch ist 2025 bei Limes in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Psychothriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Vor über zwanzig Jahren hatte Svea sich geschworen, nie wieder in die Heimat zurückzukehren. Nach einem Sommerfest verschwand Sveas beste Freundin ohne jede Spur. Aber nun wurde ihre Leiche gefunden, tief im Wald versteckt. Für Svea steht der Schuldige fest: ihr Schwager, der damals mit ihrer Freundin zusammen war. Keiner kennt die Wälder an der Schlei so gut wie er. Svea will ihre Schwester Fenja und deren Kinder mit allen Mitteln vor dem überzeugten Prepper schützen. Doch Fenja misstraut ihr zutiefst – und Svea kann ihr nicht sagen, was in jener Nacht wirklich geschah …

„Brackwasser“ ist mein erstes Buch von Jana Stieler – und das Thrillerdebüt der Autorin, die sonst in anderen Genres (und teils unter Pseudonym) unterwegs ist. Dabei wird das Buch deutlich als Psychothriller beworben – und auch auf dem Cover so betitelt, sodass ich die Einordnung des Verlags übernommen habe. Persönlich hätte ich es aber eher bei der allgemeinen Bezeichnung als Thriller belassen, zeigt er doch auch viele Anhaltspunkte zu anderen Unterarten des Genres, ist die Handlung doch ungemein regional verwurzelt – und auch Elemente eines Politthrillers sind enthalten.

Denn in der durchweg hochspannenden und abwechslungsreichen Handlung werden auch krass unterschiedliche Lebensentwürfe gegenübergestellt, die teils aus politisch extremistischen und demokratiefeindlichen Bestrebungen genährt werden, die hier durchaus handlungstreibend und motivgebend sind. Dabei wird die Handlung aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt – nicht nur für das Genre, sondern generell sehr unüblich. Im Laufe der Zeit habe ich mich daran gewöhnt – so richtig warmgeworden damit bin ich jedoch nicht.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Norddeutschland in ein fiktives Örtchen an der Schlei, das mit den dunklen, verlassenen Wäldern eine atmosphärisch dichte und unglaublich spannende Umgebung für den Thriller bietet. In die Thrillerhandlung mischt Jana Stieler dabei neben den oben bereits angedeuteten, (gesellschafts-) politischen Themen (Prepper, Reichsbürger, Fremdenfeindlichkeit) auch noch psychische Erkrankungen, toxische Beziehungen und viele weitere Probleme mit ein, ohne den Roman dabei jedoch zu sehr zu überfrachten. Gegebenenfalls hätte man hier jedoch im Nachwort noch auf Hilfsangebote für Betroffene verweisen können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Torge und Gemma – auch wenn man auf ihre Perspektive wohl hätte verzichten können, während Svea nicht immer nachvollziehbar handelt. Jana Stielers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, auch wenn man die Kapitel nur bei Perspektivwechseln jeweils mit den handelnden Personen hätte übertiteln müssen. Der Umschlag ist auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen versehen, das Covermotiv setzt sich gut auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Insgesamt ist das Motiv auch durchaus schön anzusehen und atmosphärisch passend, lediglich die Farbkomposition unter Einbeziehung der Schrift vermag nicht in Gänze zu überzeugen.

Mein Fazit? „Brackwasser“ ist ein atmosphärisch starker und hochspannender, regional verwurzelter Thriller, der vor allem mit seinem Setting brilliert und lediglich in der Anzahl der Erzählperspektiven etwas gewöhnungsbedürftig ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von nicht unter 16 Jahren.