[Buchgedanken] Nora Bendzko: „Kindsräuber“ (Ein Galgenmärchen)

In der letzten Zeit habe ich Nora Bendzkos „Kindsräuber“ gelesen. Die Märchenadaption ist Bestandteil ihrer dunkelfantastischen Gagenmärchen-Reihe und am ehesten dem Genre „Historical Fantasy“ zuzuordnen. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing erschienen und landete bei der diesjährigen Seraph-Verleihung auf der Shortlist der „Besten Independent Romane“. Eine signierte Ausgabe davon könnt Ihr noch bis zum 11.05.2018 auf meiner Facebook-Seite gewinnen, ein Interview mit der Autorin *hier* nachlesen.

51ozlfbz6tl-_sx327_bo1204203200_Seit ihrer Kindheit besitzt Alene die Gabe, die Geister der Toten zu sehen. Nur mit Mühe schlagen sie und ihr Vater sich durch das von Hunger und Krieg gebeutelte Prag. Doch dann wird die Stadt vom Rumpelstilzchen heimgesucht, und ein Kind nach dem anderen verschwindet. Aus Angst, ihr eigenes ungeborenes Kind zu verlieren, greift Alene nach jeder Gelegenheit, dem Geist zu entfliehen. Doch ihr bleiben nur drei Tage. Drei Tage, eine Lösung auf das Rätsel zu finden, und ihren drohenden Tod zu verhindern.

Wie aus der Inhaltsangabe schon ersichtlich, greift „Kindsräuber“ das grimmsche Märchen „Rumpelstilzchen“ auf und adaptiert dieses auf innovative Weise vor dem historischen Hintergrund des 30-jährigen Krieges. Auch wenn ich (als Kurpfälzer) der Autorin die Rollen, die Friedrich von der Pfalz und Elizabeth Stuart in der Geschichte spielen, etwas übel nehme, so ist es ihr doch gelungen, eine überzeugende, beklemmende Grundstimmung zu schaffen, die sich noch am ehesten mit „Stolz und Vorurteil und Zombies“ vergleichen lässt.

„Kindsräuber“ ist spannend von der ersten, bis zur letzten Seite und überzeugt mit einem tollen Setting der historischen Stadt Prag. Der Spannungsbogen wird durchgängig gehalten und effektvoll mit Spannungsspitzen bis aufs äußerste gespannt. Es gelingt der Autorin zudem, allen Charakteren eigene Motive zu geben, die die Handlungen nachvollziehbar machen. Noras Schreibstil lässt sich größtenteils flüssig lesen, kleinere Holpler stammen eher aus der verwendeten historischen Sprache.

Der Buchsatz ist leicht gewöhnungsbedürftig, aber größtenteils fehlerfrei. Auch Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, die aber nicht so gravierend sind, dass sie das Lesevergnügen schmälern. Das Cover fügt sich gut ins Gesamtkonzept der Reihe ein und schafft einen hohen Wiedererkennungswert, ist mir persönlich aber zu verwaschen und gewollt künstlerisch.

Mein Fazit? „Kindsräuber“ ist ein dunkelfantastischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und ein innovatives Konzept punkten kann. Kleinere Schwächen in der Bucherstellung werden dabei durch die spannende Handlung mehr als ausgeglichen. Für Fans dunkler Phantastik oder von Thrillern, die auf der Suche nach etwas neuem, ungewöhnlichen sind, bedenkenlos zu empfehlen. Allerdings nicht für Leser unter 16 Jahren!

 

[Buchgedanken] Terry Brooks: „Die Erben von Shannara 1 – Heldensuche“ (Die Shannara Chroniken)

Vor einigen Tagen habe ich „Heldensuche“, den ersten Teil der „Erben von Shannara“, beendet – insgesamt mein viertes Buch aus Terry Brooks epischem Shannara-Universum. Die Rezensionen der anderen Werke könnt ihr unter folgenden Links nachlesen: „Das Schwert der Elfen„, „Elfensteine„, „Das Lied der Elfen„). Die mir vorliegende Ausgabe erschien 2017 bei Blanvalet, Verlagsgruppe Random House, die Originalausgabe 1990 unter dem Titel „The Scions of Shannara“ bei Del Rey, New York. Das Copyright der deutschsprachigen Ausgabe stammt aus dem Jahr 1991. Der Roman – und die ganze Reihe – ist dem Genre „High Fantasy“ zuzuordnen, auch wenn gewisse dystopische Elemente und Anklänge an die „Heroic Fantasy“ nicht zu verneinen sind.

512bk8uwzdklHunderte Jahre nach dem Tod Allanons, des letzten Druiden, ist die Magie fast vollständig aus den Vier Landen verschwunden, und jede Nutzung von Magie wird von den Suchern der herrschenden Förderation rigoros geahndet. Da erhält Par Ohmsford von Allanons Schatten den Auftrag, das legendäre Schwert von Shannara zu suchen. Doch auch für Wren Ohmsford und Walker Boh hält der letzte Druide Aufgaben bereit. Denn nur gemeinsam durch die Kraft des Hauses von Shannara kann es gelingen, den Schattenwesen, die die Vier Lande unterwandern, Einhalt zu gebieten.

„Heldensuche“ ist ein gelungener Auftakt in eine neue Trilogie in der Welt von Shannara, auch wenn es sich gelegentlich wie der Mittelteil einer Reihe anfühlt.  Dies liegt allerdings daran, dass, vergleichbar zu „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“, die Handlungsstränge und Quests der einzelnen Auserwählten auseinanderfallen, und die Geschichte dadurch nicht stringent erzählt wird, was einerseits den Lesefluss etwas hemmt und andererseits für wirklich große Cliffhanger sorgt. Schön ist es, dass durch Verweise zu den anderen Büchern, durch Erzählungen, und nicht zuletzt durch die Familienbande zu früheren Protagonisten (z. B. Padishar Weidenkorb und Morgan Leah) die Handlung gut in den Kontext der gesamten Reihe passt, und der Weltenbau und die Entwicklung einheitlich vorangetrieben werden.

Mit dem Roman legt Terry Brooks den Grundstein für weitere Bände, viele Probleme werden nur angerissen, viele Fragen sind noch offen, viele Aufgaben ungelöst. „Heldensuche“ brilliert darin, das epische Finale, den Kampf gegen das Böse vorzubereiten. Dadurch hat es einige Längen, und es fehlt gelegentlich am großen Knall. Dem Autor gelingt es jedoch, alle Protagonisten einzuführen, ihre Besonderheiten und jeweilige Motivation zu erklären, ohne den Leser zu überlasten. Der Roman überzeugt auch dadurch, dass sich die jeweiligen Personen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – konsequent weiterentwickeln, Stärken und Schwächen zeigen.

Der Buchsatz ist gelungen, Lektorat und Korrektorat überzeugen ebenfalls. Das Cover besticht durch die hochwertig geprägte Schrift, bietet einen hohen Wiedererkennungswert und fügt sich nahtlos in das Gesamtbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Heldensuche“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Trilogie aus Terry Brooks Meisterwerk. Der Roman besticht durch einen tollen Weltenbau und starke Charaktere, lässt aber handlungs- und spannungstechnisch noch Luft nach oben für die Folgebände. Für Liebhaber der High-Fantasy bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] Kea von Garnier „Poetische Zeiten“

Weiter im bunten Rezi-Reigen möchte ich Euch heute „Poetische Zeiten“ von Kea von Garnier vorstellen – ein Finalist des letztjährigen StorytellerX-Awards. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Amazon und Kindle Direct Publishing, die im Rahmen der Preisverleihung das Werk als Leseexemplar zur Verfügung stellten. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing veröffentlicht worden und dem Genre „Lyrik“ zuzuordnen. Es enthält ein Sammelsurium an Gedichten der Jungautorin und -poetin Kea von Garnier, die diese auch auf ihrem Instagram-Account veröffentlicht.

31upszl8p7l-_sx311_bo1204203200_Keas Gedichte decken in ihrer Bandbreite das ganze Leben ab. Vom Großstadtflair bis hin zur Naturverliebtheit, von Liebe bis Melancholie, von Witz bis Wehmut – kaum eine Gefühlslage fehlt in dem kleinen aber feinen Lyrikband. Meine Lieblingsgedichte sind übrigens „In der Bibliothek“ und „Momentaufnahme“.

Keas lyrische Stimme ist kraftvoll, gefühlvoll, aber manchmal noch etwas roh. Ich hätte mir an der ein oder anderen Stelle durchaus noch etwas mehr Feinschliff an den einzelnen Versen gewünscht – und etwas mehr Formstrenge, wenn denn schon auf Reimschemata zurückgegriffen wird. Abgesehen davon sind die einzelnen Verse durchaus intensiv und gefühlvoll und transportieren die Botschaften der Autorin gut an den Leser.

„Poetische Zeiten“ ist modern und spontan, eine Momentaufnahme direkt aus dem Leben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Kein lyrisches Meisterwerk, aber doch ein starker Lyrikband, der die (leider) verstaubte Gattung in die heutige Zeit transportiert. Und das ist Keas größter Verdienst! Durch die (verdiente) Shortlistnominierung für den StorytellerX-Award hat die Poetin es geschafft, die Lyrik erneut auf die große Bühne zu holen – und auch im Bereich Selfpublishing zu verankern. Danke dafür!

Die Buchgestaltung ist hier komplett zweitrangig, ohnehin besitze ich ja nur eine Art Probedruck/Sample der eigens für die Preisverleihung angefertigten Auflage. Das Cover ist gänzlich unscheinbar und unaufgeregt, alles andere wäre dem Inhalt und der Gattung gegenüber allerdings auch nicht gerecht geworden. Lektorat und Korrektorat sind ohnehin bei der Lyrik so seine Sache, Fehler sind jedenfalls (so durchgeführt) nicht ersichtlich. Lediglich vom Buchsatz hätte ich mir etwas mehr Inspiration und Innovation gewünscht.

Mein Fazit? Mit „Poetische Zeiten“ legt Kea von Garnier einen überzeugenden Lyrikband vor. Sie ist zwar keine Julia Engelmann, aber doch eine starke poetische Stimme unserer Zeit und Generation, der es an manchen Stellen jedoch noch etwas an Feinschliff fehlt. Für Lyrikfreunde bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Caroline Brinkmann: „Die Perfekten“

Endlich komme ich zur ersten Rezi im Rahmen der „Ran an den SuB mit Ava“ Challenge 2018 – ein gelungener Start. „Die Perfekten“ von Caroline Brinkmann ist der Auftakt einer Buchreihe und ist 2017 im One Verlag der Bastei Lübbe AG erschienen. Die mir vorliegende Ausgabe ist ein Hardcover-Exemplar, und das Buch ist dem Genre Dystopie/Young-Adult zuzuordnen.

51t1fcqqqtl-_sx335_bo1204203200_Rain lebt seit ihrer Geburt mit ihrer Mutter auf der Flucht. Ein Leben außerhalb des Systems, fernab der anderen Menschen, die von den Gesegneten anhand ihrer Gene klassifiziert und bewertet werden. Doch als sie eines Tages ein kleines Mädchen trifft und sich mit ihr anfreundet, gerät ihre Welt komplett aus den Fugen. Freund oder Feind, Rebell oder Gesegnete, Liebe oder Verrat – die ganze Welt Aventin steht an einem Scheideweg. Und mittendrin Rain – impulsiv, störrisch und furchtlos – denn: Unwetter haben keine Angst!

„Die Perfekten“ ist nicht … perfekt (das musste jetzt sein), aber nah dran. Ein gelungener Auftakt in eine vielversprechende dystopische Buchreihe, der unter anderem durch gelungenen Weltenbau überzeugt. Mit – teils – unerwarteten Wendungen und einer ausgewogenen Mischung aus Suspense und Tension schafft es Caroline Brinkmann, den Leser an die Buchseiten zu fesseln und für einen konstant gestrafften Spannungsbogen zu sorgen.

Für Begeisterung sorgen auch die Charaktere. Nicht nur die Hauptprotagonistin, auch die Nebencharaktere (wie Lark, Rose, Daphne, Tiberius, Storm u.a.) sind mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Jeder verfügt über eine eigene Motivation und einen kleinen Sub-Plot, was das Buch allerdings mitunter etwas überfrachtet – auf vereinzelte Handlungsstränge hätte man meines Erachtens nach auch verzichten können, um die Geschichte stromlinienförmiger und konsequenter zu erzählen.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und flüssig lesen. Mit tollen Beschreibungen – und insbesondere über die clevere Implementierung des Farbschemas (Grey, Silver, Ruby, White Shell etc.) springt das Kopfkino sofort an und sorgt dafür, dass der Leser tief in die Geschichte hineingezogen wird. Durch die Mischung einer Ich-Perspektive (Rain) mit einigen personalen Erzählperspektiven hätte aus meiner Sicht die Bindung an die Hauptfigur aber noch verstärkt werden können.Nichtsdestotrotz kann man sich gut mit ihr und den anderen Charakteren identifizieren, leidet, lacht und weint mit ihnen. Apropos weint: Was ist das bitte für ein Ende? Zudem fällt mir persönlich der Cliffhanger zu stark aus. Klar ist das Buch als Reihenauftakt angelegt, mit einem Ende leicht früher oder leicht später hätte man es jedoch durchaus auch als Standalone lesen können.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls im großen und ganzen überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben fehlerfrei gearbeitet und das Cover ist ein wahrer Eye-Catcher, der – zumindest in diesem Genre – aus der Reihe fällt und der mit leicht geprägten Buchstaben punkten kann. Lediglich die Umsetzung als Hardcover generell ist etwas lieblos aus meiner Sicht.

Mein Fazit? Mit „Die Perfekten“ legt Caroline Brinkmann den Grundstein für eine tolle, dystopische Buchreihe. Der Roman überzeugt mit einem gelungenen Weltenbau und tollen Charakteren, und lässt genug Fragen und Handlungsstränge offen, um nahtlos in einen Folgeband überzugehen. Ich bin bereits sehr gespannt, wie die Autorin die Geschichte im bald erscheinenden zweiten Buch weiter erzählt.

[Buchgedanken] Birte Lämmle: „Enya – Windsbraut“

In den letzten Tagen habe ich „Enya – Windsbraut“ von Birte Lämmle gelesen. Vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing veröffentlicht worden und ist dem Hauptgenre „Fantasy“ zuzuordnen. Eine Einordnung in ein Subgenre fällt nicht so einfach, persönlich würde ich es als „Heroic Fantasy“ sehen. Das mir vorliegende Exemplar stammt aus einer Hardcover-Auflage, Druck und Bindung erfolgten bei „WIRmachenDRUCK“.

51riezyvnzl-_sx327_bo1204203200_Seit ihrer Kindheit lebt Enya auf dem Segelschiff Aurora. Nach dem Tod ihres Vaters Tore, dem Kapitän der Autora, erbt sie noch als Mädchen die Verantwortung für das Schiff und die Mannschaft. In einer Welt, in der es undenkbar erscheint, dass eine Frau das Kommando ausübt, kämpft sie verbissen für ihr Recht – und das Andenken ihres Vaters. Doch Enya hütet ein Geheimnis, das sie in größte Gefahr bringen kann. Mit ihren Haaren kann sie den Wind rufen, Stürme entfachen. Als plötzlich zwei Fremde in Enyas Leben treten, beginnt für sie und die Crew der Aurora eine schicksalshafte Fahrt. Eine Reise voller Abenteuer und Gefahr, aber auch voller Liebe, Freundschaft und Treue.

Die Geschichte von Enya ist eine volle Überraschung. Mit „Enya – Windsbraut“ gelingt Birte Lämmle ein überzeugendes Debüt, das sich nicht zu verstecken braucht, und das einen wunderbaren Einstieg in eine Buchreihe eröffnet. So wundert es mich nicht, sondern freut mich, dass die Autorin bereits am Nachfolgeband arbeitet.

Der Roman ist auf ein junges Lesepublikum zugeschnitten und eignet sich sehr gut als Einstieg in die Welt der Fantasy. Ich würde das Buch Lesern ab 10 Jahren ans Herz legen, die Spaß daran haben, neue Welten zu entdecken und zu erkunden.

Mit teils unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin, den Spannungsbogen zu halten und den Leser immer mal wieder zu überraschen. Hinzu kommt das nautische Grundverständnis, das der Geschichte innewohnt und für eine authentische Erzählung sorgt. Vor allem kann der Roman jedoch mit seiner Protagonistin überzeugen, die als junge Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft den Aufstand übt und sich über die dort vorherrschenden Genderrollen hinwegsetzt – ein Vorbild, gerade für die jungen Leser. Auch die Nebencharaktere (meine Favoriten Juna und Nino) sind plastisch und dreidimensional ausgearbeitet. Eine kleine Chance wurde jedoch vertan, durch die Nutzung der Ich-Perspektive hätte der Leser im vorliegenden Fall noch stärker mit Enya verbunden werden, hätte sich noch stärker mit ihr identifizieren können.

Luft nach oben gibt es für mich beim Weltenbau, der mich nicht restlos überzeugen konnte. Mal ganz nah an der realen Welt, mal ganz fern, hätte ich mir eine klarere Abgrenzung gewünscht. Kontinente wie Euronia, Länder wie Saba, Worte wie „Siegertreppchen, Müllkpipe, Tattoos“ oder medizinische Fachworte wie „Gehirnerschütterung“ – etwas mehr Sorgfalt hätte hier den Roman noch stärker und runder machen können. Abgesehen davon lässt sich der Schreibstil der Autorin gut und flüssig lesen und ist altersgerecht auf die Zielgruppe zugeschnitten.

Auch die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Das Cover ist gut stilisiert und gelungen, der Buchrücken wirkt mit dem eingefügten Textfeld jedoch etwas zu abgesetzt – hier hätte ein fließenderer Übergang gut getan. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, zwar sind einige Fehler durchgerutscht, es hält sich jedoch in einem Rahmen, der den Lesefluss nicht stört. Der Buchsatz hingegen gefällt mir sehr gut, insbesondere beherzigt das Buch die Tradition, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen, auch wenn dies zu Leerseiten führt. Der Geschichte ist zudem eine Karte der Handlungsorte voran-, ein Seefahrtsglossar nachgestellt.

Mein Fazit? „Enya – Windsbraut“ ist ein überzeugendes Romandebüt, ein Fantasyroman für jung und alt ab etwa 10 Jahren, der vor allem mit überzeugenden Charakteren punktet. Kleinere Schwächen beim Weltenbau und der sprachlichen Ausgestaltung mindern nicht das Lesevergnügen. Vor allem für junge Abenteurer bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Valentina Fast: „Royal: Eine Krone aus Alabaster“

Die erste Rezension des neuen Jahres gebührt einem wirklichen Highlight. Um den Jahreswechsel habe ich „Royal: Eine Krone aus Alabaster“, den zweiten Sammelband von Valentina Fasts märchenhafter Buchreihe gelesen. Er beinhaltet die e-Book-Teile 3 und 4 und ist als Impress Taschenbuch 2017 im Carlsen Verlag erschienen. Das Buch ist am ehesten dem Genre Dystopie zuzuordnen, die Besprechung des Vorgängerbandes findet ihr hier.

~~~ Achtung! Die Buchbesprechung könnte leichte Spoiler aufweisen ~~~

51xptekbwwl-_sx319_bo1204203200_Obwohl sich die Reihen der Kandidatinnen merklich lichten, weiß noch immer keine von ihnen, welcher der vier jungen Männer der Prinz ist. Während Tatyanas Mitbewohnerin Claire bereits hoffnungslos einem der Männer verfallen ist, tobt in Tatyana ein Kampf der Gefühle. Obwohl Phillip ihr Herz bei jeder Bewegung in Aufruhr versetzt, spürt sie, dass er ihr etwas verheimlicht. Etwas, das mit ihren verlorenen Erinnerungen zusammenhängt. Als sie endlich die Wahrheit erfährt, ist nichts mehr so, wie es vorher war.

Die Handlung von „Royal: eine Krone aus Alabaster“ knüpft nahtlos an den Vorgängerband an und schreibt diese kontinuierlich fort. Auch vom Niveau her kann der Band – trotz kleinerer Schwächen – mit dem ersten Teil mithalten. Insbesondere bin ich weiterhin ein Fan des sehr gelungenen Weltenbaus und der Ich-Perspektive, die den Leser nah an den Gedanken und Gefühlen von Tanya hält.

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, und der Leser durch unerwartete Wendungen durchaus ins Ungewisse geführt. Kleinere, logische Ungereimtheiten mindern dabei nicht das Lesevergnügen. Die Charaktere, insbesondere Claire, entwickeln sich stetig weiter und sind das Herzstück des Romans, der mit glänzenden Nebencharakteren (unter anderem Erica und Charles) punktet. Lediglich das Handeln der Protagonistin erschien mir gelegentlich nicht nachvollziehbar.

Auch wenn der Cliffhanger am Ende des Romans nicht so stark ausfällt, wie im Vorgängerband, liegt dennoch keine abgeschlossene Handlung vor und der Roman kann keinesfalls als Standalone gelesen werden. Als Mittelteil einer Trilogie funktioniert er hingegen gut und läutet ein spannendes Finale ein. Valentinas Schreibstil ist flüssig, gefühlvoll und lässt sich gut lesen. Das Cover ist ein Traum und bietet einen hohen Reihenwiedererkennungswert. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet.

Mein Fazit? „Eine Krone aus Alabaster“ ist eine gelungene Fortsetzung von Valentina Fasts spektakulärer Royal-Trilogie. Leichte Unstimmigkeiten werden durch einen gelungenen Weltenbau und überwiegend tolle Charaktere mehr als wettgemacht. Die Buchreihe gehörte zurecht zu meinen Lesehighlight 2017 – der Abschluss der Reihe kann gar nicht schnell genug erscheinen.

 

[Jahresrückblick] Mein Jahr als Autor

Nach meinen Jahresrückblicken als Leser und als Blogger möchte ich nun, zuletzt, auf das Jahr 2017 aus Autorensicht zurückblicken, bevor ich mich ab morgen dann mit neuen Beiträgen dem Jahr 2018 widme :).

20246157_1511196258939631_3011318163153962450_nAlles in allem, denke ich, kann ich mit 2017 durchaus zufrieden sein, auch wenn es durchwachsener war als die vergangenen Jahre. Relativ zu Beginn des Jahres konnte ich endlich meine Fantasy-Durststrecke überwinden, und erhielt zwei Zusagen des Drachenstern Verlags für Geschichten aus den Genres Fantasy und Science-Fiction (letzteres für mich eine Premiere). Die dazugehörigen Anthologien erscheinen voraussichtlich im Februar 2018. Zudem konnte ich auch in einem weiteren, für mich gänzlich neuen Genre, einen Verlagsvertrag an Land ziehen. Wer hätte gedacht, dass ich jemals eine Horror-Geschichte schreibe? 😀

Neben der Anthologie zur Horror-Geschichte, erschien auch pünktlich zum Reformationsjubiläum die Luther-Anthologie, jeweils im Burgenwelt Verlag, zu der ich ebenfalls eine Kurzgeschichte beigesteuert habe.

41mq0ygoqil-_sx320_bo1204203200_Aber auch in meinem „Parade“-Genre konnte ich etwas veröffentlichen. Sowohl ein Liebesgedicht (im Sperling Verlag) als auch eine romantische Kurzgeschichte (für die Schreibgruppe-Prosa) wurden in diesem Jahr angenommen und veröffentlicht. Ferner erschien auch endlich die Printausgabe zur femtastischen Anthologie „Heimchen am Schwert“, die eine meiner Lieblingsgeschichten aus meiner Feder enthält (Verlag Ohneohren).

Ich glaube, das wars – sofern ich etwas vergessen habe, reiche ich es nach. Leider habe ich in diesem Jahr weniger geschrieben, ich hoffe, das bessert sich im nächsten Jahr wieder =).

[Buchgedanken] Dan Brown: „Origin“

Nach einer stressbedingten kurzzeitigen Abwesenheit melde ich mich zu den Feiertagen mit neuen Blogposts und Rezensionen zurück :). Den Anfang macht heute Dan Brown mit „Origin“ – dem fünften Band um den Symbologen Robert Langdon, erschienen 2017 bei Bastei Lübbe. Im Original wurde das Buch, ebenfalls unter dem Titel „Origin“, im Jahr 2017 bei Doubleday, Penguin Random House LLC. veröffentlicht und ist am ehesten dem Genre Thriller zuzuordnen.

51uowvfmrxl-_sx328_bo1204203200_Robert Langdon, Professor an der Harvard-Universität, ist eine der bekanntesten Koryphäen auf dem Gebiet der religiösen Symbolik. Umso überraschter ist er von der Einladung seines ehemaligen Schülers, dem Futurologen und Technikgenie Edmond Kirsch, der im Guggenheim Museum für Moderne Kunst in Bilbao eine Präsentation angekündigt hat, um seine neueste Errungenschaft vorzustellen. Aus Verbundenheit zu seinem Freund begibt sich Langdon nach Bilbao, obwohl er der modernen Kunst durchaus skeptisch gegenübersteht. Zu dem Treffen, das die Welt verändern soll …

Dan Brown erschafft … einen typischen Dan Brown (muss man mehr sagen?). „Origin“ ist ein Thriller im Spannungsfeld zwischen Religion und Wissenschaft, Technik und Glauben, ein Roman voller Hass und Vergebung, voller Impulsivität und perfektionistischer Planung – vielleicht der ungewöhnlichste Roman der Langdon-Reihe.

Ein großes Lob verdient natürlich das (allen Büchern der Reihe inhärente) atemberaubende Setting, das bereits jetzt nach einer Verfilmung mit traumhaften Bildern schreit. Das Guggenheim-Museum, die Sagrada Familia, der spanische Königspalast, das Kloster Montserrat und noch viele weitere Locations erfüllen den Roman mit einer ungeheuren Bildgewaltigkeit.

Auch wenn mich das Ende in gewissem Sinne leicht unbefriedigt zurücklässt, gelingt es Dan Brown erneut, den Leser durch ungewohnte Wendungen, unerwartete Ereignisse zu verwirren und auf falsche Fährten zu locken. Der Spannungsbogen wird dadurch die ganze Zeit hochgehalten, bleibt zum Zerreißen gespannt. Im Übrigen treten auch liebgewordene Kleinigkeiten aus den alten Büchern wieder auf.

Erstaunlicherweise gelingt es dem Autor zudem, erneut neue Facetten von Robert Langdon zu zeigen, obwohl man ihn bereits so gut kennt. Die anderen Charaktere des Buches entwickeln sich ebenfalls im Laufe der Zeit, haben Schwächen, Stärken und sind plastisch ausgearbeitet.

Das Buch an und für sich ist sehr hochwertig, ein edler, leicht geprägter Schutzumschlag mit einem tollen Cover umhüllt das Hardcover-Exemplar. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben exzellent gearbeitet.

Mein Fazit? „Origin“ ist ein – erneut, aber gewohnt – brillianter Thriller um Robert Langdon, der mit seinem Setting und der konstant hohen Spannung punktet. Bedenkenlos zu empfehlen – und mit Sicherheit eines meiner Jahreshighlights 2017.

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Licht & Schatten“ (Band 2)

In den letzten Tagen habe ich den zweiten Band von Veronika Lackerbauers Dilogie „Licht & Schatten. Eine Erzählung aus 100 Jahren deutscher Geschichte“ gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing als Hardcover über BoD erschienen. Eine Genrezuordnung ist schwierig, ich würde es am ehesten als Familiensaga deklarieren. Meine Rezension zum Vorgängerband kann *hier* nachgelesen werden.

41qz8agq5yl-_sx314_bo1204203200_Im zweiten Band der Reihe begleitet man die Geschicke von Louise Herbst (ehemals von Konsigny) und ihrer Familie in den Wirren des Nachkriegsdeutschlands von 1945 bis ins Jahr 2000. Eingebettet in eine Rahmenhandlung, in der Charly die Tagebücher ihrer verstorbenen Großmutter Louise liest, erlebt man die historischen Ereignisse hautnah mit der Familie. Sei es die Teilung Deutschlands, der beispiellose Terror der RAF oder die Wiedervereinigung – selbst im beschaulichen München ist die Familie Herbst davon direkt betroffen. Doch öffnen Louises Tagebücher ihrer Enkelin endlich die Augen? Gelingt es Charly, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen?

Erneut schafft es die Autorin, eine sachlich-anschauliche Erzählung zu schreiben, die dem Leser die verschiedenen Kapitel der deutschen Geschichte anhand von persönlichen Ereignissen näherbringt. Dabei sind die jeweiligen Kapiteleinführungen knapp und informativ gehalten und erläutern in Kürze das Weltgeschehen der jeweiligen Zeit. Auch wenn ich auf sie hätte verzichten können, da es einen doch etwas aus der familiären Geschichte reißt, sehe ich auch die Intention der Autorin, ein allumfassendes Spiegelbild der geschichtlichen Entwicklung zu liefern.

Wie bereits beim Vorgängerband hätte ich mir die einzelnen Episoden länger gewünscht, auch auf die Gefahr hin, dass aus der Dilogie ein mehrbändiges Werk hätte werden müssen. Trotz der Kürze gelingt es der Autorin jedoch, den einzelnen Charakteren Tiefe zu geben und plastische Protagonisten mit Stärken und Schwächen zu schaffen, mit denen der Leser mitfiebert. Liebgewonnene Charaktere aus dem ersten Band tauchen genauso wieder auf, wie neue Familienmitglieder der nächsten Generationen. Insgesamt überzeugt Veronika Lackebauers Werk dadurch, dass durch die Bindung an die Familie ein dauerhafter roter Faden die Gesamthandlung überspannt. Einziges kleines inhaltliches Manko: Ich finde es leicht unrealistisch, dass in der Familie fast jede denkbare gesellschaftliche und politische Strömung, jede Beziehungsrichtung, viele Krankheitsbilder etc. vertreten sind. Klar ist dies für die Entwicklung der familiären Konflikte wichtig, ein oder zwei weniger hätten jedoch nicht geschadet, wenn man sich den anderen dann noch umfassender hätte widmen können.

Das Cover entspricht – mit Ausnahme der Farbe – dem des ersten Bandes und sorgt für ein einheitliches Erscheinungsbild der Reihe. Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls gut gearbeitet und sich im Vergleich zu Band 1 noch gesteigert, da mir beim Lesen nur ein kleiner Logikfehler aufgefallen ist, der sogar eher dem sonst gelungenen Buchsatz zuzuordnen ist. Natürlich hätte ich mich erneut mit einer Dramatis Personae oder einem Stammbaum noch etwas wohler gefühlt – gerade unter Berücksichtigung des zentralen Anknüpfungspunkt der Familie Von Konsigny / Herbst, aber da es sich ja nicht um einen klassischen Roman handelt, ist dies ebenfalls verzeihbar.

Mein Fazit? Mit dem zweiten Band von „Licht & Schatten“ knüpft die Autorin nahtlos an den Vorgänger an und schafft ein beeindruckendes Spiegelbild der deutschen Nachkriegsgeschichte anhand des Lebens einer Familie. Der rasante Geschehensablauf geht mir fast zu schnell und hätte mehr Platz haben können, ermöglicht dem Leser aber einen komprimierten Überblick. Für Liebhaber deutscher Geschichte oder großer Familiensagen bedenkenlos zu empfehlen.

 

 

[Buchgedanken] Lukas Rieger, Josip Radovic: „Der Lukas Rieger Code“

Heute möchte ich mal ein etwas anderes, für mich ungewöhnliches Buch besprechen, dass ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen habe. Vielen Dank auch an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars. „Der Lukas Rieger Code“ wurde von Josip Radovic in Zusammenarbeit mit Lukas Rieger geschrieben, und ist 2017 bei HarperCollins veröffentlicht worden. Es ist am ehesten als Künstlerbiographie einzuordnen.

51lrfgcanzl-_sx303_bo1204203200_Millionen Menschen, nicht nur in Deutschland, folgen im Internet Lukas Rieger auf Schritt und Tritt. Seine Youtube-Videos erfreuen sich größter Beliebtheit, seine Instagram- und Snapchat-Zahlen schießen durch die Decke. Selbst im Alltag kann er nicht einmal mehr Schuhe einkaufen, ohne von den Menschen erkannt zu werden. Doch wie hat er den Durchbruch geschafft? Was treibt ihn an, und was sind seine Ziele?

„Der Lukas Rieger Code“ ist ein privater Einblick in die Gedanken und Gefühle, in die Welt eines 18-jährigen Superstars. Er erzählt von seiner Familie, von seinem Leben – und vor allem, von seiner Musik, seinen Wünschen, seinen Träumen. Dem Leser wird ein interessanter Einblick hinter die Kulissen des Werdegangs eines Superstars, des „deutschen Justin Bieber“, gegeben. Es ist spannend zu sehen, wie zielstrebig Lukas bereits seit jungen Jahren seine Karriere verfolgt hat, welche Opfer er dafür gebracht und welche Hindernisse er aus dem Weg geräumt hat. Insbesondere hat mich der Einblick in die Welt der Castingshows, die Bewertung der verschiedenen Social-Media-Marketingmöglichkeiten und die Unterstützung seiner Familie beeindruckt. Leider war es zuweilen etwas sprunghaft, ich hätte einige Kapitel sicherlich anders angeordnet, um einen stärkeren roten Faden zu schaffen.

Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls nicht vollends überzeugt. Mir ist klar, dass eine Künstlerbiographie eines 18-jährigen Superstars auf das Zielpublikum zugeschnitten ist, dass die Sprache einfach, klar verständlich und eben jugendlich zu sein hat. Dennoch finde ich, dass der Autor/die Autoren hier übertrieben haben. Ich weiß nicht, wie viele Dinge, wie viele Situationen des Romans „fresh“ waren, wie oft Lukas Sachen „gefeiert“ hat. Sind denn ein, zwei Synonyme wirklich zuviel verlangt?

Gut gefallen dagegen hat mir die hochwertige Gestaltung des Buches mit farblichen, teils ausklappbaren Cover-Innenseiten und einem schönen Buchumschlag. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls gut gearbeitet. Ein ganz besonderes Lob möchte ich noch an den Verlag richten, der sich (wie es heute kaum noch einer macht) an eherne Richtlinien gehalten hat, und jedes Kapitel auf einer rechten bzw. ungeraden Seite begonnen hat, auch wenn dies zu Leerseiten im Buch geführt hat.

Mein Fazit? „Der Lukas Rieger Code“ ist eine spannende und interessante Künstlerbiographie, die einen Blick hinter die Kulissen zulässt und zeigt, wie ein Star entsteht. Auch wenn das Buch sprachlich zu stark auf die Jugendsprache setzt und diese übertrieben einsetzt, kann es doch durch eine wunderbare Gestaltung punkten. Für Lukinators und Social-Media-begeisterte Jugendliche genau das Richtige.