[Buchgedanken] Nora Bendzko: „Kindsräuber“ (Ein Galgenmärchen)

In der letzten Zeit habe ich Nora Bendzkos „Kindsräuber“ gelesen. Die Märchenadaption ist Bestandteil ihrer dunkelfantastischen Gagenmärchen-Reihe und am ehesten dem Genre „Historical Fantasy“ zuzuordnen. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing erschienen und landete bei der diesjährigen Seraph-Verleihung auf der Shortlist der „Besten Independent Romane“. Eine signierte Ausgabe davon könnt Ihr noch bis zum 11.05.2018 auf meiner Facebook-Seite gewinnen, ein Interview mit der Autorin *hier* nachlesen.

51ozlfbz6tl-_sx327_bo1204203200_Seit ihrer Kindheit besitzt Alene die Gabe, die Geister der Toten zu sehen. Nur mit Mühe schlagen sie und ihr Vater sich durch das von Hunger und Krieg gebeutelte Prag. Doch dann wird die Stadt vom Rumpelstilzchen heimgesucht, und ein Kind nach dem anderen verschwindet. Aus Angst, ihr eigenes ungeborenes Kind zu verlieren, greift Alene nach jeder Gelegenheit, dem Geist zu entfliehen. Doch ihr bleiben nur drei Tage. Drei Tage, eine Lösung auf das Rätsel zu finden, und ihren drohenden Tod zu verhindern.

Wie aus der Inhaltsangabe schon ersichtlich, greift „Kindsräuber“ das grimmsche Märchen „Rumpelstilzchen“ auf und adaptiert dieses auf innovative Weise vor dem historischen Hintergrund des 30-jährigen Krieges. Auch wenn ich (als Kurpfälzer) der Autorin die Rollen, die Friedrich von der Pfalz und Elizabeth Stuart in der Geschichte spielen, etwas übel nehme, so ist es ihr doch gelungen, eine überzeugende, beklemmende Grundstimmung zu schaffen, die sich noch am ehesten mit „Stolz und Vorurteil und Zombies“ vergleichen lässt.

„Kindsräuber“ ist spannend von der ersten, bis zur letzten Seite und überzeugt mit einem tollen Setting der historischen Stadt Prag. Der Spannungsbogen wird durchgängig gehalten und effektvoll mit Spannungsspitzen bis aufs äußerste gespannt. Es gelingt der Autorin zudem, allen Charakteren eigene Motive zu geben, die die Handlungen nachvollziehbar machen. Noras Schreibstil lässt sich größtenteils flüssig lesen, kleinere Holpler stammen eher aus der verwendeten historischen Sprache.

Der Buchsatz ist leicht gewöhnungsbedürftig, aber größtenteils fehlerfrei. Auch Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, die aber nicht so gravierend sind, dass sie das Lesevergnügen schmälern. Das Cover fügt sich gut ins Gesamtkonzept der Reihe ein und schafft einen hohen Wiedererkennungswert, ist mir persönlich aber zu verwaschen und gewollt künstlerisch.

Mein Fazit? „Kindsräuber“ ist ein dunkelfantastischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und ein innovatives Konzept punkten kann. Kleinere Schwächen in der Bucherstellung werden dabei durch die spannende Handlung mehr als ausgeglichen. Für Fans dunkler Phantastik oder von Thrillern, die auf der Suche nach etwas neuem, ungewöhnlichen sind, bedenkenlos zu empfehlen. Allerdings nicht für Leser unter 16 Jahren!

 

6 Gedanken zu “[Buchgedanken] Nora Bendzko: „Kindsräuber“ (Ein Galgenmärchen)

  1. Hallo und guten Tag Erik,

    bisschen Märchen, bisschen Mystik/Fantasy, bisschen abgefahren, aber mit viel Gefühl für die Zeit und die Menschen so würde ich den Roman beschreiben wollen.

    LG..Karin…

  2. Hat dies auf Nora Bendzko – Autorin, Sängerin & Lektorin rebloggt und kommentierte:
    Vor ein paar Tagen habe ich bereits ein Interview mit Autor und Blogger Erik Huyoff von Zwischen Buchdeckeln hier geteilt. Dem Interview folgt nun eine Rezension – Erik hat nämlich auch eine schön kritische Rezension zu »Kindsräuber« verfasst. Vielen Dank!

    »Mein Fazit? „Kindsräuber“ ist ein dunkelfantastischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und ein innovatives Konzept punkten kann.«

  3. Der Hinweis, es nicht unter 16 Jahren in die Hand zu nehmen ist gut 🙂
    Selbst meine 31 jährige Freundin hatte ein paar Tage Albträume nach dem ich ihr eine bestimmte Stelle vorgelesen hatte … ich sag nur Mutter und Kind vereint 🙂

    1. :D. Es ist halt nichts für zarte Gemüter *lach*, aber das war ja klar. Ich hoffe, deine Freundin hat es mittlerweile überwunden. Sonst sende ich jetzt einfach mal ganz positive Gedanken. Süße Katzenvideos helfen auch :D.

      1. Ich hätte es vielleicht nicht extra noch mit gruseliger Stimme vorlesen sollen 😀

        Doch, doch hat sie überwunden … wir haben ein mega süßes Hundchen, die hat das >Grauen< verjagt 😉

        Mir hat das Buch grade deshalb gefallen, weil es so düster ist … selbst ich hatte immer wieder Gänsehaut und das ist bei mir gar nicht leicht 🙂

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