Vor einiger Zeit habe ich Janna Ruths „Im Bann der zertanzten Schuhe“ gelesen. Der Roman ist 2017 im Selfpublishing im Rahmen des Autorenkollektivs „Märchenspinnerei“ erschienen und ist als Märchenadaption einzuordnen. Auf der Leipziger Buchmesse 2018 wurde der Roman mit dem Seraph als „Bester Independent-Titel“ ausgezeichnet.
„Im Bann der zertanzten Schuhe“ ist mehr als eine klassische Märchenadaption. Mit der Thematisierung von Kriegstraumata heimkehrender Soldaten, mit der Beschreibung einer Posttraumatischen Belastungsstörung wagt sich die Autorin an ernste Themen, die in der Gesellschaft leider zu wenig Platz bekommen. Janna Ruth gelingt es dabei, trotz der ernsten Themen ihren Schwerpunkt nicht zu verlieren. Der krasse Gegensatz zwischen dem Horror des Krieges und der Leichtigkeit des Tanzens, verkörpert in den Protagonisten Sophie und Jonas, funktioniert bestechend und trägt das Buch.
Zwar ist die Handlung teils vorhersehbar, der Spannungsbogen wird jedoch die ganze Zeit gehalten. Vor allem glänzt der Roman jedoch durch die tollen Protagonisten Jonas und Sophie. Auch wenn Jonas mit seinen Traumata kämpft, ist es doch Sophie, die sich am stärksten entwickelt, die stärkste Wandlung durchmacht. Alle Charaktere sind dabei dreidimensional angelegt, besitzen Stärken und Schwächen. Dabei hätte das Kernstück des Romanes, der Tanz, noch stärker ausgelegt werden können. Auch wenn es die Handlung nicht vorangebracht hätte, hätte ich mir noch detailliertere Beschreibungen der Tanzszenen und -Figuren gewünscht. Eine gewollte Entschleunigung, um als Leser im Tanz zu schwelgen.
Die Buchgestaltung kann jedoch nicht gänzlich mit dem tollen Inhalt mithalten. Zwar ist das Cover wunderschön und ein toller Eyecatcher, beim Lektorat/Korrektorat und Buchsatz finden sich allerdings leichte Schwächen. Gerade zum Ende hin häufen sich doch vermehrt Fehler, die sich noch im Rahmen halten, aber bei einer gründlichen Prüfung gefunden hätten werden müssen. Letztendlich wird dadurch der Lesefluss nicht gemindert, schade ist es aber dennoch.
Mein Fazit? „Im Bann der zertanzten Schuhe“ ist eine tolle Märchenadaption und der Beweis dafür, dass Selfpublishing-Bücher nicht schlecht sein müssen. Kleinere Fehler in der Buchgestaltung werden durch die überzeugende Geschichte mehr als ausgeglichen. Für Genreleser, die sich auch ernsteren Themen nicht verschließen, bedenkenlos zu empfehlen.
