[Buchgedanken] Charlotte von Feyerabend: „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ (LSF 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ von Charlotte von Feyerabend gelesen. Das Buch ist 2026 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der die Brüder Grimm Märchen sammeln und Frauen als nette Staffage gelten, regt sich Widerstand. In funkelnden Ballsälen und geheimnisvollen Salons gründen Bettina von Arnim und Annette von Droste-Hülshoff die Liga der sagenhaften Frauenzimmer. Klug und unbeugsam kämpfen ihre Mitglieder für Gerechtigkeit und eine neue Ordnung. Ob mit Feder oder Schwert, darüber gehen die Meinungen auseinander. Als eine von ihnen unter rätselhaften Umständen stirbt, zerbricht das Bündnis beinahe. Zwischen gesellschaftlichem Glanz und tödlichen Geheimnissen steht mehr auf dem Spiel als der Erfolg der Liga. Wird es ihnen gelingen, ihre Feinde zu entlarven und den Funken einer Revolution zu entzünden?

„Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ ist der erste Band der neuen Reihe von Charlotte von Feyerabend, von der ich bereits „Seid nett aufeinander“ und „Liebesrausch“ gelesen habe. Doch während sich diese noch klar genretechnisch einordnen ließen, ist es bei diesem Buch gar nicht so einfach. Auf Verkaufsportalen aufgrund des alternativhistorischen Ansatzes teils als Science-Fiction eingruppiert, habe ich es dennoch als historischen Roman kategorisiert, da er zumindest eine mögliche, wenn auch unwahrscheinliche Historie abbildet – und sich größtenteils an Rechercheergebnisse hält.

Die Handlung ist durch die Erzählung in Episoden anfangs sehr fragmentarisch, später kristallisiert sich vor allem Annette als Zentrum der Geschichte heraus, sodass das Buch etwas stringenter erzählt wird. Dennoch verbleibt die Geschichte – als klassischer Auftaktband – noch sehr antiklimaktisch, endet mit einem Cliffhanger und ist durch die notwendige Exposition aller Personen teils etwas langatmig. Gleichzeitig bietet die Handlung aber ein immenses Potential, um in den Folgebänden richtig durchstarten zu können – ich bin gespannt.

Das Setting brilliert jedenfalls auf ganzer Linie. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts, in ein Land unter napoleonischer Besatzung, in eine Zeit der beginnenden Industrialisierung und ersten, emanzipatorischen Bestrebungen. Dabei zeichnet Charlotte von Feyerabend nicht nur ein gelungenes Porträt der damaligen Zeit und springt durch – vornehmlich – norddeutsche Adelshäuser, sondern kreiert vielmehr einen Roman über eine sehr frühe Buchbubble und greift damit einen heutigen Trend auf, den sie in die Vergangenheit versetzt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Vielzahl an Figuren sind zwar noch nicht alle wirklich greifbar, aber insbesondere Annette und Rahel können hier glänzen. Charlotte von Feyerabends Schreibstil lässt sich dabei wie üblich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und zeugt zudem von einer guten und ausführlichen Recherche, selbst wenn der Roman ja als alternativhistorisch beworben wird.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht schmälern, der Buchsatz ist ordentlich aber konservativ, insbesondere eingestreute Gedichte und Textpassagen hätte man durchaus innovativer setzen können. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv leider zum Buchrücken hin stark abgegrenzt, der Umschlag insgesamt eher eintönig. Das Covermotiv hingegen ist durchaus genretypisch und ansehnlich, auch die Typografie und das LSF-Logo überzeugen.

Mein Fazit? „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ ist der Beginn einer alternativhistorischen Buchreihe, der mit einem brillanten Setting überzeugt, in den nächsten Bänden aber in der Handlung noch etwas mehr Drama entwickeln darf. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Beate Sauer: „Das Haus in Charlottenburg“

Vor kurzem habe ich auch „Das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin. Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht – ihre und Johanns kleine Tochter.

„Das Haus in Charlottenburg“ ist nach „Wunder gibt es immer wieder„, dem ersten Band der Fernsehschwestern-Saga, mein zweiter Roman von Beate Sauer, die auch unter den Pseudonymen Felicia Otten, Bea Rauenthal und Paula Bach publiziert. Dabei lässt er sich klar als historischer Roman einordnen, spielt er doch im Gegensatz zu den Fernsehschwestern weiter in der Vergangenheit – und zwar in den 1890er Jahren des Deutschen Kaiserreichs. Erzählt wird er hierbei aus vielen, verschiedenen personalen Perspektiven, die vielleicht etwas zu häufig, teils auch innerhalb der Kapitel wechseln.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lediglich den zwischenzeitlichen Zeitsprung habe ich als etwas zu krass empfunden. Allerdings konnte mich das Ende wieder vollends überzeugen, selbst der Epilog trug noch zur Handlung bei und rundete diese ab. Dabei scheut sich Beate Sauer auch nicht, für das Genre unübliche Tropes wie ein Love Triangle einzubauen, auch wenn es nur angedeutet ist und nicht vollends auflebt.

Das Setting kann ebenfalls auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen – wie bereits angedeutet – ins Deutsche Kaiserreich in die Zeit um 1890, nach Berlin und dessen Umgebung, die von der Industrialisierung und Zentralisierung geprägt und enorm gewachsen sind. Dabei greift Beate Sauer auch heute noch relevante Probleme wie Immobilienspekulation, Mietwucher und Wohnraumknappheit auf und zeigt, dass sich Geschichte durchaus wiederholen kann.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Leonora von Rienäcker, Louis und Elise, während Johann teils etwas blass verbleibt und nicht zwingend nachvollziehbar handelt. Beate Sauers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Zudem zeugt er von guter Recherche, auch wenn sicherlich zu Gunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere Detail verzichtet wurde.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv setzt sich auf dem Buchrücken fort. Insgesamt sind Cover, Coverrückseite und Buchrücken aber eher einfach gestaltet und farblich kein Eyecatcher, auch fehlt mir beim Covermotiv etwas der Anklang zur Handlung.

Mein Fazit? „Das Haus in Charlottenburg“ ist ein spannender und abwechslungsreicher historischer Roman, der wichtige Themen anspricht und an Aktualität daher kaum zu übertreffen ist. Für Leser:innen des Genres somit bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Davide Morosinotto: „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“

Vor kurzem habe ich auch „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ von Davide Morosinotto gelesen. Das Buch ist 2025 bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH veröffentlicht worden, eine italienische Originalausgabe war nicht auffindbar. Das Buch ist dabei als historischer Jugendkrimi einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Dr. Cornelia Panzacchi verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nürnberg 1829. Greta hastet durch dunkle Gassen. Sie muss Kaspar Hauser treffen, den mysteriösen Fremden, der allen ein großes Rätsel aufgibt. Wurde er als Kind tatsächlich viele Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten, wie er behauptet? Gemeinsam mit ihrem Vater, dem berühmten Meisterdetektiv Dr. Grimaldi, stößt Greta auf ein immer größeres Dickicht aus Täuschungen und Geheimnissen …

„Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Kinder- und Jugendbuchautoren Davide Morosinotto. Bei dem Buch handelt es sich nach derzeitigen Kenntnissen um einen Einzelband, auch wenn hier durchaus Potential für eine ganze Reihe bestünde. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist zuvorderst ein Jugendroman, der ein historisches Setting besitzt. Zugleich ist es aber auch ein Detektivroman, ein Krimi und ein bisschen auch Märchen und Volkssage, ist das Phänomen Kaspar Hauser doch ein mittlerweile Jahrhunderte altes Mysterium.

Die Handlung ist abwechslungsreich, kurzweilig und spannend und wird aus der Sicht der 14-jährigen Greta Grimaldi erzählt, die mit ihrem Vater die Drohungen gegen Kaspar Hauser untersucht. Das Ende ist hierbei leicht antiklimaktisch, ein Epilog führt jedoch nochmal zu einem Twist, der die Geschichte abrundet. Insgesamt ist die Handlung durchaus altersgerecht, wenn auch eher ab einem Lesealter ähnlich zu Gretas und nicht bereits ab elf Jahren, wie teils empfohlen.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Nürnberg des 19. Jahrhunderts, mitten hinein in eines der größten Rätsel der deutschen Geschichte. Dabei verknüpft Davide Morosinotto das Mysterium Kaspar Hauser mit jugendlichem Coming of Age, spinnt den Kriminalfall weiter und verzahnt diesen sogar mit einer zarten Liebesgeschichte. Unterstützt wird die Erzählung hier von brillanten Illustrationen aus der Feder von formlabor, die großflächig eingebunden sind und das Lesevergnügen nochmals maßgeblich steigern.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben der titelgebenden Greta vor allem die Darstellung von Kaspar Hauser und Dr. Grimaldi, während Martha und Oskar teils nicht nachvollziehbar handeln. Davide Morosinottos Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, gerade auch gemeinsam mit den Illustrationen von formlabor.

Die Buchgestaltung brilliert ebenfalls. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ein tolles Zusammenspiel zwischen Text und Bild. Der Buchumschlag ist mit gold-glänzenden Elementen und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, insgesamt durchaus ein Eyecatcher. Das Cover ist dabei durchaus genretypisch, farblich toll gestaltet und weist Anklänge an die Handlung auf. Unterstützt wird die Handlung hierbei noch durch die tollen Karten von Nürnberg in den Coverinnenseiten, gegebenenfalls hätte man am Ende noch einen Zeitstrahl einfügen können.

Mein Fazit? „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ ist ein faszinierendes Jugendbuch über Kaspar Hauser, das vor allem mit seinem Setting und einer spannenden Protagonistin brilliert und dabei nur kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Ralf H. Dorweiler: „Der Herzschlag der Toten“ (Rieker/Ahrens 1)

Zu den Feiertagen habe ich vor meinem Urlaub noch eine Buchbesprechung für Euch. Denn vor kurzem habe ich auch „Der Herzschlag der Toten“ von Ralf H. Dorweiler gelesen. Das Buch ist 2024 im Wilhelm Goldmann Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hamburg 1887. In einem Kontor wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt, die mit zahllosen Messerstichen getötet wurde. Der Fall wird zur Bewährungsprobe für den frisch zum Criminalcommissar beförderten Hermann Rieker. Bei seinen Ermittlungen trifft er auf Johanna Ahrens, Tochter eines Richters, die heimlich arme Frauen im Gängeviertel unterrichtet. Da Johanna in der Toten eine ihrer Schülerinnen erkennt, stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an. Dabei lernt sie einen Totenfotografen kennen, dessen Anatomiekenntnisse eine entscheidende Wendung für den Fall bringen. Doch als ein weiterer Mord die Hafenstadt erschüttert, wird klar: Der Täter kann jeden Moment erneut zuschlagen …

„Der Herzschlag der Toten“ ist der erste Band der Krimireihe um Criminalcommissar (Schreibweise dem Buch entnommen) Rieker und Johanna Ahrens, Tochter eines Richters und Teil der Hamburger High Society. Dabei ist der Roman als historischer Kriminalroman einzuordnen, beschränkt sich hierbei aber nicht rein auf die Krimihandlung, sondern zeigt durchaus gesellschaftskritische und emanzipatorische Züge vor dem Hintergrund des damaligen Ständesystems und Rollenverständnisses.

Die Handlung generell ist jedoch sehr spannend und wartet durchaus mit unerwarteten Wendungen auf, auch wenn unüblich früh ein Täter präsentiert wird. Ein weiterer, kleiner Wermutstropfen ist der doppelte Cliffhanger am Ende – das hätte der Roman hier nicht (vor allem in dieser Vehemenz nicht) benötigt, ein Cliffhanger wäre schon mehr als genug gewesen. Abgesehen davon entwickelt sich das Buch jedoch, gerade in der zweiten Hälfte, zum wahren Pageturner, der einen nicht mehr loslässt.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie und lässt auf eine solide Recherche schließen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Hamburg des endenden 19. Jahrhunderts, ins deutsche Kaiserreich zu Bismarcks Zeiten. Dabei gelingt es Ralf H. Dorweiler, die krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich, Standesdünkel und damalige Gesellschaftsmodelle deutlich zu machen und zu kritisieren, ohne den Fluss der Handlung versiegen zu lassen. Insbesondere der Spagat zwischen einer selbstbestimmten Johanna und ihrem engen gesellschaftlichen Korsett ist hier gut aufgelöst.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Johanna ist hierbei die spannendste Figur, wenn sie auch nicht immer überzeugend handelt, während Rieker und vor allem Anita durchaus in ihrer Komplexität brillieren können. Ralf H. Dorweilers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, legt aber – trotz gelegentlich dialektischer Anwandlungen – sicher einen stärkeren Fokus auf die Lesbarkeit als auf in allen (sprachlichen) Punkten historische Authentizität.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist einfach, aber ordentlich. Das Covermotiv setzt sich gut über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, insgesamt ist der Umschlag aber etwas zu düster und eintönig, um wirklich ein Eyecatcher zu sein. Auch ist das Covermotiv etwas beliebig und daher austauschbar, hier fehlt mir eindeutig der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Der Herzschlag ist der Toten“ ist ein überzeugender Start in die Reihe, der vor allem mit starken Figuren und einem brillanten Setting glänzen kann, dessen hochspannende Handlung auch nur kleinere Schönheitsfehler besitzt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Eine Dame mit Geheimnissen“ (Das Lilienpalais 4)

Vor kurzem habe ich auch „Eine Dame mit Geheimnissen“ von Hannah Conrad gelesen, dem Pseudonym des Autorenquartetts Monika Pfundmeier, Frieda Bergmann, Persephone Haasis und Laila El Omari. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

München, 1827. Seit sieben Jahren arbeitet Nanette als Gouvernante bei den von Seybachs, seit sieben Jahren hütet sie ein düsteres Geheimnis. Als nach und nach ihre Schützlinge Johanna, Maximilian und Isabella – dank ihrer Hilfe – Glück und Liebe finden, sucht Nanette einen neuen Sinn in ihrem Leben. Heimlich beteiligt sie sich an der Veröffentlichung pikanter Fortsetzungsromane des Autors Anonymus, die für viel Empörung bei der biederen Münchner Gesellschaft sorgen und zugleich von einer wachsenden Leserschaft verschlungen werden. Nur der Zeitungsverleger Ferdinand von Rückl macht ihr das Leben schwer. Ständig fordert er sie heraus, die Diskussionen mit ihm sind hitzig. Gleichzeitig übt das Feuer, das Nanette in ihm lodern sieht, eine enorme Anziehungskraft auf sie aus. Ein prickelndes Spiel beginnt …

„Eine Dame mit Geheimnissen“ ist nach „Eine fast perfekt Debütantin“, „Ein Graf auf Abwegen“ und „Wirbel um die Komtess“ der abschließende Band der Reihe um das Lilienpalais und erneut als historische Familiensaga einzuordnen – auch wenn die Protagonistin offiziell kein Mitglied der Familie ist, ist sie doch unumstößlich mit den von Seybachs verbunden. Hierbei irritiert jedoch, dass das Buch nicht zeitlich nach den anderen Bänden spielt, sondern parallel zu den Vorgängern. Da deren Geschehen somit hier auch am Rande erwähnt wird, kann „Eine Dame mit Geheimnissen“ als Standalone gelesen werden, empfehlen würde ich es aber nicht.

Die Handlung ist abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf – leider sind Kernpunkte allerdings auch etwas vorhersehbar und Teile des Endes nicht zwingend logisch. Aufgrund des für die Reihe unüblich großen Zeitraums, den das Buch abdeckt, ist zudem die Handlung nicht so dicht wie in den Vorgängerbänden. Dennoch gelingt es Hannah Conrad natürlich wieder, den Leser zu fesseln, schließlich haben sich die Geheimnisse um Nanette ja bereits in den ersten Bänden aufgebaut, sodass man voller Erwartung den Auflösungen entgegengefiebert hat.

Das Setting ist naturgemäß brillant und aus den Vorgängerbänden bekannt. Mal wieder entführen die Autorinnen den Leser ins München des 19. Jahrhunderts, in eine pulsierende, sich gerade entwickelnde Stadt voller Bälle, Kultur und hoher Politik. Dabei mischt sich die Geschichte um Adel und Standesunterschiede dieses Mal ähnlich wie im Vorgängerband mit dem Thema Frauen in der Kunst – dieses Mal allerdings mit dem Schwerpunkt auf Literatur.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Da dieser Roman die Dauer aller anderen Romane abdeckt, ist das Charakterportfolio relativ groß – viele treten nur ganz am Rande auf. Positiv überrascht bin ich hier von Gustl, einer tollen Nebenrolle, die für Charme und Witz sorgt. Der Schreibstil von Hannah Conrad ist dabei leicht und flüssig zu lesen, zwar nur teils authentisch – aber das wird ja auch im Nachwort erneut angesprochen.

Die Buchgestaltung vermag natürlich erneut zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – unter anderem mit einer tollen Karte von München. Das Cover ist schön anzusehen und fügt sich gut in die Reihe mit tollem Wiedererkennungswert ein – allerdings fehlt erneut etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Eine Dame mit Geheimissen“ ist der gelungene Abschluss der „Lilienpalais“-Reihe, der vor allem durch sein Setting und die Charaktere überzeugt, aber auch kleinere Schwächen hat und somit nicht ganz an die Brillanz der anderen Bände heranreicht. Für Leser des Genres und Liebhaber der Reihe bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Wirbel um die Komtess“ (Das Lilienpalais 3)

Vor kurzem habe ich „Wirbel um die Komtess“ von Hannah Conrad, einem Pseudonym hinter dem sich die Autorinnen Frieda Bergmann, Persephone Haasis, Monika Pfundmeier und Laila El Omari verbergen, gelesen. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Augenscheinlich ist Isabella von Seybach bereit für die kommende Ballsaison. Bereit für atemberaubende Kleider, rauschende Feste und die Suche nach einem Ehemann. Insgeheim schmiedet sie aber ganz andere Pläne: Sie will ihre Leidenschaft für das Theater ausleben! Als Rudolf Heiland, Hofschauspieler und der wohl begehrenswerteste Mann Münchens, Isabella seine verruchte und aufregende Welt zeigt, kann sie nicht widerstehen. Ihr engster Vertrauter Leopold von Löwenstein plant inzwischen seine eigene Zukunft – ohne Isabella. Das weckt Gefühle in ihr, die sie lange vor sich selbst versteckt hat. Isabella muss sich entscheiden. Für was – und vor allem für wen – schlägt ihr Herz wirklich?

„Wirbel um die Komtess“ ist nach „Eine fast perfekte Debütantin“ und „Ein Graf auf Abwegen“ der dritte Band der lose zusammenhängenden Lilienpalais-Reihe des Autorenquartetts. Wie schon beim Vorgänger könnte man das Buch natürlich auch wieder als historischen Roman oder als Historical Romance einordnen – aufgrund der familiären Zusammenhänge zwischen den Bänden habe ich es jedoch bei der Eingruppierung als (historische) Familiensaga belassen, auch wenn diese üblicherweise mehrere Generationen abdeckt, hier jedoch einzelne Protagonisten innerhalb der gleichen Generation verwendet.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend und wartet teils mit unerwarteten Wendungen auf. Hannah Conrad serviert in diesem Band ein Potpourri aus klassischen Familiendramen, historischem Feminismus und queeren Ansätzen – und fast sogar einem Liebesquartett (Love Triangles sind wohl veraltet). Dabei kann der Roman als Standalone gelesen werden, zur besseren Würdigung aller Querverweise würde ich aber auch die Lektüre der ersten Bände empfehlen, da das Buch dann einfach noch besser wirkt – ich selbst bin ja leider erst mit dem zweiten Band eingestiegen.

Das Setting brilliert natürlich auf ganzer Linie – und lebt von den Gegensätzen. Während im letzten Band das klassische Downton-Abbey-Setting mit den gegensätzliche Welten der Herrschaft und Dienerschaft präsentiert wurde, wird hier die High Society mit Debütantenbällen der schillernden, eskapistischen Theaterwelt gegenübergestellt – und es ist somit erneut eine wahnsinnig aufregende, opulente Reise ins München des 19. Jahrhundert; eine Reise, die ich gern erneut antreten würde.

Die einzelnen Protagonisten sind vielschichtig angelegt, haben eigene Ziele und Motive – sind teils aber zu perfekt geraten, mit zu wenig Schwächen, so dass man als Leser nicht nur bei Isabella, die mich in Band zwei bereits begeisterte, sondern auch vor allem bei Julie von Hegenberg als wichtige Nebenfigur ins Schwärmen gerät. Der Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, die weniger strenge historische Authentizität stört hierbei nicht wirklich.

Die Buchgestaltung überzeugt erneut völlig. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und wartet mit kleinen Verzierungen zu Kapitelbeginn auf. Der Buchdeckel ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich, wenn auch etwas nichtssagend und austauschbar – insgesamt sorgt die Gestaltung jedoch für einen gewissen Wiedererkennungswert und passt sich gutin das Gesamtbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Wirbel um die Komtess“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe „Das Lilienpalais“, die vor allem mit einem tollen, teils eskapistischen Setting, einer abwechslungsreichen Handlung und einer tollen Protagonistin punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Axel S. Meyer: „Der Sonne so nah“

Vor kurzem habe ich auch „Der Sonne so nah“ von Axel S. Meyer gelesen. Das Buch ist 2023 bei Kindler, Rowohlt Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de!

Zwei Männer machen sich im 19. Jahrhundert auf, den Himmel zu erobern. Im pommerschen Städtchen Anklam sucht der junge Otto Lilienthal Zuflucht in der Natur. Als er in den Niederungen den Flug der Störche beobachtet, keimt in ihm der Wunsch, selbst einmal wie ein Vogel fliegen zu können. Unterdessen wächst Ferdinand Graf von Zeppelin als Spross einer Adelsfamilie bei Konstanz am Bodensee auf. Schon früh interessiert er sich für Technik und Mechanik, muss sich aber den Wünschen seines Vaters fügen und schlägt zunächst eine Militärkarriere ein. Und doch hält er an seinem großen Traum fest, eines Tages ein mächtiges Luftschiff zu bauen. Zwei Männer, besessen von dem uralten Traum des Fliegens, die in einem Fernduell um die Herrschaft der Lüfte ringen. Von ihren Mitmenschen als Fantasten verspottet, lassen sie sich nicht beirren, auch wenn es zunächst scheint, als würden ihre Kritiker recht behalten …

„Der Sonne so nah“ ist – wie oben angegeben – als historischer Roman einzuordnen (auch wenn Verkaufsportale ihn irritierenderweise auch als „Gegenwartsliteratur“ oder „Coming-of-Age“ führen). Gute Argumente ließen sich jedoch auch für die Eingruppierung als „Romanbiografie“ finden, allerdings bin ich aufgrund der Fixierung auf mehr als einen Protagonisten und der doch starken Nutzung künstlerischer Freiheiten bei der allgemeineren Kategorisierung verblieben.

Die Handlung beschreibt den Lebensweg von Lilienthal und Zeppelin in den Jahren von 1847 bis 1896, also im Wesentlichen den Lebensdaten von Lilienthal (1848 bis 1896), auf anschaulich und durchaus spannende Weise. Durch das frühe Ende wird leider der Handlungsstrang um Zeppelin nicht wirklich abgeschlossen, sondern lediglich im Nachwort aufgearbeitet – hier hätte ich mir noch etwas mehr Ausgewogenheit gewünscht. Auch dauert es durch die nicht stringente Erzählweise etwas, bis man im Buch ist, bis man Verbindungen zu den Protagonisten aufbaut.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor den Leser, wie benannt, in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch die beiden Protagonisten gelingt es, die Unterschiede zwischen arm und reich, die verschiedenen Lebensperspektiven des Adels und der einfachen Leute aufzuzeigen und spürbar zu machen. Dabei wird der Roman in auktorialer Erzählperspektive erzählt, wobei der Erzähler leider teils massiv vorausgreift und unnötigerweise mittels Infodump Fakten zur Geschichte einbaut – hier hätte man näher an den Figuren sein dürfen und – vermutlich – müssen.

Anmerkungen zu den einzelnen Figuren verbieten sich bei so stark dokumentierten Persönlichkeiten eigentlich, auch wenn Axel S. Meyer durch die konsequent-freiheitliche Ausgestaltung jeglicher Lebenslauflücken hier doch für die ein oder andere unerwartete Überraschung sorgte. Teils hätte ich mir allerdings gewünscht, etwas mehr über die anderen Familienangehörigen zu erfahren, die hier doch größtenteils zu Statisten mutiert sind. Der Schreibstil des Autors ist hierbei, sieht man mal von der aus meiner Sicht unglücklichen Erzählperspektive ab, authentisch und zeugt von guter Recherche, ist im Wesentlichen gut und flüssig lesbar, lediglich die dialektischen Passagen unterbrechen doch gelegentlich den Lesefluss.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls überzeugen. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient sich ein Lob für die überzeugende Gestaltung der Kapitelüberschriften mit den jeweiligen Fluggeräten für den derzeit beschriebenen Handlungsstrang. Der Buchumschlag ist dezent aber toll gestaltet inklusive der Klappen, das darunterliegende Buch von außen schlicht, aber mit farbigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Der Sonne so nah“ ist ein historischer Roman über zwei faszinierende Persönlichkeiten, der mit seinem Setting überzeugt, leider aber etwas zu früh endet. Für Leser des Genres und/oder Liebhaber der Fluggeschichte dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Jana Paradigi: „Kitty Carter – Dämonenkuss“ (Kitty Carter 1)

Vor kurzem habe ich „Kitty Carter – Dämonenkuss“ von Jana Paradigi gelesen. Das Buch ist 2022 im Novel Arc Verlag erschienen und als historische Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Literaturtest.

England 1862, das Jahr der Weltausstellung in London. Die 49-jährige Kitty Carter hat in ihrem Leben auf Liebe und Familie verzichtet, um als Frau einem Beruf nachgehen zu können. Sie arbeitet als unscheinbare Bürokraft bei der City of London Police. Ihr Talent für treffgenaue Vorahnungen ist das Einzige, was ihr den öden Alltag versüßt – bis sie das erste Mal stirbt und überraschend von Gott persönlich einen Auftrag erhält. Durch die Chance auf ein zweites Leben beginnt Kitty nachzuholen, was sie im ersten Anlauf verpasst hat. Ihre neu gewonnene Abenteuerlust und ungeahnte Begierden lenken sie bald von der eigentlichen Aufgabe ab: der Jagd nach einem mörderischen Dämon. Während Kitty der immer länger werdenden Spur aus Leichen folgt, geraten die Grundfesten ihres Seins weiter ins Schwanken und sie muss sich fragen: Wie göttlich ist ihre Mission wirklich?

„Kitty Carter – Dämonenkuss“ wird als bunter Genremix beschrieben, als Mischung aus Urban Fantasy und einem viktorianischen Krimi für Fans von Sherlock Holmes, als magisches Steampunk-Abenteuer. Ich sehe hier jedoch weder Steampunk noch einen wirklichen Krimi, sondern vielmehr klassische historische (Urban-) Fantasy, die jetzt wenig mit Sherlock Holmes zu tun hat, aber nichtsdestotrotz trotzdem unterhaltsam ist.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, teils aber auch etwas zähflüssig. Dabei hätte ich mir gewünscht, dass vor Beginn des paranormalen Teils Kittys Karriere bei der Polizei noch etwas stärker beleuchtet worden wäre, denn die Prämisse einer älteren, hellsichtigen und alleinstehenden Frau in der historischen Polizei ist doch sehr ungewöhnlich und interessant, während die Szenen im Jenseits hingegen etwas verwirrend sind, der Weltenbau bzw. das Magiekonzept / der spirituelle Oberbau hier noch weiter erklärungsbedürtig ist – was ggf. ja in möglichen Folgebänden erledigt werden könnte.

Das Setting – im Diesseits – überzeugt im Wesentlichen – wie könnte das viktorianische England auch nicht? Jana Paradigi entführt den Leser ins London des Jahres 1862, in die High Society zwischen Séancen, Kaffeehäusern und der Weltausstellung, die die Stadt zum Pulsieren brachte. Dabei betrachtet man die Welt durch die Augen der 49-jährigen Protagonistin, eine immer noch ungewohnte Perspektive für die viktorianische Zeit.

Kitty Carter kann dabei als Charakter durchaus glänzen. Sie ist im Tod reflektiert, zurückgesandt durchaus untypisch impulsiv, dafür aber auch selbstbestimmt und frei – sehr erfrischend. DIe anderen Personen sind hingegen eher eindimensional angelegt, am ehesten können hier noch Rose und Tessi überzeugen, während Eliza und Ruff, aber insbesondere auch Amari, eher blass verbleiben.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus kleinere Sachen durchgerutscht, die den Lesefluss allerdings nicht wesentlich hemmen, der Buchsatz ist sehr schön und verdient sich allein schon dafür ein Extralob, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen. Das Covermotiv ist wunderschön anzusehen und zieht sich über den kompletten Buchumschlag, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht – lediglich der Bezug zur Handlung könnte noch ausgeprägter sein.

Mein Fazit? „Kitty Carter – Dämonenkuss“ ist ein gelungener Auftakt in eine potentielle Buchreihe, der vor allem durch sein Setting und einige ungewohnte Entscheidungen brilliert, aber auch einige Längen hat und, gerade im Paranormalen, noch Erklärungsbedarf besitzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – bereits ab einem Lesealter von 16 Jahren – und nicht wie vom Verlag empfohlen erst ab 18.

[Buchgedanken] Alex Beer: „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ (Felix Blom 1)

Vor kurzem habe ich „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ gelesen, den ersten Band der neuen Reihe von Alex Beer. Der Roman ist 2022 bei Limes in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Kirminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines unkorrigierten Vorableseexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Berlin, 1878: Der Gauner Felix Blom wird nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Doch in Freiheit ist nichts mehr so, wie es mal war: Sein Hab und Gut gepfändet, seine Verlobte ist mit jemand Neuem liiert. Alle Versuche, an Geld oder Arbeit zu kommen, scheitern. Aber dann hat Blom eine geniale Idee: Warum sich nicht mit der neuen Nachbarin zusammentun? Die ehemalige Prostituierte Mathilde führt eine Privatdetektei, allerdings sind die Aufträge rar, da man ihr als Frau diese Arbeit nicht zutraut. Ihr erster Fall führt die beiden gleich auf die Spur eines mysteriösen Mörders, der seinen Opfern Briefe mit der Botschaft zukommen lässt: „In wenigen Tagen wirst Du eine Leiche sein.“ Als auch Blom eine solche Karte unter seiner Tür durchgeschoben bekommt, wird die Sache persönlich …

„Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ ist ein historischer Kriminalroman, der im Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Reichsgründung spielt und damit beweist, dass preußische Kriminalromane in letzter Zeit immer stärker auf den Buchmarkt drängen. So habe ich ja auch Ralph Knobelsdorfs Bücher über Wilhelm van der Heyden gelesen, die mich ebenfalls ins Polizeigebäude am Molkenmarkt geführt haben – eine tolle Entwicklung, denn die Epoche ist wirklich hochspannend.

Apropos spannend – auch die Handlung des Buches ist hochspannend, abwechsungsreich und kurzweilig und vermag mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung zu überraschen. Dabei ist es interessant, als Ermittler nicht einen Polizisten, sondern einen – mehr oder minder geläuterten – früheren Verbrecher zu begleiten, der zusammen mit einer ehemaligen Prostituierten eine Detektei betreibt – eine skurille, aber auch erfrischende Kombination, die noch viele Entwicklungsmöglichkeiten für die Folgebände lässt, da die beiden zusammen noch nicht annähernd ihr Potential ausgeschöpft haben. Hierbei lässt sich der Roman durchaus – überraschend – auch als Standalone lesen, da die wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst werden – nicht selbstverständlich für den Beginn einer Reihe.

Generell überzeugt das Setting auf ganzer Linie. Alex Beer entführt den Leser in ein Berlin auf dem Weg zur Weltstadt, in ein Preußen kurz nach der Gründung des Kaiserreichs. Industrialisierung, politische Unruhen und Umwälzungen, Standesdünkel und ein perfider Racheplan werden hier von der Autorin zu einem tollen Gemisch verwoben, das im Kopf des Lesers – nicht zuletzt auch dank dem flüssig und leicht zu lesenden Schreibstil der Autorin – sofort Bilder heraufbeschwört und die Geschichte vor dem inneren Auge ablaufen lässt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn Alex Beer einen relativ großen Verschleiß an Figuren in diesem Band hat, da diverse Nebenfiguren versterben. Vor allem überzeugen hierbei Mathilde und Bruno, während ich auch sehr lang ein Fan von Cronenberg war – ein Gefühl, das zuletzt doch merklich abgeflaut ist.

Die Buchgestaltung ist – soweit man das beurteilen kann – solide. Da es sich um ein unkorrigiertes Leseexemplar handelt, sind natürlich noch Fehler enthalten – wenn auch einer der Schnitzer ungewöhnlich groß ist. Gleiches gilt für die Umschlaggestaltung, da dies ebenfalls ja nicht dem regulären Exemplar entspricht. Lediglich zum Covermotiv können daher Aussagen getroffen werden, das immerhin einen Bezug zu Berlin auweist, in Gänze aber etwas unscheinbar daherkommt.

Mein Fazit? „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ ist ein vielversprechender Beginn in eine neue historische Krimireihe, der vor allem durch eine abwechslungsreiche und überraschende Handlung punktet und sogar als Standalone lesbar ist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ralph Knobelsdorf: „Ein Fremder hier zu Lande: Ein neuer Fall für Wilhelm von der Heyden“ (Heyden 2)

Vor kurzem habe ich „Ein Fremder hier zu Lande“ von Ralph Knobelsdorf gelesen, nach „Des Kummers Nacht“ der zweite Band der Reihe um Wilhelm von der Heyden. Der Roman ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erscheinen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

März 1856. An der Königsmauer, der berüchtigten Bordellgasse Berlins, wird die Leiche einer jungen Frau aus gutem Haus gefunden. Auf den ersten Blick ist klar: Sie wurde stranguliert. Der Leichenbeschauer entdeckt jedoch seltsame Kerben am Schienbein, die er bereits bei drei anderen Opfern nachgewiesen hat. Sie alle waren Prostituierte, keiner der Morde wurde aufgeklärt. Haben es der junge Kriminalkommissar Wilhelm von der Heyden und sein Kollege Vorweg mit dem ersten Serienmörder der Stadt zu tun? Der Druck auf sie wächst von Tag zu Tag: Sollte die Presse von den Fällen erfahren, wird Angst die Stadt erfassen …

„Ein Fremder hier zu Land“ setzt die Handlung des Vorgängerbandes nahtlos fort, es empfiehlt sich daher, auch den ersten Teil zu kennen. Dabei bleibt das Stammpersonal unverändert erhalten, neue Charaktere treten eher in Nebenrollen auf, sodass man schnell wieder in der Geschichte ist. Diese wird sowohl aus der Sicht der Protagonisten, als auch aus Sicht des Täters erzählt – Kapitel die jetzt nicht wirklich viel zur Handlung beigetragen haben.

Abgesehen von dieser etwas unnötigen Perspektive ist die Handlung jedoch unglaublich spannend, abwechslungsreich und kurzweilig. Ralph Knobelsdorf verknüpft mehrere Fälle zu einem tollen Gesamtgeflecht und sorgt immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen für Überraschungen – auch was das Privatleben der Protagonisten angeht. Sein Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen.

Auch das Setting vermag – wie schon bereits im ersten Band – auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt der Autor den Leser erneut ins Berlin der 1850er Jahre – einen kurzen Ausflug ins ausländische Leipzig inklusive. Man begleitet die Protagonisten durch eine Zeit des Umbruchs, durch eine gesellschaftlich und politisch hochspannende Phase.

DIe einzelnen Protagonisten entwickeln sich im Verlauf der Handlung – auch über beide Teile hinweg – weiter, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere überzeugen hier neben Wilhelm und Vorweg auch Anna und Agnes. Es würde mich freuen, diese Entwicklung noch über weitere Bände begleiten zu können.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, das Buch ist mit einer hochwertigen Prägung auf dem Cover, farbigen Coverinnenseiten und einem farbigen Buchschnitt versehen. Dem Titelbild fehlt zwar etwas der Bezug zur Handlung, es sieht dennoch gut aus und sorgt insgesamt mit der Buchgestaltung für einen tollen Gesamteindruck der Reihe mit hohem Wiedererkennungswert.

Mein Fazit: „Ein Fremder hier zu Lande“ ist die gelungene Fortsetzung der historischen Krimireihe um Wilhelm von der Heyden, die vor allem durch ein tolles Setting und eine kurzweilige, spannende Handlung brilliert. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.