[Buchgedanken] Irene Vallejo: „Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de „Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“ von Irene Vallejo gelesen. Das Buch ist 2022 im Diogenes Verlag erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 bei Siruela, Madrid, unter dem Titel „El infinito en un junco. La invención de los libros en el mundo antiguo“ veröffentlicht. Das Buch ist dabei als Sachbuch einzuordnen, für die Übersetzung zeichnen Maria Meinel und Luis Ruby verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Das Buch ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheit. Bücher lassen Worte durch Zeit und Raum reisen und sorgen dafür, dass Ideen und Geschichten Generationen überdauern. Irene Vallejo nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch die faszinierende Geschichte des Buches, von den Anfängen der Bibliothek von Alexandria bis zum Untergang des Römischen Reiches. Dabei treffen wir auf rebellische Nonnen, gewiefte Buchhändler, unermüdliche Geschichtenerzählerinnen und andere Menschen, die sich der Welt der Bücher verschrieben haben.

„Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist ein Sachbuch über die Anfänge der Literatur. Dabei ist der Untertitel im Deutschen doch etwas missverständlich, erwartet man doch einen Abriss der Weltgeschichte, während der spanische Originaltitel (in sehr freier Übersetzung) „Die Erfindung der Bücher in der antiken Welt“ hier viel akkurater ist.

Allerdings weicht Irene Vallejo auch von diesem Konzept regelmäßig ab, streut sie doch aktuelle Themen, persönliche Anekdoten und Erinnerungen in einer solchen Bandbreite ein, dass die Darstellung oftmals einen roten Faden vermissen lässt. Diverse Wiederholungen sorgen dabei ebenfalls nicht für die notwendige Straffung und hindern damit etwas den Informationsfluss.

Dabei ist Irene Vallejos episches Werk durchaus informativ, gerade die Anfänge der Bibliotheken, die anfänglich gänzliche Absenz eigener römischer Literatur oder auch die Kritik am geschriebenen Wort von Sokrates – der Autorin gelingt es, neue Fakten interessant aufzuarbeiten und zu vermitteln. Dabei lässt sich Vallejos Schreibstil grundsätzlich gut und flüssig lesen, durch die vielen Sprünge bleibt es aber anstrengend, konzentriert am Ball zu bleiben – und daher lässt sich das Buch nur in kleineren Abschnitten lesen.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Schutzumschlag ist mit dem Covermotiv schön anzusehen und leicht geprägt, allerdings zum Buchrücken von dem Titel und der Coverrückseite mit harten Brüchen vesehen. Das Buch unter dem Umschlag ist naturgemäß schlicht – und insgesamt fehlt der Gestaltung, gerade, aber nicht nur, im Buchsatz, etwas Mut und Innovation.

Mein Fazit? „Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist ein informatives und interessantes Sachbuch, dem leider etwas die Stringenz und der rote Faden fehlt. Für geschichtsinteressierte Buchliebhaber dennoch zu empfehlen – wenn man einen langen Atem hat.

[Buchgedanken] Jana Paradigi: „Purpurstaub Magie“

Vor kurzem habe ich „Purpurstaub Magie“ von Jana Paradigi gelesen. Das Buch ist 2022 im Novel Arc Verlag erschienen und als phantastisches Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Literaturtest.

Kaum hat Serafina Nightingale am Sterbebett ihrer Oma erfahren, dass die Geschichten über das Land der Kobolde, Feen, Wupfel und Spiegelfalter wahr sind, steckt die Elfjährige bereits selbst in einem fantastischen Abenteuer: Sie wird zur Fee und sucht zusammen mit ihrem gefiederten Freund Pampusch nach Königin Tula. Ihr magischer Purpurstaub soll Serafinas Oma retten. Doch Pipinea droht großes Unheil. Tula ist verschwunden und dunkle Mächte streben nach der Herrschaft. Nun ist es an Serafina zu zeigen, was in ihr steckt!

„Purpurstaub Magie“ ist ein phantastisches Jugendbuch für – laut Verlag – Kinder von 10-12, wobei ich hier keine maximale Altersgrenze ansetzen würde, transportiert das Buch doch wichtige Botschaften für alle Altersklassen. Dabei ist „Purpurstaub Magie“ derzeit noch ein Einzelband, bietet aber durchaus noch offene Handlungsstränge und Potentiale für Folgebände bzw. zur Begründung einer Buchreihe um die fabelhafte Welt Pipinea – ähnlich zu Narnia, das ebenfalls von in der „Menschenwelt“ lebenden Personen regiert wird.

Die Handlung ist dabei durchaus spannend, teils aber etwas vorhersehbar, teils auch etwas unlogisch – insgesamt aber in jedem Fall altersgerecht. Allerdings zieht sie sich – gerade am Anfang – etwas und hat einige Längen, während das Ende relativ schnell, unkompliziert und komplikationsarm verläuft. Hier hätte man durchaus – auch für die Zielgruppe – etwas andere Schwerpunkte setzen können.

Das Setting überzeugt dabei im Wesentlichen, Pipinea wird in all seinen Farben und Formen anschaulich beschrieben. Der Weltenbau und das damit verbundene Magiekonzept sind allerdings noch ausbaufähig und werden nur in Ansätzen angerissen – sollte es zu weiteren Bänden kommen, würde ich mich gerade hier über weitere Informationen freuen.

Jana Paradigis Schreibstil ist altersgerecht, authentisch und lässt sich leicht und flüssig lesen. Die im Buch behandelten Themen werden ebenfalls altersgerecht aufgearbeitet und sind als Content Notes im Buchimpressum vorangestellt.

Die Buchgestaltung insgesamt glänzt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz überzeugt generell und verdient sich ein Extralob für den durchgängigen Kapitelstart auf ungeraden Buchseiten, die Illustrationen von Heiko Hentschel runden das Gesamtbild ab. Der Buchumschlag ist einheitlich gestaltet und gibt ein tolles Gesamtbild ab, auf dem sich auch die Illustrationen aus dem Buch wiederfinden – etwas mehr Varianz hätte hier gut getan.

Mein Fazit? „Purpurstaub Magie“ ist ein phantastisches Jugendbuch, das mit einem tollen Setting und einer durchaus spannenden Handlung glänzt, gerade zu Anfang aber auch einige Längen hat und noch Potential im Weltenbau besitzt. Für Leser ab 10 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Die doppelte Eva | Buchpost aus dem Lübbe Verlag

Bevor es am Wochenende wieder Rezensionen gibt, möchte ich Euch heute wieder zwei Neuzugänge des Lübbe Verlags, Bastei Lübbe AG, zeigen, die mich in der letzten Woche erreichten. „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ von Eva Almstädt kam dabei als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury zu mir, „Die Dorfschullehrerin – Was das Schicksal will“ von Eva Völler auf mir unbekanntem Wege – vielen Dank jeweils.

Habt Ihr bereits Bücher gelesen, deren Autorin mit Vornamen „Eva“ heißt?

[Buchgedanken] Ursi Breidenbach / Heike Abidi: „Geschwister sind wie Gummibärchen“

Vor kurzem habe ich „Geschwister sind wie Gummibärchen“ von Ursi Breidenbach und Heike Abidi gelesen. Das Buch ist 2022 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sie zoffen und vertragen sich, sind eifersüchtig aufeinander und nehmen sich gegenseitig auf den Arm, sie leben in ständigem Konkurrenzkampf – doch wenn’s hart auf hart kommt, stehen sie füreinander ein: Geschwister, eine lebenslange Schicksalsgemeinschaft. Und zuweilen fragt man sich: Was sind das nur für seltsame Menschen, mit denen wir Gene und Kindheitserinnerungen teilen? Wären sie unsere Freunde, wenn sie nicht unsere Geschwister wären? Wie konnten wir nur so unterschiedlich geraten – und uns dennoch so ähnlich sein?

„Geschwister sind wie Gummibärchen“ ist ein Buch – wie könnte es anders sein – über Geschwister. Der Untertitel beschreibt zutreffend: „Sie kleben zusammen, manchmal hat man sie über, aber wir lieben sie ein Leben lang“. Dabei wird das Buch vom Verlag teils als erzählendes Sachbuch, teils als Geschenkbuch eingruppiert – der Einfachheit halber habe ich es der generellen Oberkategorie Sachbuch – als Abgrenzung zu allen fiktionalen Genres – zugeordnet.

Dennoch ist „erzählendes Sachbuch“ sicherlich eine korrekte Beschreibung, werden im Buch doch die einzelnen Themenblöcke anhand von Anekdoten und Gesprächsmitschnitten näher beleuchtet. Dadurch verbleibt das Buch eine sehr niederschwellige Lektüre, die einen guten Überblick und Einstieg in die Thematik bietet, da die wissenschaftlichen Passagen im Vergleich zu den Ankdoten vom Umfang her als eher gering anzusehen sind.

Dabei ist vor allem der Humor hervorzuheben. Ursi Breidenbach und Heike Abidi berichten sowohl humorvoll aus ihren eigenen Erfahrungen als auch aus den Gesprächen mit anderen Personen. Trotz der naturgemäß hierbei auch angesprochenen, schweren Themen, gelingt es dabei durch eine abwechslungsreiche und gekonnte Kapitelanordnung, nie die Stimmung zu drückend werden zu lassen.

Aufgelockert wird das Buch weiterhin durch den Einbau und Vergleich von fiktiven Geschwisterpaaren in Film und Literatur sowie berühmten Geschwisterpaaren der Geschichte. Lediglich die Schwerpunktsetzung funktioniert dabei nicht immer – so werden einige interessante Themen viel zu kurz beleuchtet, während die einzelnen Gesprächsschilderungen viel Platz einnehmen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz überzeugt sogar auf ganzer Linie durch die grafisch aufwendige Darstellung und Anordnung der Textblöcke. Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher, auf dem Titel leicht geprägt und mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Lediglich das wunderschöne Covermotiv passt nicht so recht. Während Alpakas immer gehen und den Zeitgeist perfekt treffen, wird mit einem weißen und einem schwarzen Alpaka – zumindest von mir – eine Alpakahochzeit assoziiert.

Mein Fazit? „Geschwister sind wie Gummibärchen“ ist ein amüsantes, erzählendes Sachbuch mit einigen interessanten Informationen, das auch durch seinen tollen Satz und durch eine gekonnte Anordnung der Passagen glänzen kann, dabei aber teils etwas an der Oberfläche verbleibt. Gerade für Einsteiger als Überblick und – natürlich für Geschwister – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Caitlyn Young: „Breaking Through“

Vor einiger Zeit habe ich „Breaking Through“ von Caitlyn Young gelesen. Das Buch ist 2022 im Verlag Elysion Books erschienen und als lesbischer Liebesroman | Girl on Girl Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die sechsundzwanzigjährige Celeste Myers steht am Anfang ihrer Karriere als Journalistin in Chicago. Die Anwaltskanzlei ihrer wohlhabenden Eltern soll eines Tages ihr älterer Bruder Milo, mit dem Celeste seit der Pubertät auf Kriegsfuß steht, übernehmen. Als Celeste einen Artikel zu Überfällen in Stadtwohnungen junger Männer schreiben soll, bei denen stets ein Kussmundabdruck auf dem Badezimmerspiegel hinterlassen wird, lernt sie die einunddreißigjährige, dunkelhäutige Jamila Smith kennen, die aus sehr einfachen Verhältnissen stammt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und tauschen Anekdoten über ihre desillusionierenden Männergeschichten aus. Die Freundschaft der ungleichen Frauen gewinnt immer mehr an Tiefe und unerwarteter Intimität. Als Celestes Bruder Milo den Verdacht äußert, dass Jamila in die Überfälle verwickeln sein könnte, ist Celeste empört und muss sich für eine Seite entscheiden.

„Breaking Through“ ist bereits schwierig einem Genre zuzuordnen. Auch wenn klar ist, dass Protagonistin und Love-Interest weiblich sind, wir also einen „queeren“ Roman haben, bleibt die genaue Einordnung schwierig. So sind Celeste und – insbesondere – Jamila leicht zu alt für eine New-Adult-Romance, auch kommen Thrillerelemente vor. Der Einfachheit halber habe ich es daher mal bei einem lesbischen Liebesroman gelassen.

Denn die Handlung mischt zwar – teils durchaus gekonnt – zwischen Thriller und Romance, da der Thrillerhandlungsstrang leider jedoch bei der Auflösung gänzlich vernachlässigt wird, zeigt sich der wahre Schwerpunkt spätestens hier. Abgesehen davon ist die Handlung durchaus abwechslungsreich, gerade zu Beginn kommt sie aber etwas schwer ins Rollen.

Dies liegt auch daran, dass die Geschichte aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt wird – eine absolut ungewöhnliche Kombination, an die ich mich auch die ganze Zeit nicht so recht gewöhnen konnte. Eine Ich-Perspektive außerhalb der Love-Interests – darauf hätte man verzichten können, auch wenn Milo sicherlich der spannendste der drei Protagonisten ist, der auch die größte Wandlung durchlebt.

Milo brilliert hier mit seinen Zweifeln und Unsicherheiten, mit seiner Liebe zu Freunden und Familie, mit seiner Entwicklung insgesamt, während Celeste und Jamila etwas blass bleiben. Auch Setting und Schreibstil überzeugen – letzterer lässt sich gut und flüssig lesen.

Die Buchgestaltung ist … allerhöchstens noch als durchwachsen anzusehen. Der Buchsatz ist hier noch am Überzeugendsten – wenn auch nicht fehlerfrei -, während Lektorat und Korrektorat teils gravierende Fehler durchgerutscht sind wie Namensverwechslungen – das darf in einem fertigen Produkt nicht in dieser Häufigkeit geschehen. Das Covermotiv ist – noch – in Ordnung und setzt sich immerhin in der Kapitelgestaltung fort, der Buchumschlag darüber hinaus ist genreuntypisch puristisch und einfallslos – insbesondere im Vergleich zum Preis ist hier ein deutliches Missverhältnis zu sehen.

Mein Fazit? „Breaking Through“ ist ein lesbischer Liebesroman, der durch eine abwechslungsreiche Handlung punkten kann, aber auch Teile der Handlung in der Auflösung gänzlich ignoriert und eklatante Schwächen in der Buchgestaltung besitzt. Für Liebhaber queerer Romane mit weiblichen Protagonisten, die darüber hinwegsehen können, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 17 Jahren.

[Buchgedanken] Mascha Vassena: „Mord in Montagnola“ (Tessin 1)

Vor kurzem habe ich „Mord in Montagnola“ von Mascha Vassena gelesen. Das Buch ist 2022 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kaum kehrt Moira, Übersetzerin und frisch getrennt, nach Jahren in das Tessiner Dörfchen Montagnola zurück, wird ein Toter in einer Nevèra, einem der dort typischen historischen Eiskeller, gefunden. An den polizeilichen Ermittlungen beteiligt ist auch Moiras Jugendliebe Luca Cavadini, inzwischen leitender Rechtsmediziner des Kantons, der sie bald als Dolmetscherin um Hilfe bittet. Die Befragungen in der Dorfgemeinschaft gestalten sich schwierig, doch bald wird klar, dass es im beschaulichen Tessin nicht gar so friedlich zugeht, wie es zunächst den Anschein hat.

„Mord in Montagnola“ ist ein in Tessin handelnder Regionalkrimi mit viel Lokalkolorit, der an der Grenze zu Cosy-Crime balanciert, erfüllt er doch einige der gängigen Genremerkmale wie eine fachfremde Ermittlerin. Insgesamt ist er aber, zumindest für meinen Geschmack, nicht cosy genug, sondern teils rasant, teils doch gewaltsam, sodass ich bei der Einstufung als (klassischer) Regionalkrimi verblieben bin.

Die Handlung ist dabei kurzweilig, abwechslungsreich und mit einigen, unerwarteten Wendungen versehen, die zum Ende hin allerdings teils auch etwas abstrus werden. Dabei bleibt die Liebesgeschichte erfrischend im Hintergrund und lässt den Fokus auf der Lösung des Falles, der gänzlich abgeschlossen wird, sodass das Buch auch als Standalone lesbar ist. Andererseits bleiben jedoch auch genügend weitere Ansatzpunkte, um die Figuren weiterzuentwickeln und eine mögliche Reihe – was ich sehr befürworten würde – zu begründen.

Das Setting ist naturgemäß traumhaft, entführt es den Leser doch in die italienischsprachige Schweiz, nach Lugarno und nach Montagnola, ein kleines Dörfchen in der malerischen Alpenregion. Zwischen Osteria und Nevèra, zwischen Strandpromenade und bergigen Serpentinen lernt der Leser die Region kennen und lieben, insbesondere auch durch Moiras Vater, einen der absoluten Sympathieträger des Romans.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben dem oben bereits erwähnten Ambrogio überzeugen hier vor allem Chiara und – in einer kleinen Nebenrolle – Luna (von der ich gern in einem nächsten Band mehr lesen würde), während Luca etwas blass bleibt.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen, aber nicht näher gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv schön anzusehen, allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Mord in Montagnola“ ist ein gelungener, erfrischender Regionalkrimi mit tollem Setting und einer kurzweiligen, spannenden Handlung, die lediglich zum Ende hin etwas abfällt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Markus Grundtner: „Die Dringlichkeit der Dinge“

Vor kurzem habe ich „Die Dringlichkeit der Dinge“ von Markus Grundtner gelesen Das Buch ist 2022 im Verlag edition keiper veröffentlicht worden und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars und an den Autor für die Rezensionsanfrage.

Mathias steht am Beginn seines Berufslebens, hatte gerade ein Bewerbungsgespräch in einer Wiener Kanzlei. Klaudia steht an einem Wendepunkt: Eigentlich Lehrerin für Italienisch und Latein, wollte sie in Wien als Literaturvermittlerin arbeiten und eine Familie gründen. Bisher hat nichts davon geklappt. Sie, Liebhaberin des Lebens, und er, Getreuer der Gesetze, merken schnell, dass Romantik und Recht sich schwer vertragen, hoffen aber während ihres turbulenten Bemühens umeinander, dass sie als Paar die Ausnahme sind, welche die Regel bestätigt.

„Die Dringlichkeit der Dinge“ lässt sich bereits schwer in ein Genre einordnen. Zwar ist Mathias Anwalt und seine Karriere spielt eine zentrale Rolle für die Handlung, zum Anwalts- bzw. Justizroman fehlt jedoch ein zentraler, die Geschichte beherrschender Fall. Teils wird das Buch auch als Gegenwartsliteratur klassifiziert, aufgrund der zentralen, prägnanten Liebesgeschichte würde ich es jedoch vielmehr als Liebesroman einordnen.

Die Handlung ist unterhaltsam, teils aber auch vorhersehbar. Markus Grundtner nimmt den Leser mit in eine Welt zwischen Gesetzen und Gefühlen, zwischen Familie und Karriere, zwischen Österreich und Italien. Dabei konzentriert sich die Handlung ausschließlich auf die beiden Protagonisten, andere Charaktere sind – ungewöhnlich – vollkommen vernachlässig- und austauschbar, spielen keine Rolle.

Das Setting – Wien und Triest – ist bezaubernd, hätte durchaus aber noch stärker beschrieben werden können. Da das Buch aus Sicht von Mathias in der Ich-Perspektive erzählt wird, ist die doch etwas nüchterne Art zwar folgerichtig, als Leser hätte ich mir aber den ein oder anderen Farbton mehr gewünscht.

Der Schreibstil des Autors lässt sich größtenteils leicht und flüssig lesen, auch wenn das eingestreute juristische Vokabular für deutsche Leser – selbst für rechtskundige – aufgrund der doch vorhandenen Unterschiede teils ungewohnt klingt – genau wie die sonst eingestreuten, im österreichischen Sprachgebrauch sicherlich üblichen Begriffe, die hier eher wenig Verwendung finden oder unbekannt sind.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, insbesondere die Überschreibung der Kapitel mit inhaltsbeschreibenden Paragraphen ist gelungen. Lediglich der Buchumschlag, also Cover, Buchrücken und Coverrückseite, vermag nicht zu überzeugen, ist eintönig, unauffällig und mutlos, auch wenn das vermengte Symbol aus Herz und Paragraphenzeichen eine nette Idee ist.

Mein Fazit: „Die Dringlichkeit der Dinge“ ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Liebesroman, der durch sein tolles Setting punktet, einen deutschen Leser aber auch über den ein oder anderen unbekannten österreichischen Ausdruck stolpern lässt. Für Leser des Genres – und nicht nur für Juristen – bedenkenlos zu empfehlen, der Glücksvertrag zwischen Autor und Leser muss also nicht widerrufen werden.

Von Morden und Magie | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare – vielen Dank allen Beteiligten. „Purpurstaub Magie“ von Jana Paradigi (Novel Arc Verlag, vermittelt über die Agentur Literaturtest) und „Der Würger von der Cater Street“ von Anne Perry (Adrian Verlag, vermittelt über die Agentur Buchcontact), Teil eins der Thomas & Charlotte Pitt-Reihe, entführen den Leser in die magische Welt Pipinea und ins viktorianische London. Ich freue mich schon darauf, in die beiden Welten einzutauchen.

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Yvonne Struck: „Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“

Vor einiger Zeit habe ich „Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“ von Yvonne Struck gelesen. Das Buch ist 2022 im Boje Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Jugendbuch einzuordnen, die Illustrationen stammen von Carolin Dendorfer. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.

Mit vierzehn noch ungeküsst? Höchste Zeit, das zu ändern, findet Lena! Und die Klassenfahrt ist DIE Gelegenheit dafür. Das Problem: Um bei ihrem Schwarm Justin eine Chance zu haben, muss Lena eindeutig cooler werden. Also schreibt sie zusammen mit ihrer Freundin Amira eine Liste, die ihr dabei helfen soll. Doch auf einem matschigen Waldausflug und beim peinlichen Karaokeabend cool zu wirken, ist alles andere als einfach! Vor allem, wenn auch noch das Geläster der Klassenzicken und die dummen Sprüche von Justins Kumpels dazukommen. Aber Lena gibt nicht auf, denn ein Kuss von Justin ist den ganzen Aufwand auf jeden Fall wert … Oder? Denn plötzlich fängt Lenas Bauch bei jemand ganz anderem leise an zu kribbeln …

„Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“ ist ein Jugendbuch ab 12, dessen Handlung sich über eine erzählte Zeit von knapp fünf Tagen erstreckt, und das den Leser mit auf eine Klassenfahrt in eine abgelegene Jugendherberge, inklusive Kaninchenstall und Volleyballplatz, nimmt.

Die Handlung ist dabei größtenteils vorhersehbar, dennoch aber unterhaltsam und abwechslungsreich. Der Fokus wird – richtigerweise – auf die verworrenen und ständig wechselnden Beziehungen der Jugendlichen zueinander gelegt, die Rahmenhandlung bietet dafür lediglich eine Kulisse, ist daher vernachlässigbar.

Handlung und Sprache sind dabei altersgerecht, Yvonne Strucks Schreibstil ist authentisch und lässt sich leicht und flüssig lesen. Thematisiert werden jugendgerechte Problemkreise wie die erste Liebe, Cliquenbildung/Gruppenzwang und der Umgang mit Diversität. Auch das Thema Cybermobbing mit Nacktbildern wird angesprochen und ist richtig und wichtig, nimmt aber einen zu großen Raum ein.

Die einzelnen Charaktere sind dabei – auch bedingt durch das relativ kurze Buch – eher einseitig angelegt, gerade Lena und Justin bleiben etwas blass und handeln teils unlogisch, während Nebencharaktere wie Nadja und ja, auch Fabienne, unerwartet glänzen können, sich gerade in Person von Fabienne durchaus ambivalent zeigen und das schwarz-weiß-Schema durchbrechen.

Die Buchgestaltung ist gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, die Illustrationen von Carolin Dendorfer überzeugen auf ganzer Linie und lockern den Text auf. Der Buchumschlag kann hierbei jedoch nicht mithalten. Zwar ist die dahinterliegende Idee durchaus ansprechend, in der Umsetzung aber nicht gelungen, werden die abgeschnittenen Gesichter doch in der Innenseite des Umschlags verwirrenderweise fortgesetzt.

Mein Fazit: „Ich, die Jungs und die Sache mit dem Coolsein“ ist ein im Wesentlichen gelungenes Jugendbuch, das altersgerecht und abwechslungsreich durchaus wichtige Themen anspricht, dabei teils aber den Schwerpunkt verliert und – gerade in den Protagonisten – etwas blass bleibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Louis Bayard: „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“

In der letzten Zeit habe ich „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ von Louis Bayard gelesen. Das Buch ist 2022 bei insel taschenbuch, Insel Verlag Anton Kippenberg GmbH & Co. KG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2006 unter dem Titel „The Pale Blue Eye“ bei William Morrow Paperbacks, einem Imprint von HarperCollins Publishers, LLC. veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Kriminalroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Peter Knecht verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars auf der diesjährigen Buchmesse Popup in Leipzig.

1830: An der angesehenen West Point Academy wird ein junger Kadett tot aufgefunden – er wurde erhängt und sein Herz herausgeschnitten. Keinesfalls darf die Öffentlichkeit von dem grauenhaften Verbrechen erfahren, so beauftragt man Augustus Landor, einen ehemaligen New Yorker Polizeidetektiv, mit den Ermittlungen. Schon bald folgen weitere brutale Morde, und der Fall wird immer rätselhafter. Doch Landor erhält unerwartet Hilfe – von einem jungen Kadetten mit dunkler Vergangenheit, Hang zum Trinken und poetischen Ader: Edgar Allan Poe …

„Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ ist ein historischer Kriminalroman, der den Leser in das Amerika des 19. Jahrhunderts versetzt, und der – mit Ausnahme des sechsmonatigen Zeitraums des letzten Kapitels und Prologs – insgesamt nur eine erzählte Zeit von zwei Monaten besitzt, deren Handlung sich kammerspielgleich auch räumlich begrenzt mit einem sehr engen Personenkreis abspielt.

Die Handlung insgesamt ist spannend und abwechslungsreich, wird in Berichtsform aus der Sicht von Gus Landor erzählt. Eingestreut sind zudem schriftlich abgefasste Berichte von Poe. Dem Autor gelingt es ferner, mit unerwarteten Wendungen den Leser gelegentlich aufs Glatteis zu führen, auch wenn Teile natürlich gleichsam vorhersehbar sind.

Das Setting hingegen vermag auf ganzer Linie zu überzeugen, entführt es den Leser doch an die geheimnisvolle und prestigeträchtige West Point Militärakademie, an die militärische Kaderschmiede einer noch jungen Nation. So ist „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ auch ein Buch der Gegensätze zwischen Dorfkneipe und Galadinner beim Gouverneur, zwischen Plebe und Kadetten der High Society, zwischen militärischer Disziplin und Okkultismus.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Thayer, Hitchcock und Artemus, während Poe etwas blass verbleibt. Louis Bayards Schreibstil lässt sich darüber hinaus flüssig und leicht lesen, das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf Cover und Coverrückseite hochwertig geprägt und wartet mit Klappen auf. Das Covermotiv lässt hingegen etwas den Bezug zur Handlung vermissen und ist zwar schön aber unscheinbar, und wird auch am Übergang zum Buchrücken unterbrochen. Auch hätten die farbigen Coverinnenseiten noch gestaltet und, z.B., mit einer Karte des Handlungsortes versehen werden können.

Mein Fazit? „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ ist ein historischer Kriminalroman, der vor allem durch sein brillantes Setting und einige unerwartete Wendungen überzeugt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.