[Buchgedanken] Irene Vallejo: „Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de „Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“ von Irene Vallejo gelesen. Das Buch ist 2022 im Diogenes Verlag erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 bei Siruela, Madrid, unter dem Titel „El infinito en un junco. La invención de los libros en el mundo antiguo“ veröffentlicht. Das Buch ist dabei als Sachbuch einzuordnen, für die Übersetzung zeichnen Maria Meinel und Luis Ruby verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Das Buch ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheit. Bücher lassen Worte durch Zeit und Raum reisen und sorgen dafür, dass Ideen und Geschichten Generationen überdauern. Irene Vallejo nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch die faszinierende Geschichte des Buches, von den Anfängen der Bibliothek von Alexandria bis zum Untergang des Römischen Reiches. Dabei treffen wir auf rebellische Nonnen, gewiefte Buchhändler, unermüdliche Geschichtenerzählerinnen und andere Menschen, die sich der Welt der Bücher verschrieben haben.

„Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist ein Sachbuch über die Anfänge der Literatur. Dabei ist der Untertitel im Deutschen doch etwas missverständlich, erwartet man doch einen Abriss der Weltgeschichte, während der spanische Originaltitel (in sehr freier Übersetzung) „Die Erfindung der Bücher in der antiken Welt“ hier viel akkurater ist.

Allerdings weicht Irene Vallejo auch von diesem Konzept regelmäßig ab, streut sie doch aktuelle Themen, persönliche Anekdoten und Erinnerungen in einer solchen Bandbreite ein, dass die Darstellung oftmals einen roten Faden vermissen lässt. Diverse Wiederholungen sorgen dabei ebenfalls nicht für die notwendige Straffung und hindern damit etwas den Informationsfluss.

Dabei ist Irene Vallejos episches Werk durchaus informativ, gerade die Anfänge der Bibliotheken, die anfänglich gänzliche Absenz eigener römischer Literatur oder auch die Kritik am geschriebenen Wort von Sokrates – der Autorin gelingt es, neue Fakten interessant aufzuarbeiten und zu vermitteln. Dabei lässt sich Vallejos Schreibstil grundsätzlich gut und flüssig lesen, durch die vielen Sprünge bleibt es aber anstrengend, konzentriert am Ball zu bleiben – und daher lässt sich das Buch nur in kleineren Abschnitten lesen.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Schutzumschlag ist mit dem Covermotiv schön anzusehen und leicht geprägt, allerdings zum Buchrücken von dem Titel und der Coverrückseite mit harten Brüchen vesehen. Das Buch unter dem Umschlag ist naturgemäß schlicht – und insgesamt fehlt der Gestaltung, gerade, aber nicht nur, im Buchsatz, etwas Mut und Innovation.

Mein Fazit? „Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist ein informatives und interessantes Sachbuch, dem leider etwas die Stringenz und der rote Faden fehlt. Für geschichtsinteressierte Buchliebhaber dennoch zu empfehlen – wenn man einen langen Atem hat.

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