[Buchgedanken] Ellie Mattes: „Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ (Milan 1)

Vor kurzem habe ich „Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ von Ellie Mattes gelesen. Das Buch ist 2022 bei Schneiderbuch in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und dem Genre Jugendbuch zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eine alte Legende der Huzulen erzählt vom Pferd mit den drei Herzen: Freundlich, schlau und mächtig leitet es seine Herde auch durch die wildesten Berglandschaften. Das klingt nach grenzenloser Freiheit und Abenteuer. Doch als die 12-jährige Mia genau so ein Wildpferd als Pflegepferd bekommt, entpuppt es sich als alles andere als das Traumpferd, das sie sich erhofft hat. Während ihre Freundinnen im Reitunterricht glänzen, muss Mia sich mit dem widerspenstigen Milan herumärgern, der so gar nichts von Dressur hält. Bei Ausritten allerdings ist Milan wie ausgewechselt, im Wald werden die beiden zum echten Team. Und langsam beginnt Mia zu verstehen, was Freiheit und Abenteuer für Milan wirklich bedeuten …

„Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ ist ein Jugendbuch für Leser ab 10 Jahren – und könnte eine Reihe an Pferderomanen begründen, auch wenn weitere Bände zumindest meines Wissens noch nicht angekündigt sind. Dabei wird das Buch sowohl aus Milans (Ich-Erzähler) als auch aus Mias Sicht (personaler Erzähler) erzählt. Auch die Erzählzeiten wechseln, während Mias Perspektive im Präteritum erzählt wird, wird Milans Sicht im Präsens dargestellt.

Damit sind wir auch schon beim größten Problem des Buches aus meiner Sicht: Milans Perspektive trägt wenig zur Handlung bei, ist zudem unlogisch und vermenschlicht. Glücklicherweise halten sich die Kapitel aus seiner Sicht in Grenzen, man hätte hier aber gut darauf verzichten können und stattdessen Mia eine Ich-Perspektive gönnen können, die es dem Leser ermöglicht hätte, sich noch stärker mit der Protagonistin zu identifizieren.

Denn die Handlung ist vom Grundsatz her interessant und altersgerecht, letzteres trifft auch auf den flüssig zu lesenden Schreibstil von Ellie Mattes zu. Lediglich den der Handlung vorangestellten Infodump hätte man sich sparen können (und müssen), werden die relevanten Informationen zu den Huzulen doch auch noch einmal im Verlauf der Handlung erklärt.

Neben dem dominanten Thema – es handelt sich ja schließlich um ein Pferdebuch – behandelt der Roman dabei auch weitere Themen in kindgerechter Weise, wie zum Beispiel Freundschaft, Neid, Krankheit und Abschied, ohne diese jedoch zu dominant werden zu lassen. Dadurch verbleibt das Buch zwar eher auf der seichten Seite, ist aber eine gelungene Feel-Good-Lektüre für Kinder und Pferdefreunde zwischendurch.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, dem Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht gravierend hemmen. Der Buchsatz ist wunderschön, das Covermotiv einnehmend. Zudem zieht sich das Titelmotiv über den gesamten Buchumschlag und sorgt so für ein tolles Gesamtbild, lediglich die Verzierungen am Schriftzug „Milan“ auf dem Titel hätte man sich für etwas mehr Klarheit und Struktur sparen können.

Mein Fazit: „Milan – Das Geheimnis der Wildpferde“ ist ein gelungener Pferderoman, der die Zielgruppe zufriedenstellen wird und mit einer tollen Handlung punktet, bei der Perspektivenauswahl aber auch erhebliche Schwächen besitzt. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 10 Jahren.

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