[Buchgedanken] Mikaela Sandberg: „Schweig still“

In den letzten Tagen habe ich mich erneut mal wieder einem Genre gewidmet, das ich nur selten lese, und den Schweden-Krimi „Schweig still“ von Mikaela Sandberg verschlungen. Der Roman ist das Krimidebüt der Autorin, das diese unter Pseudonym 2016 beim digitalen Imprint „Midnight by Ullstein“ veröffentlicht hat. Das e-Book wurde mir als Rezensionsexemplar von der Autorin zur Verfügung gestellt.510jhf360bl

Der Roman beschreibt die Geschichte der 14-jährigen Nelli Larsson, die eines Tages verwirrt, angetrunken und völlig aufgelöst auf der Ystader Polizeiwache erscheint und ihre Mutter, eine bekannte Ballettlehrerin, als vermisst meldet. Bei der Durchsuchung des Hauses findet die Polizei nicht nur eine riesige Blutlache, sondern auch Spuren, die den Fall mit früheren Vorkommnissen in Malmö verknüpfen. Als die mit der Sache beauftragte Kommissarin Hannah Lundqvist dann am Tatort auch noch das Handy ihres Partners Gunnar Nyberg findet und Nelli ebenfalls von der Bildfläche verschwindet, gerät der Fall immer mehr aus den Fugen.

„Schweig still“ hat alles, was ein guter Krimi braucht. Die Handlung ist spannend, dynamisch und zieht immer weitere, eskalierende Kreise. Das Ermittlerduo Hannah Lundqvist und Gunnar Nyberg ist sympathisch, doch es fliegen ab un an auch die Fetzen zwischen den Beiden. Und zu guter Letzt ist auch Nelli, als Mittelpunkt der Geschichte glaubhaft und überzeugend dargestellt. Auch das Setting innerhalb einer schwedischen Kleinstadt und die verschiedenen gesellschaftlichen Elemente sind gut ausgeführt worden. Über die Rahmenhandlung der Ballettkarriere von Stine Larsson, sowie über Neid, Missgunst und schwierige Eltern-Kind-Beziehungen im Ballett-Gewerbe braucht man nichts zu sagen – hier spielt die Autorin vollends ihre Stärken aus, hat sie doch unter einem anderen Pseudonym bereits mehrere erfolgreiche Ballettromanreihen veröffentlicht.

Die Erzählung wechselt kapitelweise von der Ich-Perspektive aus der Sicht Nellis hin zu personalen Erzählperspektiven aus der Sicht jeweils anderer Personen. So bekommt man nicht nur einen tieferen und konsequenten Einblick in die Motive und Handlungen von Nelli, sondern kann sich auch  mit den anderen Protagonisten identizifieren. Worauf ich in diesem Zusammenhang jedoch hätte verzichten können, ist die (allerdings nur selten eingestreute) zweite Ich-Perspektive von Stine Larsson, Nellis Mutter.

Das Cover ist gut gelungen – mir fehlt jedoch leicht der Bezug zur Geschichte. Das Lektorat hat ebenfalls gut gearbeitet, dem Korrektorat sind (allerdings nur sehr wenige) kleine Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht stören.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich flüssig lesen, gerade die Passagen aus Nellis Sicht sind sehr authentisch und erfrischend, da die Autorin die Sprache der 14-jährigen nicht glattbügelt. Zudem merkt man dem Buch eine grundsolide Recherche an, was heutzutage leider nicht immer selbstverständlich ist. Die Länge des Romans ist angenehm, die Handlung dadurch kurzweilig und abwechslungsreich. Der Autorin gelingt es auch, durch gut eingesetzte Plottwists die Handlung nicht zu vorhersehbar werden zu lassen und die Leser immer wieder aufs Neue zu überraschen.

Mein Fazit? „Schweig still“ ist ein grundsolider Schweden-Krimi, der vor allem mit Authentizität und tollen Charakteren punktet. Mit dem Ermittlerduo Lundqvist/Nyberg hat die Autorin den Grundstein gelegt für viele weitere, spannende Fälle der Ystader Polizei. Für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

6 Gedanken zu “[Buchgedanken] Mikaela Sandberg: „Schweig still“

    1. Im Germanischen Museum waren wir nicht! Da wir aber als Gruppe unterwegs waren, haben wir doch viele touristische Standardziele abgeklappert. Wir waren im Justizpalast, in den Kirchen, im Dürer-Haus, im Fembo-Haus, im Bahnmuseum, haben eine Stadionführung gemacht, viele kulinarische Spezialitäten probiert^^. Wir waren natürlich auch auf der Burg usw. – ich habe bestimmt den größten Teil bereits wieder vergessen^^.

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    1. 🙂 – mir gefällt es auch – aber der Bezug zur Geschichte fehlt in gewissem Maße (oder ich sehe ihn nicht direkt^^). Meine Erfahrungen mit Schweden-Krimis beschränken sich auf einige Hakan-Nesser-Romane in meiner Jugendzeit und auf einen Mankell (allerdings keinen Wallander) – daher kann ich nicht so genau sagen, ob das der Norm entspricht. Aber er ist, abgesehen von einigen Szenen, nicht allzu düster 🙂

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