[Buchgedanken] Isabella Benz: „Das Vermächtnis der Hüter“

Ein weiterer Blogvorsatz fürs neue Jahr war, ab und an auch Bücher, die ich gelesen habe, hier näher vorzustellen. Da dies keine „offiziellen Rezensionen“ sind (in einigen Fällen – wie auch bei diesem Werk – werde ich allerdings separat das Buch auf Lovelybooks und/oder Amazon bewerten), werde ich hier im Blog keine Punktwertung vornehmen, sondern einfach meine Gedanken zum Buch – nicht nur aus Sicht eines Lesers, sondern auch aus Sicht eines Autors sammeln.

Den Anfang machen möchte ich mit dem neuesten Fantasyroman von Isabella Benz: „Das Vermächtnis der Hüter 1 – Die Schwelle“, erschienen im Weltenschmiede Verlag. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten habe ich dieses Buch sogar als e-Book gelesen, da Vermächtnis_der_hüter1ich es in einer Verlosung gewonnen habe. Vom Genre her würde ich das Buch als Young-Adult High-Fantasy einordnen (lasse mich aber gerne von kompetenten Personen eines besseren belehren ;)).

Der Roman handelt von der Geschichte des jungen Hüters der Toten, Dareios Salas, der sich, auf der Suche nach einer Mutter für seinen zukünftigen Erben, in die strenggläubige, hübsche und schlaue Magiestudentin Carolina Jara verliebt, was (wie sollte es auch anders sein) natürlich in einer Katastrophe endet, als er diese mit in die Zwischenwelt „Haphtir“ nimmt.

Der Autorin gelingt es dabei, die einzelnen Charaktere (überzeugt haben auch die Nebenfiguren, z. B. Jannika und Noelia) plastisch und vielschichtig darzustellen – ein jeder kann sich sicherlich mit mindestens einem der Charaktere identifizieren. So hat auch bei mir ein im Rahmen der Verlosung durchgeführter Charaktertest nicht gelogen, der mir eine charakterliche Übereinstimmung mit Carolina Jara prognostizierte. Ich konnte ihre Angst, ihren Schmerz, ihre Verzweiflung regelrecht spüren. Hingegen empfand ich Dareios in einer gewissen Situation zu naiv, überspitzt blauäugig – etwas, wo ich auch „vor Liebe blind“ als Argumentation nicht mehr gelten lassen würde. Diese eine Szene kann allerdings das positive Gesamtbild keinesfalls schmälern.

Auch der Weltenbau überzeugt – auch wenn in aller Kürze des Textes die komplexe politische Struktur, die Kriege, Konflikte und verschiedenen Entwicklungsstadien der einzelnen Regionen Cascavels nicht gänzlich ausgearbeitet werden. Hier bleibt viel Raum für die weiteren Teile. Dies spielt jedoch im vorliegenden Band ohnehin kaum eine Rolle für die Geschichte, da diese zum großen Teil nicht in der wirklichen Welt, sondern in der Zwischenwelt „Haphtir“ spielt, die das Diesseits vom Jenseits trennt – und zu viele Informationen zum Diesseits das Buch nicht nur überladen hätten, sondern auch Probleme mit der Schwerpunktsetzung bereitet hätten.

Dies führt auch zum einzigen kleinen Problem, das ich mit dem Buch hatte (als Leser), das allerdings als Autor von Isabella Benz komplett fachrichtig gelöst ist. Mit dem relativ plötzlichen Einstieg und dem lediglich kurzen Prolog, wird man in kurzer Abfolge von der neuen Welt überrannt – Mittelcascavel, Südcascavel, Haphtir, Sertok, Hiera, Skotos, Beltis – quasi ins kalte Wasser geworfen. Während Tolkien in einer endlosen Vorgeschichte die Entstehungsgeschichte seiner Welt und der Figuren darin vorstellt (was man NUR ihm durchgehen lässt), werden hier die Erklärungen oftmals mit der Geschichte mitgeliefert. Dies führt auf den ersten paar Seiten ab und an zu leichten Verwirrungen, wenn ungeläufige Fremdwörter auftauchen, oder man in wenig Text mit zu vielen Neuigkeiten auf einmal konfrontiert wird. Aber spätestens nach einigen Seiten hat die Geschichte um Dareios auch die letzten Zweifler überzeugt und animiert zum Weiterlesen.

Mein Fazit? Mit „Das Vermächtnis der Hüter 1 – Die Schwelle“ gelingt Isabella Benz ein überzeugender High-Fantasy-Roman, der zwar ganz am Anfang etwas Aufmerksamkeit fordert, aber aufgrund der ausgereiften Charaktere mit dem Verlauf der Handlung jeden in seinen Bann zieht. Zudem bietet er aufgrund der nicht-abgeschlossenen Geschichte, sowie der interessant gestalteten Welt viel Platz für weitere Teile dieser Buchreihe oder sogar gänzlich weitere Serien. Ich jedenfalls würde mich freuen, mit der Autorin und ihren Charakteren ein weiteres Mal in die Geschichte von Cascavel einzutauchen – ob im Diesseits, der Zwischenwelt oder dem Jenseits.

Vielleicht noch kurz – vom Inhalt abgesehen – zum Buch an sich:

Das Cover ist wirklich sehr ansprechend gestaltet, es baut eine schöne Brücke zum Inhalt und überzeugt restlos. Auch der Satz des e-Books ist gut gestaltet, die Einteilung in Kapitel sinnvoll – mit jeweils einer gut lesbaren Länge. Zwar haben sich einige, kleinere Fehler durch das Endkorrektorat geschummelt, der Lesefluss wird durch sie jedoch nicht gestört. In der mir vorliegenden Form fehlt allerdings die Autorenbiographie – unter der Überschrift „Die Autorin“ wird lediglich eine weiße Doppelseite angezeigt. Die leichten Schwächen in der Bucherstellung werden jedoch mühelos von der bestechenden Geschichte kompensiert, sodass ich „Das Vermächtnis der Hüter 1- Die Schwelle“ jedem fantasy-liebenden Jugendlichen bedenkenlos ans Herz legen kann.

Erik

5 Gedanken zu “[Buchgedanken] Isabella Benz: „Das Vermächtnis der Hüter“

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