Die Qual der Wahl: Die richtige Erzählperspektive

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Aus der Laune des Schicksals heraus – ich weiß auch nicht, wie es mich überkommen hat – habe ich beschlossen, mich mal wieder um eines meiner (Kurz-)Romanprojekte zu kümmern. Und schnell fiel die Wahl auf mein Lieblingsprojekt mit dem Arbeitstitel „Hinter der Maske“, eine realistisch-gehaltene Märchenadaption, die im London der Gegenwart spielt. Ein Plot für den ersten Teil (etwa die ersten 80 Seiten) steht, geschrieben waren auch bereits mal schon über 30. Doch damals bereits – und auch heute – kann ich mich irgendwie nicht zwischen den Erzählperspektiven entscheiden. Hauptfigur – und aufgrund des Märchens ganz zentraler Fixpunkt der Geschichte – ist die 17-jährige Sahar. Da es jedoch ganz vereinzelt Kapitel geben wird, in denen sie nicht vorkommt, stehen die folgenden Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Ich-Perspektive von Sahar mit personalen Erzählperspektiven der jeweiligen anderen Charaktere in deren Kapiteln (Vorbild: Diana Gabaldons Highlandsaga)
  • Komplett personale Erzählperspektive des jeweils dominierenden Charakters, also auch in den 90%-Kapiteln, die Sahar betreffen.

Was denkt Ihr? Was lest Ihr gern? Was könnt Ihr in Büchern gar nicht ab? Ich bin auf Eure Meinungen gespannt … und habe bereits jetzt Angst davor, das Projekt irgendwann Testlesern zu geben, die mir sagen, dass ich doch die falsche Perspektive gewählt habe :D.

[Buchgedanken] Valentina Fast: „Royal: Eine Krone aus Alabaster“

Die erste Rezension des neuen Jahres gebührt einem wirklichen Highlight. Um den Jahreswechsel habe ich „Royal: Eine Krone aus Alabaster“, den zweiten Sammelband von Valentina Fasts märchenhafter Buchreihe gelesen. Er beinhaltet die e-Book-Teile 3 und 4 und ist als Impress Taschenbuch 2017 im Carlsen Verlag erschienen. Das Buch ist am ehesten dem Genre Dystopie zuzuordnen, die Besprechung des Vorgängerbandes findet ihr hier.

~~~ Achtung! Die Buchbesprechung könnte leichte Spoiler aufweisen ~~~

51xptekbwwl-_sx319_bo1204203200_Obwohl sich die Reihen der Kandidatinnen merklich lichten, weiß noch immer keine von ihnen, welcher der vier jungen Männer der Prinz ist. Während Tatyanas Mitbewohnerin Claire bereits hoffnungslos einem der Männer verfallen ist, tobt in Tatyana ein Kampf der Gefühle. Obwohl Phillip ihr Herz bei jeder Bewegung in Aufruhr versetzt, spürt sie, dass er ihr etwas verheimlicht. Etwas, das mit ihren verlorenen Erinnerungen zusammenhängt. Als sie endlich die Wahrheit erfährt, ist nichts mehr so, wie es vorher war.

Die Handlung von „Royal: eine Krone aus Alabaster“ knüpft nahtlos an den Vorgängerband an und schreibt diese kontinuierlich fort. Auch vom Niveau her kann der Band – trotz kleinerer Schwächen – mit dem ersten Teil mithalten. Insbesondere bin ich weiterhin ein Fan des sehr gelungenen Weltenbaus und der Ich-Perspektive, die den Leser nah an den Gedanken und Gefühlen von Tanya hält.

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, und der Leser durch unerwartete Wendungen durchaus ins Ungewisse geführt. Kleinere, logische Ungereimtheiten mindern dabei nicht das Lesevergnügen. Die Charaktere, insbesondere Claire, entwickeln sich stetig weiter und sind das Herzstück des Romans, der mit glänzenden Nebencharakteren (unter anderem Erica und Charles) punktet. Lediglich das Handeln der Protagonistin erschien mir gelegentlich nicht nachvollziehbar.

Auch wenn der Cliffhanger am Ende des Romans nicht so stark ausfällt, wie im Vorgängerband, liegt dennoch keine abgeschlossene Handlung vor und der Roman kann keinesfalls als Standalone gelesen werden. Als Mittelteil einer Trilogie funktioniert er hingegen gut und läutet ein spannendes Finale ein. Valentinas Schreibstil ist flüssig, gefühlvoll und lässt sich gut lesen. Das Cover ist ein Traum und bietet einen hohen Reihenwiedererkennungswert. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet.

Mein Fazit? „Eine Krone aus Alabaster“ ist eine gelungene Fortsetzung von Valentina Fasts spektakulärer Royal-Trilogie. Leichte Unstimmigkeiten werden durch einen gelungenen Weltenbau und überwiegend tolle Charaktere mehr als wettgemacht. Die Buchreihe gehörte zurecht zu meinen Lesehighlight 2017 – der Abschluss der Reihe kann gar nicht schnell genug erscheinen.

 

[Buchgedanken] Ulla Scheler: „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“

Heute, an meinem Geburtstag, möchte ich Euch ein Buch vorstellen, das mich regelrecht begeistert und auf den letzten Drücker einen Platz in meinen Jahreshighlights erobert hat. Es handelt sich um den Debütroman der bezaubernden Autorin Ulla Scheler: „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“. Das Buch ist 2016 unter dem Label „heyne>fliegt“ des Wilhelm Heyne Verlags in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen und dem Genre Jugendbuch zuzuordnen. Die mir vorliegende Taschenbuchausgabe ist bereits aus der zweiten Auflage.

51klbkb1ipl-_sx328_bo1204203200_„Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist die Geschichte von Hanna und dem Graffitikünstler Ben, die Geschichte zweier Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, und die doch so viel verbindet. Nach dem Abitur fahren sie in Bens klapprigem Auto ins Ungewisse und landen am Meer, an einem legendenumrankten Strand. Eine Zeit voller Geschichten, Abenteuer, Mutproben und Überraschungen beginnt, eine intensive  Zeit, die die beiden näher zusammenbringt als jemals zuvor. Bis zu dem Tag, als sich die Ereignisse wiederholen …

Mir fehlen, irgendwie immernoch, die Worte, um dieses Buch auch nur ansatzweise adäquat zu beschreiben, selbst die Kurzzusammenfassung war bereits ein Kampf. „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist nicht nur ein Buch, es ist auch ein wahrer Zitateschatz für alle Lebenslagen, ein Buch mit Passagen, so wundervoll, dass mir als Autor der Text ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das war bereits seit dem Anfang des Buches klar, denn es beginnt mit einem der markantesten ersten Sätze, die ich je gelesen habe:

„Zu meinem achtzehnten Geburtstag schenkte mir mein bester Freund Ben eine Sachbeschädigung.“

Mal behutsam, mal intensiv, aber immer ehrlich und gefühlvoll führt Ulla Scheler den Leser mit zauberhaften Worten in die Geschichte, die einen nicht mehr loslässt. Durch die (glücklich gewählte) Ich-Perspektive von Hanna ist man so nah an der Handlung, leidet, lacht und fühlt mit der Protagonistin. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, und lässt sich gut lesen – ein beeindruckendes Debüt, für das die Autorin zurecht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war.

20171112_223806Die Handlung ist spannend, bietet unerwartete und überraschende Wendungen. Doch viel wichtiger als die Handlung sind in diesem Fall die eingebundenen Charaktere, nicht nur die Protagonisten Hanna und Ben, sondern auch die überzeugenden Nebencharaktere wie Chloe und Sam. Es ist erstaunlich und umso beeindruckender, dass ein Buch mit so wenig Charakteren auskommt und gleichsam so viel zu erzählen hat.

Auch die Umsetzung der Geschichte in Buchform überzeugt restlos, das Cover ist hochwertig geprägt und hat farbige Coverinnenseiten, der Buchsatz ist innovativ und gelungen, besonders die eingebauten Listen überzeugen. Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls gute Arbeit geleistet.

Mein Fazit? „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist ein überragendes Debüt von Ulla Scheler, das sich vor Genregrößen wie John Green nicht zu verstecken braucht. Der Roman punktet mit starken Charakteren und einer gefühlvollen, eindringlichen Sprache. Bedenkenlos zu empfehlen – und für mich eines der Bücher meines Lesejahres. Ich freue mich bereits jetzt auf „Und wenn die Welt verbrennt“, das zweite Buch der Autorin, das ganz oben auf meiner Leseliste für 2018 liegt.

Ps: Ich habe das Gefühl, dass diese Rezension noch nicht ansatzweise ausreicht, mir noch dutzende Gedanken im Kopf herumschwirren. Sofern sich dies weiter aufklart, werde ich vielleicht noch den ein oder anderen Satz ergänzen.

[Buchgedanken] Ava Reed: „Wir fliegen, wenn wir fallen“

Bevor es ab morgen zur Messe geht, fange ich doch mal an, den Rezistapel noch etwas abzuarbeiten. Beginnen möchte ich heute mit einem absoluten Highlight: „Wir fliegen, wenn wir fallen“ von Ava Reed ist ein Jugendbuch aus dem Ueberreuter Verlag und erschien 2017. Mein Exemplar ist bereits aus der zweiten Auflage und ein wundervolles Hardcover. Ich habe es mir nach einer fabelhaften Lesung von Ava auf der Leipziger Buchmesse direkt beim Verlag gekauft und signieren lassen (die Stunde in der Schlange war das locker wert!).

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ ist die Geschichte von Yara und Noel, vom Lesemädchen617m2b75rhbl-_sx312_bo1204203200_ und dem Einzelgänger, der bei McDonalds Burger brät. Es ist aber auch etwas die Geschichte von Phil, dem alten Mann, der für beide eine Art Rettungsanker und Halt ist. Nach seinem Tod hinterlässt er ihnen eine Liste mit zehn unerfüllten Wünschen, die sie zusammen erledigen sollen. Eine Reise, zwei unterschiedliche Charaktere, mehrere Kontinente und Länder. Und alles für das Leben. Doch gelingt es beiden, die Schatten der Vergangenheit wirklich abzuwerfen?

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ ist ein Jugendbuch, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Es ist eine Ode an das Leben, die Liebe und die Vergänglichkeit. Es ist so intensiv und gefühlvoll, dass ich der Autorin selbst ausnahmsweise mal die zwei „Ich-Perspektiven“ verzeihe, womit ich sonst gewöhnlicherweise nicht klarkomme. Sonst … denn „Wir fliegen, wenn wir fallen“ ist kein gewöhnliches Buch, sondern bereits jetzt (ja, ich weiß, dieses Jahr wird es verdammt eng, so oft wie ich das auslobe) eines meiner Lesehighlights des Jahres.

Der Stil der Autorin ist wunderbar und lässt sich flüssig und leicht lesen, ist gleichzeitig aber intensiv und athmosphärisch. Man ist dicht bei den Figuren, liebt und leidet mit ihnen, lacht und weint. Auch wenn Noel mich anfangs etwas genervt hat, bin ich doch nach und nach mit ihm warmgeworden und konnte ihn besser verstehen. Zu Yara muss nicht mehr gesagt werden, als: Sie ist perfekt!

Zwar sind Teile der Handlung durchaus vorhersehbar – sonst würde die Prämisse auch gar keinen Sinn ergeben. Dennoch gelingt es Ava Reed den Spannungsbogen dauerhaft aufrechtzuerhalten, und immer mal wieder kleine Überraschungen für den Leser einzustreuen. Ganz besonders gefallen hat mir übrigens die zweite 10-Punkte-Liste am Ende des Buches. Gelungen ist auch, dass die Autorin – trotz der teilweise auch schweren Themen – die Balance die ganze Zeit hält und das Jugendbuch nicht zum Schicksalsroman abgleiten lässt.

Das Buch ist wunderbar gesetzt, Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls sauber gearbeitet. Wer sich jedoch wieder selbst übertroffen hat, ist Covergott Alexander Kopainski, der für „Wir fliegen, wenn wir fallen“ eines meiner absoluten Lieblingscover von ihm gezaubert hat.

Mein Fazit: Mit „Wir fliegen, wenn wir fallen“ erschafft Ava Reed ein bezauberndes und überzeugendes Jugendbuch, das vor allem durch tolle Charaktere und einen intensiven, gefühlvollen Schreibstil punktet. Nicht nur für Leser von Jugendbüchern bedenkenlos zu empfehlen.

 

 

[Buchgedanken] Carolin Emrich: „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“

In der letzten Zeit habe ich Carolin Emrichs Debütroman „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ gelesen. Das Buch ist 2017 beim Sternensand Verlag erschienen und dem Genre Fantasy zuzuordnen, wobei eine Einordnung in ein Subgenre isoliert für den Einzelband schwierig ist. Zwar legt der Roman durchaus die Ansätze für eine epische High-Fantasy-Reihe, erfüllt als Einzelband die Genre-Voraussetzungen jedoch noch nicht vollständig. Auch eine Verschiebung des Genres in Richtung Romantasy ist für die Folgebände durchaus möglich. Um verknappt auf den Punkt zu kommen: Isoliert betrachtet ist „Weg des Ordens“ aus meiner Sicht dem „Sword & Sorcery“-Genre (auch: „heroic fantasy“) zuzuordnen.

Seitdem sie sich erinnern kann, lebt Tris in einem Kloster, um dort, abgeschottet von der61xycbvc9ql-_sx326_bo1204203200_ Gesellschaft, den Umgang mit ihren magischen Kräften zu lernen. Die einzige Chance, den Klostermauern zu entfliehen, ist, sich dem Orden der Wächter anzuschließen. Als Tris von diesem für die Aufgabe ausgewählt wird, das Volk der Elfen auszukundschaften, trifft sie auf den Elfen Avathandal. Als sie sich in ihn verliebt, verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind. Doch wem kann Tris wirklich trauen?

Mit „Weg des Ordens“ legt die Autorin einen gelungenen Debütroman vor, der allerdings klar als Reihe konzipiert ist. Für einen Einzelband passiert isoliert etwas wenig, und die Handlung endet in einem sehr, sehr starken Cliffhanger (ich persönlich hätte mir das Ende einfach ein paar Seiten früher gewünscht). Abgesehen davon, schafft Carolin Emrich eine zauberhafte Welt, die mit einem gelungenen Weltenbau und einem ausgewogenen Magiekonzept punktet. Gut gefallen hat mir, dass die Geschichte der Welt nicht en bloc vorangestellt wurde, sondern in die Handlung des Romans eingebaut wurde. Hier zeigt sich auch klar, wie durch Propaganda oder eine allgemeine Deutungshoheit die Meinung eines Einzelnen gesteuert und manipuliert werden kann – ein vielleicht nur unbewusstes, aber vorhandenes gesellschaftskritisches Element.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und leicht lesen. Durch die Ich-Perspektive gelingt es zudem, den Leser nah an Tris heranzulassen. So wird die Identifikation mit der Hauptfigur unterstützt. Ohnehin sind die Protagonisten plastisch und vielschichtig angelegt, auch in den Nebenfiguren, sei es Lilly, die Freundin von Tris, oder Avathandals Schwester. Ich fand es schade, dass – trotz Tris‘ Vorsatz – sie Lilly nicht geschrieben hat, und diese, seitdem Tris das Kloster verlassen hat, keine Rolle mehr in der Handlung spielte. Ich würde mir wünschen, dass sich dies in den Folgebänden ändert – sonst wäre es unnötig gewesen, die starke Bindung zwischen den beiden Freundinnen am Anfang der Handlung aufzubauen.

Das Cover ist sehr gelungen und von der talentierten Juliane Schneeweiss entworfen worden, Lektorat und Korrektorat (Martina König) haben ebenfalls ordentlich gearbeitet, auch wenn kleinere Fehler durchgerutscht sind, die den Lesefluss und das Lesevergnügen aber nicht mindern. Auch der Buchsatz kann mit wunderschön gestalteten Kapitelanfängen punkten. Was mich hier leicht gewundert hat, ist die Benennung eines Prologes. Die Handlung dort spielt kurz vor Kapitel 1 und es wird inhaltlich nahtlos aneinander angeknüpft. Ich hätte von einem Prolog etwas anderes erwartet und hätte es als sinnvoller gefunden, dies einfach als reguläres Kapitel in die Struktur einzubauen.

Mein Fazit? „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ ist ein gelungener Debütroman und vielversprechender Auftakt für eine phantastische Buchreihe, der für die Folgebände auch noch etwas Luft nach oben lässt. Für Liebhaber und Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen. Ich freue mich bereits jetzt auf die Folgebände. Band 2, „Weg des Krieges“, erschien übrigens vor wenigen Tagen und ist als e-Book und Taschenbuch in allen gängigen Portalen und im Buchhandel erhältlich.

[Buchgedanken] Julia Adrian: „Die Dreizehnte Fee – Entzaubert“

(Achtung: Die hier enthaltene Kurzzusammenfassung enthält leichte Spoiler bezüglich der Handlung des Vorgängerbandes)

Vor einiger Zeit habe ich „Die Dreizehnte Fee – Entzaubert“, den zweiten Teil von Julia Adrians zauberhaften Märchenreihe gelesen. Ob dieser mich ebenso begeistern konnte, wie der Erste (bereits jetzt ein absolutes Jahreshighlight für mich), möchte ich Euch jetzt mitteilen :). Das Buch ist 2015 im Drachenmond Verlag erschienen und am ehesten als Märchenadaption einzugruppieren.515l1uy1nxl-_sx310_bo1204203200_

Bereits fünf Feen sind unter dem Schwert des Hexenjägers gefallen, bevor er sich Lilith, der dreizehnten Fee, zuwendet. Diese wartet im Schloss ihrer Schwester, der Eishexe, auf das Urteil der verbliebenen Feen. Weshalb ist sie damals verraten worden? Und warum gerade jetzt erwacht? Noch immer hat Lilith keine Antworten auf die drängendsten Fragen gefunden. Einzig das Orakel, ihre Schwester Kassandra, könnte Licht ins Dunkel bringen, doch deren Macht schwindet mit jeder Sekunde. Wird es Lilith gelingen, die Rätsel noch rechtzeitig zu lösen, bevor ihre große Liebe, der Hexenjäger, alle Feen vernichtet?

Insgesamt kommt „Die Dreizehnte Fee – Entzaubert“ nicht ganz an die Brillanz des ersten Teils heran, ist (da ich mit dem dritten Band nahezu fertig bin) wohl der schwächste Teil der Reihe. Um dies ganze aber mal in die richtige Perspektive zu rücken, bevor jemand das falsch versteht: „Entzaubert“ ist eines der besten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe und würde auf einer Skala von 1 bis 10 lockere 11 Punkte erreichen. Nur hat Julia Adrian mit dem ersten Band ein „Überbuch“ vorgelegt, das mich so begeistert, so zerstört hat, wie kein anderes seit langem.

„Die Dreizehnte Fee – Entzaubert“ schließt nahtlos an den Vorgängerband an und erzählt die Geschichte von Lilith weiter. Bemerkenswert ist, dass mit Fortschreiten der Serie die Charaktere auch konsequent weiterentwickelt werden, was vor allem bei Lilith zu immer stärker ausgeprägten, fast schizophrenen Charakterzügen führt. Dabei tauchen auch liebgewonnene Nebencharaktere aus dem ersten Band (Uhrmacher) wieder auf und nehmen eine größere Rolle in der Geschichte ein. Gleichzeitig lernt man in dem Roman die anderen Feen besser kennen, ihre Geschichten und Schicksale, ihre verschiedenen Charaktereigenschaften und magischen Fähigkeiten.

Womit ich auch schon beim einzigen, hauchzarten Kritikpunkt wäre, der auch mehr dem persönlichen Geschmack entspringen kann. Durch die ganzen Rückblenden, in denen die Vergangenheit Pandoras und die Geschichten der Feenkinder erzählt werden, ist mir die Handlung etwas zu entschleunigt. Zwar tragen die Rückblenden durchaus zum Verständnis bei, und sind – wie alles in dem Buch – exzellent geschrieben, aus meiner Sicht ist jedoch die Balance – minimal – verschoben, der Fokus einen Hauch zu stark auf die Rückblenden gelegt, im Verhältnis zum restlichen Text. Nichtsdestotrotz gelingt es Julia Adrian, den Spannungsbogen immer aufrecht zu erhalten und den Leser durch unerwartete Wendungen immer wieder in eine neue Richtung zu lenken.

Wie schon angemerkt, habe ich sonst nichts auszusetzen. Der Schreibstil ist erneut grandios, der Weltenbau gelungen. Mit ihrer bildgewaltigen Sprache schafft die Autorin ein Kopfkino, das die jetzigen und vergangenen Ereignisse in Pandora vor dem geistigen Auge des Lesers zum Leben erweckt. Auch die Wahl der Ich-Perspektive von Lilith erweist sich erneut als Glücksgriff, so kann der Leser ihre Gedanken und Gefühle, ihre ambivalente Entwicklung nachvollziehen und miterleben.

Das Cover ist – wie könnte es anders sein – vom talentierten Alexander Kopainski entworfen worden und, erneut, ein Meisterwerk. Lektorat und Korrektorat (Michael Lohmann), Buchsatz (Astrid Behrendt), und Illustration (Svenja Jarisch) sorgen dafür, dass dieses Buch erneut liebevoll gestaltet und zusammengestellt wurde. Hier trifft der Verlagsslogan „Bücher mit Herzblut“ voll und ganz zu – es sind alles kleine Schätze. Die Coverinnenseiten sind teils ausklappbar und als kleines Gimmick wurden am Ende des Buches noch einige Bilder von einem Malwettbewerb zur Romanreihe abgedruckt.

Mein Fazit: „Die Dreizehnte Fee – Entzaubert“ schließt nahtlos an den Vorgängerband an und ist ein gelungenes, phantastisches Buch. Der Roman punktet vor allem durch bildgewaltige Sprache, ein tolles Setting und eine konsequente Weiterentwicklung der Protagonisten. Muss man als Liebhaber von phantastischen Geschichten gelesen haben – und auch, wenn einem das Genre fremd ist, sollte man der Autorin eine Chance geben und sich verzaubern lassen.

Julia Adrians Reihe setzt bereits jetzt Maßstäbe und gehört zum Besten, was die deutsche Phantastik hervorgebracht hat. Daher blicke ich, mit einem weinenden und einem lachenden Auge, zum dritten Teil, den ich gerade lese. Ich kann das Ende kaum erwarten, und möchte doch nicht, dass es ein Ende nimmt. Gibt es ein größeres Kompliment, das man einem Autor machen kann?

[Buchgedanken] Benne Schröder: „In der Liebe ist die Hölle los“

Da heute im Süden gesetzlicher Feiertag ist, nutze ich die Zeit direkt mal, um eine Rezension zu verfassen, die schon viel zu lange darauf wartet, getippt zu werden. Außerdem: Was wäre passender, als an Fronleichnam ein teuflisches Buch über das Geschäft mit dem Tod zu besprechen? :).

Bereits vor einiger Zeit habe ich „In der Liebe ist die Hölle los“ von Benne Schröder gelesen (den ich auch auf der LLC und der LBC getroffen habe). Das Buch ist 2017 bei LYX in der Bastei Lübbe AG (daran habe ich mich immer noch nicht so ganz gewöhnt) erschienen und ist das Debüt des Radiomoderators Benne Schröder bei Publikumsverlagen. Allein über das Genre des Buches könnte man ganze Blogposts verfassen und sich trefflich streiten. Da hier aber die Inhalte im Vordergrund stehen sollen, ordne ich es jetzt einfach mal pauschal als New-Adult-Romantasy ein, auch wenn es sicherlich gute Argumente gibt, das Buch entweder als klassische Liebesgeschichte oder sogar als Urban Fantasy zu sehen, wenn man bedenkt, dass kein Protagonist rein menschlich ist.

Catalea Morgenstern wünscht sich nichts sehnlicher, als ein einfaches Leben zu führen. 51nflt2pjml-_sx343_bo1204203200_Sie lebt und studiert in Köln und ist frisch verliebt. Alles hätte so schön werden können, wenn, ja wenn es ihre teuflische Familie nicht gäbe. Schon seit Langem verlangt Cataleas Vater, dass diese endlich in die Firma einsteigt, über die er seit Urgedenken herrscht und die ihr Geschäft mit dem Tod macht. Auch wenn es für Catalea die Hölle ist, gibt diese nach und beginnt, als Todeshändlerin zu arbeiten. Als bei einem ihrer Aufträge etwas schief geht und sie sich der Kölner Polizei gegenübersieht, beginnt für Catalea ein Kampf auf Leben und Tod, ein Ränkespiel, dessen Intrigen die ganze Dunkelheit erschüttern und bis in den tiefsten Höllenkreis reichen. Denn ihr Vater ist niemand Geringeres als der Teufel höchstpersönlich.

Mit „In der Liebe ist die Hölle los“ tritt Benne Schröder den lebenden Beweis dafür an, dass auch Männer Liebesromane schreiben können (etwas, was seit Jahren auf quasi jeder Romance-Convention heiß diskutiert wird). Beachtlich ist, dass der Roman fast ganz aus der Sicht von Catalea, einer weiblichen Ich-Erzählerin geschrieben ist. Dadurch wird es dem Leser ermöglicht, sehr nah an den Gedanken und Gefühlen der Protagonistin zu sein, sich schnell mit ihr zu identifizieren, mit ihr zu leiden, zu wüten, zu lachen.

Eine der größten Stärken des Buches liegt dabei in der Leichtigkeit der Geschichte. In nahezu allen Liebesromanen, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, kamen schwerste Schicksalsschläge, Krankheiten, Suizidversuche etc. vor. Und auch wenn es hier ebenfalls (wie könnte es bei der Hölle anders sein) um Leben und Tod geht, so gelingt es Benne Schröder jedoch, durch einen frischen Schreibstil – und auch durch kleine, eingestreute Sidegags wie Timurs wechselnde Autos oder das Handbuch der Toten – die Lockerheit nicht zu verlieren und den Leser nicht in bedeutungsschwangeren Momenten zu ertränken.

„In der Liebe ist die Hölle los“ punktet auch durch seine sorgsam ausgearbeiteten, plastischen und vielschichtigen Charaktere, die sich im Laufe des Buches (auch wenn es bei Timur zähneknirschend langsam vorangeht) weiterentwickeln. Dabei sind vor allem auch die Nebenrollen faszinierend, Charaktere wie Judas, Kitty und Mia (von letzterer würde ich mir im zweiten Teil mehr wünschen!) treiben die Geschichte nicht nur voran, sondern sorgen auch für tolle Szenen, die beim Lesen richtig Spaß machen.

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten und der Leser durch unerwartete Wendungen immer mal wieder überrascht. Kleinere Unstimmigkeiten sind zwar vorhanden, diese fallen aber vor dem beeindruckenden Setting kaum ins Gewicht. Positiv hervorheben möchte ich noch, dass das Buch – obwohl als zweibändige Reihe (leider nur zwei …) angelegt – auch als Standalone-Roman gelesen werden kann, da die Geschichte durchaus abgeschlossen ist und keinen argen Cliffhanger bietet.

Lektorat und Korrektorat haben ausgezeichnete Arbeit geleistet, das Cover ist ansprechend und hochwertig gestaltet, die Schrift leicht geprägt und es ist ausklappbar und bietet mit den farbigen Coverinnenseiten auch tolle Farbakzente. Dennoch hätte es von meiner Seite beim Cover auch noch leichte Luft nach oben gegeben, es ist isoliert betrachtet schön, aber beim Scannen eines Bücherregales wäre es kein Eyecatcher, der meinen Blick sofort auf sich lenken und mich allein schon vom Cover her anziehen würde.

Mein Fazit: „In der Liebe ist die Hölle los“ ist ein frischer, überzeugender Liebesroman mit phantastischem Setting, der vor allem durch seine interessanten Protagonisten und den locker-humorvollen Schreibstil überzeugt, und Lust auf mehr macht. Für Liebesromanleser bedenkenlos zu empfehlen, ich freue mich schon auf den zweiten Teil, der im November 2017 erscheint.

[Buchgedanken] Emily Bold: „Klang der Gezeiten“

Schon vor einiger Zeit habe ich Emily Bolds „Klang der Gezeiten“ gelesen, komme aber erst jetzt dazu, die Rezension zu verfassen. Das Buch ist – in der lizensierten Auflage – 2017 als Ullstein Taschenbuch erschienen, die Originalveröffentlichung erfolgte 2014. Es ist am ehesten dem Genre Contemporary Romance zuzuordnen.

Wenn das Glück nur Augenblicke währt…51tgjzj16ml-_sx319_bo1204203200_
Bei Arbeiten an ihrem Haus am Strand stirbt Daniel, Pipers Traummann und Vater ihres ungeborenen Kindes. Um die Leere zu verarbeiten und dem Verstorbenen nah zu sein, zieht Piper, gegen den Rat ihrer Freunde, in das unvollendete Haus am Meer.  Doch der Verlust, der attraktive Nachbar Ewan und Kevin, ihr Freund aus der Jugendzeit, stürzen Piper in ein immer stärkeres Gefühlschaos. Untermalt vom Klang der Gezeiten versucht sie, einen Weg zurück in ihr Leben zu finden. Doch darf sie überhaupt neue Gefühle zulassen?

„Klang der Gezeiten“ ist (wie auch bereits „Lichtblaue Sommernächte“ [zur Rezension]) eine Mischung aus Liebesroman und Schicksalsroman. Erneut gelingt es der Autorin gut, die Balance zwischen den verschiedenen Genres zu wahren, sodass der Roman nicht abgleitet. Im Gegensatz zu „Lichtblaue Sommernächte“ wird das Buch jedoch stringenter erzählt, mit gelegentlichen Rückblenden.

Emily Bold überzeugt mit einer gefühlvollen, eindringlichen Sprache, die es dem Leser erlaubt, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, die den Leser tief in Pipers Gedanken und Gefühle abtauchen lässt.

Auch wenn die Handlung einige unerwartete Wendungen aufweist, ist sie doch – für den objektiven Betrachter – durchaus vorhersehbar. Dies ist jedoch nicht tragisch, da man als Leser mit Piper trauert, lacht und verzweifelt und den Weg zum genretypischen Happy End mit ihr, und den ihr innewohnenden Ängsten, miterlebt. Solang Piper nicht an das Glück glaubt, solang gelingt es auch der Autorin, den angelegten Pfad dorthin für den Leser zweifelhaft erscheinen zu lassen.

Die Protagonisten des Romans sind – wie auch die Nebenfiguren – vielschichtig angelegt und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass der perfekt aussehende Nachbar nicht den klischee- und genretypischen Beruf des Arztes ausübt, kann dies in diesem Fall aber nachvollziehen, da es aufgrund der Arbeit von Piper und Jenna und den damit verbundenen Storylines ausnahmsweise mal wirklich zur Handlung passt.

Eine Chance hat das Buch allerdings etwas verpasst. Neben Polizisten und Krankenschwestern, neben Altenpflegern und Erziehern, gehören Feuerwehrmänner (der Einfachheit halber werden hier nicht-gegenderte Berufsbezeichnungen verwendet), zu den Berufen, die chronisch unterbezahlt sind im Vergleich zu ihrer Opferbereitschaft und den großen Leistungen, die sie für die Gesellschaft erbringen. Zwar wird im Buch ein heldenhafter Einsatz von Daniel angesprochen, das Thema hätte aber noch stärker eingeflochten werden können.

Ein Lob möchte ich an dieser Stelle noch an das Lektorat und Korrektorat aussprechen, die eine wirklich runde und fehlerfreie Geschichte abgeliefert haben. Der Buchsatz ist ebenfalls gelungen, das Cover wunderschön und sowohl auf der Vorderseite, als auch auf der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt.

Mein Fazit? „Klang der Gezeiten“ ist eine wundervolle Mischung aus Liebes- und Schicksalsroman. Das Buch punktet mit gut ausgearbeiteten Charakteren, mit denen man sich sofort identifizieren kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Olivia Mikula: „Snow Heart“

Als letztes Buch in meinem fantastischen Lesefrühling habe ich „Snow Heart“ von Olivia Mikula (Pseudonym eines österreichischen Autors) gelesen. Das Buch ist 2017 im Drachenmond Verlag erschienen und am ehesten dem Genre New-Adult Contemporary/Urban Fantasy zuzuordnen.

Die begeisterte Buchbloggerin Caspara steht kurz vor ihrem Studienabschluss. 61amy58ssil-_sx349_bo1204203200_Zusammen mit ihrer Oma Grace lebt die Studentin in Dublin. Seit Geburt besitzt sie als wiedergeborene Schneefrau magische Kräfte, doch der Einsatz dieser führt unweigerlich zu ihrem Tod. Als der Austauschstudent Wyatt in Casparas Leben tritt, ändert sich dieses schlagartig. In einem Kampf auf Leben und Tod, der nicht nur sie sondern auch ganz Dublin einschließt, muss sich Caspara ihren Feinden – und ihren Kräften stellen. Doch welche Rolle spielt Wyatt in diesem Kampf. Und vor allem, auf wessen Seite steht er?

„Snow Heart“ ist ein kompromissloser Roman. Sowohl was die Sprache, als auch was die Handlung angeht – vielleicht einmal vom Ende abgesehen. Ohne Rücksicht auf Verluste zieht der Autor eine Schneise der Verwüstung durch das malerische Dublin – eine überraschende und willkommene Abwechslung, hätte ich nach Cover und Klappentext doch eher erneut einen klassischen Young-Adult-Fantasyroman erwartet (liegt vielleicht aber auch an der Vielzahl dieser Titel, die ich in letzter Zeit gelesen habe).

Die Handlung des Romans überzeugt mit vielen, unerwarteten Wendungen und hält den Spannungsbogen die ganze Zeit aufrecht. Auch wenn die Desillusionaten mit ihren weißen Krawatten sehr an die Cleaner von Charmed erinnern (vielleicht ja eine Hommage?), punktet der Roman mit seinem Setting insgesamt. Ich hätte mir zwar etwas mehr Entschleunigung, etwas mehr Erklärungen gewünscht, aber alles in allem kann ich auch gut damit leben, dass diese dem stetig eskalierenden Schlagabtausch geopfert wurden. Aus meiner Sicht passt das Ende jedoch nicht ganz zur Grundstimmung des Romans und wirkt daher leicht deplatziert.

Die Charaktere des Romans werden auch in den – zugegebenermaßen wenigen – Nebenfiguren plastisch gestaltet. Egal ob Grace oder Amy, der Leser kann sich sofort ein Bild von ihnen machen. Die Protagonisten entwickeln sich während der Handlung stetig weiter. Gerade aufgrund ihrer fehlenden Perfektion kann sich der Leser gut mit ihnen identifizieren. Die Bindung zu Caspara wird auch dadurch gefördert, dass der Roman aus der Ich-Perspektive geschrieben worden ist. Auf die zusätzliche, im zweiten Teil des Romans eingestreute, weitere Ich-Perspektive hätte ich jedoch gut verzichten können.

Der Schreibstil des Autors ist teils drastisch, aber dem Genre angepasst und lässt sich gut lesen. Auch die Balance zwischen der Haupthandlung und der Liebesgeschichte ist gut eingehalten, und die gelegentlich eingestreuten erotischen Szenen niveauvoll dargestellt worden.

Das Cover ist gelungen und wurde von Covergott Alexander Kopainski erstellt, das Lektorat ist von Isabell Schmitt-Egner durchgeführt worden. Leichte Defizite gibt es im Korrektorat (Michaela Retetzki), da hier doch einige Fehler durchgerutscht sind. Der Buchsatz und das Seitendesign sind erneut wunderschön geworden – daher hier auch mal das Lob an Marlena Anders (Satz) und So Lil’art (Rahmenillustration).

Mein Fazit? „Snow Heart“ ist ein gelungener Roman, der vor allem mit dem irischen Setting und einer spannenden Handlung punkten kann. Man kann sich gut mit den Charakteren identifizieren. Für New-Adult und Fantasyliebhaber bedenkenlos zu empfehlen. Leseempfehlung ab 16 Jahren.

[Buchgedanken] Regina Meißner: „Seductio: Von Schatten verführt“

In den letzten Tagen habe ich als vorletztes Buch im fantastischen Lesefrühling „Seductio: Von Schatten verführt“ von Regina Meißner gelesen. Das Buch ist 2015 im Selfpublishing bei BoD erschienen und ist dem Genre Young-Adult Urban/Contemporary Fantasy zuzuordnen. Es ist der Auftakt einer dreibändigen Reihe.

Seit ihrem vierten Lebensjahr befindet sich Ivory auf der Flucht vor den Decessaren. Nur518oeicbspl-_sx312_bo1204203200_ sie ist in der Lage, das Tor zur Welt Embonis zu öffnen, um den dort gefangenen Schatten die Freiheit zu schenken. Da diese sich von menschlichen Seelen ernähren, engagiert Ivorys Tante Grace den Privatermittler Kil, um die Schlüsselträgerin – und die Menschheit –  zu schützen. Seit ihrem ersten Aufeinandertreffen ist Ivory von dem undurchsichtigen Ermittler fasziniert. Doch welche Geheimnisse verbirgt er?

Vorweg: Regina Meißners Roman zeigt einmal mehr, dass sich unter der Vielzahl an Selfpublishing-Titeln auch wahre Schätze verbergen. „Von Schatten verführt“ überzeugt dabei mit einem tollen Grundidee. Durch die eingestreuten Auszüge aus dem „Dunklen Buch“ lernt man während des Lesens auch nach und nach mehr über die Welt Embonis. Gut gelungen sind auch die Charaktere, die sich – vor allem Ivory – im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Schade fand ich, dass einer meiner Lieblingscharaktere – Lynn – so sang und klanglos aus der Geschichte verschwand. Vielleicht kehrt sie ja in den Folgebänden zurück – auch wenn ich derzeit keine große Hoffnung darauf hege :).

Der Spannungsbogen wird durch viele unerwartete Wendungen dauerhaft aufrechterhalten, auch wenn das Ende nicht gänzlich überraschend kommt, sondern sich einige Seiten vorher schon ankündigt. Zudem ist das Ende ein brutaler Cliffhanger. Regina Meißners Schreibstil ist leicht und flüssig und lässt sich gut lesen. Positiv hervorheben möchte ich auch die Perspektivenwahl. Durch die Erzählung in der Ich-Perspektive gewinnt die Geschichte aus meiner Sicht ungemein, lässt sie doch einerseits den Leser noch eine tiefere Bindung zur Protagonistin knüpfen, und sorgt andererseits dafür, dass Kil seine mystische und geheimnisvolle Aura dauerhaft beibehält. Ich freue mich daher bereits jetzt auf die weiteren Bücher und bin sehr gespannt darauf, wie es mit Ivory und Kil, mit Embonis und der Welt weitergeht.

Das Cover ist ein wahres Meisterwerk und wurde von der tollen Rica Aitzetmüller (Cover & Books) gestaltet. Zusammen mit den folgenden Reihencovern sorgt es für ein einheitliches Gesamtbild und einen hohen Wiedererkennungswert. Im Gegensatz zum Cover können Lektorat und Korrektorat, sofern durchgeführt, nicht restlos überzeugen. Die vorhandenen Fehler und Logikbrüche mindern den Lesefluss zwar nicht sehr, wären aber bei einer genaueren Kontrolle locker zu vermeiden gewesen und sorgen dafür, dass das Buch das Potential, das die Geschichte bietet, nicht vollständig ausschöpft.

Mein Fazit: „Seductio: Von Schatten verführt“ ist ein vielversprechender Auftakt zu Regina Meißners Urban-Fantasy-Buchreihe. Mit einer spannenden Grundidee und tollen Charakteren legt der Roman den Grundstein für weitere tolle Bücher und macht Lust auf mehr. Trotz kleinerer Schönheitsfehler in der Umsetzung für Fantasy-Liebhaber bedenkenlos zu empfehlen.