[Buchgedanken] A. J. Marini: „stromLos: odyssee“ (stromLos 2)

Vor kurzem habe ich „stromLos: odyssee“, den Abschluss der stromLos-Dilogie von A. J. Marini, beendet. Das Buch ist 2016 in der Pagina Verlag GmbH erschienen und – wie auch schon der Vorgänger – als Dystopie oder Science-Fiction-/Endzeit-Thriller anzusehen. Meine Besprechung des ersten Bandes kann *hier* abgerufen werden. Vielen Dank an dieser Stelle erneut an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

~~~ Achtung! Die Besprechung kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten. ~~~

515uYcDwGUL._SX353_BO1204203200_2039. Der Planet stöhnt unter unbarmherziger Hitze. Rätselhafte Krankheiten haben sich ausgebreitet, gewaltige Sterberaten dezimieren die Erdbevölkerung. Emi Boulder und Ben Bates, gegensätzlich wie Feuer und Wasser, sind in einer globalen Katastrophe gestrandet: Elektrizität funktioniert nicht mehr! Tag um Tag vergeht ohne Strom. In gnadenloser Hitze werden die Umstände immer alptraumhafter, alles bricht rasant zusammen, es geht bald ums nackte Überleben. Die Katastrophe konfrontiert Ben schonungslos mit sich selbst, zugleich wächst in ihm eine zarte und unbeholfene Liebe für Emi. Emi weiß, warum es zu dem globalen Ausfall von Elektrizität gekommen ist, und dass der Strom nicht mehr zurückkehren wird. Sie fasst einen abenteuerlichen Plan, wie sie aus dem kollabierten Großstadtmoloch entkommen können. Doch Ben hat gute Gründe, der schönen, wie geheimnisvollen Emi zu misstrauen. Trotz aller Anziehung, die diese Frau auf ihn ausübt, nagen Zweifel und Ängste an ihm. Da geschieht das Unerwartete …

„stromLos: odyssee“ knüpft direkt an die Handlung des Vorgängerbandes an und setzt diese nahtlos fort. Teils werden Erklärungen in die Geschichte eingebaut, die Handlungsstränge aus dem ersten Band zusammenfassen, sodass „odyssee“ wohl auch als Standalone gelesen werden kann – empfehlen würde ich es aber nicht.

Während die Handlung im Vorgänger noch eher Züge eines Politthrillers aufwies, wechselt Teil Zwei endgültig in das dystopische Endzeitszenario und fokussiert sich auf das reine Überleben der Protagonisten. Menschliche Urinstinkte, der Zusammenbruch jedes gesellschaftlichen Lebens und der Verfall aller Normen – „stromLos: odyssee“ bietet eine erschreckende Zukunftsvision, der es aber auch etwas an Realität fehlt – auch wenn versucht wird, eine wissenschaftliche Untermalung anzubieten, die aber nicht zuletzt durch das sehr esoterisch anmutende Ende etwas konterkariert wird.

Abgesehen davon bleibt die Handlung aber dauerhaft spannend und wird stringend vorangetrieben. Die einzelnen Charaktere entwickeln sich weiter und zeigen ganz eigene Stärken und Schwächen. Besonders gefreut habe ich mich, in diesem Band noch mehr von Gwen und Poona zu erfahren, leider tauchen andere Charaktere dafür gar nicht mehr auf.

Nicht ganz warmgeworden bin ich weiterhin mit dem kruden Mix der Erzählperspektiven. So wird sowohl aus der Ich-Perpektive von Ben, als auch personal aus der Sicht von Emi, allerdings mit auktorialen Einschüben erzählt. Eine stärkere Fokussierung auf die beiden Protagonisten und ihre Gedanken und Gefühle hätte hier eine noch intensivere Bindung zwischen dem Leser und den Charakteren ermöglicht. Gleiches gilt im Übrigen für den etwas zu beschreibenden Schreibstil des Autors – etwas mehr „Show, don’t tell“ hätte den Lesefluss noch verstärken können. Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie und ermöglicht es dem Leser, sich in die dystopische Umgebung zu versetzen.

Die Buchgestaltung zeigt sich leicht verbessert zum Vorgängerband. Zwar sind Lektorat, Korrektorat und Buchsatz weiterhin kleinere Fehler durchgerutscht, allerdings nicht in der Häufigkeit des ersten Bandes. Das Covermotiv ist ähnlich und sorgt für einen Wiedererkennungswert der Reihe, insgesamt ist der Buchumschlag allerdings unauffällig und verschenkt Potential, insbesondere auf der Coverrückseite und den Coverinnenseiten.

Mein Fazit? „stromLos: odyssee“ ist ein im Wesentlichen gelungener Abschluss der dystopischen Dilogie, der sich leicht verbessert zum ersten Band zeigt und vor allem durch das endzeitliche Setting und eine spannende Handlung punkten kann. Kleinere Schwächen in der Erzählperspektive und dem Schreibstil trüben das Lesevergnügen nur leicht. Für alle Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Thorsten Steffens: „Klugscheißer Royale“

Zu Beginn des neuen Jahres habe ich „Klugscheißer Royale“ von Thorsten Steffens gelesen – vielen Dank an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Der Roman ist 2018 bei Piper Humorvoll in der Piper Verlag GmbH, München, veröffentlicht worden und am ehesten dem Genre humorvolle Literatur / Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Der Nachfolgeband, „Klugscheißer Deluxe“, ist im letzten Monat als e-Book erschienen.

41fj5UJdx4L._SX314_BO1204203200_Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dement­sprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhnliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht…

„Klugscheißer Royale“ ist nicht mehr – aber auch nicht weniger – als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch. Locker und humorvoll, und dabei leicht und flüssig zu lesen, zeichnet der Autor ein Porträt eines Mannes, der sich pleite, verlassen und arbeitlos zurück ins Leben zu kämpfen versucht.

Die Handlung kommt dabei etwas kurz, ist teils übertrieben, unrealistisch und bietet kaum große Höhepunkte. Darauf kommt es aber auch nicht an, denn vielmehr als mit einem durchgezogenen Spannungsbogen punktet der Roman mit der Aneinanderreihung von Alltagssituationen, die Timo auf humorvolle Weise mal besser, mal schlechter meistert.

Dabei entwickelt sich der Hauptprotagonist im Verlauf der Handlung durchaus weiter, ist generell dreidimensional und vielschichtig angelegt – mit Stärken und Schwächen. Durch die gewählte Erzählperspektive (Ich-Erzählung aus der Sicht von Timo) und die durchaus etwas tiefergehenden, selbstreflektierenden Momente, kann man sich gut mit dem Protagonisten identifizieren.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, insbesondere die Einbindung der Neologismen lockert den Text zusätzlich auf. Das Cover hingegen, vor allem auch die sehr eintönige Coverrückseite sind farblich ein Eyecatcher, mir aber fast zu kindlich und spiegeln die Handlung des Buches nicht wirklich wieder.

Mein Fazit? „Klugscheißer Royale“ ist kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch – sehr humorvoll, nie langweilig, aber auch ohne große Höhepunkte. Für Liebhaber humoristischer Literatur bedenkenlos zu empfehlen, auch ideal als Urlaubslektüre.

[Buchgedanken] Emily Bold: „UNSTERBLICH mein“ (The Curse 1)

Vor kurzem habe ich „UNSTERBLICH mein“, den ersten Band der Neuauflage von Emily Bolds „The Curse“-Reihe gelesen. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2019 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger GmbH erschienen und mein Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!). Die Erstveröffentlichung erfolgte 2011 im Selfpublishing. Das Buch ist dem Genre Young-Adult Romantasy zuzurechnen.

51iiBRSCUmL._SX336_BO1204203200_Um ihre Geografie-Kenntnisse aufzubessern, verbringt Samantha ihre Ferien in Schottland. Kaum bei ihrer Gastfamilie angekommen, wird sie von den Sagen und Mythen des Landes in den Bann gezogen. Genau wie von dem geheimnisvollen Payton, der ein düsteres Geheimnis zu verbergen scheint. Payton ist über zweihundert Jahre alt, für immer gefangen im Körper eines Neunzehnjährigen und dazu verflucht, keine Emotionen zu empfinden – bis er Sam begegnet, die ihn endlich wieder etwas fühlen lässt. Doch mit jedem Schritt in Paytons Richtung rückt Sam einer grausamen Wahrheit näher, die in den Wirren der Zeit versteckt ist.

„UNSTERBLICH mein“ ist ein überaus gelungener Auftakt in die Geschichte um Sam und Payton. Eingebettet in das unglaublich schöne Setting der schottischen Highlands, behandelt das Buch in zwei Zeitebenen die großen Fragen des Lebens: Liebe und Tod, Treue und Verrat. Auch wenn die Handlung dabei teils vorhersehbar bleibt, wird der Spannungsbogen die ganze Zeit gehalten und der Leser so ans Buch gefesselt – auch durch die gelungene Wahl der Haupterzählperspektive, der ich-Perspektive von Sam, mit der man sich auf diese Weise gut identifizieren kann. Sofern die Autorin doch mal in eine andere Perspektive wechselt, werden diese in personaler Form erzählt.

Im Großen und Ganzen sind die Charaktere vielschichtig, dreidimensional angelegt und haben eigene Stärken und Schwächen, wenn sie sich teils auch irrational verhalten oder etwas schwer von Begriff sind :). Insbesondere Sam, entwickelt sich hier im Laufe des Buches weiter, und ich würde mich freuen, in den Nachfolgebänden vielleicht mehr über Ashley und Sean zu erfahren.

Emily Bolds Schreibstil ist flüssig, leicht lesbar, bildhaft und sehr einfühlsam, und bringt einem die Welt von Schottland nahe. Bereits mit der ersten Seite beginnt das Kopfkino zu laufen und zieht den Leser in die Handlung. Diese endet übrigens mit einem vernünftigen Abschluss – und nicht, wie derzeit in Mode, mit einem brutalen Cliffhanger. Danke daür! 🙂 So oder so lässt der Roman genug Raum und offene Fragen für die Nachfolgebände, die ich bereits kaum erwarten kann.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, und das Cover ist wunderschön anzusehen, hochwertig geprägt und mit ausklappbaren, ebenfalls geprägten Klappen versehen. Einziger Wermutstropfen: bei einer solch liebevollen und detaillierten Gestaltung hätte ich mir farbige Coverinnenseiten gewünscht, diese fehlen leider. Ein gälisches Wörterbuch und eine Dramatis Personae am Ende runden das dennoch fantastische Gesamtpaket ab.

Mein Fazit: „UNSTERBLICH mein“ ist ein überzeugender Young-Adult Romantasy Roman, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer spannenden Handlung punkten kann, aber nicht ganz an die brillante „Silberschwingen“-Dilogie (Teil 1, Teil 2) heranreicht. Dennoch bin ich sehr auf die Nachfolgebände gespannt, und kann das Buch bedenkenlos jedem Leser des Genres ans Herz legen. Die vom Verlag vorgeschlagene Altersempfehlung würde ich allerdings minimal korrigieren und das Buch ab einem Alter von 13/14 empfehlen.

[Buchgedanken] Anna Fischer: „Herz trifft Prinz“

In der letzten Zeit habe ich Anna Fischers neuesten Herz-Roman gelesen – vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. „Herz trifft Prinz“ wurde 2019 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht und ist dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Meine Besprechungen zu den anderen – eigenständigen – Romanen der Reihe findet ihr hier („Herz in Reparatur“, „Herz sucht Callboy“).

51U0heA59ZLEllen hat nicht nur Pech in der Liebe, sondern auch in ihrem Job als Journalistin. Denn heutzutage wird immer mehr auf die Sensationsgier der Leser gesetzt. Statt über berührende Erlebnisse zu berichten, zwingt Ellens Konto sie dazu, Banales über Stars und Sternchen zu schreiben. Als Ellen dahinterkommt, dass der charmante Hot-Dog-Verkäufer Jamal in Wahrheit ein Prinz aus der Südsee ist, der Inkognito in San Francisco lebt, glaubt sie, die passende Geschichte liefern zu können. Ihre begeisterte Chefin möchte allerdings kein simples Portrait, sondern eine intime Undercover-Lovestory. Trotz moralischer Bedenken überredet Ellen den ahnungslosen Jamal zu einer Tour durch Kalifornien. Doch dabei entwickeln sich unerwartet Gefühle und sorgen auf beiden Seiten für ziemliches Chaos …

„Herz trifft Prinz“ ist nicht nur eine charmante und erfrischende Liebesgeschichte, sondern auch eine leichte Anklage an die heutige Medienwelt, an Sensationsjournalismus und die Relevanz von Klickzahlen. Es prangert das Fehlen ethischer Grundsätze im Journalismus an und bedauert die fehlende Fokussierung auf relevante Inhalte. Dabei wird der Roman jedoch nicht allzu belehrend, nicht zu sehr gesellschaftskritisch und verliert den Fokus zur zugrundeliegenden Liebesgeschichte nicht.

Auch wenn die Handlung genrebedingt vorhersehbar ist und – trotz einiger unerwarteter Wendepunkte ohne allzugroße Überraschungen auskommt, gelingt es Anna Fischer doch, die Spannung dauerhaft zu halten, den Leser an die Seiten zu fesseln. Dies liegt zum  einen an der perfekten Wahl der Erzählperspektive (Ich-Erzähler aus Ellens Sicht) und zum anderen an dem – insbesondere in Dialogen – lockeren und frischen Schreibstil, der die Chemie und Harmonie zwischen den Figuren perfekt transportiert.

Das Setting ist malerisch und sorgt dafür, dass der Leser sich nach Kalifornien träumt. Tolle Sehenswürdigkeiten, spannende Gegensätze und illustre Figuren – die Autorin fängt in ihren Beschreibungen ein Panorama des amerikanischen Lebensgefühl ein und lässt den Leser zusammen mit den Charakteren daran teilhaben. Diese sind zudem vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, Motive und Ziele. Allerdings kommen aus meiner Sicht dieses Mal die Nebencharaktere etwas zu kurz. Ich hätte gern noch mehr von Sharky, noch mehr von Rosita, Ben und allen anderen erfahren. Auch wenn es wie ein leichter Widerspruch klingt – da dort doch gerade einige Nebenfiguren wieder auftauchen – werde ich auch mit dem Epilog nicht so ganz warm und hätte das Buch gern mit dem letzten Kapitel enden lassen.

Die Buchgestaltung ist im wesentlichen gelungen – Satz, Korrektorat und Lektorat haben ordentlich gearbeitet und nur kleinste Fehler übersehen. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für eine hohen Wiedererkennungswert. Mir fehlt allerdings etwas der Bezug zur Story. Klar war es – unter Berücksichtigung der Reihencover – nicht möglich, die unglaublichen Orte, die die Protagonisten besucht haben, in den Hintergrund zu packen. Wenn jedoch der männliche Protagonist dunkelhäutig ist, hätte ich mir gewünscht, dies auch auf dem Cover widergespiegelt zu sehen.

Mein Fazit? „Herz trifft Prinz“ ist eine lockere, erfrischende Liebesgeschichte mit leicht gesellschaftskritischen Anklängen, die vor allem durch ein malerisches Setting und die Harmonie zwischen den Charakteren begeistert. Für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Anna Fischer: „Herz sucht Callboy“

In den letzten Tagen habe ich „Herz sucht Callboy“ gelesen, mein zweites Buch von Anna Fischer nach „Herz in Reparatur„. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Vorab-Rezensionsexemplares. „Herz sucht Callboy“ ist am 21.05.2019 bei Montlake Romance, Amazon Media EU s.à r.l. erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen.

51YbCM5lneL._SX337_BO1204203200_Paula wird in Sachen Liebe bitter enttäuscht. Deshalb kehrt sie nicht nur ihr, sondern auch ihrer Heimat Berlin den Rücken und wandert nach New York aus. Sieben Jahre später ist sie Top-Scheidungsanwältin und immer noch überzeugter Single. Um bei ihrem konservativen Arbeitgeber den Karriereschritt zur Junior-Partnerin zu machen, muss sie jedoch zwingend verheiratet sein. Deshalb engagiert sie den Callboy Scott für eine Scheinehe. Leider entpuppt er sich als die Unzuverlässigkeit in Person. Doch nachdem sie ihn als ihren Verlobten ausgegeben hat, kann sie ihn nicht wie ein unpassendes Kleidungsstück umtauschen. Als Paulas Plan, sich schnell standesamtlich trauen zu lassen, völlig außer Kontrolle gerät und plötzlich auch noch ihre zukünftigen Schwiegereltern auf der Matte stehen, müssen die beiden länger als gedacht das verliebte Pärchen spielen …

„Herz sucht Callboy“ – um das Ergebnis gleich mal vorwegzunehmen – gefällt mir noch eine Spur besser als „Herz in Reparatur“. Die Prämisse ist innovativ, die Handlung spannend und konfliktbasiert, wenn auch genrebedingt teils vorhersehbar. Mit unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin jedoch immer mal wieder, den Leser zu überraschen, dem Geschehen eine neue Dynamik einzuhauchen.

Dabei ist es nicht nur das – erneut – malerische Setting, sondern es sind vor allem die krassen Gegensätze, die die Handlung enorm vorantreiben. Deutschland und Amerika, Staranwältin und Callboy, High-Society und Landleben – stets pointiert, aber nie klischeehaft stellt Anna Fischer die Protagonisten regelmäßig vor neue Hindernisse, reißt sie aus ihren Komfortzonen und sorgt gerade damit dafür, dass der Leser die Charaktere besser kennenlernt. Die perfekt gewählte Erzählperspektive (Ich-Perspektive von Paula) trägt das Ihrige dazu bei, dass der Leser sich gut mit der Protagonistin identifizieren kann, mit ihr leidet, und das Buch am liebsten nicht aus der Hand legen möchte.

Auch die Nebencharaktere überzeugen auf ganzer Linie. Sei es Charlie mit seinem Kater Tolstoi, Rachel, Abby, Doro oder Buddy – ein jeder hat seine eigene, wichtige Rolle und trägt die Handlung voran. Dabei entwickeln sich vor allem die Protagonisten, aber auch deren Eltern, im Laufe des Buches konsequent weiter, zeigen Stärken und Schwächen. Erneut bricht die Autorin klassische Rollenmuster auf und stellt eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die den klassischen New-Adult-Romanen entwachsen ist, die mit über 30 Jahren mitten im Leben steht und deren bewegte Vergangenheit daher großen Einfluss auf ihre Zukunft hat.

Anna Fischers Schreibstil ist leicht und lässt sich flüssig lesen. Gefühlvoll, witzig und charmant nimmt die Autorin den Leser an die Hand und lässt das Kopfkino anspringen, bei einer erneut gelungenen Schwerpunktsetzung.

Die Buchgestaltung kann größtenteils überzeugen. Lektorat und Korrektorat haben sehr sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls solide. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für ein einheitliches Reihenbild und einen Wiedererkennungswert. Auch wenn es mir zudem eine Spur besser gefällt als bei „Herz in Reparatur“, fehlt mir erneut etwas der Bezug zur Geschichte, etwas Mut und Innovation.

Mein Fazit? „Herz sucht Callboy“ ist ein überzeugender Liebesroman, der durch ein tolles Setting, interessante Charaktere und ein enormes Konfliktpotential punktet. Für Liebesromanleser bedenkenlos zu empfehlen – Feel-Good-Feeling inklusive.

[Buchgedanken] Mona Kasten: „Trust Again“ (Again 2)

In den letzten Tagen habe ich „Trust Again“ von Mona Kasten gelesen, den zweiten Teil ihrer wundervollen „Again“-Reihe. Das Buch ist 2017 bei Lyx in der Bastei Lübbe AG, Köln, erschienen und dem Genre New-Adult Romance zuzurechnen. Meine Besprechung des Vorgängers kann *hier* abgerufen werden.

41euzRjPVaL._SX312_BO1204203200_In dem Moment, in dem sie Spencer Cosgrove zum ersten Mal gegenübersteht, weiß Dawn, dass sie ein Problem hat. Ein großes Problem. Spencer ist sexy, charmant und lustig, genau ihr Typ – und er beginnt augenblicklich mit ihr zu flirten. Doch Dawn hat sich geschworen, die Finger von Männern zu lassen. Zu tief sitzt der Schmerz, den sie empfindet, weil sie der falschen Person vertraut hat, zu groß ist die Wunde, die sein Verrat hinterlassen hat. Aber Spencer gibt nicht auf. Und als Dawn herausfindet, dass auch er ein herzzerreißendes Geheimnis verbirgt, wird ihr klar, dass sie keine Chance hat gegen die Art und Weise, wie er ihre Welt auf den Kopf stellt …

„Trust Again“ spielt kurz nach der Handlung von „Begin Again“ und schreibt die Geschichte fort. Auch wenn der Fokus auf anderen Protagonisten liegt, fühlt es sich doch wie eine Fortsetzung an. Man trifft liebgewonnene Charaktere wieder und lernt neue Figuren kennen. Die einzelnen Figuren werden dabei konsequent weiterentwickelt, werden mit jeder Seite, jedem Kapitel dreidimensionaler und plastischer. Besonders gefallen hat mir dabei auch Sawyer – daher freue ich mich schon sehr darauf, mehr von ihr im dritten Band zu lesen.

„Trust Again“ ist eine emotionale Achterbahnfahrt, ist – wie der Name es schon andeutet – auch ein Buch über Vertrauen, über Bindungsängste und Geheimnisse. Es ist ein Buch voller Stärke und Zerbrechlichkeit, voller Verzweiflung, Kraft und Mut. Und natürlich voller Liebe – eindringlich, romantisch und erotisch. Mona Kasten gelingt es dabei, den Leser an die Buchseiten zu fesseln und nicht mehr loszulassen. Dies wird auch durch die gelungene Wahl der Erzählperspektive begünstigt. Die Geschichte aus Dawns Sicht erleben zu können, hilft dem Leser, sich mit ihr zu identifizieren, mit ihr zu leiden und zu lachen.

Das Setting ist, wie bereits bei „Begin Again“ gelungen, der Schreibstil der Autorin leicht und flüssig. Die einzige Kleinigkeit, die ich anmerken möchte, ist weniger Kritik, sondern viel mehr eine vertane Chance. So kleinlich es auch klingen mag, ich hätte mir gewünscht, dass Spencers und Dawns „27. Kapitel“ – ein zentrales Handlungselement – sich schlussendlich im 27. Kapitel des Romanes wiederfindet. Das hätte noch für einen zusätzlichen „Wow“-Moment beim lesen gesorgt. Abgesehen davon ist „Trust Again“ ein wundervoller, atemberaubender und hochemotionaler New-Adult-Titel, der sicherlich mitgeholfen hat, Mona Kastens kometenhaften Aufstieg zur #1-Bestsellerautorin zu bewerkstelligen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Satz sind gelungen, das Cover ist wunderschön und sorgt – auch in Kombination mit den anderen Covern der Reihe – für einen hohen Wiedererkennungswert. In der Hoffnung, nicht zuviel hineinzuinterpretieren, begeistert mich auch die Wahl der jeweiligen Grundfarbe des Covers. Während das Weiß von „Begin Again“ für den Neuanfang steht, kann das Schwarz dieses Buches die dunklen Geheimnisse, die düsteren Seiten in jedem von uns, aber vor allem auch in den Protagonisten, symbolisieren. Ich bin schon gespannt, was es mit dem Pink des dritten Teiles auf sich hat.

Mein Fazit? „Trust Again“ ist nahezu perfekt, New-Adult in Reinform. Das Buch überzeugt durch tolle Charaktere, starke Emotionen und ein gelungenes Setting. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

 

Die Qual der Wahl: Die richtige Erzählperspektive

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Aus der Laune des Schicksals heraus – ich weiß auch nicht, wie es mich überkommen hat – habe ich beschlossen, mich mal wieder um eines meiner (Kurz-)Romanprojekte zu kümmern. Und schnell fiel die Wahl auf mein Lieblingsprojekt mit dem Arbeitstitel „Hinter der Maske“, eine realistisch-gehaltene Märchenadaption, die im London der Gegenwart spielt. Ein Plot für den ersten Teil (etwa die ersten 80 Seiten) steht, geschrieben waren auch bereits mal schon über 30. Doch damals bereits – und auch heute – kann ich mich irgendwie nicht zwischen den Erzählperspektiven entscheiden. Hauptfigur – und aufgrund des Märchens ganz zentraler Fixpunkt der Geschichte – ist die 17-jährige Sahar. Da es jedoch ganz vereinzelt Kapitel geben wird, in denen sie nicht vorkommt, stehen die folgenden Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Ich-Perspektive von Sahar mit personalen Erzählperspektiven der jeweiligen anderen Charaktere in deren Kapiteln (Vorbild: Diana Gabaldons Highlandsaga)
  • Komplett personale Erzählperspektive des jeweils dominierenden Charakters, also auch in den 90%-Kapiteln, die Sahar betreffen.

Was denkt Ihr? Was lest Ihr gern? Was könnt Ihr in Büchern gar nicht ab? Ich bin auf Eure Meinungen gespannt … und habe bereits jetzt Angst davor, das Projekt irgendwann Testlesern zu geben, die mir sagen, dass ich doch die falsche Perspektive gewählt habe :D.

[Buchgedanken] Valentina Fast: „Royal: Eine Krone aus Alabaster“

Die erste Rezension des neuen Jahres gebührt einem wirklichen Highlight. Um den Jahreswechsel habe ich „Royal: Eine Krone aus Alabaster“, den zweiten Sammelband von Valentina Fasts märchenhafter Buchreihe gelesen. Er beinhaltet die e-Book-Teile 3 und 4 und ist als Impress Taschenbuch 2017 im Carlsen Verlag erschienen. Das Buch ist am ehesten dem Genre Dystopie zuzuordnen, die Besprechung des Vorgängerbandes findet ihr hier.

~~~ Achtung! Die Buchbesprechung könnte leichte Spoiler aufweisen ~~~

51xptekbwwl-_sx319_bo1204203200_Obwohl sich die Reihen der Kandidatinnen merklich lichten, weiß noch immer keine von ihnen, welcher der vier jungen Männer der Prinz ist. Während Tatyanas Mitbewohnerin Claire bereits hoffnungslos einem der Männer verfallen ist, tobt in Tatyana ein Kampf der Gefühle. Obwohl Phillip ihr Herz bei jeder Bewegung in Aufruhr versetzt, spürt sie, dass er ihr etwas verheimlicht. Etwas, das mit ihren verlorenen Erinnerungen zusammenhängt. Als sie endlich die Wahrheit erfährt, ist nichts mehr so, wie es vorher war.

Die Handlung von „Royal: eine Krone aus Alabaster“ knüpft nahtlos an den Vorgängerband an und schreibt diese kontinuierlich fort. Auch vom Niveau her kann der Band – trotz kleinerer Schwächen – mit dem ersten Teil mithalten. Insbesondere bin ich weiterhin ein Fan des sehr gelungenen Weltenbaus und der Ich-Perspektive, die den Leser nah an den Gedanken und Gefühlen von Tanya hält.

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, und der Leser durch unerwartete Wendungen durchaus ins Ungewisse geführt. Kleinere, logische Ungereimtheiten mindern dabei nicht das Lesevergnügen. Die Charaktere, insbesondere Claire, entwickeln sich stetig weiter und sind das Herzstück des Romans, der mit glänzenden Nebencharakteren (unter anderem Erica und Charles) punktet. Lediglich das Handeln der Protagonistin erschien mir gelegentlich nicht nachvollziehbar.

Auch wenn der Cliffhanger am Ende des Romans nicht so stark ausfällt, wie im Vorgängerband, liegt dennoch keine abgeschlossene Handlung vor und der Roman kann keinesfalls als Standalone gelesen werden. Als Mittelteil einer Trilogie funktioniert er hingegen gut und läutet ein spannendes Finale ein. Valentinas Schreibstil ist flüssig, gefühlvoll und lässt sich gut lesen. Das Cover ist ein Traum und bietet einen hohen Reihenwiedererkennungswert. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet.

Mein Fazit? „Eine Krone aus Alabaster“ ist eine gelungene Fortsetzung von Valentina Fasts spektakulärer Royal-Trilogie. Leichte Unstimmigkeiten werden durch einen gelungenen Weltenbau und überwiegend tolle Charaktere mehr als wettgemacht. Die Buchreihe gehörte zurecht zu meinen Lesehighlight 2017 – der Abschluss der Reihe kann gar nicht schnell genug erscheinen.

 

[Buchgedanken] Ulla Scheler: „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“

Heute, an meinem Geburtstag, möchte ich Euch ein Buch vorstellen, das mich regelrecht begeistert und auf den letzten Drücker einen Platz in meinen Jahreshighlights erobert hat. Es handelt sich um den Debütroman der bezaubernden Autorin Ulla Scheler: „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“. Das Buch ist 2016 unter dem Label „heyne>fliegt“ des Wilhelm Heyne Verlags in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen und dem Genre Jugendbuch zuzuordnen. Die mir vorliegende Taschenbuchausgabe ist bereits aus der zweiten Auflage.

51klbkb1ipl-_sx328_bo1204203200_„Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist die Geschichte von Hanna und dem Graffitikünstler Ben, die Geschichte zweier Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, und die doch so viel verbindet. Nach dem Abitur fahren sie in Bens klapprigem Auto ins Ungewisse und landen am Meer, an einem legendenumrankten Strand. Eine Zeit voller Geschichten, Abenteuer, Mutproben und Überraschungen beginnt, eine intensive  Zeit, die die beiden näher zusammenbringt als jemals zuvor. Bis zu dem Tag, als sich die Ereignisse wiederholen …

Mir fehlen, irgendwie immernoch, die Worte, um dieses Buch auch nur ansatzweise adäquat zu beschreiben, selbst die Kurzzusammenfassung war bereits ein Kampf. „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist nicht nur ein Buch, es ist auch ein wahrer Zitateschatz für alle Lebenslagen, ein Buch mit Passagen, so wundervoll, dass mir als Autor der Text ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das war bereits seit dem Anfang des Buches klar, denn es beginnt mit einem der markantesten ersten Sätze, die ich je gelesen habe:

„Zu meinem achtzehnten Geburtstag schenkte mir mein bester Freund Ben eine Sachbeschädigung.“

Mal behutsam, mal intensiv, aber immer ehrlich und gefühlvoll führt Ulla Scheler den Leser mit zauberhaften Worten in die Geschichte, die einen nicht mehr loslässt. Durch die (glücklich gewählte) Ich-Perspektive von Hanna ist man so nah an der Handlung, leidet, lacht und fühlt mit der Protagonistin. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, und lässt sich gut lesen – ein beeindruckendes Debüt, für das die Autorin zurecht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war.

20171112_223806Die Handlung ist spannend, bietet unerwartete und überraschende Wendungen. Doch viel wichtiger als die Handlung sind in diesem Fall die eingebundenen Charaktere, nicht nur die Protagonisten Hanna und Ben, sondern auch die überzeugenden Nebencharaktere wie Chloe und Sam. Es ist erstaunlich und umso beeindruckender, dass ein Buch mit so wenig Charakteren auskommt und gleichsam so viel zu erzählen hat.

Auch die Umsetzung der Geschichte in Buchform überzeugt restlos, das Cover ist hochwertig geprägt und hat farbige Coverinnenseiten, der Buchsatz ist innovativ und gelungen, besonders die eingebauten Listen überzeugen. Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls gute Arbeit geleistet.

Mein Fazit? „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist ein überragendes Debüt von Ulla Scheler, das sich vor Genregrößen wie John Green nicht zu verstecken braucht. Der Roman punktet mit starken Charakteren und einer gefühlvollen, eindringlichen Sprache. Bedenkenlos zu empfehlen – und für mich eines der Bücher meines Lesejahres. Ich freue mich bereits jetzt auf „Und wenn die Welt verbrennt“, das zweite Buch der Autorin, das ganz oben auf meiner Leseliste für 2018 liegt.

Ps: Ich habe das Gefühl, dass diese Rezension noch nicht ansatzweise ausreicht, mir noch dutzende Gedanken im Kopf herumschwirren. Sofern sich dies weiter aufklart, werde ich vielleicht noch den ein oder anderen Satz ergänzen.

[Buchgedanken] Ava Reed: „Wir fliegen, wenn wir fallen“

Bevor es ab morgen zur Messe geht, fange ich doch mal an, den Rezistapel noch etwas abzuarbeiten. Beginnen möchte ich heute mit einem absoluten Highlight: „Wir fliegen, wenn wir fallen“ von Ava Reed ist ein Jugendbuch aus dem Ueberreuter Verlag und erschien 2017. Mein Exemplar ist bereits aus der zweiten Auflage und ein wundervolles Hardcover. Ich habe es mir nach einer fabelhaften Lesung von Ava auf der Leipziger Buchmesse direkt beim Verlag gekauft und signieren lassen (die Stunde in der Schlange war das locker wert!).

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ ist die Geschichte von Yara und Noel, vom Lesemädchen617m2b75rhbl-_sx312_bo1204203200_ und dem Einzelgänger, der bei McDonalds Burger brät. Es ist aber auch etwas die Geschichte von Phil, dem alten Mann, der für beide eine Art Rettungsanker und Halt ist. Nach seinem Tod hinterlässt er ihnen eine Liste mit zehn unerfüllten Wünschen, die sie zusammen erledigen sollen. Eine Reise, zwei unterschiedliche Charaktere, mehrere Kontinente und Länder. Und alles für das Leben. Doch gelingt es beiden, die Schatten der Vergangenheit wirklich abzuwerfen?

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ ist ein Jugendbuch, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Es ist eine Ode an das Leben, die Liebe und die Vergänglichkeit. Es ist so intensiv und gefühlvoll, dass ich der Autorin selbst ausnahmsweise mal die zwei „Ich-Perspektiven“ verzeihe, womit ich sonst gewöhnlicherweise nicht klarkomme. Sonst … denn „Wir fliegen, wenn wir fallen“ ist kein gewöhnliches Buch, sondern bereits jetzt (ja, ich weiß, dieses Jahr wird es verdammt eng, so oft wie ich das auslobe) eines meiner Lesehighlights des Jahres.

Der Stil der Autorin ist wunderbar und lässt sich flüssig und leicht lesen, ist gleichzeitig aber intensiv und athmosphärisch. Man ist dicht bei den Figuren, liebt und leidet mit ihnen, lacht und weint. Auch wenn Noel mich anfangs etwas genervt hat, bin ich doch nach und nach mit ihm warmgeworden und konnte ihn besser verstehen. Zu Yara muss nicht mehr gesagt werden, als: Sie ist perfekt!

Zwar sind Teile der Handlung durchaus vorhersehbar – sonst würde die Prämisse auch gar keinen Sinn ergeben. Dennoch gelingt es Ava Reed den Spannungsbogen dauerhaft aufrechtzuerhalten, und immer mal wieder kleine Überraschungen für den Leser einzustreuen. Ganz besonders gefallen hat mir übrigens die zweite 10-Punkte-Liste am Ende des Buches. Gelungen ist auch, dass die Autorin – trotz der teilweise auch schweren Themen – die Balance die ganze Zeit hält und das Jugendbuch nicht zum Schicksalsroman abgleiten lässt.

Das Buch ist wunderbar gesetzt, Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls sauber gearbeitet. Wer sich jedoch wieder selbst übertroffen hat, ist Covergott Alexander Kopainski, der für „Wir fliegen, wenn wir fallen“ eines meiner absoluten Lieblingscover von ihm gezaubert hat.

Mein Fazit: Mit „Wir fliegen, wenn wir fallen“ erschafft Ava Reed ein bezauberndes und überzeugendes Jugendbuch, das vor allem durch tolle Charaktere und einen intensiven, gefühlvollen Schreibstil punktet. Nicht nur für Leser von Jugendbüchern bedenkenlos zu empfehlen.