[Buchgedanken] Marco Wanda: „Dass es uns überhaupt gegeben hat“

In den letzten Tagen habe ich auch „Dass es uns überhaupt gegeben hat“ von Marco Wanda gelesen. Das Buch ist 2025 in der Paul Zsolnay Verlag Ges. m. b. H. veröffentlicht worden und als autobiografischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

On the road mit Marco Wanda! Der Bandleader und Songwriter von „Wanda“ hat ein Buch geschrieben. Er erzählt die Geschichte eines Erfolgs und verschweigt nicht den Preis, den man dafür zahlt, er erzählt von Wien und den Menschen, die diese Stadt ausmachen, von einer Künstlergeneration, die „zum lebenden Kult“ geworden ist. Ein bestechend ehrliches Buch über einen, der mehr erreicht hat, als er sich jemals vorstellen konnte – und der überlebt hat.

„Dass es uns überhaupt gegeben hat“ ist das Debüt von Marco Wanda, dem Frontmann der bekannten und hochdekorierten österreichischen Band Wanda. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist mehr oder weniger ein bunter Genremix, der als literarisches Selbstporträt beschrieben wird. Teils wird es auch im Feuilleton als Coming of Age oder literarischer Roadtrip bezeichnet – ich habe es der Einfachheit halber beim autobiografischen Roman belassen.

Denn in dem Buch beschreibt Marco Wanda seine frühen Jahre, die Entstehungsgeschichte der Band, deren Hoch- und Problemphasen. Zugute halten muss man ihm hier, dass die Erzählung schonungslos ist, nichts verschweigt – lediglich das Privatleben wird nahezu vollkommen ausgeklammert. So bietet das Buch einen interessanten Einblick in die österreichische Underground-Szene und deckt dabei im Wesentlichen die Jahre von 2010 bis etwa 2023 ab.

Doch so spannend und kurzweilig das teils auch ist, so erschreckend ist es auch. Gefühlt besteht das Buch im Wesentlichen aus Alkohol – und Drogenexzessen, blinder Zerstörungswut und selbstzerstörerischem Verhalten. Die ungleich spannende Entstehungsgeschichte einiger Songs gerät dabei etwas in den Hintergrund. Lediglich zum Ende hin wird hier etwas reflektiert, nachdem den Großteil des Buches eher verharmlosend über die Exzesse berichtet wurde, die auch nicht durch den kometenhaften Aufstieg der Band entschuldigt werden können.

Am spannendsten wird das Buch, wenn Marco Wanda von seinen wenigen Reisen fernab der Band berichtet, von seiner Zeit in Kairo oder in Paris, wenn auch – in den letzten Reisen – hier teils ein problematisches Verhältnis zu Geld und zu Kellner:innen durchscheint, deren freundschaftliche Zuneigung er sich über großzügige Trinkgelder erkauft. So oder so – eine Welt, die so fernab der Realität normaler Menschen ist, dass man sich schwerlich damit identifizieren kann.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, hätte aber durchaus Kapitel zu Seitenbeginn und nicht teils mitten auf den Seiten starten können. Der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt, das unter dem Umschlag befindliche Buch eher schlicht. Das Cover“motiv“ setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitlicher Gesamteindruck entsteht, ist farblich ansprechend, aber ohne großen Bezug zur Handlung und kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Dass es uns überhaupt gegeben hat“ ist ein spannender und interessanter Einblick in die Künstlerseele von Marco Wanda, der leider sehr destruktiv daherkommt und wenig Sympathien weckt. Für musikinteressierte Leser:innen dennoch zu empfehlen – nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.

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