[Buchgedanken] Nina MacKay: „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“

In den letzten Tagen habe ich den zweiten Teil von Nina MacKays Hipster-Märchen Reihe gelesen. „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“ ist 2017 im Drachenmond Verlag erschienen und – in Anlehnung an meine Kategorisierung des Vorgängers – als humoristisch-phantastische Young-Adult-Märchenadaption einzuordnen. Die Besprechung des ersten Bandes, Rotkäppchen und der Hipster-Wolf, der auch in meinen Jahreshighlights 2017 vertreten war, kann *hier* abgerufen werden.

61gHUhzFkhL._SX341_BO1204203200_Der Märchenwald ist in Aufruhr, alle Happy Ends sind in Gefahr. Nach dem Tod ihres Vaters kocht Prinzessin Jasemin vor Wut und droht mit Krieg. Um den Märchenwald zu retten, ist die Prinzessinnen-Gang auf die Hilfe der Hexen angewiesen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem verlorenen Kind und dem achten Zwerg. Doch leider kann Red dabei nicht auf die Hilfe ihrer wahren Liebe zählen. Denn Ever, der Hipster-Wolf, ist plötzlich verschwunden, und Jaz ist nur zu bereit, dessen Platz an der Seite von Red einzunehmen …

„Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“ knüpft nahtlos an die Handlung des Vorgängers an und setzt diese konsequent fort. Erneut begeistert mich das traumhafte Setting – sowie der unvergleichliche Humor durch die Verschmelzung der klassischen Märchenfiguren mit der modernden Welt. Die Geschichte sprüht einfach vor Kreativität und sorgt mit immer neueren und abstruseren Auswüchsen für sehr, sehr viel Spaß beim Lesen.

Auch wenn in der Fortsetzung einige neue Figuren auftreten, sind es doch vor allem die altbekannten Charaktere, die wieder die Handlung vorantreiben. Dabei ist die Entwicklung der Charaktere exzellent gelungen – gerade die Namensgeberin der Fortsetzung Cinder, aber auch Rose und der Rest der Prinzessinnen-Gang hat sich toll gemacht. Lediglich von Red, die aus meiner Sicht etwas in ihrer Gefangenschaft zwischen den wahren Lieben stagniert, bin ich etwas enttäuscht.

Gleichwohl bin ich froh darüber, dass Nina MacKay, trotz der vielen Perspektivwechsel, nur eine Ich-Perspektive benutzt, und sonst in den personalen Erzähler wechselt. Dies ist aus meiner Sicht die beste Lösung für wechselnde Perspektiven, und ermöglicht dem Leser eine starke Bindung und Identifizierung mit der Ich-Erzählerin Red. Auch die durchweg spannende Handlung mit unerwarteten Wendungen fesselt den Leser an die Buchseiten und sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Mit dem Ende kann ich mich allerdings nicht so ganz anfreunden. Zwar verstehe ich den Sinn von Cliffhangern, um Buchreihen fortzusetzen und die Menschen zum Kauf der Folgebände zu animieren, hier finde ich es jedoch zu krass ausgeprägt. Aus meiner Sicht liegt kein Abschluss vor, sondern eher ein Wendepunkt im Sinne klassischer Dramaturgie, an den eigentlich noch das Ende anknüpfen müsste. Dies mag nur mein persönlicher Geschmack sein, aber so richtig befriedigt hat mich der Schluss nicht zurückgelassen.

Die Buchgestaltung ist insgesamt als gelungen anzusehen. Das Cover ist wunderschön und fügt sich gut in die Reihe ein, die Coverrückseite ist mir allerdings etwas zu textlastig und überladen. Der Buchsatz ist – wie üblich beim Drachenmond Verlag – zauberhaft und mit zwei Illustrationen noch zusätzlich aufgewertet. Leider sind beim Lektorat und Korrektorat kleinere Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss allerdings nicht erheblich stören und noch im Toleranzbereich liegen. Zudem ist dem Verlag auf dem Buchrücken ein – gravierender – Fehler unterlaufen: der Titel ist falsch geschrieben. Und so charmant „Aschenpuutel“ auch klingt, und so clever es als Erstausgabe und Sammlerstück beworben worden ist, sollte man dennoch nicht darüber hinwegsehen, dass sowas nicht passieren darf.

Mein Fazit? „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe und kann vor allem durch die tolle Entwicklung der Charaktere begeistern. Kleinere Schwächen in der Bucherstellung vermögen dabei den tollen Gesamteindruck nicht zu trüben. Für alle Märchenliebhaber und Fans humoristischer Fantasy bedenkenlos zu empfehlen.

 

 

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