Stunden vor der Leipziger Buchmesse möchte ich heute noch eine Rezension mit Euch teilen – die weiteren ausstehenden (insbesondere vom Seraph) folgen ebenfalls in Kürze. Zuletzt habe ich jedoch „Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“ von Julia Nowak gelesen. Der Roman ist 2024 bei Leseglück in der EK2-Publishing GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars nach Rezensionsangebot.

Um seiner Familie nach dem Großen Weltkrieg ein Auskommen zu ermöglichen, verpflichtet sich der friedliebende 18-jährige Hans widerwillig zur Armee. Kurz darauf stellt ihn das Leben auf eine harte Probe … Nach einem tragischen Schicksalsschlag findet sich Hans, am Boden zerstört, in den Wirren der 20er Jahre wieder, wenn Deutschland unaufhaltsam auf die nächste Katastrophe zusteuert. Hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Liebe, trifft Hans eine folgenschwere Entscheidung …
„Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“ ist der unter dem Pseudonym „Julia Nowak“ verfasste Debütroman einer baden-württembergischen Lektorin, der zu großen Teilen auf dem Leben ihres Großvaters beruht. Dabei lässt er sich gar nicht so leicht (nur) einem Genre zuordnen. So ist der Roman unzweifelhaft historisch, entführt er den Leser doch in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Gleichsam handelt es sich jedoch auch um eine Familiensaga und – durch das vorweggenommene Ende – durchaus auch um einen Schicksalsroman. Der Einfachheit halber habe ich es dennoch bei der – in meinen Augen am besten passenden – Kategorisierung als historischer Roman belassen.
Die Handlung ist durchaus spannend, auch wenn das Ende aklimaktisch vorweggenommen worden ist. Positiv ist weiterhin, dass – vom Beginn mal abgesehen – anschließend sehr stringent und ohne Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen erzählt wird. Allerdings rast die Autorin hier auch durch die Zeiten, die Jahre 1920 bis 1950 in einem so kurzen Roman von unter 200 Seiten nachzuerzählen, ähnelt teils sehr einem Bericht. Vielleicht hätte man hier an einigen Stellen etwas stärker ausholen können, um die Ereignisse für den Leser greifbarer, spürbarer zu machen – und so auch eine stärkere Bindung zu den Figuren zu ermöglichen. So sind die Zeitsprünge, gerade anfangs, sehr abrupt, groß und nicht immer nachvollziehbar.
Das Setting ist durchweg gelungen. So entführt die Autorin den Leser ins Deutschland der Weimarer Republik, in die dunkle NS-Zeit und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, nimmt ihn mit ins besetzte Frankreich und die Festung Breslau – gerade aus letzterer werden hier eindringliche Bilder gezeichnet, auch wenn man hier vielleicht noch stärker die Verzweiflung und Nutzlosigkeit hätte herausarbeiten können. Und auch die innerdeutschen Schrecken werden hier nur angedeutet; SA, SS, Gestapo spielen nur unbedeutende Nebenrollen.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, können jedoch aufgrund der schon angesprochenen Kürze nicht alle im Detail ausgearbeitet werden. Hierbei überzeugen vor allem noch Maries Mutter und Julius als wichtige Nebencharaktere, da sie durch ihre Stärken aber auch Schwächen rund und dreidimensional daherkommen. Julia Nowaks Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist hingegen durchaus ausbaufähig. So sind Lektorat und/oder Korrektorat hier doch vermehrt Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss leicht schmälern, und auch der Satz ist nicht fehlerfrei. Positiv zu sehen ist, dass sich das Titelmotiv auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fortsetzt und so ein schönes Gesamtbild entsteht, das jedoch zwar durchaus Anklänge zur Handlung im Buch hat, in der Komposition aber ebenfalls nicht ganz stimmig wirkt und kein Eyecatcher ist.
Mein Fazit? „Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“ ist ein durchaus gelungenes Debüt, das mit seinem Setting und einer interessanten und sehr persönlichen Handlung glänzt, aber etwas mehr Fülle hätte vertragen können – und eine bessere Verlagsperformance. Für Liebhaber biographisch angelehnter, historischer Romane dennoch zu empfehlen.
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