[Buchgedanken] Katherine Black: „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ (May Morrigan 1)

Vor kurzem habe ich auch „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ von Katherine Black gelesen, die Übersetzung stammt von Dr. Dietmar Schmidt. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Kriminalroman einzuordnen, die Originalausgabe wurde im Jahr 2023 unter dem Titel „A Most Unusual Demise“ bei Bloodhound Books veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

May Morrigan, Bibliothekarin a. D., trägt bevorzugt Perlenkette und Pastell, ihr Herzensort ist ihre imposante Buchhandlung. Die alte Dame lebt in einem englischen Landidyll vor den Toren Londons, gemeinsam mit ihren beiden Dackeln und ihrem alten Studienfreund Fletcher. Ein beschauliches Leben – wäre da nicht Mays Hang, unliebsame Menschen aus dem Verkehr zu ziehen. Wer die Gemeinschaft stört, wird kurzerhand eliminiert. Als ein junges Mädchen aus dem Dorf verschwindet, ist ihr krimineller Ehrgeiz geweckt: Endlich scheint May einen würdigen Gegner gefunden zu haben. Wer steckt hinter der Entführung? Gab es weitere Fälle? Und kann sie den Täter noch vor der Polizei zur Strecke bringen ..?

„May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist der erste Teil der im Original derzeit zweibändigen Buchreihe um die pensionierte Bibliothekarin May, der auch 2021 für den Yeovil Literary Prize in der Kategorie „Roman“ nominiert wurde. Dabei lässt sich das Buch – wie auch auf dem Cover angegeben – dem Genre „Kriminalroman“ zuordnen, die eigentlich sehr übliche Eingruppierung als „Cosy Crime“, wenn man an Landhaus, England und pensionierte Laienermittlerinnen denkt, scheidet hier sehr offensichtlich aus.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und sogar actiongeladen, auch wenn bei den „Gewaltszenen“ teils ausgeblendet wird. Auch schafft Katherine Black es, gelegentlich die Leser:innen durch unerwartete Wendungen in die Irre zu führen, die letztliche Auflösung der Verbrechen überrascht jedoch nicht. Zudem irritiert der Versuch des Buches, Sympathien für May zu wecken – hier hätte man doch eine klarere moralische und auch rechtliche Einordnung ihrer Taten vorfinden müssen – ich hoffe, dass dies spätestens im Folgeband nachgeholt wird und auch sie die Konsequenzen davon zu spüren bekommt.

Das Setting ist natürlich sehr gelungen, entführt die Autorin doch die Leser:innen vor die Tore von London in ein kleinstädtisches, ländliches Idyll mit Buchhandlung, Metzger und Gemeindeveranstaltungen. Dabei mischt Katherine Black diverse Themen wie Langeweile im Alter und Queerfeindlichkeit mit der Krimihandlung zu einem spannenden Konglomerat, das gleichzeitig auch als etwas überzeichnetes Porträt von Großbritannien dienen kann.

Die einzelnen Figuren sind dabei größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Nebencharaktere wie Danny Fox, Suzy und Chloe, während May teils – offensichtlich – nicht nachvollziehbar handelt. Katherine Blacks Schreibstil lässt sich hierbei flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist mit farbigen – allerdings eintönigen – Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist durchaus ansprechend und passt zur Handlung, die Farbgebung wird auf der sonst eher unspektakulären Coverrückseite und dem Buchrücken wieder aufgegriffen. Abzuwarten bleibt, ob mit einem etwaigen Folgeband hier ein einheitlicher Reihengesamteindruck entstehen kann oder das Cover dafür doch zu individuell gestaltet ist.

Mein Fazit? „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe um die titelgebende May, der vor allem mit Spannung und einem tollen Setting überzeugt, gleichzeitig aber in der Hauptprotagonistin durchaus problematisch ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

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