[Buchgedanken] Davide Morosinotto: „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“

Vor kurzem habe ich auch „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ von Davide Morosinotto gelesen. Das Buch ist 2025 bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH veröffentlicht worden, eine italienische Originalausgabe war nicht auffindbar. Das Buch ist dabei als historischer Jugendkrimi einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Dr. Cornelia Panzacchi verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nürnberg 1829. Greta hastet durch dunkle Gassen. Sie muss Kaspar Hauser treffen, den mysteriösen Fremden, der allen ein großes Rätsel aufgibt. Wurde er als Kind tatsächlich viele Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten, wie er behauptet? Gemeinsam mit ihrem Vater, dem berühmten Meisterdetektiv Dr. Grimaldi, stößt Greta auf ein immer größeres Dickicht aus Täuschungen und Geheimnissen …

„Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Kinder- und Jugendbuchautoren Davide Morosinotto. Bei dem Buch handelt es sich nach derzeitigen Kenntnissen um einen Einzelband, auch wenn hier durchaus Potential für eine ganze Reihe bestünde. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist zuvorderst ein Jugendroman, der ein historisches Setting besitzt. Zugleich ist es aber auch ein Detektivroman, ein Krimi und ein bisschen auch Märchen und Volkssage, ist das Phänomen Kaspar Hauser doch ein mittlerweile Jahrhunderte altes Mysterium.

Die Handlung ist abwechslungsreich, kurzweilig und spannend und wird aus der Sicht der 14-jährigen Greta Grimaldi erzählt, die mit ihrem Vater die Drohungen gegen Kaspar Hauser untersucht. Das Ende ist hierbei leicht antiklimaktisch, ein Epilog führt jedoch nochmal zu einem Twist, der die Geschichte abrundet. Insgesamt ist die Handlung durchaus altersgerecht, wenn auch eher ab einem Lesealter ähnlich zu Gretas und nicht bereits ab elf Jahren, wie teils empfohlen.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Nürnberg des 19. Jahrhunderts, mitten hinein in eines der größten Rätsel der deutschen Geschichte. Dabei verknüpft Davide Morosinotto das Mysterium Kaspar Hauser mit jugendlichem Coming of Age, spinnt den Kriminalfall weiter und verzahnt diesen sogar mit einer zarten Liebesgeschichte. Unterstützt wird die Erzählung hier von brillanten Illustrationen aus der Feder von formlabor, die großflächig eingebunden sind und das Lesevergnügen nochmals maßgeblich steigern.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben der titelgebenden Greta vor allem die Darstellung von Kaspar Hauser und Dr. Grimaldi, während Martha und Oskar teils nicht nachvollziehbar handeln. Davide Morosinottos Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, gerade auch gemeinsam mit den Illustrationen von formlabor.

Die Buchgestaltung brilliert ebenfalls. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ein tolles Zusammenspiel zwischen Text und Bild. Der Buchumschlag ist mit gold-glänzenden Elementen und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, insgesamt durchaus ein Eyecatcher. Das Cover ist dabei durchaus genretypisch, farblich toll gestaltet und weist Anklänge an die Handlung auf. Unterstützt wird die Handlung hierbei noch durch die tollen Karten von Nürnberg in den Coverinnenseiten, gegebenenfalls hätte man am Ende noch einen Zeitstrahl einfügen können.

Mein Fazit? „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ ist ein faszinierendes Jugendbuch über Kaspar Hauser, das vor allem mit seinem Setting und einer spannenden Protagonistin brilliert und dabei nur kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

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